Mit dem Mosel-Weinbergpfirsich gegen die Sommerhitze

Weinbergpfirsich, Mosel, Genuss, Delikatesse, Kurztrip

Denkt Ihr bei Mosel und Hitze gleich an Wein und dicken Kopf? Dann lasst Euch in diesem Artikel (kühlend) überraschen! Der Weinbergpfirsich von der Mosel ist nämlich fast ein Alleskönner. Zwei Genussvarianten der besonderen Pfirsichart habe ich am Wochenende kennengelernt – perfekt für heiße Tage geeignet.

Letztes Jahr habe ich beim Foodblogaward den 2. Platz in der Kategorie „Kulinarische Reisen“ belegt. Nicht nur, dass die Siegerreise der Top 3 schon ein geniales Event für sich war, die zweit- und drittplatzierten gewannen zu dem noch eine Genussreise an die Mosel. Da war ich letztes Wochenende, genau dann, als endlich in Deutschland der Sommer einkehrte und die Temperaturen auf 40 Grad kletterten. Wer mich kennt, weiß, dass dann jede Faser in mir nach Abkühlung schreit. Auf meiner Moselreise gab es fantastische Ausflüge auf die Moselberge und kulinarische Erlebnisse. Ein Bericht mit Details folgt noch. Tipps zur Abkühlung für die kommenden Hitzetage habe ich heute schon für Euch.

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Selbst gemachter Eistee:  Kreative Anregungen vom kreativen Spitzenkoch

Vor unserem genussvollen Abend im alten Kelterhaus unter Bäumen mit einer lauen Sommernacht empfängt uns Markus Plein. Er ist nicht nur Kochbuchautor, TV-Gourmetkoch mit eigener Sendung auf dem SWR, sondern besitzt in Wintrich auch das Restaurant Altes Kelterhaus. Das Multitalent begrüßt uns nach einem heißen Tag und immer noch 30 Grad am frühen Abend mit einem Sommercocktail. Als alkoholfreie Variante hat Markus eine kreative Eisteevariante erstellt. Die war so durstlöschend und lecker, dass ich mir mehrfach nachschenken ließ und vom freundlichen Kellner die Eckdaten des Rezepts erfuhr. In heimischer Küche probierte ich verschiedene Varianten aus und habe ein abgewandeltes Rezept entwickelt, was dem genialen Eistee von Markus sehr nahe kommt:

  • 5 gehäufte Teelöffel Earl Greytee (ich nehme am liebsten Anastasia von Kusmi, es geht aber natürlich jeder andere Earl Greytee) mit 1 heißem Liter Wasser übergießen. 3-4 Minuten ziehen lassen und abgießen.
  • Noch heißen Tee mit 4 Teelöffel Zucker und 4 Teelöffel Honig süßen.
  • 300 g Eiswürfel crashen – im Thermomix hab ich 5 Sekunden Stufe 5 gewählt.
  • Jetzt den Tee „schock kühlen“: Gecrashte Eiswürfel in eine Karaffe geben und den Tee heiß darüber gießen. (Vorher das Mengenverhältnis der Karaffe bedenken, ich weiß wovon ich rede ;-)) Schock kühlen ist für den Geschmack besser, so bleibt der Tee hocharomatisch.
  • 2 Weinbergpfirsiche* schälen und in kleine Würfel schneiden und mit einer halben frisch ausgepressten Limette in den Tee geben.
    Sind keine Weinbergpfirsiche zur Hand (wie bei mir im Rheinland), habe ich mir mit Fruchtaufstrich vom roten Weinbergpfirsich beholfen und davon 4 Teelöffel in das Kaltgetränk eingerührt – das ganze kurz im Thermomix 4 Sekunden auf Stufe 7 einpürriert.
  • Ein paar Blätter frische Minze und Zitronenverbene ebenfalls in die Teekaraffe füllen und  zwei bis drei Stunden in den Kühlschrank stellen.
  • Vor dem Verzehr mit frischen Eiswürfeln anreichern, kurz umrühren und keck ein Minzblatt am Glasrand anrichten und dann Prost.

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*Wo bekommt man jetzt Weinbergpfirsiche?

Weinbergpfirsiche erhält man besten natürlich frisch von der Mosel. Die Erntezeit beginnt Mitte September und geht rund zwei Wochen bis Anfang Oktober. Bei einem leckeren Pfirsecco plaudern wir mit Meta und Markus Dreis über ihr „Hobby“ des Weinbergpfirsichanbaus. Wir sitzen in ihrem Weinprobierkeller und erfahren eine Menge zu Steilhängen in Bremm und „die rude Peesch“, wie Einheimische die traditionsreiche Delikatesse der Terrassenmosel auch nennen.

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Meta und Markus Dreis empfangen uns im kühlem Probierkeller mit einem Pfirsecco

Der Calmont in Bremm ist der steilste Weinberg Europas. Geerntet werden kann in Steilhängen nur von Hand und das ist eine mühselige Arbeit. Brachflächen wurden an der Mosel im Zuge der Zeit immer öfter durch Obstbäume ersetzt. Ein Weinbergpfirsich gehört zu den Rosengewächsen und kommt ursprünglich aus China. Die Sorte, die heute noch auf den Hängen wächst, wurde erstmalig im 16. Jahrhundert in Deutschlands angebaut. Auf den Hängen der Dreis wird wie damals Bio-Anbau betrieben – auch wenn man das vor Jahrhunderten noch nicht so nannte. Sprich, keine Chemie im herkömmlichen Sinn findet sich in der Frucht wieder. Mit viel Fingerspitzengefühl werden ökologisch die empfindlichen Pfirsichbäume das ganze Jahr über mit Hingabe begleitet.

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Besuch beim Weinbergpfirsichbaum – Blogger nehmen alles genau unter die Lupe

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Bald ist der pelzige Weinbergpfirsich zur Ernte bereit

350 bis 400 Pfirsichbäume beernten die Dreis jedes Jahr. Mehr Pfirsichertrag heißt nicht gleich eine bessere Ernte. Das Gegenteil ist der Fall, erfahren wir von Markus. Je höher die Bäume werden und mehr Früchte sie dadurch tragen, so mehr vergreist ein Weinbergpfirsichbaum. Nur oben wachsen mit der Zeit Früchte, unten dagegen kaum mehr etwas. Seine Bäume werden auf 2,20 Meter beschnitten. Zum einen weil es einfacher für die Ernte ist, vor allem aber, weil es besser für die Qualität der ausgefallenen Frucht ist.

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Für mich hat der Weinbergpfirsich in der Konsistenz etwas von einer leicht gekochten roten Beete.

Die besondere Sorte ist rotfleischig und sieht ganz anders aus, als ich sie mir vorgestellt habe. Die Konsistenz ist fester als erwartet. Gegenüber dem normalen Pfirsich ist die Schwester aus dem Weinberg viel aromatischer, dafür weniger süß. Nur drei bis vier Tage können die Pfirsiche nach der Ernte gekühlt aufbewahrt werden. Daher wird ein Teil der Ernte püriert und eingefroren. Daraus erstellt Meta alle zwei Wochen immer wieder frisch neue Fruchtaufstriche vom roten Weinbergpfirsich. Hält sich die Sommerhitze noch etwas, bin ich froh mir von der Moselreise etwas Vorrat der besonderen Köstlichkeit mit gebracht zu haben. Es kann auch online bestellt werden. Alternativ habe ich bereits mit meinem Obst- und Gemüsehändler des Vertrauens gesprochen und ihm von der leckeren Frucht vorgeschwärmt. Er versucht sie mir zu besorgen. Klappt dies nicht, so ist eine Reise an die Mosel immer wieder schön – besonders zur Erntezeit.

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Was Frauen glücklich macht: probieren, stöbern shoppen!

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Essig als Getränk

Bei Dreis ist der Probierweinkeller so gemütlich und liebevoll eingerichtet, dass das Stöbern unter den selbst hergestellten Produkten des Pfirsichbauers doppelt Spaß macht. Da gibt es PfirSecco als „to go“, eine kleine Proseccoflasche vom Pfirsich-Prosecco aus Glas und mit Strohhalm schon in der Flasche integriert. Verschiedene Weine, Liköre, Edelbrände, Fruchtaufstriche und Gelees in besonderen Geschmacksnoten wie beispielsweise Weinbergpfirsich mit Chili. Während Markus uns von seinem Lieblingsgericht, dem Rumpsteak mit Weinbergpfirsich und Ziegenkäse überbacken vorschwärmt, greife ich ins Regal zum Essig vom roten Weinbergpfirsich. Bei den herzhaften Ausführungen von Markus dachte ich an ein neues Dressing für den heimischen Salat, erfahre von Meta aber noch einen weiteren Tipp für heiße Tage: Auf ein Glas Wasser mit Eiswürfeln 2-3 Eßlöffel dieses Essigs geben und genießen! Ich habe es ausprobiert und es schmeckt mir hervorragend: Eine leichte Süße und Säure gleichzeitig, erfrischt und kühl von innen. 

In diesem Sinne genießt die letzten heißen Tage des Sommers.

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In einer kleinen Gasse in Bremm findet Ihr die Weinbergpfirsichbauern Meta und Marks Dreis

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6 Kommentare

  1. Heidrun Braun

    Liebe Tanja, mir läuft das Wasser im Munde zusammen. Ich liebe die kleinen pelzigen Früchte, die im Kuchen und als Marmelade so köstlich schmecken. Sehr schöne Geschichte, ihr Blogger kommt schon richtig gut rum und an die schönsten Stellen im Land ;-))
    Liebe Grüße

    Heidrun

  2. Vielen Dank , es freut mich sehr, dass der Aufstrich den Erwartungen entspricht. Das rote Früchtchen hat es in sich. Genuss pur in den verschiedensten Variationen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Frucht zu etablieren. Sie ist ein hervorragendes Pendant zum Weinbau und gehört einfach zur Mosel. Ich nenne die Früchte immer unsere Pelze (bedingt durch das flauschige Fell) . Der Pelz muss einfach in die Welt. Bei vielen Leuten weckt er Kindheitserinnerungen. Auch frisch vom Baum und roh verzehrt eine Delikatesse ! Der richtige Reifegrad ist wie bei jedem Obst da ganz entscheident. Ich lese oft, die Frucht sei roh ungenießbar. Aber das stimmt nicht. Gerne nenne ich dann das Beispiel vom Verzehr unreifer Bananen, die schmecken auch nicht. Und das zarte `Fell` lässt sich ganz leicht abreiben bzw. abwaschen. Wir freuen uns wenn wir noch viele neue Liebhaber dieser runden Frucht gewinnen können. Herzlichen Dank für Deinen Besuch . Es hat uns sehr viel Freude gemacht. Weiterhin gute Fahrt mit Deinem tollen Auto und eine gute Zeit. Bis dahin und wir sehen uns wieder, ganz bestimmt.

    • Danke liebe Meta für die Gastfreundschaft. Es war toll bei Euch und interessant mehr zur Delikatesse und Anbau zu erfahren. Ich komme auf jeden Fall wieder :-)

  3. Christiane

    Hallo Tanja, ja diesen Pfirsich kenne ich aus meiner Kindheit. Wir hatten wirklich hier in Solingen in unserem Garten so einen Pfirsichbaum. Wo mein Vater ihn Anfang der 50er Jahre her hatte weiß ich leider nicht und fragen kann ich ihn ja nicht mehr. Jedes Jahr bis Anfang der 60er trug dieser Baum wunderbare Früchte, außen mit einer dunklen pelzigen Haut, die man besser entfernte, denn die schmeckte nicht so gut, aber innen blutrot und super saftig. Meine Mutter hat immer davon eingekocht, damit wir auch im Winter diese leckere Frucht genießen konnten. Aber auch frisch vom Baum wurde er direkt, als Belag auf einem Tortenboden und als Kompott gegessen. Leider mußten wir den Garten aufgeben und im neuen Domizil hat sich der Baum dann nicht mehr wohl gefühlt und ist eingegangen, was wir sehr bedauert haben. In den 90er Jahren haben wir dann einen Winzer in Pünderich des öfteren besucht und der machte leckeren Pfirsichlikör von diesen Früchten. Leider ist der Anbaubetrieb aus Altersgründen heute auch nicht mehr, aber ich erinnere mich gerne an diesen Pfirsich und all das, was daraus gemacht wurde.

    • Was für eine schöne Geschichte! Das so ein Baum sich auch hier hält, hätte ich nicht erwartet. Freue mich, dass ich mit dem Artikel Deine Kindheitserinnerungen geweckt habe. Dann auf nach Bremm an die Mosel. Bald geht die Saison los. Und der Aufstrich von Meta Dreis ist ein Gedicht!

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