Der perfekte Hamburg-Begleiter: Ausgezeichnet, Lieblingsorte, Geheimtipps!

Hamburg ist für mich eine der schönsten Städte der Welt! Viele Jahre habe ich vor den Toren Hamburgs gewohnt und die Hansestadt begeistert mich immer wieder aufs Neue. Etliche Reisebücher füllen mein Regal – alle gelesen! Matthias Kröner hat für mein Empfinden einen besonders guten Hamburg-Reiseführer geschrieben. Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da: Der ITB BuchAward 2019 für den besten Guide zu Hamburg geht an den Michael Müller Verlag! Für Euch habe ich den Buchautor und Wahl-Lübecker zu seinem „Meisterwerk“ interviewt. Lasst Euch nach Hamburg entführen und erfahrt echte Geheimtipps!

Hamburger Michel, St. Michaelis Kirche, Hamburg

Hamburg von oben

Die weltgrößte Reisemesse ITB zeichnet alljährlich nationale und internationale Publikationen in vielfältigen Kategorien und aktuellen Themenbereichen aus. 2016 räumte Matthias Kröner bereits für seinen Lübeck-Reiseführer den begehrten Preis ab. Dieses Jahr legt er mit seinem Hamburgbuch noch eine weitere Auszeichnung drauf! Seitens der Jury heißt es:

„Die Auswahl und Beschreibung der Touren durch die Stadt zeigen, dass Kröner sowohl den allgemeinen touristischen Anforderungen genügen kann, als auch einen besonderen, neugierig machenden Blick für den Charakter dieser Stadtteile mit ihren historischen und städtebaulichen Eigenarten und ihren ansprechenden besuchenswerten Lokalitäten hat.“

 

Exklusiv für Euch Matthias Kröner bei mir im Blog im Interview:

 

Reiseführerautor Matthias Kröner – Fotonachweis © Alex Lipp

Jeder schwärmt von Hamburg und oft liest man, dass „die Perle des Nordens“ einen von der ersten Minute begeistert und in ihren Bann zieht. Bei Dir war es nicht so, wie man in Deinem Reiseführer Hamburg lesen kann. Was hat Dich letztlich an Hamburg begeistert und fasziniert?

Hamburg hatte es schwer mit mir. Mein erster Reiseführer war ein Buch zu Lübeck. Wer diese Altstadt gesehen und womöglich sogar in ihrer Nähe gelebt hat, weiß, weshalb ich mit Hamburg erst warm werden musste. Alt und gut erhalten ist dort nämlich nicht so viel … 213 Luftangriffe haben während des Zweiten Weltkriegs eine sehr deutliche Sprache gesprochen
Ich musste also einen anderen Zugang finden: durch Storys, womit ich spannende und skurrile Hintergründe meine, die einen packen. Plötzlich sah ich die ganzen Kontorhäuser, die wuchtigen Bauten, den Hafen in einem völlig neuen Licht. Das hat mich nachhaltig fasziniert.

Ich mag Deine Art, wie Du Deine Reiseführer schreibst. Man spürt, was Dich verzückt. Liest genau, was ein Ausflugsziel ist, was nicht unter Deine Top-Ziele fallen würde. Beispielsweise gehe ich beim Spicy’s Gewürzmuseum mit. Ich hatte mir davon mehr versprochen. In Hamburg reizen da andere Museen, wie ich in Deinem Buch lesen konnte. Welche Museen haben Dich in der Hansestadt begeistert?

 

Ganz klar, das multimedial aufgezogene BallinStadt. Man sieht die Verzweiflung und die Wünsche von Flüchtlingen noch einmal anders. Denn wir vergessen ja gerne, dass Hamburg zeitweise der wichtigste europäische Auswandererhafen war – und „die Deutschen“ und „die Europäer“ immer auch ein gemischter Menschenschlag gewesen sind. Sogar um die damaligen Schlepper geht es, die kein bisschen milder als die heutigen waren …
Dann muss ich noch das Ernst Barlach Haus nennen. Eine so minimalistisch-feine Ausstellung zu diesem großen Plastiker (den die Nazis wegen seiner Mitmenschlichkeit verachteten) habe ich nirgends sonst gesehen.

Hamburgs Außenalster

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Besondere Lichtspiele gibt es zwischen den Fleeten und Backsteinen zur Abendstunde

Neben Deiner schönen bildhaften Sprache, die mich im Kopf bereits nach Hamburg entführt, ist Dein Reiseführer mit ansprechenden Bildern ausgestattet. Machst Du alle Fotos selbst? Welche ausgefallen Fotospots empfiehlst Du Reisenden?

 

Danke für die Blumen. Was die Fotos anbelangt, gehen sie unbedingt auch an meine Frau Berit, an meine Schwester Gabriele, an meine Schwägerin Kirsten Koepke und eine sehr gute Freundin: Mirja Schellbach. Hinsichtlich der Fotos ist dieses Buch ein kleines Familienunternehmen … ;-)
Die schönsten Spots für eigene Bilder hat man übrigens auf dem Hügel der U3-Station „Landungsbrücken“ (die nach dem 12. Mai wegen Umbauten gesperrt ist), auf der anderen Elbseite, sobald man durch den Alten Elbtunnel gelaufen ist (ein Erlebnis für sich!), und auf dem genialen Partyschiff Frau Hedi, mit dem man nachts eine etwas andere Hafenrundfahrt mit DJ(ane)s und Live-Bands unternehmen kann …

Hand aufs Herz: Zu Recherchezwecken die Herbertstraße besucht? Als Frau bin ich neugierig, wie es hinter dem Mäuerchen aussieht.

 

Das habe ich tatsächlich gemacht! Einmal vormittags, wo man sehr schön die farbigen Häuserfassaden bewundern kann … Einmal nachts mit zwei Kumpels. Zu beiden Seiten wollen einen die Sirenen aus den offenen Fenstern zu sich locken und man denkt schon mal darüber nach, ob da wirklich alle Frauen so freiwillig ihre Dienste anbieten … Der Kiez und die Herbertstraße sind auch heute ein ambivalentes Pflaster.

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Auch bei shiet Wedder schön!

Leckeren Kaffee und „Makrönchen“ gibt es in Hamburg Ottensen

Ich finde in Deinen Tipps oft meine persönlichen Hamburg-Lieblinge wieder. Das Joe Makrönchen beispielsweise habe ich durch Zufall entdeckt. Wie erhälst Du Deine Geheimtipps für besondere Orte?

 

Das freut mich sehr, liebe Tanja! Solche Hamburg-Lieblinge zu finden, sehe ich als eine der Aufgaben, die man als Reisebuchautor hat. Denn wenn du heute mit Google und Co. als analoger Printschreiber konkurrieren willst, musst du dein Metier schon beherrschen.
Konkret bekomme ich meine Tipps aber auch dadurch, indem ich durch viele Straßen laufe und die Augen offen halte. Wenn sich dann noch ein Einheimischen-Gespräch ergibt, hat man fast schon gewonnen…

Dein Städtereiseführer ist nach Touren aufgebaut. Welche gefällt Dir besonders gut und warum?

 

Ich mag es ja sehr gerne am Elbstrand. Von dort kann man mit dem Rad bis nach Blankenese fahren. Eindeutiger sieht man die Abhängigkeit Hamburgs von der Elbe nirgendwo, denn häufig wuchten sich die Containerriesen durch die mehr oder weniger enge Fahrrinne.
Doch auch Ottensen, das jüdisch geprägte Grindelviertel zur Mittagszeit mit den vielen jungverliebten Studenten und die obligatorische Schanze, die ins geschäftige Hamburch eine wichtige Entspanntheit bringt, gefallen mir sehr.

Wenn jemand keine Zeit hat, Hamburg mit einer Tour zu entdecken, weil er vielleicht auf Geschäftsreise ist und nur wenige Stunden Zeit hat. Was wären Deine Tipps für einen Städte-Quicki-Hamburg?

 

Ich glaube, da würde ich mir ein paar Spotlights herauspicken. Ich ginge auf die Plaza der Elphi und, wenn die Zeit reicht, bei einer Führung durch die Musikkathedrale mit. Aus den Fenstern überblickt man die futuristische HafenCity ziemlich gut. Danach würde ich durch die Speicherstadt bis zum Kontorhausviertel mit dem großartigen Chile-Haus laufen und im Mi-Chii zu Mittag essen (asiatische Snackküche). Hinterher nähme ich die U3, die auf ihrer oberirdischen (!) Strecke bis zu den Landungsbrücken das Komplettpanorama des Hafens einfängt, und würde von dort durch den Alten Elbtunnel schlendern (siehe oben). Nachmittags ginge es auf einen Cappuccino an den Elbstrand (dito). Und wer jetzt wissen mag, wo ich abends speisen und wohin ich ausgehen würde, braucht lediglich 17,90 Euro zu investieren – denn Autoren müssen (leider) auch von etwas leben …

Hamburgs „Elphi“: 789 Millionen EUR und fast 10 Jahre Bauzeit

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Auch bei Regen und im Winter schön: Alsterrundfahrt

Ein paar persönliche kurze Fragen zum Schluss:
Was ist Dein liebstes Reiseziel?

Derzeit mit unseren zwei Kindern im Alter von fünf und neun ist das eindeutig die Mecklenburgische Seenplatte! Da ist für jedes Familienmitglied was dabei: Man kann schwimmen, Pilze sammeln, Rad fahren, Paddeltouren unternehmen – und auch mal zu zweit sein, weil die Kinder gerade durch einen der vielen Wälder streifen oder auf eigene Faust angeln. Außerdem gibt’s dort versteckte Seen, die ich nicht für viel Geld in einem Reiseführer verraten würde …

Was ist Deine liebste Reiselektüre?

Lyrik, immer wieder Lyrik. Denn sie bringt mich dorthin, wohin mich auch Reisen bringen: weit weg von mir – und damit auch ganz nah an mich heran.

Buch oder App? Was ist Dein Reiseführer-Favorit?

Das darf mein Verleger und „App-Papst“ Michael Müller jetzt nicht hören. Aber ich bin ein eindeutiger Freund von Büchern. Sie liegen gut in der Hand, sie riechen gut, man muss nicht aufpassen, dass sie gestohlen werden, sie sind einfach geil. Analog ahoi!

Dein lustigstes Reiseerlebnis?

Der geniale Postillon hat einmal über einen Autofahrer geschrieben, der einen 19 Kilometer langen Stau auflöste, indem er hupte … Wann immer ich seither in eine ähnliche Situation gerate, muss ich laut lachen – und der Stau in mir löst sich wie von selbst …

Was nervt Dich auf Reisen?

Touristen, die rumnörgeln. Denen möchte ich gerne sagen: „Ey, dafür biste doch unterwegs! Damit nicht immer alles so glatt läuft!“

Welches Essen hat Dich begeistert?

Manchmal flimmern mir die Gerichte vom Schwarzen Schwein („porco preto“) aus dem Alentejo, der weiten Landschaft nördlich der Algarve, immer noch auf der Zunge … Davon abgesehen bin ich sehr elastisch, was die Kulinarik angeht; es wäre ja langweilig, nur das zu essen, was man kennt.

Welche Reisen stehen für Dich dieses Jahr noch an?

Da ich gerade an einer neuen Reisebuchreihe als Herausgeber bastele (im Herbst werden 8 Bücher erscheinen, für die ich teilweise mehrfach ausgezeichnete Autorinnen und Autoren gewinnen konnte), könnte es sein, dass die Reisen in diesem Jahr etwas kleiner ausfallen. Da ich selbst ein Buch beisteuere (natürlich zu Hamburg …), hält sich der Schmerz aber in Grenzen.

Danke lieber Matthias für das spannende Interview mit vielen Geheimtipps und besonderen Einblicken! Du machst mich sehr neugierig auf die neue Reisebuchreihe und gedanklich plane ich schon wieder einen Hamburgtrip!

 

 

Noch mehr Lust auf Lesestoff von Hamburg? Das sind weitere Artikel hier im Blog:

Mit dem RiverBus in Hamburg auf Stadtkreuzfahrt

Mittagstisch in Hamburg: 7 Tipps, wo es in der Pause gut schmeckt

Der Hamburger Michel – Vom Weitblick, Tiefblick und Einblick

Reist mit mir nach Hamburg: 7 Fotospots mit Postkartenidylle

6 Tipps für außergewöhnliche Genussmomente in Hamburg

Hamburg: Besondere Museen in der HafenCity

 

Offenlegung: Der City-Reiseführer Hamburg wurde mir vom Michael Müller Verlag zur Verfügung gestellt. Für den Artikel erhielt ich kein Honorar. Vielen Dank dafür, meine Meinung bleibt wie immer die eigene!

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1 Kommentare

  1. Der Verlag hat, neben ein zwei anderen, ein gutes Händchen für Reiseführer. Das gilt zumindest für Städtereisen, bei anderen kann ich mir kein Urteil erlauben. Ich habe bereits einige dieser Bücher, weil sie einen mitnehmen und Touren vorschlagen, die man ablaufen kann. Gleichzeitig gibt’s aber auch ein paar Tipps, für Ausflüge am Rande. Sie sind zwar etwas teuer, aber was nützt mir ein Reiseführer für 5,- € der mir nur Hotels und Restaurants empfielt und erklärt wie das Wetter in welchem Monat ist. Der beschriebene Hamburg Reiseführer steht natürlich auch in meinem Regal.

    LG Michael

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