Jugendstil-Internat bei Mechelen: Willkommen im ewigen Frühling!

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Es ist so einer dieser Ausflugsziele, von denen man nicht viel erwartet. Man denkt sich: „Wenn ich schon mal hier bin, dann nehme ich das noch mit.“, hat aber keine großen Ansprüche, was auf einen zu kommen wird. So ging es mir, als man mir empfahl, ich sollte das Internat in der Nähe von Mechelen besuchen. Und dann kommt es ganz anders als man denkt: Was ein Wahnsinns-Kunstwerk! So etwas Einmaliges und Einzigartiges hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen! Aus einer geplant kurzen Stippvisite wurde ein Aufenthalt über Stunden – und ich konnte nicht genug bekommen. Das müsst Ihr gesehen haben!

Nach meinem schönen Städtetrip in Mechelen verlasse ich etwas wehmütig die Stadt. Gönnten mir die letzten Tage etwas Sonne, so regnet es heute Bindfäden. Die Wolken hingen tief und trübe. Bevor ich nach Hause fahre, steuere ich die kleine Ortschaft Onze-Lieve-Vrouw-Waver an. 10 km von Mechelen Stadt entfernt soll es ein außergewöhnliches Internat geben. Dass ich sonntags mal eine Schule besuchen werde, hatte ich mir auch nicht träumen lassen. Auf den großen freien Parkplatz parke ich unkompliziert ein. Besonderheiten kann ich nicht entdecken. Ich renne durch den Regen zum Eingang. Von der Nässe angetrieben reiße ich hektisch die schwere Holztüre auf und rette mich ins Trockene. Umgehend bleibe ich wie angewurzelt stehen. War ich richtig? Meine ungrazile Art die Türe zu öffnen, ließ mich plötzlich wie ein Elefant im Porzellanladen fühlen. Statt erwarteten Linoleumboden, wie man ihn aus Schulen kennt, trete ich auf edlem Stein und Marmor. Das Licht ist gedämmt, schimmert einladend und gemütlich. Holztüren mit aufwändigen Glasarbeiten zieren den Gang, der zum Ende hin immer heller wird. Bezaubernde, feingliedrige Stuckarbeiten schmücken die Decke und die Wände.

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Eingangsbereich Ursulineninternat

Ich weiß nicht, wie lange ich vom Regen vor mir hintröpfelnd so gestanden habe. Erst jetzt bemerke ich neben mir einen älteren Herren, der mich anlächelt und mich mit den Worten begrüßt: „Ja, das geht vielen so bei ihrem ersten Besuch.“ Dann schweigt er, lächelt weiter und lässt mir den Raum zum Ankommen.
Er stellt sich mir als Paul vor und hat schon auf mich gewartet. Eine kleine Gruppe vor mir beginnt bereits mit der Führung. Ich würde gern alleine durch das Internat schauen. Gruppenführungen sind immer etwas hinderlich beim Fotografieren. Mein Wunsch ist leider nicht umsetzbar, aber ich bekomme dafür netterweise eine Extraführung mit Paul und darf im Wintergarten Platz nehmen und auf ihn warten, bis er Zeit für mich hat.

Der Wintergarten

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Der Eingang zum Wintergarten

Platz nehmen? Daran ist gar nicht zu denken. Meine Augen irren hektisch hin und her. Ich habe einen kleinen Overflow an Eindrücken. Der Himmel schimmert durch das Dach des Wintergartens und lässt die gläsernen Jugendstil Künste in allen Farben schillernd leuchten. Ein Springbrunnen plätschert vor sich hin. Sämtliche Fenster sind verziert, selbst die Böden und Stühle haben Ornamente. Wandmalereien erstrahlen in Pastelltönen und Handschrift der Vergangenheit. Jede einzelne Wand-Porzellanfliese ist bemalt. Hier ist alles und jede noch so kleine Ecke im Jugendstil umgesetzt – und das ist einzigartig wunderschön! Das alles wirkt so perfekt, als ob ich mitten 1895 ins „Art nouveau“-Zeitalter gestolpert bin, die Kunstzeitschrift „Jugend“ von Georg Hirth in den Händen halte und ich frisch diesen Saal  hätte renovieren lassen.

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Fasziniert und sprachlos setze ich mich dann doch auf einen der Holzstühle, vergesse die Kamera und meinen Reporterblock. Ich muss das ganze Ensemble auf mich wirken lassen. Obwohl? Hatte ich mich da gerade mit meinem Astralkörper auf einen über Hundert Jahre alten Holzstuhl plumpsen lassen?!? Erschrocken sprang ich wieder auf und stelle erleichtert fest, dass alles unversehrt geblieben ist. Damals wurde stabil gebaut.
„Setzen Sie sich ruhig wieder.“, rief Paul mir zu. „Wir sind hier in keinem Museum, sondern in einer Schule. Das wird heute noch alles benutzt.“ Jetzt kam ich wieder ans Denken. Nicht nur, dass hier alles wie neu aussieht und ich mitten in einer Zeitreise stecke. Dieser schmucke Raum wird heute noch von Schülern benutzt? Meine Schule kommt mir in den Sinn und vor meinem inneren Auge ziehen Bilder ab, wie Putz von den Wänden und Decken bröckelt. Kaum zu glauben, dass sich die heutigen Verhältnisse zu meiner damaligen Schulzeit und Sparpolitik geändert haben. Ich bin noch mehr beeindruckt von dem Internat – und das wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

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„Es ist ein Juwel.“, berichtet mir Paul stolz und breitet die Arme mit funkelnden Augen aus, um den gesamten Wintergarten zu präsentieren. Ich nicke immer noch überwältigt, während über uns sich in der Glaskuppel ein magisches Schauspiel von Licht und Farbe abspielt. Ich erfahre, dass das Ursulinen Institut 1900 von den katholischen Schwestern des Klosters in Our Lady-Waver ins Leben gerufen wurde. Früher war es ein reines Internat für Mädchen, heute wird es als offene Schule genutzt.

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Während der Regen gegen das historische Glasdach pläddert, schillern die Farben dennoch intensiv auf uns herab. Mit dem Tele entdecke ich Details, wie filigran die Fensterkunstwerke angefertigt wurden. Geduldig ist Paul mit mir, weil ich glaube von jeder erdenklichen Perspektive mit jedem Objektiv jedes Motiv mehrfach ablichten musste. Schaut man genau hin, entdeckt man, dass der Künstler in den Geschichten den Morgen, den Mittag und den Abend eingefangen hat.
Wie kommen katholische Schwestern dazu, so einen prunkvollen Wintergarten einzurichten? Die Antwort ist manchmal ganz einfach. Sie waren clever, gab Paul mir mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Belgien reich und erlangte Weltruhm in Wissenschaft, Kunst und Technik. Pädagogische Werte waren damals wichtig, Reichtum vorhanden. Der Wintergarten wurde über die Grenzen von Mechelen im gesamten Land bekannt. Heute würde man es eine Marketingkampagne nennen. Je mehr Schulgelder eingingen, desto mehr konnte investiert werden, um so gefragter wurde das Internat. Töchter des Bürgertums aus dem In- und Ausland rangen um einen Platz in diesem Haus. Zu Spitzenzeiten wohnten hier 1.500 Schülerinnen.

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Der Wintergarten wurde damals primär als Empfangsbereich für internationale Gäste des Ursulinen-Internats genutzt, ebenso für Empfänge und Urkundenübergabe bei Abschluss der Schülerinnen. Heute wird er meistens für Vorträge verwendet.
Ein weiteres Highlight ist der mediterran gestaltete Brunnen. Das Original wurde in Dresden entdeckt und weil – als so schön empfunden – erneut bei der Luxusmanufaktur in Auftrag gegeben. Man konnte es sich damals leisten.

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Ich vergesse die Zeit, bis Paul mich auffordert, dass es noch weitere Räume zu sehen gibt. Bevor wir weitergehen, möchte ich noch einmal die Toilette besuchen. Das solltet Ihr Euch ebenso nicht entgehen lassen, wenn Ihr einmal eine Toilette aus dem 19. Jahrhundert erleben wollt. Schon die Holztüren sind schnuckelig, Fliesen und weitere Verzierungen hätte ich gern für die eigene Deko mitgenommen.
Der Komplex des Internats ist riesig. Zum Anwesen gehört nicht nur der traumhafte Wintergarten, sondern nach wie vor das Kloster, eine Abteikirche, Oratorium, verschiedene Kantinen, zahlreiche Lehrzimmer, ein Schulmuseum, Klaviergalerie, Musikzimmer – alles für sich einzigartige Orte.

Die Korridore

Ich merke schnell, dass ich mich an Pauls Versen heften muss, sonst bin ich verloren. Wie in einem Labyrinth bahnen wir uns durch das Internatsanwesen und Paul kennt zielstrebig den richtigen Weg. Während mir ein Ah und Oh entgleitet und ich durchaus auch mal einen schnellen Schuss mit der Kamera einfange, steuert er uns weiter, sonst werden wir bei meinem Tempo wohl hier eine Nacht verbringen müssen. Im Vorbeilaufen schließt er für mich die ein oder andere Türe auf, die mir ganz modern eingerichtete Klassenzimmer zeigen. Auch hier bin ich wieder beeindruckt wie ordentlich und sauber alles ist. Schmierereien wie auf unseren Schulen gibt es nicht.
Wir gelangen zum Empire-Korridor. Sämtliche Fenster sind mit charakteristischen Dekorationen ins Glas geätzt. Der Empire-Korridor ist lichtdurchflutet und das Herz-Verbindungsstück zu vielen weiteren wichtigen (Repräsentations)Räumen. Ein bisschen macht sich bei den vielen Treppen Harry-Potter-Feeling breit und ich fühle mich eindeutig an meine Hanni und Nanni Bücher erinnert.

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Eine Ehrentreppe aus rosafarbenden Mamor.

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Berge in Flandern – Das Alpinzimmer

Als Paul die nächste Türe für mich öffnet, ist es wie ein Überraschungspaket. Hanni und Nanni verschwinden aus meinem Kopf und machen auf meiner Kopfbühne Heidi Platz. Berge und Winterlandschaften strahlen als Wandmalerei, dazu stehen akkurat Salonmöbel bereit. Im Alpinzimmer trafen sich damals die Töchter mit ihren Eltern zu einem Plausch mit großer Wiedersehensfreude – gediegen, wie es sich ziemte versteht sich.
Mir fallen überall Beschriftungen auf und Paul erklärt mir, dass alle 14 Schweizer Landschaften dargestellt werden und das Credo des Internats stets war „lernen, lernen, lernen!“. Im gesamten Haus verteilt werde ich noch viele weitere Dekoration finden, offeriert mir Paul, die nie reine Dekoration ist, sondern mit Beschriftung stets auch eine Lernhilfe ist.

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Fest-Refektorium, oder sagen wir einfach: Speisesaal Deluxe

Bekamen die Schülerinnen Besuch, wurden die Mahlzeiten getrennt von den Eltern eingenommen. Eltern durften in diesem Refektorium  speisen. Keine harten Holzstühle, sondern mit Leder abgefedert, saß man bequemer, während im Nachbarraum – allerdings nicht weniger stilvoll – die Töchter aßen.

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Vom Oratorium zum Konzertraum

Dieser neoklassizistische Raum war ursprünglich die Kapelle der Schule, bis die immer größer werdende Schülerzahl dem Raum nicht mehr gerecht wurde. Heute finden im Oratorium Konzerte statt. Paul lenkt meine Aufmerksamkeit auf die kleinen Stützen bei den Klappsitzen. Das war die Unterstützung der Schwestern, wenn sie nicht mehr stehen konnten, lehnten sie ihren Popo an die Holzdeko.

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Die Klosterkapelle

Je mehr Schüler ins Ursulinen Internat strömten, so kleiner wurde die ursprüngliche Kapelle. Es wurde eine neue Kirche gebaut. Der Bau der Kirche wurde 1912 nach den Plänen des Landes Architekt Eduard Careels abgeschlossen. Und auch hier finde ich ein besonderes Lichtspiel und künstlerische Schnitzereien wieder.

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Die Musikzimmer und eine Klaviergalerie

Noch heute wird im Musikbereich des Internats musiziert. Das Musikzimmer ist kein Zimmer im eigentlichen Sinn. Als Paul die Türe für mich aufschließt, bleibe ich wieder andächtig stehen. Jedes mal erneut umgibt mich eine besondere Atmosphäre, die ich erst einmal auf mich wirken lassen muss. Mein Gefühl ist ehrfürchtig. Ein schier endlos erscheinender Korridor mit etlichen Türen links und rechts endet nicht nur im kleinen Lehrerzimmer, sondern wird gekrönt mit der Statur, der Göttin der Musik.

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Weiter vorne bemerkt Paul, dass die Türen nicht richtig verschlossen wurden. Er rückt alles wieder zurecht und gerade, bis die Ordnung wieder hergestellt wurde. Dabei berichtet er mir, dass in diesem Bereichen nichts an den Wänden zum Lernen oder zur Dekoration steht. Dem Musiker soll nichts von seiner Kunst des Musizierens ablenken. Das ist bis heute so. Lediglich die Fenster sind kunstvoll gestaltet, aber in Milchglas, damit keine Ablenkung von draußen aus dem Park stören kann.

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Schulmuseum und Lernmaterialien

Wir nähern uns langsam dem Ende meines Rundgangs. Alle anderen Führungen sind schon zu Ende. Nur Paul und ich streifen noch durch die Gänge. Er wohnt im Ort und ist ehrenamtlich tätig. Jeden Sonntag führt er interessierte Besucher durch die Hallen und Zimmer des alten Internats.
Neben den vielen Eindrücken der historischen Räume darf ich auch immer wieder einen Blick in die neuen, gut ausgestatteten Räume werfen. Wertschätzung an Lern- und Lehrmaterialien wird in der Schule gelebt, so ordentlich und sauber ist es.
Beim Schulmuseum gibt es viele Lernmaterialien, manche sind neu, manche noch aus den Altbeständen von vor über 100 Jahren.

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Kleinigkeiten, doch wunderschöne weitere Relikte der alten Zeit

Im Übergang zum Neubau macht Paul mich auf die Blumen an den Wänden aufmerksam. Auch hier wieder alles beschriftet, selbstredend mit lateinischen Namen. Und da ist es wieder: Lernen, lernen, lernen!

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Im Übergang sind viele Pflanzenarten künsterlisch aber mit Lerneffekt umgesetzt.

Was glänzt ist echtes Gold! In jedem Winkel des Hauses finden sich Ornamente und künstlerische Finessen. Da sind Blumen im Boden als Mosaik eingelassen oder die Ecke zur Heizungsanlage mit Goldornamenten verschönert.

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Hier ist alles Gold, was glänzt!

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Selbst der Boden ist schön und nicht ohne Deko.

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Wie viele Schüler hier in 2er-Reihen schon auf und ab gegangen sind?

Das willst Du auch erleben?

Es gibt noch weitere Räume zu erkunden und weit mehr Geschichten zur Geschichte. Aber das müsst Ihr am besten selbst live erleben. Mein Tipp: Kombiniert den Ausflug mit einer gemütlichen, genussvollen Städtereise nach Mechelen. Das Internat ist ein Geheimtipp in Flandern, es gibt kaum etwas in Reiseführern oder gar deutschsprachigen Internetseiten.
Der Ausflug und die Zeitreise im Jugendstil-Internat hat mich schwer beeindruckt und fasziniert mich beim Schreiben des Artikels und Durchsicht der Fotos wieder erneut. Ich hoffe, es hat Euch genauso gut gefallen wie mir. Plant bei Eurem Besuch reichlich Zeit ein – es lohnt sich!

  • Verein Wintertuin, Bosstraat 9, 2861 OLV Waver – Belgien, Flandern
  •  0032-15 75 77 28
  •  info@olvwaver.be
  • Der Eintritt beträgt 10 Euro. Die Karten sind begrenzt. Am besten Ihr nehmt vorher Kontakt auf.
  • Es gibt regelmäßig Veranstaltungen vor Ort. Am besten informiert Ihr Euch rechtzeitig vor Eurem Besuch, dass eine Führung möglich ist oder Ihr eine Veranstaltung mit Eurem Besuch kombinieren könnt (Beispielsweise: Kombination eines Frühstücks im Internat mit anschließender Führung)
  • Es kann eine Einzel- oder eine Gruppenführung gebucht werden.
  • Von März bis Oktober gibt es jeden Sonntag (mit wenigen Ausnahmen) um 14.30 Uhr Führungen durch das Internat. Als Sprachen werden angeboten: Niederländisch, Französisch oder Englisch.
  • Wer mag: Die meisten Räume können auch für eigene Festivitäten/Firmenevents angemietet werden.

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Ich bin mit Paul die letzte, die an diesem Sonntag die Türen abschließt. Nach einem genialem Wochenende in Flandern geht es für mich wieder heimwärts. Mehr zu meinen Flandernreisen findet Ihr im Blog hier und im folgendem Video (ab Min 2.04 auch Filmeindrücke zum Internat).

OffenlegungIch habe meine Reise auf Einladung von VisitFlanders unternommen. Danke für die tolle und sehr persönliche Führung an Paul vom Förderverein des Ursulinen-Internats. Es war die beeindruckendste Schule, die ich je gesehen habe!
Meine Meinung bleibt wie immer die eigene.

Nachtrag 5.2.17:
Extra für Hildegard gibt es auch noch ein Foto von den schönen, alten Toiletten ;-)

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17 Kommentare

  1. Wunderschön! Da muss ich auch unbedingt mal hin!
    Die Farbpracht im Wintergarten und die tollen Schnitzereien in der Kapelle: traumhaft!
    Selbst die Toiletten sind ein Hingucker!
    Toller Tipp, vielen Dank!
    Herzliche Grüße,
    Annette

    • Viel Spaß – ich kann Dir den Ausflug sehr empfehlen. Bring Zeit mit – ich habe hier länger verweilt und mich treiben lassen weil es so schön war…

  2. Hildegard Jansen

    Eine Wahnsinnsschönheit, die nicht in der Wirklichkeit zu existieren scheint! Ich schwelgte in allen diesen herrlichen Bildern! Was für eine Schule! Ich glaube, in der hätte ich jeden Tag meine helle Freude an diesem Rausch der Sinne gehabt. Denn auch ich liebe den Jugendstil und bin ein totaler Fan von Buntglasfenstern. Schaaaaaaaaade nur, daß nicht auch noch Photos von den alten Klos mit reingestellt wurden. Bitte nachlegen!

  3. Sagenhaft und wunderschön! Und das soll eine Schule in Betrieb sein? Wo Schüler auf Jugendstilstühlen ihr Mittagessen einnehmen? Das ist ja kaum zu glauben…

    • Es gibt schon andere Räume heute zur Mittagszeit für das Essen – aber ja, die Schule wird heute noch genutzt. Und auch die neuen Räumlichkeiten sehen nicht weniger gepflegt und ordentlich aus…

      • Vielleicht sind Schüler in Belgien ja anders… Oder so eine schöne Umgebung wirkt an sich schon besänftigend? Wir hatten mal eine belgische Gastschülerin, die könnte ich mir da gut vorstellen:)

  4. Wenn das Erwachsensein mal wieder so kompliziert ist, hab ich ja schon öfter gedacht, ich möchte gerne nochmal Schüler sein. Ob die Schüler, die hier zur Schule gehen auch nur ansatzweise ahnen, wie pri­vi­le­giert sie sind? Ich war ja vor einiger Zeit in Barcelona, wo man schon vom Jugendstil geflasht wird. Aber das hier, das ist der Oberhammer.

    Vielen Dank, das Du das gefunden hast. Da muß ich hin!
    Liebe Grüße, Heike

    • Es wird Dir gefallen Heike. Ich glaube, da sind auch Gärten in der Region für Deine jährlichen Gärtenausflüge.
      Barcelona hat auch so viel Jugendstil? Ich liebe es!

  5. Christiane

    Wow, mehr kann man dazu im Moment nicht sagen und ich muß es mir nochmal ganz in Ruhe alles ansehen, da ich ein großer Jugendstil-Fan bin. Toll, was Du so alles entdeckst.

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