Brotbacken wie zu Omas Zeiten – Wo man bergische Tradition hautnah erleben kann

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Wir fahren die Auffahrt zu Gut Hungenbach hoch und mich umgibt ein Ambiente wie zu Omas und Uromas Zeiten. Überall stehen alte Fachwerkhäuser. Idyllisch grasen ein paar Schafe am Wegesrand. Gut Hungenbach besteht aus sechs Häusern, die vorher teilweise an anderen Orten gestanden haben. Es ist ein kleines, privates Freilichtmuseum entstanden. Die Gebäude sind aus dem 17. und 18. Jahrhundert und bringen viel Geschichte an diesem Ort mit.

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Inmitten dieses Fachwerkensembles steht auffällig ein kleines Häuschen. Wie im Bergischen Land üblich mit grünen Fensterläden, sieht es sehr gemütlich und einladend aus, doch auch etwas klein, um darin zu wohnen. „Das ist ein Backes.“, erfahre ich von Marcel Vlach, dem Geschäftsführer von Gut Hungenbach. „Hier wurde zu Omas Zeiten Brot gebacken.“ Nach alter bergischer Tradition geschah das damals in gemeinschaftlichen Backhäusern. Um Holz zu sparen wurden Backhäuser errichtet, in denen ganze Dörfer ihren gemeinsamen Brotbackofen erhielten. Außerdem konnten so Brände reduziert werden. Unsere Omis bereiteten zumeist Ihre Teige zu Hause zu und schleppten die fertigen Brotteige als Brotlaib geformt auf sogenannten Backesbrettern zum Brotbackhaus.

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Ich betrete das kleine Häuschen und stehe sogleich in der Backstube unweit des Ofens. Es gibt nur zwei kleine Zimmer. Im Nachbarraum lächelt mir ein Mann mit karierter Bäckerhose und weißem Polohemd entgegen. Mario Fritzen ist Bäcker und ihm gehört die Kürtener Landbäckerei. Ich darf also heute mit einem echten Profi Brotbacken! Ob er weiß, worauf er sich da einlässt? Schließlich können wir Frauen neben kneten, backen, fotografieren auch noch zuhören und unendlich viele Fragen stellen ;-)
Mario ist aber ganz die Ruhe selbst. Wir gehen wieder in den Ofenraum und er erklärt mir die Funktionsweise des Holzofen. Lediglich sechs Holzbacköfen gibt es noch im Bergischen Land, wobei die meisten im Museum stehen. Dieser Backes ist eine Seltenheit und es ist ein Privileg mit diesem Ofen einmal selbst eigenes Brot zu backen.

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Im Nachbarraum wird die alte Teigtruhe geöffnet und eine antike Waage heraus geholt. Als Thermomix-Technikliebhaberin bin ich ganz verzückt von diesem historischen Retrostück. Als ich höre, dass dieses Utensil aber aus seiner Ausbildung und nicht von seiner Uroma stammt, lächle ich lieb und hoffe, dass der Bäckermeister mir das nicht allzu übel nimmt.

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Als Hobbybäckerin finde ich es sehr spannend, was es zum traditionellen Brotbacken alles zu berichten gibt. Während ich Mario Löcher in den Bauch frage, rollt und knetet er geschickt mit beiden Händen den Teig zu Brotlaiben – so ganz nebenbei. Ich muss dagegen volle Konzentration und Handkoordination aufbringen, um überhaupt runde Ballen aus dem Teig ansatzweise formen zu können. Nützt ja nichts, um eine vernünftige Verschlusskante hin zu bekommen, steige ich doch lieber wieder auf „Einhandmodus“ um. Es ist halt noch nie ein Meister vom Himmel gefallen…

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Während der Ofen befeuert wird und wir um die Wette kneten, erfahre ich von Mario viel Wissenswertes rund um das Handwerk Bäcker und über die Tradition des Brotbackens. Früher hat man nie frisches Brot gegessen, weiß Mario zu berichten. Brot reift nach. Es wird altbacken. Die Krume wird fester und damit auch besser zu verdauen. Als Genussmensch kann ich mir das heute gar nicht so recht vorstellen, liebe ich doch frisches, am besten noch ganz warmes Brot aus dem Ofen. „Man wird durch altbackenes Brot auch schneller satt.“, erklärt mir Mario. Zu Großmutters Zeiten ein nicht ganz unerheblicher Faktor.

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40 bis 50 Holzscheite werden benötigt, um diesen Ofen anzuheizen. Bis zu 60 Brote können mit einer Befeuerung gebacken werden. Der Bäcker aus Leidenschaft schiebt fachmännisch das heiße Holz im Ofen zur Seite. Für ein paar Fotos lässt er mir noch die glühenden Scheite im Ofen. Backwaren würden allerdings bei dieser hohen Hitze ansonsten verglühen, erklärt mir der Meister. Was am meisten Hitze vertragen kann, wird als erstes in den Ofen auf die Steinplatten geschoben. Süße Speisen werden erst anschließend, wenn weniger Hitze vorhanden ist, gebacken.
Nach getaner Arbeit frage ich ungeduldig wie ein Kind, wann die Brote fertig wären. Lächelnd bekomme ich zu hören: „Isch hab dat schon im Jefühl.“ Dieses Gefühl dauert so circa 30 Minuten, manchmal auch nur 25. Im Holzofen sind keine Temperaturen einstellbar. 300 Grad Hitze herrschen hier und je nach Witterung und Feuchtigkeit kann das Brotbacken unterschiedlich lange dauern.

Wenn Ihr auch mal auf Gut Hungenbach Brot backen wollt

An manchen Freitagen wird im Backes ab 17 Uhr Brot gebacken. Genaue Termine findet Ihr immer aktuell auf der Internetseite von Gut Hungenbach. Wie in seiner eigenen Bäckerei backt Mario Fritzen vorwiegend mit regionalen Zutaten und nach alten Rezepturen. Man kann der traditionellen Bäckerei beim alten Holzofen zuschauen und dazu gemütlich auf Gut Hungenbach einkehren. Selbstverständlich kann man die Brote als Zuschauer für 2,50 das Stück auch kaufen. Wer selbst aktiv mitbacken möchte, sollte sich vorher anmelden. Es gibt besondere Events, wie Backkurse mit Kindern oder in der Weihnachtszeit nach überlieferten Rezepten Spekulatius backen.

Wenn Ihr zum Brotbacken noch mehr genießen wollt

Neben dem Brotbackerlebnis hat Gut Hungenbach noch mehr im Programm: Es gibt Wandertouren zu umliegenden Mühlenwegen oder zum Bergischen Panoramasteig. Im hauseigenen Wellnessbereich kann man entspannen. Das Restaurant bietet eine schöne Terrasse mit Blick auf das heimische Freilichtmuseum. Innen sind historische Räume liebevoll und gemütlich eingerichtet. Dazu gibt es bergische Küche mit mitteleuropäischen Akzenten. Wer gleich über Nacht bleiben möchte, schläft in Nostalgiezimmern.

Weitere Impressionen zu meinem traditionellen Backerlebnis und Gut Hungenbach:

 

Offenlegung: Meine Reise ins Bergische Land wurde unterstützt vom Tourismus NRW e.V. und der Naturarena Bergisches Land GmbH. Ganz herzlichen Dank für das schöne Backerlebnis – besonders auch an den Bäcker Mario Fritzen und Gut Hungenbach. – Meine Meinung bleibt wie immer die eigene.
Wenn Ihr mehr zu Ausflugszielen und Genuss in NRW erfahren wollt, folgt im Socialweb dem Hashtag #DeinNRW.

 

5 Kommentare

  1. Pingback: Lust auf Genuss? 8 Kulinarik-Tipps für das Bergische Land - vielweib on tour

  2. Ich will!!! Backen ! Ich liebe wie du auch frisches Brot und muss da hin! Werd mir gleich mal die Termine anschauen ;)

    • Am besten eine Mail schicken und nachfragen, wann man aktiv mitbacken kann. Und gleich danach/davor das Ambiente des Hofs genießen :-)

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