Kleiner Shoppingbummel durch Venlo

Venlo Markt beim alten Stadhuis

Wir Deutschen lieben Venlo. Für meinen Geschmack schon ein bisschen zu viel. An Wochenenden und Feiertagen fallen wir in großen Mengen in die Stadt in Limburg nahe der Grenze ein. Fast überall wird deutsch gesprochen. In großen Tüten schleppen dann meine deutschen Mitbürger alles nach Hause, als gäbe es kein Morgen. Nicht gerade mein Wunsch, für einen Shoppingbummel ins Nachbarland. Ich mag vielmehr Städte mit niederländischem Flair, wo sich für mich sofort mehr Urlaubsfeeling einstellt. Allerdings gibt es in Venlo eine Menge schöner Läden und wer wie ich Klamotten mit mehr X vor dem L benötigt, findet hier einen ganz besonderen Laden. Also habe ich vor einigen Tagen das schöne Wetter an meinem Urlaubstag genutzt, Papa ins Auto geladen und wir sind nach langer Zeit wieder einmal nach Venlo gefahren. Ich war überrascht wie schön Venlo Wochentags ist!

Zeitreise in meine Kindheit

Als Kind habe ich die Ausflüge nach Venlo immer sehr genossen. Jeden 2. Samstag wurde der Kofferraum leer geräumt und auf dem Rücksitz Platz genommen. Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt und konnte kaum aus dem Fenster die vorbei ziehende Landschaft sehen. Diese Fahrten wurden nie von mir mit einem „Wann sind wir da?“ zur Freude meiner Eltern begleitet. Von meinem Heimatort Mülheim passierten wir in 30 Minuten die Grenze. Ja, die gab es damals noch. Spannend fand ich das Warten an der Grenze, bis uns der Grenzbeamte mit einem nickenden Blick ins Nachbarland weiterfahren ließ. Während heute Niederländer zu uns tanken kommen, standen wir damals geduldig wartend an der niederländischen Tankstelle an. Diesel gab es oft mehr als die Hälfte günstiger als bei uns. Ich hab als Kind nur so geduldig dies über mich ergehen lassen, weil ich genau wusste, was als nächstes folgte: Auf dem Marktplatz wurde der Wagen geparkt und gleich die erste Pommesbude angesteuert ;-) Ich erhielt ein paar Gulden, fühlte mich, als ob ich schon eine Weltreise hinter mir hatte und bestellte mir bei dem für mich so fremdländisch sprechenden Mann an der Bude eine Tüte Pommes mit ordentlich Mayo. Schon allein die damals ungewöhnliche Tüte in meinen Händen war Urlaubsgefühl pur. „Kaffee to go“ gabs früher noch nicht, so dass meine Eltern immer im ersten Eckcafé bei den 2 Brüdern ihren Kaffee genossen. Das Café gibt es heute noch, wie so viele Dinge in Venlo. Somit war der Shoppingbummel auch ein Stück Reise in meine Jugend.

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2 Brüder in Venlo

(Lebensmittel)Shoppingparadies

Hier gibt es eigentlich nicht, was es nicht gibt. Von Käse, Brot bis hin zum Teefachgeschäft – über die vielen Jahre hat sich das Geschäft „2 Brüder von Venlo“ zum zentralen Anlaufpunkt in Venlo entwickelt. Wir lieben es, hier die niederländischen Produkte einzukaufen. Für Vater wandert gleich Reisfladenkuchen, Rijstevlaai, neben den Stütchen mit Schokostreuseln ins Körbchen. Während ich die Käsetheke studiere, weilt Papa begeistert vor dem schier endlos erscheinenden Lakritzregal.“Was es nicht alles gibt.“, höre ich ihn murmeln und beherzt zugreifen. So mal eben etwas einkaufen geht bei uns nicht. Das Körbchen bekommt von einem weiteren Gesellschaft. Vla, leckerster Pudding, wird dazu gepackt – man weiß ja nie, wann man wieder her kommt. Ich schaue mich um und stelle fest: Damit sind wir nicht allein. Auf diese Weise einen Bummel durch Venlo fort zu setzen, wäre etwas unbequem. Das Parkhaus ist heute unter dem Venloer Marktplatz und schnell zum Verstauen der Tüten zu erreichen. Erst danach können wie dann ohne Gepäck unseren Besuch durch die niederländische Stadt fortsetzen.

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Wir bummeln über die schöne Jodenstraat Richtung Maas und genießen die kleinen, individuellen Läden. Ein niedliches Schuhparadies wird den ein oder anderen Mann zur Verzweiflung bringen, vielleicht auch die schönen Inneneinrichtungsläden. Wer wie ich nach etwas Größerem im Textibereich Ausschau hält, wird im Endless fündig und prima beraten (und kann auch gern die männliche Begleitung hier bei einem Kaffee derweil parken ;-))

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Zum Verweilen: Coffee verkehrt genießen

Zu einem schönem Bummel gehört auch eine gute Tasse Kaffee oder Tee. Ich persönlich bevorzuge bei Sonnenschein eines der zahlreichen Cafés am Markt beim Stadhuis. Mit Sonne schaut man anderen beim Flanieren zu und genießt den Blick auf die alten Gebäude. Hier spürt man noch ein bisschen das Flair der einstigen Hansestadt. Es gibt weitere, neue Cafés an der Maas. Diese hebe ich mir für den nächsten Besuch in Venlo auf und habe ich noch nicht selbst erkundet. Direkt gegenüber der 2 Brüder liegt das Prins Hendrik. Schon damals ein Anlaufpunkt meiner Eltern, kehren wir heute zum Abschluss unseres Bummels hier ein. Bei langsam aufkommenden frischen Wind genießen wir im Warmen einen schönen heißen Kakao. Chocomel ist auch so etwas, was in Holland besonders gut schmeckt.

 

6 Kommentare

  1. Venlo ist auch für mich eine absolute Kindheitserinnerung und ich musste gerade derbe nicken bei Deinem Bericht: als Kind mit Omi und Opi ins Auto gepackt werden, an der Grenze warten und immer dieses Kribbeln, ob man durchgewunken wird und kindliche Euphorie. Nur war es bei uns immer die Backfischbude, die sofort angesteuert wurde…

    Ich war vor einiger Zeit seit langem mal wieder bei den 2 Brüdern, dummerweise an einem Samstag – diesen Horror werde ich mir N I E wieder geben! Dagegen war es total spannend, als ich den Mann vor wenigen Monaten auf den Jakobsweg nach Venlo gebracht habe und noch vor 7 Uhr durch die Stadt gelaufen bin. Das Stadtbild ist so unfassbar anders!

    Ein toller Bericht, viele Grüße
    Denise

    • Danke Dir liebe Denise.
      Absolut: Venlo ist wochentags viel schöner oder wie Du es treffend formulierst: Das Stadtbild ist wirklich ganz anders…

  2. Christiane

    ein wunderschöner Bericht. Ich muß gestehen, das ich selbst noch nie in Venlo war, mich schrecken immer die Massen, die dort unterwegs sind. Aber ich denke mal, an einem Wochentag, wenn so schönes Wetter ist, sieht es anders aus und man kann in Ruhe bummeln und schauen. Weit ist es ja von uns aus auch nicht. Liebe Grüße

  3. Vielen Dank für diese Erinnerung. Ich habe vor vielen vielen Jahren in Straelen ( also einen Steinwurf von der niederländischen Grenze entfernt) und bin mindestens einmal im Monat nach Venlo geradelt. Kaffeetrinken auf den sonnigen, lebhaften Plätzen, das war immer wie ein kleiner Urlaub…

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