Themenhotel Nürnberg: Runde Ecken im Atlantic

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„450 Euro“ pro Nacht für ein normales Hotelzimmer?“ Ich traute meine Augen nicht, als ich die Preise der Hotelsuchmaschinen vor mir sah. Eine Nacht in Nürnberg zu Messezeiten kann ein halbes Vermögen kosten. Ein Lichtblick bei der Suche: Das Atlantic Meistereck Hotel hatte noch ein Einzelzimmer für 159 Euro inkl. Frühstück. Zwar ein Aufpreis von 200% zum Normalpreis von 50 Euro, was ein Zimmer sonst kosten würde, aber zur Messe ein Schnäppchen. Ich war froh, noch ein Hotelzimmer zu bekommen und entdeckte erst auf den zweiten Blick, dass das Atlantic ein Themenhotel ist. Noch besser, dachte ich frohen Mutes, ganz nach meinem Geschmack. Ich klickte mich durch die unterschiedlichsten Zimmer der Website und wählte das Einzelzimmer „Captain’s Cabin“.

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Meine Kabine für eine Nacht im Atlantic – nicht Titanic

Vom Nürnberger Hauptbahnhof ist das Atlantic Meistereck in knapp einem Kilometer zu erreichen. Mitten in einer ruhigen Wohnstraße fällt das Hotel zunächst nicht auf. Das zum Hotel umgebaute Wohnhaus fügt sich im Stil seiner Nachbarhäuser ein. Das Atlantic bezeichnet sich selbst als „Erlebnishotel“ und ich bin gespannt, was mich hier erwartet. Onlinebewertungen hatte ich bei meiner Freude zum bezahlbaren Zimmer zu Messezeiten vorher ganz vergessen und erst nach meinem Aufenthalt gelesen…

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Das Themenhotel in Nürnberg ist ein umgebautes Wohnhaus ca. 1 km vom Nürnberger Hauptbahnhof entfernt.

Über eine Türe mit Bullauge betrete ich Kapitän Nemos Reich. An der Rezeption erhielt ich vom Chef persönlich den Zimmerschlüssel. Für meinen Geschmack könnte ein Checkin freundlicher und herzlicher ablaufen. Mir fällt wieder ein: 159 Euro ist nicht die Basis für das Hotel sondern der Messepreis. Nach wie vor ist das Haus ein 2 oder 3 Sterne Hotel – je nachdem, auf welcher Buchungsplattform man schaut.
Mit der Ansage „Zimmer 41, vierter Stock.“, erhielt ich meinen Zimmerschlüssel. Auf meine Frage nach einem Aufzug folgte: „Wir sind ein sportliches Hotel. Wenn Sie ein Zimmer auf den untersten Etagen hätten haben wollen, dann hätten Sie das auch buchen müssen!“ Hätte ich glatt gemacht, wenn die Etagenangabe bei der Buchung auf der Website dazu angegeben gewesen wäre. Eine 41 war für mich nicht zwingend die Etagenanzahl. Barrierefrei ist das Hotel nicht.

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Auf dem Weg in das vierte Obergeschoss wechseln (vermutlich thematisch abgestimmt) die Treppengeländer, teilweise eine wacklige Angelegenheit. Das ganze Themenhotel orientiert sich in der Gestaltung von Seemannsthemen. Auf dem Flur der vierten Ebene kämpft Oktopus mit meiner Kajüte.

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Mein Zimmer beherbergt eine Orgel als Schreibtisch und ein Bett im Mahagoni-Look. Die Einrichtung ist sicherlich mit Liebe gemacht. Zuviel sollte man allerdings nicht erwarten, die Ausstattung ist eher minimal.

„OK für eine Nacht.“, denke ich mir und bleibe wie angewurzelt stehen. Ich bin nicht überpenibel auf Spurensuche nach Staub oder Hygienemängel in einem Hotelzimmer, aber wenn mich der Staub anspringt, bin ich doch entsetzt. Sauber sollte auch ein 3* Hotel sein. Auf der Bettablage hätte ich mich im Staub namentlich verewigen können. Die Ecken, wie beispielsweise am Waschbecken, waren rund geputzt. In den Winkeln lag Staub, der nicht nur von meinem Vorgänger dagelassen sein konnte. Das Bad und Bett dagegen waren ok.

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Irgendwie bekommt das Atlantic für mich ein bisschen die Atmosphäre von der untergehenden Stimmung der Titanic. Beim Verlassen des Hauses werde ich gefragt, ob alles in Ordnung sei. Das wiederum fand ich löblich und berichte von meinem Runden-Ecken-Erlebnis. Der Reinigungsmann wurde nicht in den Feierabend geschickt, sondern wieder hoch in meine Kajüte. Allerdings höre ich den Hauschef sagen: „Sie müssen schon mitgehen und zeigen, wo genau der Staub liegt. Sonst können wir nicht gewährleisten, dass alles bei ihrer Rückkehr sauber ist.“ Perplex schaue ich ihn an und glaube nicht so recht an die Worte, dass ein Gast für die Sauberkeit eines Hotelzimmers verantwortlich sein soll. Ich zücke mein Handy, zeige entsprechende Fotos und mache mich auf den Weg. Noch einmal ohne Aufzug in den vierten Stock fand ich wenig reizend, zum anderen wurde es inzwischen knapp für meinen ersten Nürnbergtermin.
Was soll ich sagen? Der Hauschef hatte Recht. Als ich nachts in meine Kabine kam, war ein Teil der Staubdecken behoben, aber nur ein Teil… Runde Ecken waren weiterhin vorhanden…

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Und da war sie doch, die Titanic im Atlantic! Der Frühstücksraum liegt im gedämpften Licht vor mir. Mit einem Projektor werden Bilder des untergehenden Schiffs an die Wand geworfen. Das Frühstück ist eher continental. Prima fand ich die Auswahl von vielen Blättertees.
Alles in allem ist dieses Hotel schon ein Erlebnishotel, wie auf der Website von Meistereck angekündigt. Für mich nur eine Frage, welches Erlebnis genau gemeint ist ;-)

Detaillierte Staubfotos und die runden Ecken poste ich in diesem Artikel nicht. Ich hab noch die Hoffnung, dass das Haus vielleicht nur einen sehr schlechten Tag oder Tage hatte… Entscheiden müsst Ihr selbst, ob Ihr hier im Themenhotel einmal einchecken wollt. Einige Onlinebewertungen des Atlantic decken sich leider mit meinen Erfahrungen, andere wiederum waren begeistert…

3 Kommentare

  1. Oh liebe Tanja,

    da hattest Du ja wirklich ein besonderes Hotelerlebnis. 4 Etagen mit Gepäck ohne Aufzug ist schon fies. Aber die Story mit der Reinigungskraft ist ja die Höhe…

    So macht die Zimmereinrichtung ja einen netten Eindruck – wenn man es denn mag. Schade, dass das Personal dieses wieder minimiert.

    LG Kerstin

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