Arles: Ein Tag in der malerischen Stadt in der Provence

Seid Ihr auf einer Flusskreuzfahrt oder einem Roadtrip durch Frankreich und habt nur wenig Zeit für eine Städtetour durch Arles? Hier verrate ich Euch fünf Tipps, wie Ihr die schöne Stadt der Provence für Euch entdecken könnt. Spoileralarm: Ihr wollt auf jeden Fall danach mit mehr Zeit wiederkommen!

Ich habe schon mal mit einer Flusskreuzfahrt in Arles angelegt, hatte mich statt einer Städtetour allerdings für einen Tagesausflug durch die Camargue ans Mittelmeer entschieden. Das ist bereits fünf Jahre her. Für meinen heutigen Landgang meiner VIVA-Kreuzfahrt auf der Rhône habe ich mir daher fest vorgenommen, Arles zu entdecken. Viel Schönes habe ich über die Stadt in der Provence gehört und nach meiner interessanten Reise durch Brabant auf den Spuren von van Gogh, wollte ich endlich auch in Arles auf des Künstlers Wegen wandeln – so weit der Plan. Aber wie immer kommt es anders als man denkt…

Arles im Winterkleid an der Rhône

Kleines Stadtportrait zu Arles

„Arles zelebriert die Leichtigkeit des Seins“, lese ich häufig bei meinen Recherchen. Kelten, Griechen und Kaiser prägten die Stadt. Künstler wie Picasso und van Gogh nutzen die Region als Inspirationsquelle. Vincent hatte in Arles die kreativste Phase seines Lebens, gleichwohl er während seines Aufenthalts in Arles unter Wahnvorstellungen und Depressionen litt. In Arles und um das kleine Städtchen herum entdeckt man viele Orte, die van Gogh in weltberühmten Werken verewigt hat.
Arles war einst die Provinzhauptstadt des Römischen Reichs und wird auch als „Rom des Galliens“ bezeichnet. Die Römer errichteten im 2. Jahrhundert v. Chr. die Stadt an einer für sie wichtigen, strategischen Stelle. Von hier aus verästelt sich die Rhône in viele Nebenarme und verläuft quasi in die Camargue. Die Überreste der römischen Glanzzeit sind in Arles gut erhalten geblieben. Viele Bauwerke stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.
Ein inspirierendes Stadtportrait findet Ihr bei Hilke Maulder in ihrem Portal Mein Frankreich – überhaupt für mich eine der besten Quellen zu Frankreich, Franzosen, Menschen und ihre Geschichten: Arles: zwischen Erbe und Avantgarde!

Arles ist wie ein großes Freilichtmuseum.

Arles mit verschiedenen Themenspaziergängen erleben

Arles blickt auf 2.000 Jahre Geschichte zurück und brachte dem kleinen Städtchen an der Rhône viel Wohlstand ein. Heute ist der malerische Ort mit seinen pittoresken Gassen Hauptstadt der Camargue. Das Tourismusbüro Arles bietet in einem kleinen Flyer inkl. Karten neun Spaziergänge zu folgenden Themen an:

  • Weltkulturerbe
    1. Ausflug zu den Monumenten von der Liste des Weltkulturerbes
    2. Das Departmentmuseum des antiken Arles und die römischen Monumente
    3. Von Saint-Trophime zu den Alyscamps – ein Ausflug ins Mittelalter
  • Vincent van Gogh
    4. Die Inspirationsquellen des Malers – von der Vincent-van-Gogh-Stiftung Arles bis zum Museum Réattu (Stadtzentrum)
    5. Ausflug zur Brücke von Langlois (auch Van-Gogh-Brücke genannt) außerhalb des Stadtzentrums, circa drei Kilometer vom Zentrum entfernt
  • Renaissance und Klassik
    6. Das Museum Réattu und die Schätze aus der Renaissance und Klassik
    7. Herrschaftliche Häuser in der Altstadt von Arles
  • Das moderne Arles
    8. Architektur und Kulturerbe aus dem 20. und 21. Jahrhundert
  • Die Umgebung von Arles
    Die Unumgänglichen

Arles Tourismus bietet neun verschiedene Themenspaziergänge

Die Themenrouten sind auf dem Weg auf dem Boden gekennzeichnet.

Die Spaziergänge sind in einer Karte eingezeichnet und farblich markiert. Einige Sehenswürdigkeiten vermischen sich innerhalb der Themenspaziergänge und man sieht auf seinem Weg durch Arles neben seiner ausgewählten Route auch viele andere Sehenswürdigkeiten. Alle Routen sind neben der Karte auch als Pflastersteine auf dem Weg der Route markiert.

Auf den Spuren von Vincent van Gogh in Arles

Nachdem ich von meiner Reise auf den Spuren von Vincent van Gogh in Nuenen (niederländisches Brabant) so begeistert war und mich der Künstler auch auf meiner Klassenfahrt durch Frankreich begleitet hat, wollte ich in Arles unbedingt Vincent in Arles erkunden. 1888 drehte Vincent van Gogh dem turbulenten Paris den Rücken. Auf der Suche nach dem besonderen Licht, leuchtenden Farben der Provence und dem französischen Lebensgefühl ließ er sich in der Stadt an der Rhône nieder. Die Stadt inspirierte ihn. Er entwickelte eine für ihn neue und ausdrucksstarke Malweise. Künstler der Zeit gesellten sich zu dem niederländischen Maler. Selbst mit Paul Gauguin arbeitete er zwei Monate in Arles zusammen. Eine Zeit, die ihn prägte. Leider nahmen Wahnvorstellungen und Depressionen zu. Einen Tag vor Weihnachten 1888 kam es zu dem bekannten Akt der Selbstzerstörung: Vincent schnitt sich ein Teil des linken Ohrs ab. Sein Gesundheitszustand verbesserte sich nicht, dass er Arles verließ, um sich freiwillig in eine psychiatrische Anstalt in Saint-Rémy de Provence einzuweisen.
Der Künstler hat mich schon immer fasziniert. Nachdem ich die Themenkarte im Tourismusbüro Arles mit einigen Tipps für einen „short stay“ abhole, will ich die Inspirationsquellen des Malers live erleben. Wie in Nuenen gibt es in Arles wenige Werke des Ausnahmekünstlers zu sehen. Dafür ist die Stadt an der Provence wie ein Freilichtmuseum und man spürt den besonderen Flair, der van Gogh an den unterschiedlichsten Orten inspiriert haben muss.

Hinweistafeln geben Aufschluss darüber, wo von Gogh seine Stafelage aufgestellt und welches Kunstwerk er in Arles gemalt hat.

Vor etlichen Jahren im as Kröller-Müller-Museum aufgenommen (leider auch nur mit schlechter Fotoausrüstung): Das Meisterwerk „Caféterrasse am Abend“.

Eines der berühmtesten Werke des Künstlers ist die Caféterrasse am Abend. Ich hatte die Chance, dass Original-Gemälde in dem besonderen Kröller-Müller-Museum zu bestaunen. Das Kröller-Müller-Museum (niederländisches Gelderland) beherbergt mit über 90 Werken die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt und liegt in einem einzigartigen Nationalpark (De Hoge Veluwe). Jetzt stehe ich inmitten von Arles auf dem Place de Forum genau da, wo vor knapp 135 Jahren der Maler dieses Kunstwerk seine Stafelage aufgebaut hatte. Das erste van-Gogh-Erlebnis war in der Praxis etwas ernüchternd. Statt regem Treiben mit leuchtenden Farben und Licht hängt heute ein tristes Wintergrau über der Stadt. Das Café leuchtet zwar gelb, allerdings statt Stühle auf dem Platz parkt in dem verlassenen Café nur ein Auto auf der Veranda. Da sah das berühmte „Le café la nuit“ bei Google Earth wesentlich einladender aus. Da bleibt nur eines: Auf zum nächsten Punkt auf meiner Karte. Und damit endet auch mein Plan, bei einer ausgewählten Themenroute durch das pittoreske Städtchen zu laufen. Ich lasse mich Treiben. In der vorweihnachtlichen Zeit ziehen mich plötzlich liebevoll dekorierte Läden an und ich muss meine Städtetour unbedingt mit einigen Shoppingstopps verlängern. An jeder Ecke, historischem Platz oder idyllischer Weggabelung inspirieren mich viele Entdeckungen, alte Gemäuer und Eindrücke, dass ich immer weniger auf die Karte achte. Dabei vermischen sich die Routen angenehm, dass man sowohl durch die Altstadt auf Römer-, Mittelalter- oder Künstlerwegen spaziert. Arles ist eine fantastische Stadt!

In Arles ist viel erhalten geblieben.

Das Amphitheater – die „Arena“ – von Arles

Arles – auch die Stadt der Antike

Das antike Arles: Schätze und UNESCO-Weltkulturerbe

Im Stadtpark von Arles gehe ich auf Vincents Wegen, entdecke danach alte Statuen und das Antike Theater, welches Kaiser Augustus für über 12.000 Zuschauer errichten ließ. Wenige Schritte später blicke ich auf das imposante Amphitheater. Ursprünglich bestand es aus drei Geschossen mit je 60 Arkaden und bot etwa 25.000 Zuschauern Platz. Heute werden immer noch regelmäßig Musik- und Theateraufführungen sowie unblutige Stierkämpfe aufgeführt, was dem historischem Bauwerk den Beinamen Arena eingebracht hatte. Die Arena von Arles hatte Vincent van Gogh ebenfalls gemalt. Von der Antike stolpert der Arles-Besucher quasi ins Mittelalter. Die Kirche Saint-Trophime stammt als romanischer Bau aus 1100 und ist als dreischiffige Kathedrale ursprünglich gebaut worden. Das Portal an der Hauptfassade und der Kreuzgang finde ich beeindruckend und bieten bei genauem Hinsehen eine fantastische Zeitreise. Das sind nur auszugsweise Tipps zum historischen Arles – die Stadt bietet noch viel mehr!

neben viel Kunst bietet Arles auch einmalige antike Stätten.

Die Spuren der Römer begegne ich in Arles an jeder Ecke.

Auch das Mittelalter ist in Arles sehr präsent: Die Kirche Saint-Trophime.

Bei einem schönen Shoppingbummel kann man im Café oder auf den historischen Plätzchen entspannen.

Kulinarischer Stopp

Auf meiner Advents-Flusskreuzfahrt erhält der Winter Einzug und die Tage sind klirrend kalt. An Bord der VIVA Voyage werden wir besten kulinarisch versorgt. Mir ist allerdings nach einer schönen Tour durch die Altstadt nach einem leckeren Café au lait und heißer Suppe zu Mute. Sicher biete die Stadt viele tolle Einkehrmöglichkeiten. Das Café de la Paix in Arles ist gut gefüllt und sieht einladend aus. Und sie haben das, wonach ich gesucht habe: Eine köstliche Fischsuppe Provencal!

Arles hat viele schöne Cafés und Restaurants.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“, heißt es manchmal zu zeitgenössischer Kunst. Aber diese Kunstwerk und mehr gibt es tim tollem Museum Réattu.

Musée Réattu – Kunsthaus mit Pablo Picasso und moderne Künstler

Die Vincent-van-Gogh-Stiftung spare ich heute aus. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit, bis die VIVA Voyage die Anlegestelle verlässt und wieder Fahrt Richtung Lyon aufnimmt. Die Fondation bietet Künstlern ein Forum und Ausstellermöglichkeit. Nur wenige Werke von van Gogh selbst sind hier in den wechselnden Ausstellungen anzutreffen.
Das Museum Réattu solltet Ihr Euch aber auch bei einem Kurzbesuch in Arles nicht entgehen lassen. Das Museum der schönen Künste liegt im Gebäude des ehemaligen Großpriorats der Malteserritter. Das Ende des 15. Jahrhunderts erbaute Haus liegt für mich auf dem Rückweg zum Schiff Nahe der Rhône. Der Maler Jacques Réattu hatte im 18. Jahrhundert eine stattliche Sammlung von Kunstwerken angelegt, die von nachfolgenden Kuratoren weiterausgebaut und im Museum Réattu bewundert werden können. Frankreichs Liebe zur Kunst begeistert mich immer wieder. Oft sind Ausstellung in einem historischem Rahmen, dass der Kunst damit noch mehr Glanz und Wirkung verliehen wird. Ebenso ist es hier, als ich die alten Steinstufen des Gemäuers nach oben laufe und Geschichte bei jedem Schritt atme. Die Freitreppe ist majestätisch. Die schattigen Innenhöfe lassen den Luxus von damals erahnen. Der Blick auf den Fluss ist einmalig.
In den oberen Räumen befinden sich Meisterwerke in einer Dauerausstellung, während im ersten Stock ausreichend Raum für wechselnde Künstler verschiedenster Kunstrichtungen und zeitgenössischer Kunst zur Verfügung gestellt wird. Der Mix der Epochen hat einen besonderen Flair in dem historischem Bauwerk. Als erstes begegne ich einem „alten Bekannten“. Rembrandt lächelt mir entgegen, den ich vor kurzem in Leiden besucht hatte – hier allerdings gemalt von Alexis Grimou, ein Porträtmaler der gern auch als französischer Rembrandt bezeichnet wurde. Das nächste Bild leuchtet mir entgegen. „Les colonnes d’Arles“ ist Farbspektakel der Sonderklasse. In das Bild vom Pariser Maler Roger Bezombes aus dem Jahr 1968 habe ich mich gleich verliebt. Vor wenigen Minuten habe ich selbst im grauen Winterwetter vor diesen alten Steinen gestanden. Jetzt erstrahlt das Kulturgut farbenfroh bunt und gibt einen ganz anderen Blick auf das historische Arles.
Und plötzlich hängt unverkennbar ein echter Picasso vor mir: Portrait de Lee Miller en Arlésienne. Wie van Gogh liebte Picasso Arles und hegte eine tiefe Zuneigung zu dieser Stadt. 1971 zeigte Pablo Picasso seine Verbundenheit mit Arles und dem Museum, indem er 57 sorgfältig ausgewählte Zeichnungen schenkte. Zur Sammlung gehören auch ein Porträt von Picassos Mutter und das Gemälde eines Freundes, Lee Miller (1937).
Der Maler und Bildhauer soll sehr fleißig gewesen sein und bis zu drei Bilder an einem Tag gemalt haben. Zugegeben, manche Werke von ihm wecken ihn mir das Gefühl und den Drang: „Das kann ich auch!“. Aber so einfach ist es dann doch nicht, wenn ich mir die weiteren Ausstellungsstücke so ansehe…

„Les colonnes d’Arles“ von Roger Bezombes (1968)

Portrait de Lee Miller en Arlésienne, Pablo Picasso (1937)

Seine Mutter: Portrait of Maria Picasso Lopez (1923)

Link-Tipps in Kürze

Wo bekommt Ihr gute Informationen für eine kurze Städtetour durch Arles? Natürlich hier im Blog! Also schon mal alles richtig gemacht, dass Ihr diesen Blogartikel gelesen habt. ;-) Hier in Kürze noch einmal hilfreiche Links für Eure Städtetour durch Arles:

Auch wenn das Licht im Winter heute trübe ist kann man erahnen wie Arles im Licht schimmern und glänzen wird!

Umliegende Häuser bei der Arena von Arles

Stadtrundgang: Karte von Komoot

Meinen Spaziergang durch Arles habe ich mit der Komoot-App aufgezeichnet. Natürlich gibt es bei all meinen Wegen immer Umwege und kurzweiliges Verlaufen. Die Karte gibt Euch dennoch einen Überblick zu den Distanzen der einzelnen Sehenswürdigkeiten. Arles kann man wunderbar leicht zu Fuß erkunden.

Weitere Fotos

Offenlegung: Meine Recherchereise auf der Rhône durch Frankreich auf der VIVA Voyage wurde von VIVA Cruises unterstützt – ganz herzlichen Dank dafür! Der Inhalt dieses Artikels ist natürlich von der Einladung unbeeinflusst und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag erhielt ich kein Honorar.

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