Auf der Route des Crêtes in den Vogesen: Cabriotour entlang einer der schönsten Panoramastraßen Europas

Kleiner Abstecher von der Weinstraße im Elsass rauf in die Berge der Vogesen ist im Sommer ein besonderer Spaß: Es gibt außergewöhnlichen Käse, Geschichte zum Anfassen und traumhafte Natur auf einer der schönsten Panoramastraßen Europas! Die Route des Crêtes zieht sich mehr als 60 Kilometer als Vogesenkammstraße und bietet Fahrspaß mit Postkartenmotiven. Ich kombiniere die Tour für eine Tagesausfahrt mit einem Teil der Käseroute Route du fromage – Genuss für alle Sinne!

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Kammstraße mit Weitblick

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Die Route des Crêtes ist eine Kammstraße aus dem ersten Weltkrieg

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Kühe und Almenromantik in den Vogesen

Die Strecke

Die Wolken hängen tief. Es ist schwül und die Temperaturen klettern schon in der Frühe auf dem Thermometer hoch. Es wird Regen geben. So wie immer in den letzten Tagen. Wassermassen in kurzer Zeit. Zum Glück bleibt immer genug Zeit, zwischen den Regenphasen offen durch die schönen Lande des Elsass und der Vogesen zu cruisen. Meinen Tourenvorschlag für eine Cabrioroute könnt Ihr von jeder Seite aus Richtung Colmar/Munster oder weiter südlich anfahren. Auch quer lohnt sich die Strecke: Immer kurvenreich und mit phantastischen Ausblicken. Wege zur Route des Crêtes führen meistens durch bewaldete Bergstraßen mit schönen Kurven. An den Gipfelpunkten und entlang einer der schönsten Straßen Europas blickt man weit über das Bergpanorama, entdeckt vereinzelt Seen und Burgruinen. Die Panoramastraße liegt auf 1200 Meter Höhe. Oben ist es durchaus ein paar Grad kühler als im Tal und an der Weinstraße. Bei der heutigen Schwüle kommt mir das entgegen. Solltet Ihr im Frühjahr oder Herbst die Tour unternehmen, packt bei offenem Verdeck durchaus ein Jäckchen ein.

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Teilweise ist die Strecke mit phantastischer Weitsicht

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Fahrspaß garantiert

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Teilweise geht es windgeschützt entlang der einstigen Grenze

Es riecht nach Heublumen, als ich die Route passiere. Kuhglocken bimmeln einsam im Wind. Die Strecke geht vorbei an Almenwiesen, Bergbauern und Berghütten. Im Sommer sieht so manche Schneepistenanlage bizarr für mich aus. Die Kammstraße umfasst mehr als 60 Kilometer. Ich fahre mit einigen Extrapunkten mit Startpunkt Munster und Ziel in Colmar rund 140 Kilometer – eine Route die sich für Spätaufsteher eignet und ganz gemütlich inkl. Stops gefahren werden kann.

Kurven machen Spaß

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Lingekopf – Traurige Geschichtsgedenkstätte

Ursprünglich war die Route des Crêtes eine Militärstraße, die von den Franzosen während des Ersten Weltkriegs zur Versorgung der Armee bei der Eroberung des 1871 an das Deutsche Reich gefallene Elsass gebaut wurde. Mit wenigen Unterbrechungen verläuft die Route des Crêtes auf westlicher Seite etwas unterhalb des Gipfelkamms. Das sorgte damals Schutz vor deutschen Beschuss und verlief nah entlang der deutsch-französische Grenze. Noch heute findet man Grenzsteine alter Zeiten.

Lingekopf: Gedenkstätte mit trauriger Geschichte

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Hautnah zum Anfassen…

Verdun oder Somme stehen für das Grauen der Grabenkriege. Aber auch auf den Gipfeln der Vogesen kämpften ab 1915 Franzosen gegen Deutsche. Das Elsass war als Grenzgebiet ein stets umkämpftes Terrain gewesen. Noch heute gibt es viele Zeitzeugen. Beim Lingekopf ist ein Museum und Gedenkstätte errichtet worden. Als ich auf dem Lingekopf einparke, wundere ich mich über viele ältere Männer, die in Uniform und reich mit Auszeichnungen behängt vor dem Eingang des Museums warten. Das Ganze wirkt befremdlich auf mich. Hier spürt man deutlich den kulturellen Unterschied zwischen Franzosen und Deutschen. Für uns Deutsche wäre so ein Auftreten und feierlicher Akt im Zusammenhang mit einem Krieg nicht denkbar. Außerdem ist bei uns der 1. Weltkrieg wenig präsent. Im Munstertal wird den Soldaten gedacht und eine Lebenserinnerung würdevoll geschaffen. Ich schaue nur kurz in das Museum. Mich zieht es nach draußen. Es ist ein faszinierendes und beklemmendes Gefühl zugleich, auf dem Schlachtfeld von einst zu laufen. Die Gedenkstätte ist sehenswert, aber ich bin froh, als ich mit bedrückendem Gefühl meine Tagestour weiter antrete und die Sonne die inneren Kälteschauer vertreibt.

Jardin d’altitude du Haut Chitelet: Ein Alpengarten in den Vogesen

Ein weiterer lohnenswerter Stop befindet sich im Herzen der Vogesen direkt an der Kammstraße. Fast wäre ich an dem Berggarten von Haut-Chitelet bei der Col de la Schlucht vorbei gefahren, wusste ich nicht, dass mich ein Garten auf dieser Höhe erwartet. Der Park ist eine Außenstelle des Botanischen Gartens (Jardin botanique du Montet) der lothringischen Universitätsstadt Nancy. Neben schöner Blüten- und Pflanzenpracht bietet der Alpengarten Wissenswertes: Er ist vollständig auf die alpinen Pflanzen ausgerichtet, die ihren Ursprung in verschiedenen Bergregionen Frankreichs haben. Mehr zum Gartenausflug könnt Ihr auf dieser Seite lesen.

Treiben lassen und die Ausblicke genießen

Der Munsterkäse ist ein französischer Weichkäse aus den Hochvogesen. Ich habe mir leichtgläubig einen ganzen Leib ins Auto gepackt. Eigentlich sollte er mich nach Hause begleiten und erst dort verzehrt werden. Wenige Kilometer mit Sonne verzauberten mein Auto jedoch dermaßen in ein geruchsintensives Gefährt, dass ich Angst bekam, dass sich das nicht mehr ändern ließe. Konkret: Mein Auto stank aus jeder Pore!
Auf der Route des Crêtes lege ich daher spontan eine Picknickpause ein. Ich verlasse die Kammstraße und biege mit ein paar Motorradfahrern Richtung Lac de Blanchemer ab. Wir halten zufällig gemeinsam an ein paar Bänken mit schönem Ausblick zum See. Wir machen es uns gemütlich und kommen schnell ins Gespräch. Ich werfe meinen Leib Käse ins Rennen. Glücklicherweise hatten die Motorradfahrer sogar frisches Baguette dabei. Glück muss man haben. Wein ersetzen wir Fahrer durch Wasser. Wir plaudern und schweigen, genießen die Landschaft und den schönen Tagesausflug gemeinsam. 

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Bergwiesen und schöne Almen

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Maison du Fromage – Ein Haus für den berühmten Käse

Die Munstertaler sind stolz auf ihren Käse. Es ist viel mehr als ein Käse mit gutem (und durchaus intensivem) Geschmack. Er ist der Stolz der Bergbauern. Durch die Berühmtheit des ausgefallenen Käses wurde die Nachfrage letztlich auch zum Retter des Vogesenrinds, welches eine Zeit lang fast vom Aussterben bedroht war. Auf einer Ausstellungsfläche von ca. 2.000 m² präsentiert ein Tourismusprojekt das Haus des Käses: Maison du Fromage. Äußerst modern gestaltet versprüht das Haus Traditionsbewusstsein und Heimatstolz. In einem kleinen Film erfahre ich zunächst theoretisch etwas zur Käseherstellung und schwarzweiß gesprenkelten Vogesenkühen. 1970 gab es nur noch 300 der kräftigen extra für die Höhenzüge geeignete Rinderrasse. Die Bauern trotzen der Politik, hielten an ihren Kühen und Rasse fest. Heute grasen auf über 1.000 Meter Höhe wieder über 11.000 Tiere ihrer Art.

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Die Vogesenrinder waren mal vom Aussterben bedroht

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Der berühmte Käse hat Tradition

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Im Haus des Käses (Maison du Fromage) begibt man sich auf eine Zeitreise der Käseherstellung

Nach dem theoretischen Part vermittelt das Haus praktische Einblicke in die Käseherstellung. All das macht Appetit. Zum Käsehaus gehört ebenfalls ein Restaurant:  „La Stub de la Fecht“ in der Maison du Fromage in Gunsbach. Wir kosten Münsterlandkäse und genießen den Bergkäse Coeur de Massif. Mit etwas milderer Note schmeckt mir der Coeur de Massif noch besser – aber Geschmäcker sind verschieden. Details zum leckeren Essen lest Ihr in diesem Reisebericht. Genießt nach Eurem Essen noch einen Gang durch den Garten. Er ist nicht nur schön angelegt, sondern hat meistens – wie in der Region typisch – Störche zu Gast.

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Im Garten des Maison du Fromage kann man Störche hautnah beobachten

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Was für ein schöner Tag!

Grand Ballon

Beim Grand Ballon erreicht die Kammstraße ihren höchsten Punkt. Dieser liegt westlich von Guebwiller und nördlich von Thann auf 1423 Metern. Es soll der kälteste Ort des Elsass sein und rund 7 bis 10 Grad Temperaturunterschied zur Rheinebene haben. Bei meinem Besuch ziehen sich die Wolken zu und es ist wirklich frisch für einen Sommertag. Ich fahre um den Gipfel herum und trete über eine schöne kurvenreiche Straße die Abfahrt von der Route des Crêtes an. Der Ausblick bevor es ins Tal geht ist gigantisch. Über den Hartmannswillerkopf und Uffholtz führt mich meine Tour weiter nach Colmar.

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Grand Ballon: Der höchste Punkt der Panoramaroute

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Ab Grand Ballon geht es schöne Kurven waldreich ins Tal

Übernachtungstipp: Le Grand Hêtre

Lust auf Urlaub auf dem Bauernhof? Von Munster schlängle ich mich über die D10 auf einer phantastischen kurvenreichen Strecke den Berg hoch. Beim Schnepfenried hat der Bergbauer Mathieu Spenlé mit seiner Frau Natalie eine kleine Pension auf seinem Hof eingerichtet. In dem Berggasthof Le Grand Hêtre genießt man eine für die Region typische Melkermahlzeit.

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Hier schläft man traumhaft!

Frühstück auf dem Berggasthof

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In der Almhütte Le Grand Hêtre genießt man Ausblick und rustikales Essen

Die Zimmer sind neu, modern und schnuckelig eingerichtet. Der Ausblick auf die gegenüberliegende Route des Crêtes ist traumhaft. Auch das Frühstück ist mit vielen selbstgemachten Sachen ein Genuss. Während die Sonne langsam untergeht, frischt der Wind angenehm auf. Die Kühe muhen im Müßiggang. Ich genieße einen Wein auf der hinten gelagerten Holzterrasse. Der Ausblick auf die Bergwelt ist malerisch. Kaum zu glauben, dass es von hier wenige Kilometer zum Rhein und zur Flachlandebene und der Elsässischen Weinstraße sind. Das Elsass und die Vogesen bieten vielschichtige Urlaubsmöglichkeiten. Ich mag mich ungern von diesem Kleinod trennen.

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Von der Le Grand Hêtre blickt man auf die schöne Panoramaroute

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Ein Ort zum Seele baumeln lassen

Stationen im Überblick

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Weiterführende Links

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Tipp Reiseführer
Der Reiseband Elsass aus dem Michael Müller Verlag (Amazon-Partnerlink) bietet umfangreiche Tipps zu individuellen Reisen im Elsass und Vogesen. Neben Tourtipps gibt es zahlreiche Hinweise zu Einkehrmöglichkeiten und malerischen Orten. Mehr zum Reiseführer lest Ihr im Blog auch hier.

OffenlegungTourisme Alsace und Atout France unterstützen meine Recherchereise. Herzlichen Dank für diese Unterstützung. Meine Meinung bleibt wie immer die eigene. Ich erhielt kein Honorar.

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6 Kommentare

  1. muedebin

    Hallo,
    hast Du die Tour tatsächlich dieses Jahr im März gemacht? Letzte Woche war die Route de Cretes (warum auch immer) leider gesperrt.
    lg

    • Schade, dass bei Dir die Route gesperrt war. Ich habe den Artikel jetzt geschrieben, bin ihn aber im Sommer gefahren (wie vielleicht auch die Bilder mit dem saftigen Grün vermitteln ;-))
      Ich kann mir vorstellen, dass im März es dort noch zu winterlich sein kann…

  2. Eine Cabriotour ist auch mal eine super Idee! Nicht immer das Übliche. Ich mache seit vielen Jahren Urlaub in den Bergen und bin der typische Wandertouren Mensch. Dann abends zurück ins Apartment und neue Pläne für den nächsten Tag schmieden. Das Hotel ist auch ein guter Tipp. Muss man eine Ferienwohnung dort rechtzeitig vorher buchen?
    Jedenfalls sehr inspirierend. Vielen Dank!

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