Experiment gescheitert: Warum ich das erste und das letzte Mal Fernbus gefahren bin

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„Ich bin zu alt für diesen Mist!“, quengelt meine innere Stimme wie ein Mantra. Ich stehe mitten auf dem Hamburger Busbahnhof. Um mich herum drängen sich Menschen mit Koffern, bahnen sich Wege zwischen vielen wartenden Reisenden. Busse starten ihre Motoren, fahren aus den Haltebuchten, neue Busse rücken vor. Orientierungslos bleibe ich im Trubel stehen und versuche, meinen Bus zu erspähen. Displays über den Parklaschen geben Auskunft zur nächsten Abfahrt. Eine Gesamtübersicht finde ich zunächst nicht. Keine Durchsagen wie sonst auf Bahnhöfen weisen mir den Weg. Das Gewusel um mich herum geht rege weiter. Ich fühle mich ein bisschen wie „Lost am ZOB“.

Kost nix is nix?

Den Altersdurchschnitt hebe ich deutlich an, was mich innerlich wieder erneut quengeln lässt. Was hab ich mir nur dabei gedacht? Dabei startete mein Experiment Fernbus so einfach und umkompliziert. Nach einem Jobtermin in Hamburg wollte ich ein Wochenende in Bremen verbringen. Janett brachte mich auf die Idee, den Fernbus zu probieren. Bahnfahren ist nicht so meins und auf einer kleinen Strecke den Fernbus zu testen, fand ich ein prima Experiment. Auf postbus.de (ehemalig mit ADAC „an Bord“) fand ich schnell und übersichtlich ein passendes Ticket – mit aktueller Werbeaktion sogar nur für 5 Euro. Vom Buchungsvorgang war ich angenehm überrascht.

Verspätungen sind normal?

Per SMS wurde ich am Nachmittag vom Postbus informiert, dass es einen technischen Defekt gegeben hat und eine Verspätung schnellstmöglich nachgereicht wird. Keine Aussage, ob und wann wir fahren würden. So wirklich aussagekräftig fand ich die Mitteilung nicht. Lediglich ein Hinweis, man würde sich noch einmal melden. Was übrigens nicht geschah. Eine Antwort-SMS konnte ich nicht senden. Die Telefonhotline brach ich nach extrem langer Wartezeit ab. Über Twitter reagiert @postbus_de nicht, ebenfalls auch hier bis heute keine Reaktion. Schließlich erreichte ich mit Ausdauer doch die Hotline, die selbst unwissend war. Ob der Bus fahren würde, konnte die Dame der Hotline mir nicht sagen. Aber sie kümmerte sich, rief zurück, um mir eine Verspätung von zwei Stunden mitzuteilen – vielleicht auch früher. „Stau ist doch am Freitag normal, dass müssen sie schon einkalkulieren.“

Schlauberger werden sich jetzt fragen, warum ich spätestens jetzt nicht auf die Bahn umgeschwenkt bin. Ganz ehrlich: Das frage ich mich jetzt auch, während ich im Dönerladen am ZOB sitze, langsam sich die Gerüche der Pommesbude in meiner Kleidung verewigen und ich immer noch auf den gelben Bus warte. Die Worte „vielleicht auch früher“ motivieren mich, dem Postbus noch eine Chance zu geben. Und fast hätte es ein gutes Ende gegeben…

Am anderen Ende entdecke ich den leuchtend gelben Bus. Beim Näherkommen sehe ich passende Busnummer und Reiseziel. Freudig erregt, dass ich wohl doch pünktlich los komme, steuere ich beherzt mit meinem Gepäck die Haltebucht an. Lächelnd drücke ich dem Gepäckverstauer meinen Koffer entgegen und teile ihm meine Freude mit, dass wohl doch ein Ersatzbus nach Bremen eingesetzt wird. „Nö!“, gabs für mich als Antwort. „Die Anzeige ist nich aktuell. Wir fahren gleich wieder zurück nach Berlin. Und Ersatzbusse haben wa nich.“

Wenn man als 44jährige meint, man müsse auf Reisen unbedingt einen auf Youngster machen, ist man selbst Schuld, denke ich mir. Ich vermisse mein Auto! Ich vermisse sogar die Bahn! Umtausch des Postbus-Tickets wäre problemlos möglich gewesen – bringt mich aber nicht nach Bremen. Ähnlich wie eine Ticketbörse am Flughafen befinden sich am ZOB viele weitere Fernbusfirmen. Optimistisch steuere ich Flix & Co an. Wäre doch gelacht, wenn mein Experiment jetzt scheitert. Dann eben mit einem anderen Bus, spreche ich mir Hoffnung zu. Wäre möglich gewesen – möglich, wenn man nach Tallinn, Riga, Berlin oder sonst wo hin wollte. Nur Bremen war nicht bei der Postbus-Konkurrenz im Angebot.
Ich zücke die Bahn-App und gebe mich geschlagen. Aber auch auf die Bahn ist Verlass: Verspätungen auch hier. Inzwischen lohnt kein Umstieg. Die Bahn, die nach Auskunft der App pünktlich wäre, wäre zum selben Zeitpunkt in Bremen, wie der verspätete Fernbus. 

Mit fast 2,5 Stunden Verspätung sitze ich dann doch im Postbus. Die Luft ist verbraucht. Die Sitze sind von den Vorgängern noch angewärmt. Überall verstreut klemmen Pappbecher in den Laschen der Sitze, hier und da liegt Müll auf dem Boden. Einladend ist das alles nicht. Ich lasse mich auf dem Sitz nieder und bin froh endlich bald in Bremen zu sein.

Mein Fazit

Fernbusse sind eine günstige Alternative zur Bahn. In den Ferien und am Wochenende sollte man mit erheblichen Verspätungen rechnen. Das teilten mir Dauerfahrer und Servicepersonal gleichermaßen mit. Meine Welt des Reisens war es nicht! Die Verspätung, der Busbahnhof, der Service (?) – nicht meine Welt. Ich wollte es ausprobieren und damit reicht es mir auch. Das nächste Mal kann ich mich sogar wieder auf die Bahn freuen ;-) Oder auf Dudu – wie schön ist es doch, mit dem eigenen Auto zu reisen!!

Bist Du schon einmal mit dem Fernbus gefahren? Wie waren Deine Erlebnisse?

20 Kommentare

  1. Pingback: Was mich an Bremen begeistert hat - Reiseblog Vielweib on Tour

  2. Was für eine schlechte Erfahrung ! Ich wohne im Norden von Peru, dort sind Fernbusse die einzige Möglichkeit. Zum Glück funktioniert das hier besser. Essen an Bord, persönlicher Bildschirm (nicht überall) und auch sauber, zumindest am Anfang :) Trotzdem sind Distanzen, die 23 Stunden dauern, eine Qual…

  3. Ich finde es toll, dass Du auch Deine „negativen“ Erlebnisse teilst, man muss ja nicht immer alles schön reden! Für Dich war es natürlich nicht so toll, auf so eine Erfahrung kann man auch gut verzichten, oder?

  4. Oh, Tanja, da hast Du aber zur Zeit echt nicht das Glück gepachtet…
    Ich bin vorletztes Jahr „zwischen den Jahren“ mit MeinFernbus von Dortmund zur Nordsee gefahren. Das war ziemlich entspannt. Mit dem Zug hätte ich zwei mal umsteigen müssen, im Bus könnte ich sitzen bleiben. Ich fand’s gut und würde es wieder tun, wenn ich nicht mit dem Auto fahren möchte.

  5. Hi Tanja,

    Ich habe Fernbusse nur in Malaysia und Thailand ausprobiert.
    Die Busbahnhöfe dort war sehr gut organisiert und die asiatische Gelassenheit hat dazu beigetragen, dass alles easy ging.
    Dort nutzen sehr viele die Busse, da das Eisenbahnwesen ja nur sehr begrenzt vorhanden ist.

    Aber auch ich reise in Deutschland am liebsten mit dem eigenen Auto.

    Beste Grüsse,
    Jürgen

  6. Oh Tanja, da hattest Du echt Pech!

    Ich habe die letzte Zeit 3 Reisen mit Fernbussen von München gemacht, 1x ging es nach Prag mit dem IC Bus und 2x mit dem MeinFernbus bzw. Flixbus nach Nürnberg. Die Busse waren pünktlich und sauber. Ein Busfahrer war echt super witzig und hat viel erzählt. Die Preis-Leistung war echt fair! Ich würde jederzeit wieder Fernbus fahren.

    Einen weiteren Bericht über Fernbusse findet ihr hier: http://www.underwaygs.de/ratgeber/Fernbusse_guenstig_immer_mehr_Ziele/index.html

    Viele Grüße
    Mathias – underwaygs.com

  7. Selten so einen Schwachsinn gelesen. Diese Art von Erfahrungen habe ich bislang nur bei der DB erlebt.

    Dass es an den den ZOB’s in Deutschland häufig chaotisch zugeht liegt nicht an den Busunternehmen, sondern an den Städten, die wenig für Ausbau und Renovierung tun.

    Ach ja, bin über 60 und stelle fest, dass längst nicht mehr nur junge Leute im Fernbus unterwegs sind.

    • Jeder macht halt seine persönlichen Erfahrung. Meine war, dass der überwiegende Teil der Reisenden deutlich unter 44 war. Ach ja und Du hast recht: Ich hätte auch gern nicht so eine „Schwachsinns“-Reise erlebt ;-)

  8. Klaus Hust

    Scheint mir, dass Du sehr großes Pech hattest. Ich fahre häufig Bus. Ausgerechnet in Hamburg sind Busse recht pünktlich, weil dort häufig gestartet wird. Postbus ist auch noch qualitativ sehr hochwertig. Dass Meinfernbus Flixbus grad nicht nach Bremen gefahren ist, ist wirklich selten. Die fahren überall hin und oft. Sind die größten. Am Hamburger Zob war ich 2 x. Die haben Infotafeln usw.

    Ich habe BahnCard, fahre aber eigentlich nur noch Fernbus. Städtereisen, Sportveranstaltungen, Kurzurlaub usw. Bin fast jedes Wochenende unterwegs.

    • Interessant. Meine Erfahrung war auch nur 1 Versuch. Allerdings berichtete mir das Servicepersonal und ein Dauerbusreisender das sei für HH Freitag Abend normal. Wie auch immer, meine Art zu reisen wird es nicht ;-)
      Die Anzeigentafel hab ich nachher auch gefunden. Für Neulinge wie mich in der Menschenmasse wären Hinweisschilder zu Beginn hilfreich.

  9. Probiert habe ich eine Reise mit dem Fernbus noch nicht und in Anbetracht der längeren Reisezeiten (z.B. nach HH oder B geht z.T. ein ganzer Reisetag dabei drauf) hatte ich das auch nicht vor. Aber es ergibt sich ja fast von selbst, wenn man bedenkt, daß der Bus (auf der Fernstrecke) immer wieder runter muß von der Autobahn, um in die Innenstädte und zu den Haltepunkten i.d.R. an den Hauptbahnhöfen zu fahren. Erst richtig heikel wird’s wenn man auch noch umsteigen muß und der Anschluß nicht paßt. Wer hingegen wenig Geld zur Verfügung hat, für den ist es sicher eine tolle Alternative. Außerdem läuft ja auch bei der Bahn nicht immer alles rund. Nebenbei, auch die Fahrer dieser Busse haben es nicht immer leicht. Ein TV Bericht vor ein paar Wochen zeigte, daß a) die Fahrzeiten am Steuer nicht überschritten werden dürfen b) die Bezahlung kaum über dem Mindestlohn liegt und c) die Busse häufig von den Fahrern selbst innen und außen gereinigt werden müssen, das aber nicht als Fahrzeit angerechnet wird (er „fährt“ ja nicht) und so die Mindestruhezeiten u.U. unterschritten werden.

    LG MIchael

    • Die Busfahrer, die mir in der Dönerbude pausierten und auch „mein“ Busfahrer wirkten auch sehr gestresst. Den Job möchte ich auch nicht haben.

  10. Danke Dir für Deinen Erfahrungsbericht! In der Türkei habe ich mit den Überlandbussen ausgezeichnete Erfahrungen gemacht und immer gehofft, dass es so etwas hier auch mal gibt. Aber das muss ich jetzt nicht mehr probieren, zu Mal ich noch ein paar Jährchen älter bin :-) LG Sabine

  11. Liebe Tanja,

    wie schön, dass Du das alles ausprobierst … ;-) … eigentlich hören sich die Busangebote ja sehr gut an. Ich stelle mir immer vor, dass Stau ist und man dann eben im Bus sitzt und nicht einfach an der nächsten Tankstelle oder Ausfahrt rausfahren kann, um Pause zu mache … gut, das mache ich im Stau natürlich auch nicht, aber ich könnte, wenn ich wollte … ;-)

    Schönen Sonntag
    Martina

  12. Hallo Tanja,

    bisher konnte ich mich noch nicht überwinden. Die Strecken, die mich interessieren dauern mir einfach zu lange. Koblenz – Hamburg mit dem Zug knapp 5 Stunden, mit dem Bus über 9 Stunden (ohne Staus).

    Liebe Grüße
    Renate

  13. Das mit den Verspätungen ist allerdings ein Problem. Einen unsauberen Bus hab ich währenddessen noch nie erlebt. Eher die unzureichende Auskunft auf den Abfahrtbusbahnhöfen, da ist das bei Bahn und Co besser organisiert. Mal schauen ob sich da in Zukunft eine Besserung ergibt. Es tut mir jedoch sehr leid, das du so eine scheiss erfahrung machen musstest.

    • Liebelein, dennoch danke für Deinen Tipp ;-) War ja meine Entscheidung. Wie heißt es noch? Geht man auf Reisen, dann erlebt man was ;-)

      Den unsauberen Bus ist sicherlich der enormen Verspätung geschuldet. Der Busfahrer stieg aus. Gab mit dem Vorortservice schnell alles Gepäck raus, verstaute unsere neuen Koffer und zack ging es wieder auf die Bahn…

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