Was mich an Bremen begeistert hat

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Mein Städtetrip nach Bremen stand unter keinem guten Stern: Verzögerte Anreise via Fernbus, kühler Dauerregen im September, verschlossene Museumstüren und zum „krönenden“ Abschluss sind mir Kamera, Notebook und mehr auf dem Rückweg geklaut worden. Alles zusammen keine guten Vorzeichen, Bremen zu mögen. Auch vorher war Bremen für mich irgendwie die Stiefschwester von Hamburg und ein Ort, den ich mehr von Durchreisen statt Aufenthalt kannte. Ein Fehler, wie ich jetzt weiß. Trotz aller widrigen Umstände, die meine Reise begleitet haben, hat mich Bremen begeistert und lockt mich zur Wiederkehr! Warum? Das erfahrt Ihr in diesem Blogartikel.

Bilderhinweis

Aufgrund des Diebstahls meiner Kameraausrüstung gibt es in diesem Artikel nur Handyfotos meist via Instagram und nicht so eine umfassende Bebilderung, wie gewohnt. Dieses Mal müsst Ihr mehr auf meine Zeilen vertrauen statt auf traumhafte Bremenbilder.

Los geht’s. Bremen entdecken

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Mit Emma durch die Stadt

Noch halten sich die Regenwolken etwas zurück. Klein und schnuckelig steht Emma am Eingang der Touristeninfo. “Ob Jim Knopf der Namensgeber für den kleinen Zug war?”, frage ich mich und nehme bequem auf den gepolsterten Sitzen des Elektrobusses platz. Emma ist ein Freiluftzug: Zwar mit Verdeck, aber ohne Fenster ausgestattet. Für Fotografierfreudige wie mich bestens geeignet, um die Stadt zu erkunden. Es gibt eine Mini- und Maxitour. Ich entscheide mich für die kleine Rundfahrt, um einen ersten Überblick über die Stadt zu erhalten. Als Profi des Verlaufens genieße ich solche bequemen Rundtouren zum Start einer Städtetour. Einfacher finde ich mich danach besser im fremden Terrain zurecht. Ein Freundinnenclub steigt zu mir in den Bus und der Fahrer freut sich über die eindeutig weibliche Fracht. Bei Anfahrt startet schon das Lachen, besonders auf den hinteren Plätzen. Emma kann als Elektrobus auch flott in Bewegung kommen. Ein weiterer Vorteil von Emma ist, dass sie klein und wendig und ohne Abgase fast überall in Bremen hinfahren darf. Während wir an Sehenswürdigkeiten vorbeifahren, lauschen wir einer Ansage von Band – auch diese Stadtführung ist elektronisch. An der Schlachte hat der Regen dann wieder Bremen fest im Griff. Die Damencrew ist gut ausgerüstet und öffnet der Reihe nach ihre Schirme, um den Regen der offenen Emma abzuweisen. Etwas neidisch schaue ich auf meine Mitreisenden und rutsche näher zum Innenraum. Bei der nächsten Kurve platscht allerdings das angesammelte Wasser von Emmas Dach mit voller Wucht in meinen Seitenbereich. Es hat etwas von Freizeitparkbesuch und so juchzen auch die Beifahrer. Regen kann auch Spaß machen. Außerdem: Das nächste Café lockt schon zum Aufwärmen und davon gibt es in Bremen eine Menge toller Locations!

Schätze der Welt mitten in Bremen

Das Bremer Rathaus war leider bei meinem Wochenende in Bremen nicht geöffnet. Es ist eines der schönsten Rathäuser Deutschlands und zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Über 1000 Jahre Geschichte treffen geballt aufeinander. Ungeachtet der Wassermassen, die vom Himmel fallen, bewundern viele Menschen die Roland Statur, versuchen trotz Regenwolken das imposante Rathaus bestens in Szene zu setzen und stehen geduldig Schlange, um den Bremer Stadtmusikanten für heimische Bilder einzufangen. Auch ich kann mich dem Tourismus nicht entziehen und knipse alles fleissig mit. Das Rathaus muss ich mir unbedingt bei einem nächsten Bremenbesuch anschauen. Direkt neben dem Rathaus liegt der St Petri Dom. Nicht nur von außen prägt er Bremens Stadtbild, auch von innen muss der Dom beeindruckend sein – habe ich mir jedenfalls sagen lassen. Mit Flucht vor dem Regen stürme ich zum Eingang und werde mit einem Lächeln zurück gehalten. „Es tut mir leid, wir schließen gleich für eine Hochzeit.“, wurde ich aufgeklärt. Hatten sich heute alle sich gegen mich verschworen? Ich freue mich für das Hochzeitsglück, aber muss das gerade heute und jetzt sein? Vielleicht kann der Herr Gedanken lesen oder ich sehe so durchnässt mitleiderregend aus. „Um die Ecke befindet sich der Bleikeller. Vielleicht ist eine Besichtigung dort etwas für Sie?“, rät der Mann mir, während die Tür endgültig geschlossen wird. Gleich hinter dem Bibelgarten des Doms liegt der Eingang. Übrigens, gleich ein Stück weiter ein Biergarten – auch mit Überdachung.

Kuriositäten im Keller

In Bremens Dom im Keller befinden sich wirklich außergewöhnliche Dinge. Über den schönen Garten betrete ich das Areal und entdecke eine kleine Treppe. Für 2 Euro Eintritt darf ich weiter in das Dunkle vortreten. Für schwache Gemüter ist diese Ausstellung nichts. Mich fasziniert das Kuriose. Per Zufall wurden 1698 mehrere Mumien in der Ostkrypta des Doms entdeckt. Es war mysteriös und viele Geschichten rankten sich um diesen Fund. Jahrhunderte lang wurden toten Körper ausgestellt und lockten viele Reisende und Besucher an.

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Nichts für zarte Gemüter: Der Bleikeller im Dom

Heute weiß man um die einzelnen Geschichten der Toten und genau das fasziniert noch mehr. Ich rücke weiter vor in den Keller und bleibe vor dem ersten Holzsarg stehen. Erst seit 1969 liegen die Mumien in ihren Särgen hinter Glas und es ist erstaunlich, wie gut sie erhalten sind. Während andere Besucher ein Foto nach dem nächsten schießen, bin ich etwas peinlich berührt. Ein kleines Foto mit dem Handy traue ich mich doch aufzunehmen, fühle mich aber damit unwohl. Ihr müsst den Bleikeller am besten selbst erkunden. Er ist klein. Wer nur einen leichten Blick werfen mag, ist in wenigen Minuten wieder am Ausgang. Spannend sind die Geschichten hinter den Mumien. Warum sind sie verstorben und wie? Warum befand sich im Goethehaus in Weimar eine mumifizierte Kinderhand aus Bremen? Antworten findet man in diesen Kellergewölben.

Auf der Alex: Einmal wie ein Matrose übernachten

Schon einmal auf einem Schiff übernachtet? Ich nicht und ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten reizen mich. Durch Regen und Dunkelheit bahne ich mir den Weg zur Anlegestelle der Alexander von Humboldt. Wer kennt sie nicht? Spätestens seit der Becks Bierwerbung haben sich die raue See und grünen Segel mit „Sail away“ ins Gedächtnis gebrannt.

Schwindelfrei??? 😉 Ein von V I E L W E I B O N T O U R (@vielweib_kr) gepostetes Foto am

  Als ich meinen Koffer an Bord schleppe, schlägt mir nicht „Sail away“, sondern Partymusik entgegen. Das Gastronomie- und Hotelschiff ist nicht nur ein Museum, sondern kann auch für die eigene Party gebucht werden. Freundlich werde ich begrüßt und werde zu meiner Kajüte geführt. Eng ist eng. Dabei ist die Zweier-Kajüte schon sehr geräumig ausgestattet. Vom Bad kann sich so manches Hotel eine Scheibe abschneiden: Modern und sehr großzügig. Die Etagenbetten bieten allerdings für meinem Alabasterkörper neben der festmontierten Leiter gerade mal so einen Ein- und Ausstiegsplatz. Ich probiere es aus und liege bequem in der Koje. Dann bekomme ich doch so eine kleine Panikattacke. Schnell raus aus diesem Bett geht’s für mich nicht. Zum Glück hatte das Alex-Team die Möglichkeit, mir eine etwas anders geschnittene Zweier-Kabine zu geben. Um die Platzangst von mir etwas auszutricksen, habe ich nachts einfach die Türe aufgelassen. Aber um keinen falschen Eindruck zu vermitteln: Für Reisende ohne Platzangst sind die Kajüten groß genug.

Knoten. Für den #Bootblogger Turn sollte ich das noch üben… Ein von V I E L W E I B O N T O U R (@vielweib_kr) gepostetes Foto am

Das Frühstück ist continental, passt zum Schiff. Das Abendessen war zünftig und lecker. Das gesamte Team an Bord ist unheimlich freundlich, fast fühlte man sich als Übernachtungsbesuch bei Freunden. Gern hätte ich meine schönen Fotos mit den neuen Objektiven von der Alex gezeigt. Die sind, wie beschrieben, leider jetzt in Diebeshänden.
Im Hafen spürt man die Geschichte mit maritimen Flair. Beim Anstieg in die Kajüten sieht man fast vor dem inneren Auge Szenen der Matrosen ablaufen, spürt das Leben des alten Schulschiffs. Wer außergewöhnlich übernachten mag und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis sucht, sollte auf der Alex einbuchen. Mit Bus und Bahn sind es nur wenige Minuten vom Zentrum. Auch Parkplätze sind in der Nähe im Hafengebiet ausreichend vorhanden.

Letzte Runde an Bord drehen #Alex #vielbremen Ein von V I E L W E I B O N T O U R (@vielweib_kr) gepostetes Foto am

Ans Steuer würde ich mich noch nicht lassen. So wach sehe ich noch nicht aus 😉   Ein von V I E L W E I B O N T O U R (@vielweib_kr) gepostetes Foto am

Eines der besten Museen des uNivErsUms?

Ausgerechnet als ich Bremens Univiertel zum Besuch des uNivErsUms-Museums erreiche, lacht die Sonne. Im Café hole ich mir einen Tee und stürze wieder nach draußen. Etwas Sonne wollte ich mir an diesem Wochenende nicht entgehen lassen. Noch während ich durch die Twittertimeline husche, tröpfelt es plötzlich unangenehm auf mich herab. Sicher ein Wink von Petrus, dass ich noch ausreichend Zeit vor Abreise habe, das geniale Museum zu erkunden. Schon von außen ist das Haus von besonderer Architektur. Die Exponate toppen dieses Highlight noch um Längen.

  Technik, Mensch und Natur – das sind die drei Hauptthemenwelten des uNivErsUms. Wer sich jetzt denkt: „Langweilig!“, der irrt gewaltig. Dieses Museum ist einzigartig.  Auf der Webseite heißt es: „Neugierde wecken, zum Staunen verführen, Begeisterung hervorrufen und Fragen provozieren – das ist das Ziel des Universum® Bremen. Wie sähe unsere Welt ohne Strom aus? Wie funktionieren unsere Sinne? Was haben Glühwürmchen und Polarlichter gemeinsam?“

Jetzt geht’s mit Kunst auf Wissenschaftstour #vielbremen Ein von V I E L W E I B O N T O U R (@vielweib_kr) gepostetes Foto am

Im Universum gibt es alles zum Ausprobieren. Das Spielkind in mir wird geweckt. Mit Forscher- und Entdeckungsdrang erkunde ich wissenschaftliche Phänomene. Und das Beste: Ich verstehe sie auch. Wenn mein Physiklehrer damals solche Praxisbeispiele gehabt hätte, ich wäre ein Fan von ihm geworden.
Ich lasse mich filmen, während mir verschiedene Sequenzen von Emotionen gezeigt werden und erfahre viel über mich und meine Körpersprache. Vom Gehirn bis zum Zeh, hier gibt es nichts, was es nicht praktisch an Phänomenen zu ergründen gibt. Mein persönliches Highlight war die Technikebene mit dem Blick in die Zukunft. Ich lasse meine Augen scannen und steuere danach nur mit meinen Augen einen PC. Wahnsinn! Sehr schweren Herzens verlasse ich das außergewöhnliche Museum. Mein Zug nach Hause wartet. Die Zeit war viel zu kurz. Bringt bei Eurem Besuch reichlich Zeit mit, am besten einen ganzen Tag. Alle Stationen sind auch kindgerecht aufbereitet.

Und noch ein Bild vom Universum, weil ich das Gebäude so schön finde 😄

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Außergewöhnliche Cafés und Restaurants gibt es in Bremen auch. Dazu mehr in einem der nächsten Blogartikel.

Offenlegung: Die Bremer Touristik Zentrale unterstützte meine Reise mit zwei Übernachtungen auf der Alex und einer Erlebniscard. Lieben Dank dafür. Meine Meinung bleibt wie immer die eigene.

 

5 Kommentare

  1. Liebe Tanja, ja Bremen ist schon eine coole Stadt. Ich bin natürlich öfter dort zu Gast und kann so viele Geschichten erzählen und von so vielen Erlebnissen berichten. Bremen ist die Stadt, die irgendwie wie ein Dorf ist. Ich könnte zahlreiche Tipps und Erlebnisse bringen. Öhhhhmmm bringe ich ja auch immer mal wieder im Blog! :-) Wie z.B. einmal die wunderschöne Kirche am Rathaus besuchen, inkl. Besteigung des Kirchturms oder aber Besuch des Weihnachtsmarktes oder aber des Freimarkts oder „geheime“ Aussichtsmöglichkeiten der Stadt und nicht zu vergessen Schnoor oder Böttchergasse oder… :-) ach ich werde nicht müde. Sag Bescheid, wenn du wieder in Bremen bist… ich zeig dir ein paar coole Orte. :-)

  2. Hallo,

    ich habe gerade den Text hier gelesen. Gefällt mir gut. :) Ich bin übrigens Bremerin. Ich lese gerne mal Texte von Besuchern, da die die Stadt doch mit etwas anderen Augen sehen.

    Für das nächste Mal rate ich übrigens noch zu einem Besuch ins Viertel. Dort gibt es alles Mögliche an Läden, ein sehr bunter Stadtteil, mit vielen Möglichkeiten zum Ausgehen. Auch der Bürgerpark ist sehr schön, noch schöner allerdings ist meiner Meinung nach Knoops Park im Norden Bremens. Da in der Nähe, im Stadtteil Lesum, wohne ich. Und nun zu dem Grund, warum ich schreibe. :) „Emma“ hat hier in Bremen als Name eine besondere Bedeutung.
    Es gab früher eine Frau – Gräfin Emma von Lesum. Das war zu mittelalterlichen Zeiten. Diese Dame war sehr vermögend und hat der Stadt Bremen und seinen Bürgern sehr viel Land gespendet. Der heutige Bürgerpark und die Bürgerweide umfassen das Gebiet von einst und war damals eine große Weide, wo die Bremer ihr Vieh hintrieben. Daher gibt es auf dem Weg dorthin auch Namen wie die Sögestraße, wo die Schweine durchgetrieben worden sind. In der Nähe liegt der Schlüsselkorb, dessen eigentlicher Name, der so ähnlich klang, von einer Bezeichnung herrührt, die einen Stall beschreibt, wo die ausgebüxten Tiere unterkamen, bis ihr Eigentümer sie abholte. Auch das Herdentor hat seinen Namen von diesem Umzug.
    Es gibt zu dieser Schenkung sogar eine Legende – die Gräfin ging eines Tages spazieren und kam auf die Idee, den Bremern das Land zu schenken. Einer ihrer Verwandten war bei ihr, der natürlich sein Erbe nicht geschmälert sehen wollte. Er bat sie, dass er jemanden aussuchen möge, der dann an einem Tag das Land, was sie dann schenken wollte, abgehen müsse. Sie willigte ein und er suchte sich ausgerechnet einen Krüppel aus, der seine Beine kaum bewegen konnte. Die Gräfin jedoch war eine fromme Frau, trat auf den Krüppel zu und wünschte ihm den Segen Gottes und schon machte sich der Krüppel auf den Weg und trotz allem schaffte er es, an einem Tag ein so gewaltiges Gebiet zu umrunden.
    Zwischen den Füßen des Rolands sieht man übrigens einen Krüppel, allerdings ist nicht gesichert, ob damit der besagte Krüppel, dem wir die Bürgerweide und den Bürgerpark zu verdanken haben, gemeint ist. ;)
    So viel also zu unserer Emma, die auch als Statue vor der Kirche Lesums verewigt wurde.

    So, was kann ich noch empfehlen? Wir haben ein paar schöne Veranstaltungen im Jahr. Da wäre einmal die Breminale im Sommer. Dann La Strada im Sommer und der Bremer Sambakarneval. Klasse ist auch das Festival Maritim in Vegesack (Bremen-Nord), was ich noch lieber mag als die überfüllte Breminale. Wir haben natürlich auch einige interessante Kulturzentren. Der Schlachthof an der Bürgerweide, das Lagerhaus im Viertel oder das Kito in Vegesack. Hier findet alles Mögliche statt.

    Zur Gastronomie noch ein paar Tipps: Gem’s Mug in der Neustadt, wo es ab und an auch Konzerte in kuscheliger Runde gibt, das Vengo im Viertel, Don Carlos ebenso im Viertel, das Traditionscafé Knigge in der Innenstadt, das Katzencafé im Schnoor und natürlich das Pfannkuchenschiff an der Schlachte. Da entführe ich gerne mal Bremenbesucher hin. :)

    So, das fiel mir jetzt alles so auf die Schnelle ein. :D Ich hoffe, du kommst bald wieder und verliebst dich in Bremen noch ein wenig mehr. ;)

    • Hallo Hilke, danke Dir für die genialen Tipps und Deine Mühe. Das klingt wunderbar und kommt auf meine Liste für den nächsten Bremenbesuch. Danke Dir :-)

  3. Pingback: Außergewöhnliche Cafés und Restaurants in Bremen - Reiseblog Vielweib on Tour

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