Hamburg: Besondere Museen in der HafenCity

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Hamburgs HafenCity mit der Speicherstadt ist für mich schon ein großes Freilichtmuseum. Dazu finden sich genau hier auch drei spannende Museen: Taucht ein mit mir in die Welt im Kleinformat, genießt Gewürze und erlebt vor allem eine besondere Zeitreise in die Welt der Prototyp Automobile – ein „must-visit“ für Autoliebhaber!

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Freilufterlebnis HafenCity und Speicherstadt

HafenCity ist der jüngste Stadtteil von Hamburg und befindet sich noch im Aufbau und ständigem Wandel. Waterfrontzonen werden errichtet und bis 2020 sollen hier Wohneinheiten und Arbeitsplätze im großen Stil entstehen. Es ist das größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt in Europa. Für Architekturfreunde ein Eldorado. Ich bin zum Besuch des Prototyp Museums durch den neuen Bereich der HafenCity gefahren und gelaufen. Wirklich sehr beeindruckend. Aber dazu später mehr. Zur HafenCity gehört inzwischen auch Hamburgs Speicherstadt. Hier starten wir mit einem Trip durch die außergewöhnliche Museumsmeile Hamburgs.

Hamburgs Speicherstadt

Hamburgs Speicherstadt wurde ab 1883 nur auf Eichenpfählen errichtet und zählt zum größten Lagerhauskomplex der Welt. Seit 1991 steht die gesamte Region unter Denkmalschutz. Das gesamte Viertel ist durchzogen von sogenannten Fleeten (Kanälen). Je nach Tidestand kann die Speicherstadt auch mit dem Schiff/Barkasse befahren werden und außergewöhnliche Blicke auf die architektonischen Details und Flair genossen werden. Schon allein eine Tour durch die Speicherstadt selbst ist ein Erlebnis und ein „Museumsbesuch“ der besonderen Art.

Hamburgs Speicherstadt

Im Laufe der Zeit wurde die Grenze des Freihafens verlegt und große Teile aus dem ehemaligen Freihafengebiet konnten anders genutzt werden. In vielen Lagerhallen haben sich interessante Museen angesiedelt und Besucherattraktionen entwickelt. Drei besondere Museen habe ich bei meinem letzten Besuch in Hamburg erlebt:

Touristenmagnet „Miniatur Wunderland“

„Laaaaangweilig!“, dachte ich mir, als mein Bruder mit seiner Märklinbahn in der Größe Miniformat H0 damals spielte. Spielen? Wohl nicht der richtige Ausdruck. Da wurde gewerkelt, wurden Platten gebaut, Landschaften kreiert und kleinste Lebewesen darin drapiert. Seine Augen leuchteten, wenn dann der kleine Zug Runden durch seine erschaffene Welt fuhr. Als kleine Schwester fand ich das damals äußerst uninteressant. Dennoch reizte mich bei meinem letzten Hamburg Besuch das Miniatur Wunderlanddie größte Modelleisenbahn der Welt. Ganz klar ein touristisches Urlaubsziel in Hamburgs Speicherstadt. Aber irgendwas muss auch dran sein, wenn so viele Menschen dahin pilgern. Dem galt es auf dem Grund zu gehen.

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Es regnet in Hamburg – und nein, das ist in Hamburg nicht immer so. Ich steige aus dem Bus in der Speicherstadt und stelle mich auf eine lange Warteschlange am späten Nachmittag ein. Erstaunt finde ich keine Besucherschlange vor und kann direkt zum Eingang laufen. Ich gebe meine Jacke bei der Garderobe ab und werde von einem Mitarbeiter, der mit einem fliegenden Luftballon an seiner Gürtelschlaufe ausgestattet ist, freundlich begrüßt. „Damit ich ihn immer finden kann.“, klärt mich sein Kollege auf und wir beobachten gespannt, wie sich Kollege 1 seinen Weg durch die Garderobenständer bahnt und nur der schwebende Luftballon von ihm noch zu sehen ist. Irgendwie haben hier alle Spaß – auch die Mitarbeiter. Das merkt man deutlich. Das Lachen und der Hamburger Humor überträgt sich schnell auf alle Besucher, so wie der gestressten Mama neben mir, die nicht weiß, wen sie zu erst hüten soll: Ihren Mann oder zweijährigen Sohn. Mit einem Lachen starten wir alle unseren Rundgang in die Minitaturwelt.

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Plötzlich geht das Licht aus und ich denke mir noch, dass das wohl jetzt keine so guten Fotos werden. Erst dann begreife ich, dass die Nacht ins Wunderland eingekehrt ist. Überall leuchten Miniaturlichter aus der Welt vor mir – es sei denn die Bewohner sind nicht gerade schlafen gegangen. Nach wenigen Minuten dämmert es und wird wieder Tag. Das Miniaturland erwacht vor mir wieder zum Leben. Die Kunstwerke sind mit einer Reling abgetrennt. Vor mir stehen ein paar weitere Besucher und ich warte geduldig, bis ich selbst in der ersten Reihe stehe und mir das Wunderland aus nächster Nähe anschauen kann. Ich bin beeindruckt. Welch eine Liebe zum Detail! Oft entdecke ich nur durch die Linse meiner Kamera ganz besondere Momente, eingefangen mit dem Humor der Künstler. Wo sonst kann man ungestört Menschen auf der Toilette beobachten?

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Nacktszenen sind nicht mehr erlaubt!“ So lautete eine geschickte PR-Kampagne im letzten Jahr. In Wahrheit können sich die Künstler und Erbauer dies nicht vorstellen. So entdeckt man immer mal wieder versteckt bizarre Szenen. Ich selbst vergesse ganz die Zeit und habe schon längst aufgehört zu zählen, wie viele Fotos ich von welchen Szenen gemacht habe. Je mehr Räume ich betrete und Modellflächen bewundere, um so mehr tauche ich ein in das Wunderland und vergesse die Welt um mich herum. Wie faszinierend doch kleine Bahnen und Landschaften sein können. Meinen Bruder hätten die Ohren klingeln müssen, wie oft ich bei meinem Besuch an ihn und unsere Kindheit gedacht habe.

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Mit 200 qm Modellfläche ist Hamburg die größte und dicht besiedelteste Stadt des Wunderlandes. Rund 50.000 „Einwohner“ zählt sie und auch ich kann mich kaum von den Schönheiten losreißen. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken, je länger ich mein Auge über dargebotene Szenen schweifen lasse. Mit über 270 Arbeitsstunden wurde beispielsweise die Köhlbrandbrücke gebaut. Nicht nur ein Wahrzeichen von Hamburg, hier entdeckt man auch gern einmal Dreiradfahrer auf der Straße.

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Im Wunderland gibt es nichts, was es nicht gibt. Flughafen mit fliegende Maschinen, Fußballstadium über 8000 Autos, über 3500 Häuser und Brücken, weit über 200.000 Figuren und vieles mehr.  Das Miniaturwunderland lebt. 2020 wird ein vorläufiger Endausbau erreicht werden und die Ausstellungsfläche dann von 1.300 auf 2.600 qm angewachsen sein. Wer also schon einmal im Wunderland war, kann immer wieder erneut die Miniaturwelt besuchen. Hier kann man immer wieder Neues entdecken.

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Prototyp – Eine besondere Zeitreise in die Welt der Automobile

Für die einen sind Autos nur Fortbewegungsmittel, für andere sind sie ein Objekt der Begierde, Sehnsucht und Leidenschaft. Ich liebe Automobilmuseen! Ob in Wolfsburg oder Turin – ein Automobilmuseum fasziniert mich. Daher stand für mich bei meinem Hamburgbesuch das Prototyp fest auf dem Programm. Schon beim Eintreten merke ich: „Das Haus hat Stil!“. Ich lasse meinen Koffer im Kassenbereich stehen und schließe meine Tasche ein. Ich darf im Prototyp zwar fotografieren, jedoch nur ohne Blitz. Eine Herausforderung für mich und meine neue Kamera. Mit einem kühlem Getränk im schicken Café Erlkönig lasse ich mich nieder und checke noch einmal die Kameramöglichkeiten.

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Alles ist im Prototyp-Museum in weiß gehalten. Kalt und zu schlicht, könnte man meinen. Für mich hebt das weiß besonders die Exponate hervor – und die haben es in sich. Die Ausstellungsfläche im ersten Obergeschoss ist nicht groß, dennoch bleibe ich vor jedem Exponat entzückt stehen. Schon mal etwas vom „Berlin-Rom-Wagen“ gehört? Für ein Propagandarennen Ende der 30ziger Jahre wurde ein Stromliniencoupès auf der Basis des Volkswagens von Ferdinand Porsche entwickelt.

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Fast sticht er aus den edlen Karosserien hervor. Der Bulli aus dem Jahre 1966 zog von Otto Matthé seine Rennwagen auf dem Anhänger zur Rennstrecke.

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Ich schaue mir interessiert den Schwimmwagen „Typ 166“ von VW und den Cistalia D46, den Rennwagen mit dem Hans Stuck das erste offizielle Nachkriegsrennen gewann, an. Der Weltrekordwagen von Petermax Müller wurde auf der Basis des Käfer-Chassis entwickelt und stellt im Prototyp eine besondere, weitere Rarität dar.

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Seit „Dudu“ haben es mir Käfer besonders angetan. Auch wenn ich Dudu für diesen Trip zu Hause stehen lassen musste, so kann ich im Prototyp im wahren Käfer-Himmel schwelgen. Aus dem Jahr 1947 steht vor mir der „VW Käfer Typ 1“, inkl. Schmetterlingsfenster versteht sich. Auch die Polizei kam nicht zu kurz: Ihr Käfer wurde kurzerhand als Cabrio konzipiert, wie ich aus dem Bodendisplay erfahre. Schnelles Ein- und Aussteigen sollte auf diese Weise gewährleistet werden.

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Historische Miniaturautos runden das Autofeeling perfekt ab. Fast drücke ich mir die Nase platt.

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Neben alten Schätzchen entdecke ich im hinteren Teil neue Wagen. 610 PS bringt der Audi R8R LMP Prototyp auf die Piste.

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Es gibt multimediale Erlebnismöglichkeiten. Auf Kino und Audioboxen verzichte ich aufgrund der nah bevorstehenden Abreise. Doch mit dem Porsche 356 mag ich dann doch kurz noch mal ein Rennen selbst fahren.

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Diese alten Autos zu sehen und die Geschichten rund um das Automobil zu erleben, macht den Museumsbesuch zu einem besonderen Erlebnis. Würde ich noch in Hamburg wohnen,  wäre ich Stammgast. Es finden regelmäßig sehr interessante Sonderausstellungen statt. Einen Rückblick und Ausblick findet Ihr auf der Website. Das Prototyp ist auf jeden Fall ein „must-visit“ für Autoliebhaber!

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Weitere Fotos zu meinem Besuch findet Ihr in unten stehender Fotobox/Slideshow.

 

Von sweet bis hot – Hamburgs Gewürzmuseum

Ganz in der Nähe des Miniatur Wunderlandes befindet sich das Spicy’s Gewürzmuseum. Als Eintrittskarte erhalte ich ein flaches Pfeffergewürzpaket und den Hinweis, dass sie in knapp einer Stunde schließen. „Knappe Planung.“, denke ich mir, stelle aber fest, dass 60 Minuten mehr als ausreichend sind.

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In zweitem Boden einer Speicherhalle findet sich neben einem Verkaufsraum das Museum. Ein leckerer Duft umhüllt mich. Es gibt viel zu Lesen. Als Erlebnismuseum sieht sich das Spicy. Dazu fehlen mir persönlich etwas mehr interaktive Dinge. Dennoch stehen überall Gewürze offen bereit zum Probieren und Schnuppern.

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Ich erfahre Wissenswertes zu Anbaugebieten aus fernen Ländern und Gewürzen zu kulinarischer Kochkunst. Ich laufe vorbei an alten Mahlmaschinen und altertümlichen Geräten, die zur Gewürzherstellung verwendet wurden. „Hamburger mal wieder!“, denke ich mir schmunzelnd, als ich die alte Mühle von Herrn Heed entdecke. Werde aber aufgeklärt, dass das Wort Droge ursprünglich „getrocknete Ware“ bedeutet.

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Leider gibt es viel zu lesen und ich bleibe nicht bei jedem Exponat stehen und lese mir die Geschichten zur Geschichte durch. Vielleicht hätte mich eine Tour mehr begeistert oder ich habe mir als Genussliebhaberin einfach mehr versprochen. Für Gewürzfans und mit mehr Zeit und Leselust sicherlich etwas besonderes.

Informationen kompakt:

Miniatur Wunderland

  • Adresse: Kehrwieder 2, Block D, Hamburg Speicherstadt
  • Die Öffnungszeiten variieren. Sehr positiv finde ich , dass es auch Öffnungszeiten bis in den späten Abend gibt. Am besten schaut Ihr nach Eurem Besuchertag die genauen Öffnungszeiten online nach.
  • Die Preise sind nach Alter, Größe und Gruppengröße unterschiedlich und seht Ihr auf dieser Webseite. Ein normales Erwachsenenticket kostet 13 Euro. Es gibt auch Jahrestickets und es besteht die Möglichkeit einer Onlinereservierung, dass Ihr auf jeden Fall Euren Besuch fest planen könnt und Euch nicht in einer Warteschlange anstellen müsst. Manchmal ist der Andrang sehr groß. Es gibt Ermäßigung mit der Hamburg Card.
  • Garderobe: Jacken und Taschen können am Eingang für einen Euro je Teil abgegeben werden.
  • Das im zweiten Stock befindliche Museum besitzt einen Aufzug und ist auch rollstuhltauglich.
  • Für die Raucher unter uns: Es gibt einen separaten Raucherraum im zweiten Stock beim Gastronomiebereich.
  • Es gibt Backstage-Führungen. Ein Blick hinter die Kulissen dauert circa 60 Minuten. Man sollte dafür körperlich fit bzw. biegsam sein und nicht mehr als 120 kg wiegen, da der Weg hinter dem Wunderland durchaus sehr eng ist.

Prototyp

  • Adresse: Shanghaiallee 7 (Beim Lohseplatz) Hamburg
  • Öffnungszeiten: Montags geschlossen, von Dienstags bis Sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Preise: Erwachsene zahlen 10 Euro, Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren 4,50 Euro. Es gibt Familienermäßigungen und Gruppenführungen.

Spicy’s Gewürzmuseum

  • Adresse: Am Sandtorkai 24, Hamburg Speicherstadt
  • Öffnungszeiten: 10 – 17 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen.
  • Preise: Erwachsene zahlen 5 Euro, Kinder im Alter von 4 – 14 Jahren zahlen 2 Euro. Es gibt einen Euro Ermäßigung mit der Hamburg Card.
  • Ein Besuch ist mit einer Tour buchbar.

Weitere Bilder zu den Ausflugstipps:

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Offenlegung: Mit einer Eintrittskarte zum Miniatur Wunderland und einer Hamburg Card unterstützte mich die Hamburg Marketing GmbH bei diesen Ausflügen. Lieben Dank dafür. Meine Meinung bleibt wie immer die eigene.

 

11 Kommentare

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    • Es folgen in den nächsten Tagen und Wochen noch mehr Hamburgartikel :-) Da ist bestimmt dann auch wieder was für Euch dabei. Beste Grüße, Tanja

  4. Frau JuB

    Vielen Dank für diesen sehr interessanten Blogpost, das Gewürzmuseum würde mich interessieren… aber ganz weit oben steht das Miniaturwunderland für meinen nächsten, äääh, ersten Hamburg Besuch. Ich kann mir vorstellen, dass man dort den ganzen Tag verbringen kann und dann immer noch nicht alles gesehen hat.

    LG Frau JuB

  5. Ich weiß garnicht wieviele Stunden ich schon im Miniaturwunderland verbracht habe, aber wenn man sieht mit welcher Akribie die Macher dort am Werk sind (alle paar Wochen gibt’s wieder einen neuen Beitrag über Bauvortschritte im eigenen YouTube Kanal), kann man nur den Hut ziehen. Da tritt die reine Eisenbahn schon fast in den Hintergrund. Das Automuseum Prototyp war schon häufiger auf einem Plan (ich war anfangs etwas abgeschreckt, weil die Macher dort fürs fotografieren extra Geld wollten, aber das ist zum Glück abgeschafft), jetzt ist es für Juli fest eingeplant. Danke für’s schmackhaft machen ;-).

    LG Michael

  6. Liebe Tanja – toll beschrieben und dann noch die Info über ein Museum, dass wir noch nicht besucht haben….noch nicht einmal wussten, dass es bei uns in HH existiert – Prototyp…..tja, nun müssen wir nur noch einen Termin finden, dort aufzuschlagen ;-)

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