Das Gasometer in Oberhausen: Wo die Erde von der Decke baumelt und Ihr Naturwunder bestaunen könnt

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Der Wind fegt ungemütlich auf dem Weg ins Gasometer. Statt draußen zu verweilen, zieht es mich trotz Sonne nach drinnen ins Warme. „Du weißt schon, dass es im Gasometer kalt und ungeheizt ist?“, fragt mich Ingo mit einem süffisanten Lächeln und ergänzt allwissend: „Steht auch auf der Website.“ Bingo, da haben wir es wieder. Manchmal bin ich eine kleine Chaotin. Nicht, dass ich es mir hätte anlesen können, nein, es wäre auch eine logische Schlussfolgerung gewesen, dass ein so großer Raum wie das Gasometer nicht beheizt wird. „Aber windstill wird’s da sein.“, kontere ich. Wir Frauen können uns ja schlecht mit einer schweigenden Niederlage zufrieden geben. Dabei hat Ingo den Nagel auf den Kopf getroffen: Ich hab viel von der Ausstellung gehört, wollte diese daher unbedingt besuchen, allerdings richtig informiert habe ich mich vorher nicht. Was uns wohl genau hier erwarten wird?

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Die Ausstellung „Wunder der Natur“

Dunkelheit umgibt uns beim Eintreten. Der Betonboden ist ein wenig beleuchtet. Stahl und Industriecharme sind kunstvoll inszeniert. Mitten in diesem Ensemble schauen mich Affenaugen an. „Das Bild kenne ich!“, fährt es mir durch den Kopf. Ich lasse meinen Blick schweifen und entdecke noch mehr mir bekannte Bilder.
Wunder der Natur“ heißt die Ausstellung und stellt die schöpferischen Kräfte der Tiere und Pflanzen dar. Dafür haben Filmemacher des BBC-Senders und Fotografen der Zeitschriften GEO, National Geographic, ihre Werke zur Verfügung gestellt. Daher kommen uns die Exponate so bekannt vor. Ich gehe näher, betrachte den Affen, sehe seine kleinen Häärchen auf dem Kopf und die Augen. Was sagen sie mir? Angst? Bedrohung? Mitleid? Ich kann es nicht sagen. Auf jeden Fall ein faszinierendes Bild.
Wir schreiten weiter die Parterre des Gasometers ab. Überall entdecken wir Dokumentationen vom Schöpferischem des Lebens. Die Makroaufnahmen der Fotografen geben spektakuläre Einblicke, besonders wenn sie wie hier so großformatig dargestellt werden. Das Gasometer setzt die Bilder dabei kunstvoll mit Lichtspielen und Stahlgerüst in Szene und vermittelt setzt Akzente.

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Die biologischem Systeme unserer Erde sind schon genial entwickelt. Im zweiten Geschoss des Gasometers gibt es Geschöpfe zu sehen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Beispielsweise einen Riesenschuppenwurm, der 1939 in der Ostantarktis „archiviert“ wurde. Er lebt zwischen 30 und 900 Meter Tiefe und man vermutet, sie werden bis zu 12 Jahrenalt. Selbst heute weiß man über diese außergewöhnlichen Tiere nicht alles.

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Ein Ameisenbär lehrt mich das Gruseln. In Formaldehyd eingelegt, bei schummriger Beleuchtung, wirkt das tote Tier mit seinen Falten und Beschaffenheit wie im Gruselkabinett.

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Auf den Weg zu der Treppe in den dritten Stock höre ich schon von weitem die Ahs und Ohs anderer Besucher. Was gibt es da zu sehen? Es hat auch Vorteile, sich nicht vorher ausgiebig schlau zu machen, so ist ein Überraschungseffekt deutlich höher. Und der ist hier im Gasometer gewaltig. Über mir schwebt eine gigantisch große Erdkugel. Es ist dunkel, nur die Erde strahlt und leuchtet, als ob ich aus dem Weltall auf sie hinabschauen würde. Aus den Lautsprechern klingt sphärische Musik und das Erlebnis ist ein Stück unwirklich. Ich gehe langsam die Treppe hoch. Entdecke auf Betontreppen überall Besucher liegen. Alle schauen gebannt nach oben.

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Was auf dem Foto so klein und unbedeutend aussieht, ist im wirklichen Erleben unheimlich beeindruckend! Der Höhepunkt der Ausstellung „Wunder der Natur“ ist die Erde selbst. Im monströsen Hohlraum des Gasometers hängt frei schwebend eine 20 Meter große Kugel im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers. Durch ausgeklügelte Projektionen erwacht unser blauer Planet zum Leben. Die Projektion vor uns ist in der Art einmalig. Wie schön unsere Erde ist! Satellitenbilder bewegen sich. Wir werden Zeugen von Tag- und Nachtwechsel, Wandel der Jahreszeiten. Selbst den Wasserdampf in der Atmosphäre können wir sehen. Das Beobachten der Erdatmosphäre ist faszinierend, fast so als befände ich mich im Nirgendwo des Alls und schaue auf weiter Ferne auf die Erde. Bei der Fahrt mit dem Panoramaaufzug auf die Aussichtsplattform verstärkt sich dieses Gefühl noch mehr. Bemerkenswert, was das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) mit diesem Exponat geschaffen hat. Mehr Einblick dazu gibt ein „making-of“-Film:

Mit dem Panoramaaufzug schweben wir in luftige Höhen. Unter uns immer noch die Erde, über uns das Dach des Gasometers. 105 Meter bringt uns der erste Aufzug. Wer Geduld hat und warten kann (das können Männer ja nicht so gut), kann mit einem zweitem Aufzug ganz nach oben auf die Plattform von fast 120 Metern. Wer nicht warten mag, der läuft wie wir zwei weitere Etagen hinauf. Jede Stufe bringt noch mehr Wind mit sich. Nicht das erste Mal muss ich an Missfits denken, aber dazu später mehr.

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Safety First – Das Gasometer ist auf der Plattform mit Käfigen ausgestattet

Oben angekommen fühle ich mich etwas wie ein Käfigtier, aber safety first. Teilweise sind Aussparungen im Gitter zum Fotografieren gelassen worden, teilweise muss man sein Objektiv durch die Stangen balancieren. Je höher wir kommen, um so mehr nimmt der Wind zu. Ich schieße ein paar Eindrücke mit fast steifen Fingern und beeile mich dann doch, wieder zum Aufzug zu kommen. Für einen entspannten Ausblick haben wir uns heute das falsche Wetter ausgesucht. Dabei ist es der höchste Punkt des Ruhrgebiets und ein weiter Blick möglich.

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Mein Fazit zur Ausstellung: Es ist eine interessante Ausstellung, von der ich allerdings etwas mehr erwartet hatte. Ich war das erste Mal im Gasometer und hatte mir die Ausstellungsfläche größer bzw. mit mehr Etagen vorgestellt. Aber logisch, wenn man bedenkt, dass man im größten Gasometer Europas spazieren geht: einem Hohlkörper!
Persönlich kannte ich schon viele Bilder aus der Zeitschrift GEO und Filme vom Sender BBC, da mich das Thema schon immer interessiert hat. Die Erde im oberen Geschoss freischwebend mit der besonderen Projektion hat auf jeden Fall etwas und ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Bis zum 30. November 2017 könnt Ihr die aktuelle Ausstellung im Gasometer besuchen. Protipp: Jacken zu jeder Jahreszeit mitbringen.

Industriedenkmal Gasometer

Das Gasometer ist Teil der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. Auf rund 400 km durch das Ruhrgebiet reist man auf diesem Roadtrip durch die Zeitgeschichte des industriellen Erbes des Ruhrgebiets. Von Hochöfen und Fördertürmen, über Zechen und dem Gasometer – heute sind sie alle wichtige Zeugen der industriellen Vergangenheit des Reviers. Einst wurde hier malocht, heute entspannt man sich und genießt lebendige Erinnerungsorte.
Auf der Tour gibt 17 Panoramenpunkte und 25 sogenannte Ankerpunkte, Highlights. Das Gasometer gehört dazu. Wer möchte, kann auch auf Themenrouten die Vielfalt des Ruhrgebiets entdecken – und davon gibbet viel!

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Über 400 km erstreckt sich die Route der Industriekultur durch das Ruhrgebiet – das Gasometer ist ein Highlight und Ankerpunkt dieser Route

Der Gasometer wurde 1929 für die Eisenhütte in Oberhausen gebaut. Er diente als Speichervorrichtung des Hochofengases. Im Innern des gigantischen Gebäudes wurde unter einer wuchtigen Scheibe das Gas im Hohlraum gelagert. Durch Auf- und Abwärtsbewegungen der Scheibe konnte der Speicherplatz variabel angepasst werden. Durch das Scheibengewicht bei unterschiedlichen Füllständen blieb der Gasdruck dabei konstant. Ein Novum zur damaligen Zeit.
1988 wurde Oberhausens Gasometer still gelegt und 1994 zur größten Ausstellungshalle Europas umgebaut. Das Raumerlebnis ist einmalig und gigantisch. Auch die Höhe kann sich sehen lassen und bietet einen Superlativ: Mit 117,5 Metern ist es der höchste Gasometer Europas. Wie viel „Konkurrenz“ er in Europa hat, d.h. wie viele Gasometer es überhaupt in gibt, kann ich Euch allerdings nicht sagen – auf jeden Fall ein sehr beeindruckendes Industriedenkmal mit sicher spannenden noch kommenden Ausstellungen.

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Das Gasometer in Oberhausen war der größte Gasspeicher Europas

Ruhrgebietsfeeling „auffem Gasometer“ – oder die Oberhausener Hymne

Wer Lust auf noch mehr Ruhrgebiets-Feeling hat, sollte sich die Missfits nicht entgehen lassen. Kennt Ihr noch, oder? Zu schade, dass es sie heute nicht mehr im Duo gibt. Die beiden haben quasi die Oberhausener Hymne kreiert oder anders gesagt:

„Datt is datt beste, watte an Liedken übber dat Örtken zu hörn kriss!“

So trällerten einst Stephanie Überall und Gerburg Jahnke:
„Stehse auffem Gasometer im Sturmesbrausen
und alles watte siehs
is…..
Oberhausen.“

 

Gasometer in Oberhausen
Arenastraße 11
46047 Oberhausen

www.gasometer.de

Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 18 Uhr, in den Ferien auch montags

Ticketpreise: Erwachsene 10 €, Kinder 7 €; es gibt verschiedene Ermäßigungen und Kombitickets

Mit der Ruhr.TOPCARD ist der Eintritt frei.

 

Hinweis: Ich erhielt freien Eintritt zur Ausstellung ins Gasometer. Vielen Dank dafür. Meine Meinung bleibt wie immer die eigene.

Danke an Ingo für den gemeinsamen Ausflug, bei dem ich wieder eine Menge an meiner Kamera Neues entdeckt habe und durch den Profi viel gelernt habe ;-) Sein Artikel erfolgt iim April auf www.reise-wahnsinn.de.

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4 Kommentare

  1. Dank Deines Berichtes bin ich auf das Gasometer aufmerksam geworden. Werde ich unbedingt mal besuchen.
    Vielen Dank für Deinen schön zu lesenden und informativen Artikel.

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