Corpus – Körperwelten im holländischen Leiden mal anders

Kennt Ihr noch den Film “Die Reise ins Ich”? Als dieser Streifen die Kinosäle füllte war ich gerade mal 18. Die Mischung aus Abenteuerfilm, Komödie und Thriller beflügelte meine Phantasie. Wie faszinierend wäre es, sich selbst einmal zu verkleinern und in das Innere eines Körpers auf Entdeckertour gehen zu können. Aus Fiktion wird Wirklichkeit! Fast jedenfalls. Im holländischen Leiden gibt es ein besonderes Erlebniszentrum, welches Wissen und Spaß vereinigt und Dich auf eine spannende Reise in unseren geheimnisvollen Körper mitnimmt.Wir holen unsere Tickets am Empfang ab. Es ist ratsam vorher Eintrittskarten online zu kaufen, da gleichzeitig ein Zeitfenster reserviert wird. Damit entfällt auch in Ferien und Hauptsaison langes Warten und es ist nicht überfüllt. Wir sind überpünktlich vor Ort und gönnen uns einen guten Kaffee. Einige Exponate stimmen uns auf die weitere Reise durch den Mensch ein.

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Gespannt warten wir auf unseren Slot. Was uns genau erwartet, wissen wir nicht. Das Fotografieren ist im ersten Teil des Corpus nicht erlaubt. Damit wäre der Überraschungseffekt weg, bekommen wir zu hören. Mit kritischem Gefühl lasse ich das unkommentiert, muss allerdings zugeben, dass sich die Aussage nachher bestätigt.
Alle 16 Minuten startet ein neuer Rundgang. Wir sind bald an der Reihe und erhalten einen Audioguide. Fast hätte ich dankend abgelehnt, als der nette Mitarbeiter mir zu lächelt und mir den Guide auf deutsch überreicht. Acht Sprachen stehen derzeit zur Auswahl. Gespannt schweben wir mit der Rolltreppe nach oben, beginnen unsere Reise in den menschlichen Körper. Ein einmaliger Ausflug liegt vor uns. Wo sonst betritt man ein Haus über das Knie und kommt am Gehirn wieder heraus?

IMG_2430Dunkelheit umgibt uns. Etwas planlos steht unsere 16-Personentruppe am Ende der Rolltreppe. Die Spannung steigt. Plötzlich spricht ein Mann im Ohr mit uns. Jeder von uns zuckt überrascht zusammen und neugierig beginnen wir uns zu drehen. Eine Projektion startet im hinteren Bereich. Wir treten näher und tauchen in die Corpus-Welt ein.
Spielerisch, dennoch mit Wissenswertem erläutert uns der Audioguide die Grundfunktionen des Körpers. Mit plastischen Darbietung vor unseren Augen wird der Biologieunterricht von damals auf einmal verständlich und anschaulich. Besser noch: Er wird interessant! Das hätte es zu unseren Schulzeiten schon mal geben sollen. Empfohlen wird ein Corpusbesuch übrigens ab 6 Jahren, besser sind 8 Jahre. Kleinere Kinder sind natürlich auch erlaubt, allerdings ist der Mehrwert und das Erlebnis nicht wie bei etwas älteren Kindern.

Wir nähern uns der menschlichen Befruchtung. Ein wenig fängt mein Vater neben mir an zu giggeln. Sexualkundeunterricht in der Schule gab es bei ihm damals nicht und schon gar nicht solche Einblicke in den Körper. Für die ältere Generation ist ein Besuch des Corpus mit einer Reise in den menschlichen Körper daher auch eine ganz spannende Sache. Unser eins kennt zwar jede BBC Dokumentation, aber es ist schon etwas anderes, wenn man durch einen Körper läuft und mit einfacherer Erklärung noch einmal beispielsweise die Sache mit dem Blutplättchen und dem Blutkreislauf nicht nur sieht, sondern ein Stück selbst mit erleben kann, fast ein Teil davon ist.

Corpus ©Frank van Beek

Corpus ©Frank van Beek

Plastisch und sehr anschaulich werden uns die Funktionsweisen des menschlichen Körpers dargestellt. Das Corpus ist kein Museum an sich, wo man lediglich Exponate anschaut, Wissen sich an liest. Wir werden mit unserem persönlichem Audioguide durch Räume geführt und werden durch die besondere Darstellungsweise ein Teil von einem Körper. Viel zu viel mag ich nicht schreiben und Euch damit das Erlebnis schmälern. Ihr müsst es selbst einmal erleben: Es ist spannend auf der Zunge zu laufen, im Gehörgang spazieren zu gehen oder in die Lunge abzutauchen, wo neben der 3-D-Brille alle Sinne angesprochen werden und man ein Stück durch die Luft fliegt.

Corpus ©Frank van Beek

Corpus ©Frank van Beek

Nachdem wir unseren ersten Erlebnispart am Gehirn verlassen, trinken wir in obiger Gastronomie eine kühle Erfrischung mit Ausblick. Um uns wird viel erzählt und auch wir können uns mit den Erlebnissen nicht zurückhalten. Bei mir wird so manche Biologiestunde wieder wach und ein Aha-Effekt zum Verständnis baut sich hier jetzt Jahre später auf. Mein Vater ist verblüfft, wie genial unser Körper funktioniert und hatte besonderen Spaß an den Shows mit leichtem Geisterbahneffekt.
Weiter führt uns eine Blutbahn, eine Art Lebenslinie. Jetzt beginnt der museumsartige Teil des Ausflugs. Wir steigen den 15 Meter hohen Körper entlang der Blutlinie hinab und erweitern unser Wissen an vielen Infostationen.

Der Ausflug im Corpus hat uns Spaß gemacht. Leider treten wir danach unsere Heimreise des schönen Nordseewochenendes an. Mein Zusatztipp: Die Altstadt von Leiden muss toll sein. Hätte ich ehrlich gesagt bei der Anreise durch das Industriegebiet nicht vermutet. Plant daher Zeit für einen Bummel durch Leidens Altstadt ein. Nach Amsterdam gibt es in Leiden die meisten Brücken, außergewöhnliche Gastronomie und eine hübsche, alte Innenstadt. Ich werde mir das für meinen nächsten Besuch aufheben. Im Blog Gelbkariert gibt es gerade einen schönen Reisebericht zu Leiden mit tollen Tipps.

Wissenswertes für Euren Besuch in Kürze:

  • Website: Corpus – reis door de mens (aktuell nicht in deutsch)
  • Adresse: Willem Einthovenstraat 1, 2342 BH Oegstgeest. Das Corpus liegt verkehrsgünstig Nähe der Autobahn A44, Ausfahrt 8. Es ist gut ausgeschildert.
  • Der Eintrittspreis für Erwachsene: 18,25€, für Kinder (6 bis 14 Jahre): 15,75€. Es gibt Gruppenermäßigungen.
    Ticketverkauf online
  • Parken könnt Ihr direkt im Parkhaus nebenan für 6 Euro.
  • Geöffnet von 9 bis 19 Uhr. Plant für Euren Besuch am besten mindestens zwei bis drei Stunden ein.
  • Es wird eine Art Kinderrallye angeboten. Dieses Lernquiz gibt es auch auf Deutsch und vermitteln neben Spaß auch Wissenswertes kindgerecht über die Faszination Mensch.
  • Im Eingangsbereich findet Ihr eine Kaffeebar mit kleinen Snacks und Kuchen. Oben – kurz nach Ausgang des ersten Teils im Gehirn – gibt es eine weitere Kantine. Hier kann gegessen werden.
  •  Das Corpus bietet auch ein Kongresszentrum an. Tagungen bis zu 500 Personen sind möglich. Ein Hotel ist gleich nebenan.

Offenlegung: Mein Besuch im Corpus wurde unterstützt vom Corpus – reis door de mens  und dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention (NBTC). Ganz herzlichen Dank dafür. Meine Meinung bleibt wie immer die eigene. Dank an Corpus für die Nutzung der Bilder.

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2 Kommentare

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  2. Danke schön!! Am Corpus sind wir vorbei gefahren. Sieht ja von außen schon ganz interessant aus. Vielleicht beim nächsten Besuch in Leiden. Ich hab mich echt verliebt in diese hübsche Stadt.
    Liebe Grüße, Kirsten

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