Trommelkurs in 2 Akten und mit Verlangen nach mehr

“Trommeln möchte ich mal lernen!”. Damals war ich in Kapstadt und habe abendlich den gigantischen Klängen der Kombos gelauscht. Ob im Mama Afrika oder an der Waterfront – überall spielten Bands, von denen ich mich schwer trennen konnte und habe den Entschluss gefasst, auch einmal das heiße Trommeln zu erlernen. Etliche Jahre später habe ich meinen Wunsch endlich in die Tat umsetzen können und gelernt, dass was so leicht aussieht mal gar nicht so easypeasy funktioniert…

Trommeln ist ein Gefühl

Radung – Tschak – Radung – Tschak – Clap, Clap – Pause! “Sieht doch ganz einfach aus.”, denke ich mir, als Holger voller rhythmischer Leidenschaft den Takt vorgibt. Seine Füße stampfen auf dem Boden, sein Kopf wippt im Takt, er klatscht in die Hände und seine Haare fliegen. Wir spüren mit jeder Faser, dass Holger Musiker mit Hingabe ist.
Wir sitzen im Kreis auf Stühlen und beobachten das Schauspiel. Während Holger uns weiter auf seinen Groove einstimmt, wird neben mir zaghaft mit den Fingern auf dem Knie getrommelt, gegenüber schon mutiger der Fuß im Takt bewegt. Wir sind heiß und wollen jetzt auch endlich “auf die Pauke hauen”. Doch wir müssen uns gedulden. Der Trommelkurs sieht Trockenübungen zum Start vor.

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Trockenübungen

Holger lädt uns ein, mitzumachen. Erst bewegen wir auf dem Stuhl sitzend die Beine. Stampfen fest wie eine Kompanie und finden alle 20 den gleichen Beat. Einfach, denke ich mir noch einmal, spüre aber schon leicht, dass so ein dauerhaft inbrünstiges Stampfen auch ziemlich anstrengend werden kann.
Die Hände kommen zum Einsatz. Holger startet mit einer einfachen Taktfolge, schwingt zum ¾ Takt mit geänderten Bein- und Klatschfolgen. Wohl bemerkt, wir sind hier noch im Anfängerbereich. Der Beat ist gut, wird doch zu schaffen sein, denke ich mir. Was sich bei unserem Vortrommler nach einem gutem Sound anhört, versetzt uns Trommelwillige in Chaos. Jeder hat seinen Stampf-Klatsch-Rhythmus gefunden, nur: Jeder seinen eigenen!
Beine und Hände jeweils anders zu koordinieren ist schwierig und bringt uns fast alle aus dem Konzept. Unser Trommellehrer ist geduldig und mit viel Lachen und Konzentration sind wir dann doch alle in einem Flow – was ein tolles Gemeinschaftsgefühl!
Die erste Pause tut gut. Vor mir werden Pullover ausgezogen, neben mir die Haare zusammengebunden. Gut zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, die Trommeln in Wallungen bringt.

Ran an die Trommeln

Jetzt sind wir reif für die echten Trommeln. Leicht gekippt, zwischen Knie und von den Füßen gehalten, streiche ich vorsichtig über das raue Leder. Schlagartig werden wir alle zu Kindern. Die Blechtrommel lässt grüßen. Während der eine zaghaft leicht mit dem Finger auf seine Trommel tippt, erzeugen viele schon einen wahren Trommelwirbel. Ihr dürft raten, zu welcher Fraktion ich gehörte.
Unser Trommellehrer muss Nerven aus Drahtseile haben und ist zu bewundern. Eben noch saßen wir gesittet im Meeting, jetzt trommeln wir wild, wie ein Sack Flöhe durcheinander. Doch Holger erträgt alles mit Geduld und stimmt uns zur ersten, gemeinsamen Trommelaktion ein. Gebannt lauschen wir auf die Möglichkeiten der Klanggestaltung einer Trommel: Schlägt man die Trommel am Rand mit der halben Hand und lässt sie dabei geschmeidig und locker, fallen zum einen nicht die Finger ab, zum anderen erklingt ein heller Trommelton. Am besten gefallen mit die tiefen, harten Bässe, die ich mit flacher Hand und Schlag in der Trommelmitte meinem Instrument entlocke.
Es folgt das gleiche Prinzip der Vorrunden: Holger macht vor, wir nach. Soweit das Grundprinzip. Es dauert bei mancher Taktvorgabe eine Weile, bis wir zusammen im Einklang sind. Aber dann, dann fühlt es sich richtig gut an. Mit voller Konzentration auf den eigenen Rhythmus ist für nichts anderes mehr Platz im Kopf. Entspannung pur! Dazu der Takt und Beat, das fühlt sich einfach gut an, da kann sich keiner entziehen.

Lets Party 😀😀😀😀 #Trommelkurs

Ein von V I E L W E I B O N T O U R (@vielweib_kr) gepostetes Video am

Zum krönenden Abschluss schafft Holger es sogar, uns zu einem Orchester zu befähigen – und das nach gerade mal zwei knappen Stunden Trommelkurs. Wir werden in Gruppen eingeteilt, bekommen jeweils andere Trommeltakte. Gemeinsam harmonisieren sie perfekt. Noch kann ich das allerdings wenig genießen. Konzentriere mich auf die Abfolge der Rhythmen und schaue gebannt auf meine Nachbarn der Untergruppe, um nicht aus dem Takt zu kommen. Aber es geht. Andere Rhytmusinstrumente erhalten Einzug in unsere Gruppe und wir musizieren was das Zeug hält. Ganz geschmeidig sanft und seicht spielt Holger eine Caisa. So ein Musikinstrument kannte ich zuvor noch nicht, aber die Töne haben etwas ganz Besonderes:

Sanfte Töne für die Sanften unter Euch ;-) @Trommelkurs ;-) Ein von V I E L W E I B O N T O U R (@vielweib_kr) gepostetes Video am

Kurz vor Ende des Trommelkurses hab ich’s geschafft: Ich bin im Beat angekommen. Keine übertriebene Konzentration auf den Takt, einfach Augen schließen, hören und sich treiben lassen. Der richtige Beat kommt dann schon von alleine…

Ich bin begeistert und möchte das unbedingt wiederholen. Im Rheinland und Ruhrgebiet ist das Trommelerlebnis buchbar mit Teamgeist und Rendevous des Tambours. Mein erster Trommelkurs soll nicht der letzte gewesen sein!

Auch Lust zu Trommeln?

Holger Heydt ist der Initiator der Percussion-Band Rendevous des Tambours. Das Besondere: Die Band wurde als Zusammenschluss zweier Schülergruppen ins Leben gerufen und vereint Trommelbegeisterte unterschiedlichster Alterstufen, unterschiedlichstem Background, mit und ohne Handikap. Einmal pro Woche treffen sich die Musiker in Essen zur Probe und haben bereits seit fast 10 Jahren eine Menge von Auftritten im In- und Ausland und Preise abgeräumt. Konzerthinweise findet Ihr auf den Seiten https://www.facebook.com/Rendezvousdestambours/ und http://www.rdt-orchester.de. Hier könnt Ihr auch bei Interesse eine Anfrage zum Mittrommeln bzw. Kurs direkt an Holger stellen.
Einen schönen Artikel zu einem Bandauftritt findet Ihr im Blog bei Mario Grass

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