Was vor der Reise wirklich WICHTIG ist

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Intensive Reisevorbereitungen? Bisher war das nichts für mich. Mit Hingabe durchstöberte ich das Internet und wälzte Bücher zu gewünschten Reisezielen und Ausflugsmöglichkeiten. Kurz vor Abreise mehr oder weniger schnell den Koffer gepackt und dann ging es ab in den Flieger oder ins Auto. Unbeschwert. Unbedarft. Was sollte auch schon passieren?

Wenn plötzlich die Welt stehen bleibt

Nennt mich naiv oder dumm oder ignorant – ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, dass auf Reisen etwas passieren könnte. Ich lebte mit der Einstellung, es kann überall etwas passieren und verdrängte das Risiko eines Unfalls oder einer Erkrankung auf Reisen. Urlaube sind Auszeit und Erholung, allenfalls höchstens „positive Abenteuer“. Alles andere habe ich verdrängt. Meine größte „Reisesorge“ war bisher ein verlorener Koffer! Wie banal dieses Reiseerlebnis aus heutiger Sicht ist. Denn es kann ganz anders kommen, als man denkt…
Ein Anruf aus Kroatien veränderte alles. Mitten in Berlin stand ich, als ich die schlimme Nachricht erhielt, dass mein Bruder lebensgefährlich verletzt dort ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Welt blieb stehen. Panik. Angst. Hilflosigkeit. Während um mich herum Berlin lebte und lachte, stand ich fassungslos und gelähmt da.
Mein Bruder, mein heiß geliebter großer Bruder! Mein Bruder, den ich als Kind immer heiraten und nie her geben wollte… (meine Schwägerin wird es mir nachsehen). Mein Bruder, den nichts erschüttern kann, der immer für mich da war…  Der, der immer die kraftvolle Seite in meinem Leben war, mein Fels in der (Lebens)Brandung.  Mein Bruder, der immer so stark war… ihn hat es im Urlaub schlimm erwischt!
Aktuell ist der Zustand meines Bruders kritisch, aber er ist erst einmal über den Berg. Die Genesung wird noch ein sehr langer Weg… Jedes Daumendrücken können wir gebrauchen!
Die Gewissheit: Es kann jeden treffen und leider viel schneller und unerwarteter als man denkt. Keinem sollte so etwas Schlimmes passieren. Aber: Vorsorgemaßnahmen sollten zu jeder Reisevorbereitung gehören.

Die Sache mit dem Rücktransport

Wenn man sich wie ich nie ernsthaft mit Krankheiten auf Reisen auseinander gesetzt hat, kommen zu der Angst und Sorge gleichzeitig noch viele Fragezeichen und Ungewissheiten. In einem fremden Land, deren Sprache man nicht spricht, dann nur mit verhaltenem Englisch etwas klären zu können, ist in einer Notfallsituation doppelt schlimm.
Ich hatte irgendwann meine ADAC-Mitgliedschaft gekündigt und nicht einen Hauch darüber nachgedacht, dass damit auch meine Auslandskrankenversicherung erlischt. Ich habe sie nun erneut beantragt. Das ist kein Werbepost für den ADAC. Es gibt sicherlich auch andere gute Reiseversicherungen. Aber für die Hilfe, die mein Bruder durch sie erfahren hat, kann ich den ADAC empfehlen:

  • Rücktransport via Flugzeug mit einer fliegenden Intensivstation (inkl. Kostenübernahme)
  • Dolmetscherservice mit den Ärzten – Deutsche Ärzte setzen sich mit den behandelnden Ärzten vor Ort auseinander und informieren auf Wunsch zusätzlich und organisieren alles weitere für einen Rücktransport.
  • Austausch zwischen heimischen Ärzten in Deutschland und den Ärzten vor Ort: Der ADAC hat meine Schwägerin vor Ort immer über den neusten Stand informiert. Neben den täglichen Austausch mit den behandelnden Ärzten in Kroatien, rief alle paar Tage der ADAC an und gab helfende Informationen vom „Ärzteaustausch“.
  • Stationäre Krankenhausversorgung als Privatpatient – Die Ärzte haben im Fall meines Bruders alles Erdenkliche getan, um ihm zu helfen. Ich denke, da war es egal, ob Privatpatient oder nicht. Aber je nach Krankheit und Reiseland kann vielleicht auch das auf Reisen helfen.
  • Beratung – ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn man nicht weiß, wo einem vor Sorge der Kopf steht. Welche Schritte sind zu tun? Wie kommt beispielsweise die ganze Familie nach Hause? Auch hier sind viele Leistungen für Betroffene und Angehörige in der ADAC-Auslandskrankenversicherung inkludiert. All das nimmt Sorgen, wenn man um einen lieben Menschen bangt und schlagartig in einer Notlage mit der ganzen Familie steckt. Im konkreten Fall meines Bruders hieß das, dass ich Flüge für meine Neffen und Schwägerin nach Hause organisierte, der Wagen samt Gepäck jedoch zum Glück mit einem Fahrer vom ADAC nach Hause gefahren wird. Nach Wochen der Stresssituation bin ich schon froh, dass sie nicht die vielen Kilometer auch noch nach Hause fahren mussten.

Der ADAC Ambulanzdienst kümmerte sich im letzten Jahr weltweit um fast 52.000 erkrankte Reisende, Mehr als 4500 Urlauber wurden 2014 als Patient mit den gelben Engeln wieder mit dem Flugzeug nach Hause geholt. Leider ist die Tendenz steigend. Es müssen nicht immer die fernen Länder sein, die im Notfall den Betroffenen und Angehörigen vor Sorge und Probleme stellen. Ich für meinen Teil werde mich künftig auch bei meinen Nahreisezielen besser aufstellen.

Banalitäten, die helfen!

Als ich noch nicht so oft auf Reisen war, habe ich mir damals immer pingelig alle Nummern für einen Notfall aufgeschrieben. Seit Smartphonezeiten habe ich das auch nicht mehr gemacht. Für einen Notfall hat man ja alles dabei, wenn man Informationen braucht. Aber was ist, wenn man kein Netz hat? Was ist, wenn man keine Zeit hat, die Notfallnummer des jeweiligen Landes zu suchen? Was ist, wenn man nur 0800-Nummern findet, die nur aus Deutschland anrufbar sind? (Die Barmer beispielsweise publiziert nur eine 0800-Nummer, die im Ausland nicht anwählbar ist. Inzwischen habe ich heraus gefunden, dass mit 0201-89281690 auch vom Ausland dort jemand erreicht werden kann.)

All diese Informationen vor der Reise kurz zusammenzutragen, helfen in der Not:

    • Notrufnummer des jeweiligen Landes
    • Krankenversichertennummer, natürlich auch die Karte dabei haben
    • Zusatzauslandskrankenversicherungsnummer
    • Personalausweis- beziehungsweise Reisepassnummer
    • Blutgruppe
    • Kontaktdaten des Hausarztes
    • Notfallrufnummer der Krankenkasse (und da reicht eine 0800-Nummer nun mal nicht)
    • Kontaktdaten der Angehörige und Personen, die sofort benachrichtigt werden sollen
    • Adresse und Telefonnummer der nächstgelegenen Deutschen Botschaft am Urlaubsort (Auch hier hat man uns eine Kontaktaufnahme empfohlen, die konnten aber in unserem Fall nichts damit anfangen. Aber je nach Ort vielleicht doch hilfreich)
    • Name, Ort und Telefonnummer der Urlaubsunterbringung
    • Heimatadresse

Kleiner Zusatzhelfer: Nützliche App

Vom Deutschen Rotem Kreuz gibt es eine Erste Hilfe App, die mir Micha von Fehrnetzt.de mal empfohlen hatte und für nur unter 1 Euro gut gefällt. Es gibt wichtige Tipps zur Notfallhilfe und einen Assistenten, der hilft, die richtige Notfallnummer nach Standort selbstständig zu wählen. Darüber hinaus ist ein Leitfaden der 5-Ws hinterlegt (Wo ist der Notfall Was ist geschehen? Welche Verletzungen? usw). Zusätzlich gibt es viele Informationen zum vorherigen Anlesen, wie Leben in Notfallsituationen gerettet werden kann und Hilfestellung zum Verhalten.
iOS-Link
Andorid-Link

Mit meinem Bruder muss es jetzt einfach weiter positiv nach Vorne gehen! Euch allzeit tolle Reisen und viele schöne Erlebnisse fern der Heimat. Kommt vor allem immer wieder gesund nach Hause – und für die nächste Reise vielleicht mit diesem Artikel den ein oder anderen Hinweis mehr im Gepäck.

Dem ADAC von dieser Stelle meinen tiefen, herzlichen Dank für die Hilfe und Unterstützung an das ganze Team!!!

Nachtrag: Wenn jemand noch mehr hilfreiche Tipps für die wichtigen Reisevorbereitungen hat: Bitte her damit, ich ergänze gern jeden weiteren Hinweis. Danke Euch!

  • Die wichtigsten Worte für einen Notfall in der Landessprache vorher googeln und aufschreiben.
  • Erste-Hilfe-Kurs wieder auffrischen
  • Jemand Zugang zum Versicherungsordner zu Hause ermöglichen, um im Ernstfall nachschlagen zu können und von zu Hause etwas regeln zu können.
  • Impfpass und Impfbuch rechtzeitig einsehen und mitnehmen.
  • Patientenverfügung!!! (Auch das war Dank Menschlichkeit in einigen behördlichen Dingen – die man nun mal erledigen muss  – problemlos. Aber auf jeden Fall eine sehr wichtige Sache! Weiterer Tipp dazu: Am besten diese Patientenverfügung mit dem Hausarzt ausfüllen. Er kann mit Rat und Tat zur Seite stehen, was man im Not- und Ernstfall wirklich genau möchte und was nicht…)

 

31 Kommentare

  1. Pingback: Liebster Award Nominierung für Raus ins Leben

  2. Pingback: Warum die Auslandskrankenversicherung so wichtig ist!

  3. Hallo Tanja,

    erst mal die besten Wünsche für Deinen Bruder.

    Sie wird ja oft belächelt – aber ich kann nur zu einer Reiserücktritt und -abbruchversicherung raten. Die Versicherung übernimmt, wenn etwas auf der Reise passiert, die zusätzlichen Rückreisekosten, die durch eine vorzeitige oder verspätete Rückreise aufgrund von Krankheit, Todesfall usw. der Reisenden oder der in Deutschland verbliebenen Familienangehörigen entstehen.

    Viele Grüße

    Daniela

  4. Edda Janßen

    Liebe Tanja.
    Ich wünsche Ihrem Bruder und der Familie alles, alles Gute und Ihnen und Ihrem Vater viel Kraft, die schwere Zeit zu ertragen.
    LG Edda Janßen

  5. Liebe Tanja,
    ein sehr wichtiger Beitrag! Ich wünsche dir und deinem Bruder alles Gute und drücke fest die Daumen, dass er schnell wieder gesund wird.
    LG
    Renate

  6. Ich drücke deinem Bruder alle Daumen für eine gute Genesung!! Danke für die gute Zusammenstellung. Wichtig finde ich noch, dass daheim jemand weiß, wo der Versicherungsordner steht, um im Ernstfall nachschlagen zu können und von zu Hause etwas regeln zu können. Das mache ich seit Jahren mit meinen Eltern gegenseitig so, gibt ein sicheres Gefühl. Ich wünsch dir und deiner Familie viel Kraft!

  7. hi Tanja,

    ich würde Deine Liste noch ergänzen :
    Impfbuch oder Impfpass

    seit meinen SüdOstAsien Trips habe ich a. den Impfschutz überprüfen und auffrischen lassen und b. alle meine Kompletten Impfungen zusammengestellt in einer Liste (App Impfpass und als pdf) dabei.

    wir drücken weiterhin die Daumen für Deinen Bruder,
    Jürgen und Janin

  8. Liebe Tanja,

    das meine Gedanken bei Euch sind und ich Euch Kraft und Stärke wünsche, brauch ich eigentlich nicht zu erwähnen.

    Ein sehr hilfreicher und praktischer Artikel. Vielen Dank dafür.

    Ich kann das nur bestätigen. Auch ich bin auch schon seit 30 Jahren ADAC Mitglied. Und seit ich mit Mitte 20 meine erste Auslandsreise gemacht habe, habe ich auch die Auslandskrankenversicherung. Es gibt sicherlich einige Angebote, die deutlich preiswerter sind. Aber auch ich habe bisher nur Gutes vom ADAC gehört und vertraue dem großen Apparat, der dahinter steht.

    Liebe Grüße
    Heike

  9. Ohweia, du warst echt ohne auslandskrankenversicherung unterwegs? O.O Puh, das ist aber wirklich ne krasse Nummer meine Liebe, ich hab gedacht, dass mit dem Rücktransport (wichtig: auf eigenen Wunsch ODER auf Wunsch des Artes DEINES Vertrauens! sonst wird nämlcih gesagt, das sei nicht erforderlich) ist bekannt.
    Ich habe jetzt eine, die komplett übers Jahr läuft von Hanse Merkur für, ich glaube, 53 Auslandstage im Jahr. Ich schreibe das hier, weil Hanse überall positive Bewertungen bekommt und günstig ist, ich musste sie zum Glück noch nicht nutzen.
    Gut jedenfalls, dass Du sie jetzt hast und ich wünsche Euch und vor allem Deinem Bruder alles, alles Gute!
    LG /inka

    • Ja, weil es mir nicht bewusst war. Hab es leichtsinniger Weise ignoriert.
      Danke auch für Deinen Tipp und Hinweis zu den Auslandstagen.

  10. Dein Beitrag ist sehr hilfreich und sensibilisiert mich für meine nächste Reise. Dir und Deiner Familie wünsche ich sehr viel Kraft und deinem Bruder gute Genesung

  11. Ich war auch immer so, hatte nie was dabei und es ist auch nie was passiert. Seit ich tauche hab ich eine Tauchversicherung und damit auch automatisch eine Auslandskrankenversicherung.

    Die Bruderhilfe bietet dem Papier nach die gleiche Leistung wie der ADAC. Für weniger als die Hälfte des Preises. Ich kenne mehrere, die hier versichert sind. Allerdings kann ich zum Glück noch nicht vom Ernstfall berichten.

  12. Alles Gute für deinen Bruder, liebe Tanja. Und Stärke für alle!
    Ja, eine gute Versicherung für Krankheits- und andere Unfälle im Ausland ist wirklich wichtig. Viele gute ergänzende Tipps hier! Liebe Grüße, Jutta

  13. Hallo Tanja,

    alles Gute für deinen Bruder.

    Einen reguläre ADAC-Mitgliedschaft hab ich seitdem ich ein eigenes Auto hab, seitdem der Lieblingsmann und ich gemeinsam verreisen auch eine Auslandskrankenversicherung und eine Reiserücktrittsversicherung (die kosten ja heutzutage nicht wirklich viel)

    Zu der EH-App:
    Ich bin da ja eher dafür, dass die Menschen regelmäßig an einem Erste-Hilfe Kurs teilnehmen. Und das liegt nicht an meiner ehrenamtlichen Arbeit beim DRK und der Tatsache, dass der Lieblingsmann im KH arbeitet… Ich seh, das immer wieder, dass die Leute teilweise so unsicher sind,…die regelmäßige Auffrischung würde ihnen viel mehr bringen…

    Was bringt mir die beste App, wenn mein Akku leer ist, ich mein Handy verloren hab oder es geklaut wurde,…

    LG Frau JuB

    • Da hast Du auch recht. Ich sehe die App nur als Zusatz. Einen Erste-Hilfe-Kurs hab ich auch wieder aufgefrischt und war erstaunt, wie viel ich vergessen habe. Das ist jetzt auch schon wieder 2 Jahre her. Danke für den Hinweis, auch das sollte ich mal wieder machen.

  14. Liebe Tanja, ein sehr hilfreicher Beitrag – ich kenn auch andere Fälle, die sehr unkompliziert vom ADAC nach Hause gebracht wurden, und selbst ich – ohne Auto, gönn mir die normale ADAC Mitgliedschaft, die schon einige dieser Serviceleistungen anbietet. Für alles andere hab ich bei der Central meine Zusatzkrankenversicherung, die auch eine Auslandskrankenversicherung ist, und die Kosten im Fall der Fälle hoffentlich übernimmt. Auch das Thema Reiserücktritt, falls daheim was passiert ist wichtig. Da hat der ADAC auch was.

    Was ich übrigens ganz gut finde, ist die tatsache, das man die Versicherung dort quasi sogar einen Tag vorm Abflug abschließen kann. Der Schutz ist auch schon vor der Zahlung gültig.

    Eurer ganzen Familie wünsche ich sehr viel Kraft und deinem Bruder gute Besserung – ich wüsste nicht wie ich reagieren würden, wenn meine beiden Brüder was haben würden.

  15. Liebe Tanja,

    auch von mir die besten Genesungswünsche für deinen Bruder.

    Ja, es ist sehr wichtig, dass es solche Möglichkeiten überhaupt gibt. Gut, dass in eurem Fall der ADAC geholfen hat. Wir mussten damals auf eigene Kosten in die Türkei fliegen, um meinem Vater beizustehen, der dort einen Schlaganfall erlitten hat.

    Vlg Annett

    • Danke für Deine Genesungswünsche. Mein Bruder wird jetzt einen sehr langen Weg vor sich haben. Aber wir sind so froh, dass er jetzt wieder in Deutschland ist. Wir glauben an ihn, er muss es einfach schaffen und wir stehen ihm alle bei.

  16. Liebe Tanja,

    alles Gute für Deinen Bruder und dass er bald wieder auf den Beinen ist! Jetzt weiss ich wieder, warum ich nicht aus den ADAC austrete.

    Viele Grüße
    Martina

  17. Charly1969

    Liebe Tanja.
    Alles Gute für Ihren Bruder und seiner Familie.. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass alles wieder gut wird.
    Lg vom Niederrhein… Charly
    Ps. Wieder ein guter Artikel

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