Bootfahren in Venlo: Einen Nachmittag lang Kapitän auf der Maas

(enthält Werbung) Ein Boot mieten, selbst ans Steuer, ganz ohne Führerschein: In Venlo beginnt der Tag am Maasboulevard und führt flussaufwärts, vorbei am Klosterdorf Steyl oder bis nach Arcen und zur Fähre bei Broekhuizen. Vier Routen stehen zur Wahl, für zwei Stunden oder den ganzen Tag. Wer Venlo einmal so vom Wasser aus erlebt hat, plant schon die nächste Fahrt.

Der Steg liegt am Maasboulevard. Goof von Sloepverhuur Venlo nimmt uns mit einem Lächeln in Empfang, wir tragen den Proviant an Bord und schieben die Kühlbox unter die Bank. Die Einweisung dauert nur wenige Minuten, dann löst Goof die Leinen und gibt dem Boot einen leichten Schub. Ich drehe den Schlüssel, der Motor vibriert, und der Bug schiebt sich aus dem Hafen. Das Steuer reagiert prompt, fast zu prompt, aber schon nach den ersten Metern sitzt der Handgriff. Die anfängliche Unsicherheit ist verflogen, kaum dass der Maasboulevard hinter dem Heck kleiner wird – und mit ihm der Venloer Stadthafen mit seinen gemütlichen Cafés, den Bootsanlegern und der Kade, an der sich der historische Hafenkran in den Himmel streckt.

Dann öffnet sich die Maas. Breit liegt der Strom da. Das Ufer zieht gemächlich vorbei. Richtung Steyl geht die Fahrt. Von vorn schiebt sich das erste Frachtschiff heran, ein Binnenschiff, das Ladung über Rhein und Maas bewegt, ein schwerer Koloss, der die Wellen vor sich herrollt. Rechts halten, Tempo herausnehmen, kurz hebt sich das Boot, dann liegt es wieder ruhig. Am Ufer schieben sich die Ränder von Venlo vorbei, weiter draußen grasen Galloway-Rinder bis kurz vor die Wasserlinie, zottelig und unbeeindruckt.

Ohne Führerschein losfahren

Das Schöne daran: Papiere braucht hier keiner. Nur wer ans Steuer will, sollte mindestens 21 Jahre alt sein. Eine kurze Einweisung am Steg, ein Blick in das vierminütige Video, das man auf Deutsch, Niederländisch oder Englisch schon von zu Hause aus anschauen kann, und der Rest erklärt sich auf dem Wasser fast von selbst. Wie der Motor anspringt, wie man ausweicht, wann man Vorfahrt hat. Sechs Personen passen in ein Boot, sechs davon schaukeln im Hafen und warten auf ihre Crew.

„In Deutschland kann man das so nicht machen. Kein Führerschein, einfach losfahren“, sagt der junge Unternehmer und Eigentümer Glenn Colbers, und man merkt ihm an, dass ihn das noch immer freut. Mit seinem Geschäftspartner Goof hat er den Verleih aufgebaut, beide sind in Venlo geboren. Was in Leiden und Haarlem längst zum Sommer gehört, holen die zwei nun in die eigene Stadt. 2024 als Pilotprojekt gestartet, liegt Sloepverhuur Venlo heute mit festem Platz im Hafen.

Vier Routen, vier Erlebnisse

Wer ablegt, hat die Wahl zwischen vier Strecken. Man kann seine Buchung von zwei bis vier Stunden oder auf den ganzen Tag ausdehnen. Doch schon wenige Stunden reichen für ein gemächliches Treiben zwischen Grubbenvorst und Steyl, ohne Ziel und ohne Eile. Die Fahrt nach Steyl führt am Stadthafen vorbei hinaus ins Grüne, wo die Galloways grasen und am Ende die Türme des Klosterdorfs über dem Ufer aufragen. Richtung Lomm wird es einsamer, Wasservögel steigen aus dem Schilf auf, und abseits der Fahrrinne findet sich eine ruhige Stelle zum Ankern. Der ganze Tag reicht bis Arcen und Broekhuizen. In Arcen locken der historische Ortskern und die Destillerie De IJsvogel, beide nah am Wasser. Wer hier anlegt, bummelt durch die kleinen Läden wie den nostalgischen Süßigkeitenladen Mierzoet und belohnt sich anschließend mit einem der berühmten Eisbecher von Clevers. Für eine genussvolle Pause direkt am Fluss empfehlen sich die Maasterrassen von Alt Arce oder De Achtertuin. Bei Broekhuizen setzt eine Fähre für nicht mal einen Euro pro Person ans andere Ufer über, wo nach wenigen Minuten zu Fuß eine Führung durch die Brauerei Hertog Jan wartet.

„Vom Wasser aus sieht man Venlo und die Umgebung ganz anders“, sagt Glenn Colbers.

Was an Bord noch möglich ist

Wer mag, bringt den Proviant einfach selbst mit. Ein frisches Baguette, etwas Käse und ein paar kühle Getränke, eingekauft in der Venloer Innenstadt – und schon füllt sich der Tisch auf dem Wasser. Eine Kühlbox an Bord hält alles frisch. Wer den Einkauf lieber abgeben möchte, bestellt bei der Buchung des Boots gleich vor: einen typisch niederländischen Lunch im Stil des Twaalf Uurtje mit feinen kleinen Snacks, einen klassischen Borrel mit Getränken oder ein ganz individuelles Arrangement. Gerade an sonnigen Tagen lohnt sich die Vorbestellung. Und sollte das Wetter einmal ein paar Dröpjes Regen schicken, bleibt es gemütlich: Der vordere Bereich rund um den Tisch im Boot ist schützend überdacht.

Anlegen lässt sich während der Fahrt an vier zugelassenen Stellen, in Blerick an der Brasserie Sur Meuse, in der Nähe von Arcen und in Broekhuizen am Strandpaviljoen Hoëg. An- und Ablegeort ist in Venlo am Maasboulevard. Meist aber bleibt die Zeit lieber auf dem Wasser, das Einkehren passt gut davor oder danach. So wird die Fahrt zum Ausflug mit Freunden ebenso wie zur Runde für größere Gruppen. Firmen fahren mit mehreren Booten zugleich hinaus, und mancher Heiratsantrag ist an Bord schon gestellt worden, mit Blumen auf der Bank und einem Ja über dem Wasser.

Am Abend legt das Boot wieder am Maasboulevard an. Die Stadt liegt voraus, im Rücken glänzt der Strom, und der Gedanke an die nächste Fahrt ist längst da.

INFOBOX

Anbieter: Sloepverhuur Venlo, Glenn Colbers und Partner Goof

Start: Restaurant De Werf, Werf 1, Venlo, rund zehn Minuten zu Fuß vom Bahnhof Venlo

Boote: sechs Boote, je bis zu sechs Personen, kein Führerschein, Steuermann ab 21 Jahren

Routen: vier Strecken, von zwei Stunden bis zum ganzen Tag

Verpflegung: eigener Proviant erlaubt, Lunch, Borrel und Getränke auf Vorbestellung

Buchung: online im Voraus empfohlen, auch für Arrangements

Preise unter sloepverhuurvenlo.nl

Extra: Auch eine kleine Musikbox darf mitgebracht werden und rundet den Ausflug musikalisch ab.

Mehr entdecken: invenlo.de

Wer den Tag auf dem Wasser mit weiteren Erlebnissen verbinden möchte, findet auf invenlo.com jede Menge Inspiration. Die Plattform bündelt übersichtlich, was Venlo und das nördliche Limburg für einen Tagesausflug oder ein langes Wochenende bereithalten.

Unter der Rubrik „Besuchen“ sortiert die Seite die Highlights nach Themen: von der historischen Innenstadt über Naturerlebnisse an den Maasufern, Kultur, Shopping und Gastronomie bis hin zu Ausflugstipps für Arcen und Steyl. Ein aktueller Eventkalender hilft dabei, den Trip auf Ausstellungen, Feste oder Stadtführungen abzustimmen. Alle praktischen Infos zu Parkhäusern, Anreise und Öffnungszeiten sind unter „Besuch planen“ zusammengefasst.

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