Afrikanische Seide aus Graskop: Das glanzvolle Erbe von Africa Silks

Afrikanische Seide aus Graskop, Tanja Neumann

Ein einzelner Faden aus dem Kokon eines Maulbeerspinners misst bis zu tausend Meter, doch sein Gewicht ist kaum spürbar. In der rauen Bergwelt von Mpumalanga hat Ronel Swart aus diesen hauchzarten Fasern ein Lebenswerk geschaffen, das weit über den bloßen Verkauf von Textilien hinausgeht. Wer die Panoramaroute in Südafrika bereist, findet in Graskop nicht nur den spektakulären Abgrund des Blyde River Canyons, sondern auch die feinste Handarbeit des Kontinents. Africa Silks erzählt die Geschichte einer Frau, die ein gescheitertes Regierungsprojekt rettete und daraus eine international geschätzte Manufaktur formte.

Die Frau, die den Faden aufnahm

Die Geschichte von Africa Silks beginnt mit einer Krise in den frühen 1990er Jahren. Ronel Swart arbeitete damals für eine Regierungsinitiative zur Arbeitsbeschaffung, die die Zucht von Seidenraupen förderte. Als der Staat die Mittel strich und das Projekt aufgrund hoher Kosten einstellte, stand Ronel vor einer Entscheidung: Aufgeben oder das Risiko der Selbstständigkeit wagen. Sie sah die Gesichter der Frauen, die von diesem Einkommen abhängig waren, und entschied sich für den mutigen Weg. Ohne tiefgreifendes Fachwissen, aber mit unbändiger Entschlossenheit reiste sie nach Taiwan. Dort lernte sie die jahrtausendealte Kunst der Seidenzucht von der Pike auf, experimentierte mit Zuchtmethoden und kehrte schließlich mit neuem Wissen nach Südafrika zurück. Im Jahr 1999 eröffnete sie schließlich ihren eigenen Showroom in Graskop.

Graskop: Zwischen Goldgräbervergangenheit und Panoramablick

Graskop selbst ist von der Forstwirtschaft geprägt und blickt auf eine Geschichte zurück, die bis zu den Goldgräbern der 1880er Jahre reicht. Die kleine Stadt schmiegt sich förmlich an den Rand der Drakensberge und ist nur einen Steinwurf von God’s Window und The Pinnacle entfernt. Hier, wo der Wind oft feine Nebelschleier über die Klippen treibt, wirkt die zarte Seide von „Africa Silks” fast wie ein Gegenentwurf zur schroffen Natur. Der Laden an der Louis Trichardt Avenue ist längst ein Ankerpunkt für Reisende auf der Panoramaroute. Während draußen der Tourismus pulsiert, finden Besucher im Inneren eine bunte Welt zwischen Schals und himmlischen Seidenprodukten.

Iris und die Kunst des Augenblicks: Handwerk im Herzen von Graskop

Wer weniger Zeit mitbringt oder den direkten Weg bevorzugt, kann im Laden in Graskop ebenfalls Einblicke gewinnen. Hier führt Iris die Besucher durch die verschiedenen Stationen der Seidenspinnerei. Jeder einzelne Schritt wird erklärt und man staunt über die filigrane Arbeit, die nötig ist, um aus den Kokons einen Faden zu gewinnen. Beeindruckend ist vor allem die Atmosphäre: Die Frauen arbeiten flink, konzentriert und mit ansteckendem Lachen. Während eines kurzen Zwischenstopps auf einer Gebeco-Rundreise entlang der Panoramaroute öffnet sich hier für mich eine neue Welt. Mit Blick auf den nahenden deutschen Winter zu Hause fiel zudem die Wahl auf zwei Schals in kräftigen Farben, ein weiches Gemisch aus Kaschmir und Seide. Da hatte der Koffer dann schlichtweg kein Mitspracherecht mehr.

Die raue Eleganz der Mopane-Seide

Wer an Seide denkt, hat meist die kühle, glatte Oberfläche klassischer Abendkleider vor Augen. Africa Silks erweitert diesen Horizont um eine afrikanische Besonderheit: die Mopane-Seide. Während Maulbeerseide für ihre Feinheit geschätzt wird, ist die Seide des Mopane-Wurms ein Kind der Wildnis. Gonometa postica, die Raupe des afrikanischen Wildseidenfalters, spinnt ihre Fäden auf dem Mopane, einem Baum, der in den trockenen Savannen von Namibia bis Südafrika weit verbreitet ist. In der Mittagshitze falten sich seine Blätter wie Schmetterlingsflügel zusammen, während ein natürlicher Terpentinschutz Fressfeinde fernhält. Diese Seide weist eine natürliche beige-bräunliche Tönung auf und ist deutlich robuster als ihre asiatischen Pendants. Ihre Textur erinnert an feines Leinen, sie fühlt sich erdiger an und ist widerstandsfähiger gegen Abnutzung. Die San und Bantu, Ureinwohner Südafrikas, nutzten diese Kokons traditionell für Rasseln, als Körperschmuck und zum Tanzen. Heute knüpft Africa Silks an dieses Erbe an. Heute knüpft Africa Silks an dieses Erbe an. Während Mopane-Seide in Botswana und Namibia bereits kommerziell genutzt wird, entstehen in Graskop daraus Kissenbezüge, Überwürfe sowie traumhafte Kleider und Schals. Mit dieser Wildseide trägt Afrika nicht nur eine Farbe, sondern eine spürbare Struktur.
Neben handgewebten Schals und traditioneller Bekleidung hat Africa Silks sein Sortiment um Hautpflegeprodukte auf Seidenproteinbasis erweitert.

Infobox: Highlights entlang der Panorama Route

Der Besuch bei Africa Silks war nur einer der Programmpunkte meines Tagesausflugs im Rahmen meiner Gebeco-Rundreise, die noch einige weitere monumentale Eindrücke auf der Panoramaroute bereithalten sollte. Diese drei Stopps waren sehr beeindruckend:

  • Blyde River Canyon: der drittgrößte Canyon der Welt und einer der wenigen „grünen“ Canyons überhaupt. Von den spektakulären Aussichtspunkten aus hat man einen Blick auf die üppige Vegetation und den gewundenen Fluss in der Tiefe.
  • Three Rondavels: drei markante, runde Felskuppen, die an die traditionellen Rundhütten der Einheimischen erinnern. Sie thronen majestätisch über dem Canyon und zählen zu den meistfotografierten Motiven Südafrikas.
  • Bourke’s Luck Potholes: ein faszinierendes geologisches Phänomen am Zusammenfluss von Blyde und Treur River. Über Jahrtausende haben Strudel und Sandstein tiefe, zylindrische Mahllöcher in den Fels geschliffen. Ein Netzwerk aus Brücken führt direkt über diese bizarren Formationen.

OffenlegungDies ist ein journalistischer Artikel, der teilweise durch die Unterstützung von Gebeco ermöglicht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag habe ich kein Honorar erhalten.

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2 Kommentare

  1. Karin Döveling

    Es ist immer wieder schön zu lesen, wie Frauen auch unter beschwerlichsten
    Bedingungen erfolgreich etwas auf die Beine stellen.

    Ein guter Beitrag mit viel Feingefühl für die Frauen, die zwar viel Sonne haben
    aber doch nicht auf der Lebensseite der Sonne stehen.

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