DIY: Kulturtasche selber nähen

kulturtasche6Mich hat das Nähfieber gepackt! War es vor Monaten noch das Stricken, begeistert mich jetzt die Nähproduktion. Ja, Produktion…denn mich packt meistens das Fieber bei neuen Entdeckungen. Allerdings so neu ist das Nähen nicht: Vor etlichen Jahren habe ich mich schon mal daran versucht, sogar zu Schulzeiten im Stoffhandel gejobbt. Aber erst jetzt so richtig macht das Nähen Spaß!

 

Nach Erstlingswerken habe ich mich nun an eine selbst kreierte Kulturtasche gewagt. Ich bin öfter auf Reisen und welche Frau kennt es nicht: Man hat immer viel an Gedöns mitzuschleppen. Je älter ich werde, desto mehr Cremes, Schminke, Waschartikel müssen transportiert werden. Dabei hasse ich es, alles in einen Beutel oder Tasche zu werfen. Vor Ort packt man zwar dann nur einen Beutel aus dem Koffer, sucht sich aber „nen Wolf“ bis man aus den Untiefen der Kulturtasche, das Gesuchte findet. Reicht ja schon, wenn man dieses Leid täglich mit der Handtasche ertragen muss ;-)

Ausgerollt und aufgehängt

Ausgerollt und aufgehängt

Ich surfte nach passenden Schnittmustern. Faszinierend, was sich in den letzten Jahren getan hat. In vielen Blogs und bei Dawanda gibt es eine Fülle von Schnittmustern als sogenanntes e-Book. Anleitung und Schnittmuster kaufen, downloaden und fertig. Praktisch, wenn man nicht mehr auf Burda & Co angewiesen ist.
Doch auch bei der Fülle an Angeboten war für mich nicht das Richtige dabei, was ich mir für eine Kulturtasche vorgestellt habe. Dann bin ich auf den Blog von lybstes gestoßen. So eine Hänge-Kultur-Rolltasche ist äußerst praktisch. Noch besser finde ich es, wenn diese Roll-Kulturtasche zum Hängen neben Einschubfächern auch kleine Taschen enthält, die man via Klettband an- und abnehmen kann. So lässt sich eine Rolle zum einen handlich im Gepäck verstauen, denn für die Reise spart man durch das „Auseinanderbauen“ Platz. Zum anderen kann man vor Ort auch mal eine Tasche abnehmen und getrennt mitnehmen – zum Strand oder zu sonstigen Ausflügen.
So ein Schnittmuster gab es leider nicht. Aber wer so etwas auch nachnähen will: Das bekommt man auch als Neuling wie ich prima selbst hin.

Ideenskizze
Wie viele Einschubtaschen möchte man haben? Unterteilt oder nicht? Wie viele abnehmbaren Taschen möchte man haben? Was will man in die Taschen füllen? Ich habe dafür meine Badezimmerutensilien vermessen: Wie lang ist meine Bürste? Wie viel Umfang hat mein Lieblingsshampoo etc.. Denn wenn schon selbst gemacht, dann soll es auch angepasst sein und für all meine Dinge ausreichend Platz bieten.
Mir helfen bei solchen Überlegungen grundsätzlich Skizzen. So abstraktes Denken reicht da bei mir nicht ;-)

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Stoffart
Statt Baumwolle o.ä. habe ich mich für Wachstuch entschieden. Eine gute Wahl für einen Kulturbeutel da nicht nässeempfindlich, doch nicht ganz so einfach zu nähen, kommt auch bei vielen Stellen doch eine Menge an Stoff übereinander. Da wird die Nähmaschine schon gefordert. Aber es geht alles. Im Blog von pattydo gibt es einen Artikel zu Tipps und Tricks zum Nähen mit Wachstüchern oder laminierten Stoffen.

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Fertigung der abnehmbaren Taschen
Ich habe mich entschieden, dass ich zwei Taschen zum Abnehmen haben mag, eine kleinere für Schminksachen, eine größere für Bürste und Co. Letztlich haben beide Taschen eine fertige Breit von 20 cm. Die kleine Tasche ist 13 cm hoch, die große 25 cm (1 cm Nahtzugabe beachten).
Es gibt von farbenmix.de eine wirklich gute Schritt-für-Schritt-Video-Anleitung, wie man solche Taschen mit Reisverschluss erstellt. Die sind wirklich ruckzuck genäht. Dank diesem Video – welches ich mit dem iPad neben der Nähmaschine stehen habe – klappt es prima mit dem Reisverschluss einnähen und ich komme als Nähneuling nicht durcheinander, welche Stoffseite des Außen- oder Innenteils nun aufeinander gehören. Solltet Ihr wie ich noch kein Nähprofi sein, so nutzt dieses Video. Es ist sehr anschaulich und eine gute Anleitung.
Da ich die Taschen in der Roll-Kulturtasche befestigen möchte, habe ich 3 cm unter der Oberkante mittig ein 18 cm langes Stück Klettband aufgenäht.
Hier ist wichtig: 1. vor (!) dem Taschennähen das Klettband auf den Außenstoff annähen und 2. die weiche Seite des Klettbands zu verwenden. Schleppt man diese Tasche mal gesondert in der Strandtasche oder sonst wo mit, sammeln sich dann nicht so viele Kleinteile im Klett.

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Festgenähte Innentaschen
Zu den abnehmbaren Taschen benötige ich zwei Innenfächer. Eines möchte ich in voller Breite nutzen, das andere sollte ein unterteiltes Fach werden. Damit dies auch stabil wird, habe ich mich entschieden nicht nur eine Nahtkante zu nähen, sondern die Fächer gleich doppelt zu nehmen. Wichtig hierbei ist, die Fächer lang genug zu zuschneiden. Sie werden nachher auf dem langen Teil der Rolle ins Vorder- und Rückteil eingefasst.

Vorder- und Rückteil der Rolle
Hier gibt es sicherlich galantere Wege, als den, den ich gewählt habe. In Ermangelung eines Schnittmuster habe ich einfach Wachstuch auf 22 cm Breite zugeschnitten und mir überlegt, wo ich welchen Stoff haben möchte und alles zu einem langem Teil zusammen genäht. Ein zweites Teil habe ich dann identisch genäht, so dass ich zwei lange Bahnen hatte.
Eine Bahn nehme ich als Innenteil, wo alles andere daran befestigt wird. Nun näht man auf der rechten Seite (ja, ist komisch, ist aber richtig), oben mittig eine Lasche zum Aufhängen. Von dieser Lasche habe ich im Abstand von 5 cm zwei Bänder aufgenäht. Sie dienen nachher dem verschließen der Rolle.
Dann werden die Fächer aufgenäht. Zum Fixieren, damit das Fach beim Nähen nicht wegrutscht, ist Stylefix praktisch. Da man Wachstuch nicht mit Stecknadeln fixieren kann, ist so eine kleine Klebehilfe Gold wert. Wünscht man eine Unterteilung, so muss ein Fach in der Mitte zusätzlich abgesteppt werden.
Ich habe mir alle Teile vor dem Nähen probehalber auf das Innenteil gelegt und grob festgelegt, wo was hin soll. Die Stellen, an denen ich die Taschen machen möchte, habe ich fixiert, damit ich nachher weiß, wo das Klettband (hier der raue Teil) aufgenäht wird.

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Letzte Schritte
Die Kulturtasche ist bald fertig. Nun müssen nur noch die Bahnen aneinander genäht werden. Hierfür legt man sie rechts auf rechts aufeinander und näht auf der linken Seite. Wählt man wie ich ein Mix an Stoffen, sollte beim Vernähen darauf geachtet werden, dass die jeweiligen Stoffe aufeinander liegen. Ganz wichtig sind nun zwei Dinge: 1. Die Bänder und die Schlaufe nach innen legen und aufpassen, dass man sie nur an der oberen Kante mit festnäht und nicht vertüdelt und an den Seitennähten mit fest steppt. 2. eine Öffnung von 10 cm unten lassen. Durch diese Öffnung werden die Bahnen gewendet (Verfahren wie bei den Taschen siehe Farbenmix-Videoanleitung). Hat man alles von links auf rechts gekrempelt, sind alle 4 Ecken mit den Finger schön auszubeulen. Danach steppt man knappkantig die Öffnung an der unteren Seite zu. Und fertig ist der eigens kreierte Kulturbeutel ;-)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Rollkulturbeutel ist wirklich auch etwas für Anfänger und in ca drei bis vier Stunden als Nicht-Profi genäht. Ich freue mich auf die nächste Reise, wo das Machwerk dann live ausgetestet wird ;-)

Auch freue ich mich auf den Nähkurs, zu dem ich mich angemeldet habe. Praktisch ist, dass man hier auch vorher, so wie ich, schon mal das Nähcafe besuchen kann und schon beste Tipps und Betreuung erhält.
Als nächste Projekte stehen Taschen von elbmarie an. Beachboy als Herbstausgabe und Cleo haben es mir angetan – und Taschen kann frau doch nie genug haben, oder? :-)

Als letzter Tipp für Nähneulinge: Die Ratzfatz-Tasche von farbenmix war mein Erstlingswerk und habe inzwischen schon weitere genäht. Das e-Book ist derzeit kostenfrei und in einer Stunde ist die Tasche schnell genäht.

 

 

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4 Kommentare

  1. la grosse mere

    Cool! Bin gerade am rumsuchen nach Ideen für eine Kulturrolle – das mit den angekletteten Taschen gefällt! Na, dann bastel ich mal weiter mit Ideen…

  2. Pingback: DIY: Kleiner Shopper selbst genäht | Vom (Un)Sinn des LebensVom (Un)Sinn des Lebens

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