Cabriotour durch die toskanische Auvergne: Von Oldtimern, Châteaus und alten Bergdörfern

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Das muss er sein! Ein Mann mittleren Alters lächelt mich an und winkt mir zu. Ich stehe mitten auf dem Marktplatz von Ambert und warte auf Michel. Ist der lächelnde Mann der Richtige? Wir hätten vielleicht ein geheimnisvolles Erkennungszeichen – wie Rose am Knopfloch – vereinbaren sollen? Der Mann, der mir lächelnd zuwinkt, sitzt nämlich in einem LKW – eine Art Transporter – und keinem Cabriolet. 

Meine Verwirrung löst sich, als der Laster um die Ecke biegt. Huckepack hat er einen funkelnden grünen Wagen geladen. Mein Date war also richtig. Aber der aufgeladene Wagen war so klein und niedlich, ob das richtig sein kann? Erschreckend schießt mir durch den Kopf: „Passe ich da hinein???“. Der Wagen ist ein wahres Schätzchen: Ein Triumph TR4! Klein. Niedlich. Nichts für Vielweiber? Von der Ferne habe ich den Roadster schon oft bewundert. Jetzt, wo er langsam vom LKW gelassen wird, kommt er mir vor wie ein Puppenauto. Etwas verunsichert vertraue ich mich Michel an, ob wir da beide hineinpassen? Er lacht, sieht das optimistisch, ich könne auch selbst fahren. Dankend lehne ich ab, das ist mir nicht ganz geheuer. Ich entschuldige mich, hatte nicht dran gedacht, dass Vintage Cars so klein und schnuckelig sind. Auch hier lächelt mich Michel gewinnend an, animiert mich zum Ausprobieren und wenn nicht, hätte er auch noch einen Mustang im Angebot. Ich entspanne mich und mein außergewöhnlicher Tag in der toskanischen Auvergne kann also beginnen…

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Während mein Auto in Ambert auf den Hänger geladen wird, starten wir unsere Oldtimer-Cabriotour mit diesem schönen TR4 ab Ambert

Michel, der Wunscherfüller von Classicarverne

Während ich den Triumph bestaune (und heimlich die Innenmaße abchecke), wird mein Auto auf den Laster geladen. Michels Mitarbeiter bringt ihn, während wir uns gleich auf den Straßen der Auvergne vergnügen werden, zu meiner heutigen Unterkunft. Das ist Service – und damit kennt sich Michel besonders gut aus: Der Oldtimerbegeisterte betreibt in der Auvergne Classicarverne. Seine Firma ist Reisebüro und Verleih von Vintagecars in einem. Er war der erste, der in Frankreich einen Oldtimerverleih ermöglichte. Aber diese Beschreibung würde seinem Lebenswerk nicht gerecht. Michels Augen leuchten, als ich ihm nach seiner Firma frage. Bei ihm kann man nicht nur wunderschöne Oldtimer zum Selbstfahren leihen, Michel versteht sich als Wunscherfüller und macht jeden Ausflug mit seinen Autos zu einem ganz besonderen Erlebnis. Er fertigt Roadbooks nach allen erdenklichen Wünschen an, fragt nach Interessen und baut Highlights in die ganz individuell kreierten Touren ein. Auch ich bekomme auf meiner heutigen Tour einen besonderen Wunsch erfüllt, aber dazu später mehr.

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Michel von Classicarverne kreiert für jeden Kunden individuelle Roadbooks mit seinen Vintage Cars durch die toskanische Auvergne

Wer jetzt gedanklich aussteigt und sich denkt, so ein ausgefallenes Erlebnis in der Auvergne ist preislich unerschwinglich, der wird positiv überrascht sein, dass eine Nachmittagstour zum Selbstfahren in einen der alten Schätzchen schon ab 130 Euro zu haben ist. Ein bezahlbarer Ausflugsluxus, den man sich gönnen kann. Selbst eine Luxusvariante finde ich mit Oldtimertour zum Selbstfahren, Picknick in der grünen Auvergne, einer Übernachtung im Schloss und Hubschrauberflug über die Vulkane der Auvergne ist pro Person mit etwas über 500 Euro erschwinglich. Von der Stange gibt es bei Michel allerdings nichts. Er liebt es, individuell die Touren seiner Kunden vorzubereiten.
Mich interessieren heute neben tollen Landschaften besonders Schlösser. Michel hat für unsere Tour heute einige ausgewählt, in denen man auch übernachten kann.

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Triumph TR4 – Fast wie Kettcar fahren

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Bin froh, dass Michel Treille heute das Steuer in den Händen hält

Die Route – Wenn die Toskana in der Auvergne zu Hause ist

Mit einer gehörigen Portion Skepsis nehme ich in dem schönen Triumph Platz, rutsche noch etwas zur Beifahrertür soweit es möglich ist, als Michel den Fahrerplatz einnimmt. Passt. Wackelt. Hat keine Luft. Aber es geht. Im TR4 zu sitzen hat etwas von Kettcar fahren. Der Wagen ist äußerst niedrig. Der Popo sitzt fast auf der Fahrbahn. Man sitzt nicht mit angewinkelten Beinen, man liegt eher und streckt die Füße aus. Ich spüre Michels Schulter an meiner. So kann man auch Bekanntschaften machen, denke ich mir. Vor wenigen Minuten war mir Michel noch unbekannt, jetzt sitzen wir dicht beieinander und starten unsere heutige Tour.

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Unterwegs im Triumph TR4 durch die toskanische Auvergne

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Auvergne: Unendliche Weiten und viel Grün!

Von Ambert führt uns zunächst eine breite Landstraße durch die Auvergne. Franzosen nennen die Auvergne „das weite Land„. Weit blicke ich über malerische Wiesen und Felder, ganz in der Ferne kann ich kleine Vulkanhügel erahnen. Michel steuert zunächst auf gerader Strecke den Wagen und schwärmt mir von seiner Heimat vor. Die Auvergne ist dünn besiedelt. Hier gibt es noch viel Ursprünglichkeit und Zeitzeugen vergangener Kulturen. Eigentlich ist die Natur Ende Mai schon viel weiter, berichtet mir Michel. Aber wie bei uns war dieses Jahr kein richtiger Frühling, so dass die Natur noch nicht alles in ihr grünes Kleid getaucht hat. Aber überall sprießt es und riecht nach Sommer.

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Phantastische Straßen mit schönen Kurven in malerischer Hügellandschaft – man kann sich in die toskanische Auvergne verlieben

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Kleine Orte wie in der Toskana

Wir biegen ab und der Weg wird kurviger. Wir fahren durch schöne kleine Dörfer. Kaum ist man in den Ort eingefahren, sieht man schon fast wieder das Ortsausgangsschild. Alles ist weitläufig und lässt mich frei durchatmen. Der Teil der Auvergne hat keine Berge, die sehen wir nur in der Ferne. Wir cruisen bergauf und bergab, geschmeidig den Hügel hinauf und wieder hinab. Der TR4 bringt richtig PS auf die Straße und mein Wunscherfüller lässt es sich nicht nehmen, das Können des Oldtimers auch zu zeigen. Schal und Haare flattern im Wind. Auch wenn ich eng mit einem fremden Menschen zusammensitze, ist es ein tolles Gefühl. Am liebsten hätte ich gejuchzt und die Hände hoch in den Wind gerissen.
Plötzlich fährt Michel langsamer und zeigt mir in der Ferne zypressenartige Bäume. Das ist mit ein Grund, warum diese Region auch toskanische Auvergne genannt wird. In den nächsten Tagen werde ich noch feststellen, dass die Auvergne viele Landschafts-Gesichter hat. Abwechslungsreicher kann eine Region nicht sein und für einen Roadtrip das Beste, was einem Fahrer passieren kann!

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Unterwegs mit dem Triumph TR4

Wer Burgen und Herrenhäuser wie ich mag, wird die Auvergne lieben. Mir war vor der Reise nicht bekannt, dass die Auvergne so viele Châteaus zu bieten hat. Auf der Seite route-chateaux-auvergne.org erhaltet Ihr einen Überblick, wie viele Schlösser es in der Auvergne gibt und was Ihr wo erleben und entdecken könnt. Im Gegensatz zu uns in Deutschland werden diese historischen Bauten noch oft privat oder als Hotel genutzt. Michel hat heute zwei besondere Juwelen ausgesucht.

Château Les Martinanches

Höre ich „Bed and Breakfast“, denke ich wie viele Deutsche an eine kleine meist günstige Pension, bestenfalls an ein modernes B&B. In Frankreich ist das anders. In Frankreich gibt es eine Fülle von Bed-and-Breakfast-Übernachtungsmöglichkeiten, die allesamt in der Luxusklasse anzusiedeln sind. Ähnlich unser erste Juwel, was Michel für mich ausgesucht hat. Wir cruisen durch das Naturschutzgebiet Livradois-Forez. Über verschlungene Wege erreichen wir ein kleines abgelegenes Tal. Die Straße endet hier. Zwischen den Bäumen sehe ich einen Wassergraben und ein altes Schloss hervorblitzen. Am Tor eröffnet sich dann der majestätische Blick auf das Château Les Martinanches. Gekonnt platziert Michel unseren Oldtimer vor den alten Gemäuern, als entspringt die gesamte Szenerie einem Rosamunde-Pilcher-Film.

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Die beiden gehören doch zusammen, oder? Fast wie aus einem Kinofilm entsprungen

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Fragt sich nur, wer von uns beiden öfter Rosamunde Pilcher sieht? ;-))

Bei dem Anwesen zücke ich umgehend meine Kamera und möchte loslaufen. Moment. Wie kann ich noch mal aus dem Auto aussteigen? Option 1: Tür öffnen und wie MacGyver auf dem Boden rollen, um dann in den Stand hoch zu preschen, scheidet aufgrund mangelnder Körperfitness aus. Option 2: Wie ein nasser Sack auf den Boden plumpsen, um sich dann mühsam am Türrahmen hochzuhieven, scheidet auch aus. Mein Denkprozess unterbricht mein Begleiter, der mir mit jugendlichem Charme die Türe öffnet, liebenswürdig über meine Unbeweglichkeit der Sitzposition hinweg sieht und mir zum Aussteigen seine Hand mit ordentlichem Zug in die Höhe reicht. Erwähnte ich schon, dass Michel Wunscherfüller ist? Ich lächle dankbar und begrüße gerade noch rechtzeitig die Hausherren des Château Les Martinanches auf Augenhöhe.

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Die Hausherren des Château Les Martinanches

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Kapelle des Château Les Martinanches

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Blick aus dem Wohnzimmer des Château Les Martinanches auf den historischen Anbau, wo geheiratet werden kann.

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Zum Anwesen des Châteaus Les Martinanches gehören mehrere angelegte Gärten

Die schlechte Nachricht vorab: Ihr könnt das Château nicht nur zum Anschauen oder auf einen Kaffee besuchen. Die positive Nachricht ist, dass Ihr hier feiern, heiraten oder ab 120 Euro übernachten könnt. Gibt es sogar auf Airbnb, wie ich entdeckt habe. Es gibt drei Gästezimmer und eine Ferienwohnung, die authentisch und angelehnt an das 16. Jahrhundert romantisch und modern eingerichtet sind. Die Anlage stammt ursprünglich aus dem 11. Jahrhundert. Frühstück gibt es im authentischem Wohnzimmer oder auf einer der Terrassen zu den drei Schlossgärten.

Domaine de  Gaudon

Besonderen Charme und Flair hat auch das nächste Bed and Breakfast, welches mir Michel zeigt. Das Domaine de Gaudon liegt Nähe der Ortschaft Ceilloux. Das Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde von Gîtes de France mit 5 Sternen ausgezeichnet. Ab 95 Euro kann man sich hier einbuchen und es sich gut gehen lassen.

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Filmreif parkt Michel auch vor diesem Herrenhaus – Wann wird uns Rosamunde Pilcher die Hand schütteln?

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1.000 Pflanzen auf 4 Hektar Park erwarten den Besucher des Domaine de  Gaudon

Wieder parkt Michel gekonnt filmreif unseren Wagen vor dem Herrenhaus – er scheint darin Übung zu haben. Von weitem winkt uns der Hausherr Alain zu. Er fährt selbst Trecker auf dem Anwesen. Schlossherr zu sein reicht in Frankreich nicht aus, um sich auf die ruhige Haut zu legen. Damit alles so schön aussieht, muss selbst viel gearbeitet werden. Über 1.000 Pflanzen finden sich auf dem Gelände des 1880 erbauten Hauses. Man kann schon erahnen, wie schön es im Sommer hier erblühen wird.

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In der Ferne sieht man hinter dem Herrenhaus die Vulkankette

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Das Herrenhaus stammt aus dem Jahre 1880

Wir laufen zu Alain ein Stück den Hügel hinab. Das Tal liegt eindrucksvoll vor uns. Die Sonne, keine Wolke am Himmel und dieses Panorama! Einzigartig! Während die beiden Männer ins Plaudern geraten, knipse ich viele Fotos vom Anwesen, von dem was mein Auge begeistert und die Seele streichelt. Die beiden sind oft hier, sehen vielleicht das gesamte Kleinod als selbstverständlich. Ich bin schlichtweg begeistert.
Alain zeigt uns seinen neuen Wellnessbereich und ich könnte gleich mein Köfferchen auspacken. Es gibt verschiedene kleine Saunen und einen Traum-Whirlpool mit einmaligen Ausblick!

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Whirlpool mit Ausblick – der Wellnessbereich des Herrenhauses wurde ganz frisch angelegt

Bei einem kurzem Weg durch den Park übt Michel sich schon einmal als Statue. Er ist wirklich flexibel einsetzbar und geht in seiner Sache als Reiseführer voll auf. Von der Hausherrin Monique Bozzo lasse ich mir das Haus zeigen. Alles atmet Geschichte und sieht gemütlich aus. Die fünf Zimmer sind unterschiedlich eingerichtet. Gefrühstückt wird im großzügig gestaltetem Esszimmer. Zum Abschluss meiner Runde genießen wir zu viert eine große Portion selbst gemachte Limonade von Monique. Hier könnte ich es mir länger gut gehen lassen.

Geheimtipp für einen Traumausblick: Égliseneuve-prés-Billom

Michel liebt seine Heimat. Als wir das Herrenhaus über den Privatweg verlassen und ich zuvor meinen Astralkörper wieder im Triumph geparkt hatte, schwelgt der Franzose intensiv über seine Heimat. Aber die Auvergne – insbesondere die toskanische Auvergne – ist wirklich ein besonders schönes Fleckchen Erde. Man hätte sie nicht schöner malen können. Der Nachmittag vergeht wie im Flug und mit Blick auf die Uhr fährt Michel seinen Wagen Richtung Montpeyroux – nicht ohne ein paar Umwege zu machen, zu schön ist Toskana in Frankreich!

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Die Auvergne bietet Traumlandschaften mit einer Ursprünglichkeit, die es selten zu sehen gibt!

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An Schlössern mangelt es nicht in der toskanischen Auvergne. Viele werden auch „normal“ bewohnt.

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Immer wieder entdecken wir vereinzelt verträumte Dörfer

Mein Wunscherfüller hat schon längst mitbekommen, dass mir bei den pittoresken Orten das Herz aufgeht. Braust er in eine Ortschaft, bremst er bei meinem Juchzen auch schon ab und lässt mir Zeit, hier und da ein Foto zu schießen. Mit einem Zwinkern in den Augen entführt mich Michel an einen schönen Ort, der zu seinen liebsten in der Auvergne gehört und mir sicherlich gefallen wird.

Schön auf Denise aufpassen…

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Ich mag es, wenn das Abendlicht die Steine und das Grün in sanftes Licht taucht.

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Den schönsten Film dreht manchmal die Natur

Wir parken an einem Marktplatz an einer alten Kirche. Am liebsten wäre ich ja an seinem Ort „vorbei gefahren“ oder auf vier Rädern vorbei flaniert. Aber nützt nichts, Michel deutet mir an, dass ich wieder aus dem Wagen steigen muss. Sollte man meinen, ich bekomme langsam Übung beim Ein- und Aussteigen des Deluxe-Kettcars, so macht sich zum Abend leichte Ermüdung breit. So ein bisschen wie nach einem Langstreckenflug für die Füße. Unmotiviert würde ich mich nicht bezeichnen, aber sicher nicht so euphorisch wie am Mittag laufe ich meinem Reisebegleiter hinterher. Und dann, dann biegen wir hinter der Kirche rechts ab. Mir stockt der Atem. „Nice place to be… Isn’t it?“, flüstert Michel. Ich nicke stumm. Beide schauen wir auf die Landschaft vor uns. Ein kleines Amphitheater hinter der Kirche in Égliseneuve-près-Billom ist so wunderschön, wie ich selten etwas gesehen habe. Die blaue Stunde bricht bald an. Die Sonne taucht alles in ein apartes Licht. Solche Orte findet man in keinem Reiseführer. Das sind Geheimtipps, die die Magie einer ganzen Region ausmachen…

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Ein wunderschöner Ort mit Traumausblick: Égliseneuve-près-Billom

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In diesem Amphitheater lohnt jede Aufführung – die größte Show hat die Natur selbst

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Ein Platz zum Seele baumeln lassen

Am liebsten hätte ich die frisch geschenkte Flasche Auvergne-Wein hier geköpft und den Abend genau hier ausklingen lassen. Kennt Ihr die Momente, die Ihr im Kopf einfrieren lassen und bei Bedarf mit allen Sinnen innerlich wieder hochholen könnt? Das war für mich so ein Moment in Égliseneuve-près-Billom.
Wir umrunden den Ort und halten für einen Fotoshoot des TR4s. Ich dagegen lasse die Seele noch ein wenig baumeln und sauge die Landschaft in mir auf.

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Le Petit Volcan, Übernachtungstipp im charmanten Bergdorf Montperoux

Ein wenig traurig bin ich, dass unsere Fahrt gleich enden wird, wobei meine Beine ein kleines „Hurra“ zelebrieren. Wir schrauben uns den kleinen Hügel hoch. Montpeyroux ist zu recht zu einen der schönsten Dörfer Frankreichs gewählt worden. Und das, obwohl bis 1950 wochentags die Läden fast aller Häuser verschlossen waren. Das kleine Örtchen war so gut wie verlassen. Viele Häuser wurden als Zweitwohnsitze an Wochenenden genutzt. Kein Neubau verunstaltete das Stadtbild. Es hat den Eindruck, Montpeyroux ist im Mittelalter stehen geblieben. Die Häuser des Winzerdorfes sind alle aus regionalem Arkosesandstein gebaut und strahlen kupferfarbend leuchtend. Mit bunten Blumen und Farben an Fassade und Fensterläden ist der Anblick ein Fest.

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Montpeyroux ist zu einen der schönsten Dörfer Frankreichs gewählt worden

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Alle Häuser sind aus Arkosesandstein aus der Region gebaut worden und verleihen dem Dorf eine besondere Note

Etwas versteckt hinter der Kirche liegt das Le Petit Volcan, meine Bleibe für heute Nacht. Auch hier ist die Gartenanlage wieder ein Traum mit einem wundervollen Blick. Mein Zimmer hat einen eigenen Eingang und eine eigene Terrasse, dazu ist es sehr modern eingerichtet. Ab 60 Euro startet im Le Petit Volcan eine Übernachtung im Einzelzimmer, welche sich wirklich lohnt.

Le Petit Volcan bietet einen wundervollen Ausblick

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Ein Garten zum Verweilen und auch hier wieder die Vulkanketten im Blick

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Farbenfroh bekommt man hier schon Lust auf die erste Gartenparty des Jahres…

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Bequemes Bett, moderne Einrichtung und großzügig mit eigener Terrasse

Ich verabschiede mich von meinem Tagesguide und Wunscherfüller Michel. Ein kleiner Spaziergang zur Abendsonne treibt mich durch das schöne Dorf, um anschließend etwas echt Regionales zu kosten.

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Tschüß Michel, der Tag war toll mit Dir…

Truffade, das Nationalgericht der Haute Auvergne schlechthin

Es gibt sicher Zeiten, an denen das Bergdorf Montpeyroux gut besucht ist. Als ich durch die Gassen streife bin ich fast alleine, treffe mal hier und da auf einen Einheimischen mit freundlichem Lächeln und einem Bonjour auf den Lippen. Montpeyroux ist für mich ein klassisches Dorf für „Slow Travel“. Sicher sieht man die Schönheiten der alten Gemäuer auf den ersten Blick, aber der andere, ganz besondere Blickwinkel erschließt sich demjenigen, der langsam durch den Ort geht und ihn auf sich wirken lässt. Am Place des Croixvieilles steht ein Haus von einem einstigen berühmten Bewohner: Pablo Picasso hatte hier ein Haus von seiner Frau Jacqueline einmal zum Geburtstag geschenkt bekommen.

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Montpeyroux ist ein besonders schöner Ort – an jeder Ecke gibt es besondere Momente zu entdecken

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Kuperfarbend spielt die Sonne mit den Arkosesandstein

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Ich weiß nicht warum, aber Keller und unterführende Wege gibt es im Ort viele…

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Sonnenspiel am Abend am kleinen Marktplatz

Den Dorfturm solltet Ihr erklimmen und von da aus einen phantastischen Panoramablick auf die gesamte Umgebung genießen. Bei meinem Besuch war der Turm leider schon abgeschlossen.
Das Dorf ist klein. Im Kern dürfen keine Autos fahren. Eigentlich kann man sich nicht verlaufen. Eigentlich. Ich schon! Praktisch ist allerdings, dass alle Wege wieder zum kleinen zentralen Marktplatz mit den Restaurants führen – und die Umwege haben sich gelohnt.
Ich stehe vor dem französischen Restaurant Le Donjon und bin über das rustikale Ambiente überrascht. Der Eingangsbereich wirkt wie ein Kiosk. Tatsächlich läuft der Fernseher und am Tresen wird Kaffee, Wein und Bier für Besucher auf Barhockern ausgeschenkt. Wild sprechen und gestikulieren französische Gäste durcheinander. Im Fernsehen muss etwas aufregendes zum Besten gegeben werden. Ich stöbere derweil durch die Verkaufsauslage, kann leider keine Tasse (mein immer bewährtes Reisegeschenk an mich) finden und setze mich an den blanken Tischen im Nachbarraum. Die Atmosphäre passt zum kommenden Gericht und ich mag es.

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Das Le Donjon ist ein rustikales Restaurant

Franzosen schätzen Lebensmittel mehr als bei uns, stelle ich immer wieder fest. Man ist bereit mehr Geld fürs Essen auszugeben und zelebriert das Speisen mehr als bei uns. Bisher – und das ob vom Bistro oder Sterneküche – hat es mir in Frankreich immer sehr gut geschmeckt. Von den leckeren Käsesorten in der Auvergne konnte ich mich schon am ersten Abend überzeugen. Als ich Michel am Nachmittag mein weiteres Programm der Reise vorlas und ich mein Abendessen verkündete, machte er große Augen. Ob ich Käse mag, fragte er mich. Als ich nickte, fügte er nur den Satz an, dass ich dann nur noch großen Hunger haben müsste. Wovon die Rede ist? Von der Truffade, dem Nationalgericht der Auvergne. Ich hatte Hunger, ich mochte Käse. In freudiger Erwartung bestelle ich mir eine Portion Truffade. Es gab mehrere Auswahlmöglichkeiten. Ich entschied mich für die klassische Variante. Der Service war freundlich und kurze Zeit später brachte man mir ein dampfendes Pfännchen Truffade.

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Truffade – Viel Käse und Kartoffeln, und: gigantisch lecker!

Der Käse blubbert leicht und ein Knoblauchgeruch macht sich breit. Küssen entfällt heute Abend eh, dass ich neben dem Salat mir die erste Portion großzügig auf den Teller drapiere. Es schmeckt göttlich gut. Aber wie man so eine ganze Pfanne essen kann, ist selbst mir ein Rätsel.
Am Nachbartisch haben sich inzwischen weitere Gäste eingefunden. Ein englisches Pärchen auf Wanderurlaub kommt auf mich zu und fragt nach dem, was ich da esse. Ich schob die Alibi-Salatblätter beiseite und lud sie ein, zu kosten. Erst nach dem ich glaubhaft versichern konnte, dass ich satt bin, probiert sie und ist genauso begeistert wie ich.
Müde falle ich nach diesem schönen Tag ins Bett. Gern wäre ich noch ein paar Tage an diesem schönen Ort geblieben. Aber meine Reise wird am nächsten Tag weiter gehen. Wohin und was ich dort erlebe folgt in einem der nächsten Blogartikel.

Roadbook und Karte

Ambert – Saint-Dier-d’Auvergne – Ceilloux – Égliseneuve-près-Billom – Montpeyroux

Offenlegung: Meine Reise wurde unterstützt von Auvergne Tourismus und Atout France. Herzlichen Dank dafür. Meine Meinung im Blogbericht bleibt davon unbeeinflusst. Für den Post wurde ich nicht bezahlt. Danke allen – auch vor Ort – für die Zeit und Unterstützung. Danke für die tolle Ausarbeitung der Tour! Es waren für mich phantastische und wunderbare Erlebnisse.

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8 Kommentare

  1. Liebe Tanja,

    mit diesem Artikel hast Du Dich selbst übertroffen. Das ist mit Abstand der schönste, humorvollste und atmosphärischste Artikel, den ich von Dir gelesen habe. Das hat so viel Spaß gemacht, ihn zu lesen. Und die Bilder erst.
    Wie schnell sagt man in einem Kommentar „Au ja, das möchte ich auch gerne machen“. Aber hier kommt das von mir aus vollstem Herzen. Ja, so eine Tour möchte ich auch unbedingt machen.

    Vielen Dank für den tollen Bericht. Und hör gefälligst auf, so schön von Frankreich zu schreiben. Sonst werde ich meiner großen Liebe England noch untreu :-)

    Liebe Grüße, Heike

    • Danke Dir Heike für den lieben Kommentar! Das freut mich sehr!!! Der Tag war aber auch wunderschön <3
      Frankreich, insbesondere die Auvergne würden Dir sicher sehr gut gefallen - auch bei Deiner Liebe zu England :-)
      Beste Grüße,
      Tanja

  2. Liebe Tanja,

    es war eine wahre Freude diesen Artikel zu lesen. Wundervoll geschrieben und traumhafte Fotos. Das klingt nach viel Spaß und einer großartigen Tour. Wir durften letztes Jahr ebenfalls einen Teil der Auvergne kennenlernen und waren ganz begeistert. Die Schlösserroute merken wir uns.

    Danke für den tollen Artikel.

    Liebe Grüße,
    Tanja

  3. Oh wie schön! Die Auvergne muss ja echt ein Traum sein! Was für eine wunderbare Landschaft und für schöne Häuser!
    Da muss ich auch mal hin!

    • Kann ich Dir sehr empfehlen – und Dir als Wandermaid erst recht. Zu dem gibt es viel Abwechslung dort und richtig gutes Essen ;-)

  4. Peter Krauskopf

    Ganz, ganz toller Beitrag. Vielen Dank.
    L.G. Peter Krauskopf
    PS Mein 20zig Jahre alter SL ist ein bißchen geräumiger, hat aber nicht den Charme des alten Engländers.

    • Danke Dir Peter. SL ist auch ein schöner Wagen. Mein „Dudu“ nicht alt, nur auf Retro gemacht aus den 50zigern hat da mehr Breite – aber wie gesagt, nicht den Charme der alten Lieblinge :-)

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