(enthält Werbung) Der Italiener hat seinen Aperitivo, der Niederländer seinen Borrel. Freitagnachmittag wandern in Venlo die Holzbretter auf die Tische, beladen mit Bitterballen, Käse und feinen Häppchen. Wer sich einmal hingesetzt hat, der bleibt. Dazu gibt es einen Wein, gern in den benachbarten Regionen angebaut, und wenn der Hunger kommt, ein Friet-Ei – jenen legendären, frittierten Snack, den die Stadt 1959 erfunden hat.
Freitagnachmittag in der Venloer Innenstadt. Vor den Cafés tragen die Kellner Holzbretter an die Tische, darauf Bitterballen, Käsewürfel, ein paar Scheiben Wurst. Daneben stehen die Gläser, Bier, Wein, hier und da ein Genever. An den Nachbartischen wird lauter geredet, die Woche ist vorbei. Niemand schaut auf die Uhr.
Die Geschichte des Borrels
Am Anfang war der Schnaps. Das Wort „Borrel” stammt aus dem Mittelniederländischen und bezeichnete ursprünglich nichts weiter als ein kleines Getränk, konkret einen Genever, den klaren, wacholderwürzigen Kornbrand der Niederlande. Wer heute in einer gemütlichen Kneipe oder einem Café einen „jonge borrel” bestellt, bekommt genau dieses Getränk. Doch der Borrel ist heute mehr als ein Getränk. Er ist ein soziales Happening, die niederländische Antwort auf den italienischen Aperitivo. Während das Wort ursprünglich für den kurzen Klaren zwischendurch stand, bezeichnet es heute das gesellige Beisammensein am späten Nachmittag. Die Niederländer haben dafür ein eigenes Verb, das sich kaum übersetzen lässt: „bijkletsen”, das ausgiebige Plaudern über alles und nichts.
Die passenden Häppchen heißen „Borrelhapjes“ und reichen von klassischen Bitterballen und Käsewürfeln bis zu spanischen Tapas oder indonesischen Satéspießen. Die Regel ist einfach: Gegessen wird, was zwischen zwei Finger passt. Worum es beim Borrel eigentlich geht, fasst ein Begriff zusammen, der die gesamte niederländische Lebensart prägt: Gezelligheid. Nicht das Essen steht im Mittelpunkt, sondern das Beisammensein – und weil niemand eine aufwendige Bewirtung erwartet, bleibt auch der Gastgeber entspannt.
In Venlo hat das gesellige Trinken sogar ein eigenes regionales Wort: „kleppe“ steht für das gemütliche Bierchen trinken. Der Ausdruck spielt auf den Bügelverschluss an, mit dem Flaschen wie die von Grolsch verschlossen werden, und gab auch dem bekannten Venloer Biercafé De Klep seinen Namen.
Die eigene Borrelplank: Eine Komposition für Genießer
Das Herzstück des Borrels steht in der Mitte des Tisches: die Borrelplank, das Holzbrett mit den Häppchen. Sie lässt sich fertig im Café oder Restaurant bestellen, oder man kreiert seinen eigenen, niederländischen Borrel zu Hause.
Die Grundausstattung ist wandelbar. Bitterballen, diese frittierten Ragoutkugeln mit knuspriger Hülle, gehören dazu. Serviert werden sie mit scharfem oder mittelscharfem Senf, der darf auf keiner Planke fehlen. Außerdem gehören Käse in Würfeln, Fleischhäppchen, Pommes oder Süßkartoffelpommes dazu. Beim Käse setzt man gern auf zwei Reifegrade, einen milden jungen und einen kräftigen alten, und steckt ihn zusammen mit einem Silberzwiebelchen oder einem Stück Gewürzgurke auf denselben Spieß. Bei der Wurst reicht die Bandbreite von luftgetrockneter Mettwurst über Leberwurst bis zu dünn aufgerolltem Rookvlees, dem typisch geräucherten Rindfleisch. Dazu gesellen sich Klassiker aus der niederländischen Fritteuse wie Gehaktbal oder Frikandel, eine Wurst aus fein zerkleinertem Fleisch, die in den Niederlanden zu den beliebtesten Snacks zählt.
Wer die Zutaten in Venlo besorgen möchte, findet in der Innenstadt einige Adressen. Die „2 Brüder von Venlo“ sind in unserer Region wohl die bekanntesten. Neben schönen Weingeschäften wie CLOU Wijnen und Van Gelderen Wijn gibt es weitere Läden, wo man herrlich stöbern und genießen kann: Beispielsweise bei Kaas & Kaasjes dreht sich alles um Käse, von ganz jung bis lang gereift. Vijg & Olijf ergänzt das Sortiment um Feines wie Oliven, Feigen und Antipasti.




Kreativer Borrel: Malkurs bei Mr. Jigs
Wer die Borrelplank nicht nur füllen, sondern selbst gestalten möchte, wird im Hotel Mr. Jigs fündig. Das Haus besteht seit fünf Jahren, und Eigentümer Gijs betreibt es nach einem ganz eigenen Konzept: jung, modern und mit gewissem Style. Die Zimmer sind bewusst schlicht gehalten und bieten dennoch alles, was man braucht. Insgesamt stehen 34 Zimmer bereit, vom einfachen Comfort-Zimmer über die größere Deluxe-Kategorie bis hin zu den beiden Suiten, ergänzt durch zwei Familienzimmer. Und genau hier kann man seine Borrel-Time gemeinsam mit viel Spaß kreativ gestalten. Auch ohne eine Übernachtung steht die Tür für Besucher offen.
Die Idee zu den kreativen Workshops stammt von Managerin Bo. Angefangen hat alles mit bemalten Schallplatten, gefolgt von einer Welle der Beliebtheit für gestaltete Weingläser. Heute lässt sich hier die hölzerne Borrelplank individuell bemalen. Dabei kommt Acrylfarbe zum Einsatz, und für den späteren Schutz wird ein Klarlack empfohlen, damit die Platte im täglichen Gebrauch beständig bleibt. Auch Weingläser können bemalt werden. Selbst ausprobiert: Das Ganze macht unglaublich viel Spaß, aber so ganz einfach ist es dann doch nicht, die Motive schwungvoll auf das Glas oder das Holz zu bringen. Wie ein Kind trägt man aber mit Stolz geschwellter Brust sein selbst gemaltes Kunstwerk nach Hause. Und wartet nur darauf, dass es in geselliger Runde gebührend gefeiert wird.
Diese kreativen Borrel-Runden sind überaus beliebt, denn neben dem Gestalten und guter Musik gehören stets auch begleitende Getränke und eine Borrelplanke mit feinen Leckereien zum Erlebnis dazu.












Das Friet-Ei, der typisch Venloer Snack
Es gibt einen Snack, den außerhalb der Region kaum jemand kennt, in Venlo dagegen jedes Kind: das Friet-Ei. Erfunden wurde es 1959 von Toon Schreurs und seiner Frau Mie im Gründungsjahr ihrer „Pommesbude” Automatiek Piccadilly in der Kleine Beekstraat. Sie entwickelten ein gekochtes Ei in Curry-Ragout, das paniert und in heißem Fett ausgebacken wird. Bis heute gilt das Rezept als gehütetes Familiengeheimnis, das Sohn Hans, der den Betrieb inzwischen führt, weiter bewahrt. Wichtig für den Unterschied: Das Venloer Friet-Ei basiert auf einem vegetarischen Curry-Ragout, im Gegensatz zum Groninger Eierball, der Fleischragout enthält.
Von der Fritteuse bis zum Feinschmeckerteller ist es nur ein kurzer Weg. Die Luxusvariante serviert Eric Swaghoven im Restaurant Valuas. Er hat den bodenständigen Klassiker verfeinert: Bei ihm bekommt das Ei eine hauchdünne Panko-Kruste, eine feine Trüffelnote samt Selleriecreme und behält vor allem einen weich gekochten Kern statt des sonst üblichen, hart gekochten Eis. Eine Gourmet-Speise der Extraklasse! Und nicht nur das Ei: In der Kroketterie des Valuas gibt es auch den besten Bitterbal und die beste Krokette der Stadt, dazu ein eigenes Kroketten-Lunch.
Wie das gelingt, zeigt das Haus alle zwei Wochen in einem Friet-Ei-Workshop. Der Trick liegt im Detail: Das Ei wird weich gekocht und in Eiswasser abgeschreckt, damit die Schale ohne Risse weicht, denn an jedem Makel scheitert später das Curry-Ragout. Nach dem Panieren in Mehl, Ragout, Eiweiß und Panko geht es bei 170 bis 175 Grad für knapp zwei Minuten ins Fett. So bräunt die Hülle goldgelb, während das Eigelb innen cremig bleibt. Absolute Empfehlung: Das müsst Ihr probieren! Und auch sonst lohnt sich ein Besuch im Valuas.
Eric Swaghoven führt das Haus, das seine Eltern 1980 gegründet haben, seit 1992. Rund 20 Jahre lang trug das Valuas einen Michelin-Stern, und den Anspruch von damals hat sich die Küche bewahrt. Essen und Trinken seien Luxus, sagt Eric, ein Luxus, der für jeden möglich sein müsse. Alles dreht sich um den reinen Geschmack und um frische, regionale Zutaten ohne Zusatzstoffe. Aus dieser Überzeugung wuchs 2004 eine eigene Kroketten-Linie, die es heute auf fast 40 Sorten bringt. In der Spargelsaison verlassen wöchentlich rund 4.000 Spargelkroketten die Küche. Das Valuas verbindet Restaurant und Hotel, 14 Zimmer und ein Apartment gehören dazu, und wer mag, lässt sich am Sonntag Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, das der Chef auf Wunsch schon einmal in acht Gängen aufgetischt hat. Ob Fine Dining oder bei einem guten Glas Wein auf einem Borrel mit Blick direkt auf die Maas, es lohnt sich!







Regionale Weine aus Nord-Limburg
Dass in den Niederlanden guter Wein angebaut wird, ist wenig bekannt, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. In Venlo gibt es sogar zwei eigene Weinbauern. In Tegelen haben Joni Sloesen und Arno Janssen im Jahr 2021 das Weingut „Domein Zavel” gegründet. Ihr Ziel ist es, Weine mit klarem Bezug zum heimischen Boden zu keltern. Noch stammen die Trauben nicht aus Tegelen selbst, sondern von befreundeten Biobetrieben aus der Pfalz. Auf den eigenen Flächen wachsen die Reben jedoch bereits, darunter Riesling und Syrah, als erstes Weingut der Niederlande. Bis zur ersten eigenen Ernte dauert es allerdings noch ein paar Jahre. Die Weine von Domein Zavel sind jedoch bereits erhältlich, darunter ein Pinot Blanc und ein Pinot Noir. Samstags öffnet das Weingut für Führungen und Verkostungen.
Im mit dem Weingut verbundenen Restaurant Sober schenkt Joni Sloesen rund 50 Weine aus, darunter seine eigenen. Seine Weinbegleitung folgt spannenden Kombinationen. Gerne kredenzt er Tropfen, die kaum jemand kennt: frisch, leicht und doch mit fülliger Komplexität. Dazu gehören ein eleganter Weißwein von mineralischen Böden.
Der zweite Weinbauer liegt ein paar Kilometer nördlich, im Nachbardorf Lomm am Rand des Nationalparks De Maasduinen. Auf Wijngaard ’t Hanik baut Mariëlle Blaisse-Berger seit 2012 rote und weiße Trauben an und macht daraus echten Venloer Wein, Weiß, Rot und Rosé. Angebaut werden robuste, pilzwiderstandsfähige Rebsorten, dazu kommen eigener Apfelsaft und Bienenvölker auf dem Gelände. Von Mai bis Oktober gibt es Führungen und kleine Verkostungen für Gruppen ab acht Personen.








Wo man in Venlo gut borrelen gehen kann
Zum Borrelen muss man in Venlo nicht lange suchen. Die Innenstadt ist dicht besetzt mit gemütlichen Adressen. Direkt an der Maas liegt das Café BLVD, das im Sommer mit seiner Lounge-Terrasse und weitem Blick aufs Wasser lockt. In einer der ältesten Gassen serviert De Keizerin Kaffee, feine Cocktails und sogar frische Austern bei guter Musik und natürlich leckere Borrel-Platten. Am Oude Markt setzt die Restrobar SIN auf kreative Kleinigkeiten für die Tischmitte und perfekt abgestimmte Drinks. Für eine entspannte Runde mit vegetarischem oder veganem Fingerfood a la Borrel empfiehlt sich das Grenswerk Café mit seiner Auswahl an Spezialbieren. Die gehobene Feinschmeckerausgabe des Borrels serviert Eric Swaghoven in der Brasserie des Valuas, natürlich stilecht begleitet von den berühmten, hauseigenen Kroketten und Bitterballen. Weitere Tipps für eine schöne Borrel-Zeit als Tipps von invenlo.de:
- Restaurant de Werf – Stadthafen schön am Wasser
- Biercafé De Klep – Keizerstraatje versteckte Gasse mit Charme
- Café Ald weishoes – Grote Kerkstraat, historischer Geheimtipp gegenüber der St. Martinbasilika
- De Graanbeurs – am Markt mit Aussicht aufs alte Rathaus
Borrel auf dem Wasser
In Venlo gibt es den Borrel auch auf der Maas. Mitten in der Stadt, an einem Anleger direkt am Fluss, kann man ein Boot bei Sloepverhuurvenlo mieten. Einen Führerschein für das Boot braucht man nicht. Ein kurzes, vierminütiges Video erklärt vorab auf Deutsch, Niederländisch und Englisch die Handhabung und die Regeln auf dem Wasser. Der Rest wird bei einer kurzen, unkomplizierten Einweisung vor Ort erklärt. Bis zu sechs Personen haben auf jedem Boot Platz.
Für den passenden Borrel sorgt das benachbarte Restaurant de Werf: Von dort kommt eine Kühlbox mit kalten Getränken und Borrel-Häppchen an Bord. Auf Wunsch kann diese auch mit einem Essen im Restaurant vor oder nach der Tour kombiniert werden. Für einen Abstecher flussaufwärts zum Klosterdorf Steyl genügen zwei Stunden, bei einer Tagestour geht es flussabwärts bis nach Arcen. Unterwegs zieht die Stille ein: Alte Kirchtürme säumen das Ufer, Galloway-Rinder kühlen sich im Fluss ab und mit etwas Glück zeigt sich sogar ein Biber. Es ist eine herrlich romantische Perspektive auf die Stadt und ebenfalls ein genussvoller Ort, um einen Borrel in Venlo zu genießen. Heerlijk!


Das Weinfest im Wilhelminapark
Einen saisonalen Höhepunkt im Borrel-Stil gibt es im Sommer im Wilhelminapark. Der Park selbst ist eine Geschichte für sich: Er wurde im späten 19. Jahrhundert angelegt, nachdem Venlo 1867 seinen Status als Festungsstadt verloren hatte. Mit seinen alten Bäumen, dem Wasser und der kleinen Brücke wirkt er wie ein Stück Frankreich mitten in der Stadt. Genau hier findet das Opdronk Wijnfestival statt.
Boy Haenen, von Beruf Eventorganisator und, wie er selbst sagt, kein Weinexperte, sondern schlicht ein Weinliebhaber, hat es ins Leben gerufen. Die Idee dazu brachte er aus dem spanischen Dorf Haro mit, wo sieben Winzer ihre Weine direkt an den eigenen Gütern ausschenken. In Venlo wollte er die niederländischen Winzer und lokalen Weinhändler an einem Ort zusammenbringen, der zum Genießen einlädt. Der Wilhelminapark war für ihn die perfekte Kulisse.
Inzwischen findet das Festival zum fünften Mal statt, erstmals über zwei Tage, da der Andrang zu groß geworden war. Der Freitagnachmittag gehört den Unternehmen, die hier Wein und Kulinarik zusammenführen. Der Samstag ist locker und steht allen offen. Es werden über 150 Weine präsentiert, darunter Tropfen von Winzern aus der Region und Venloer Weinhandlungen, die auch internationale Weine mitbringen. Mit dabei sind die Domein Zavel aus Tegelen und das Restaurant Valuas, das für das passende Essen sorgt. Der Ablauf ist typisch niederländisch: Zum Ticket gehört ein Weinglas, für die Weine kauft man Marken und probiert sich entspannt durch die Stände. So finden auch viele Gäste von der deutschen Seite der Grenze den Weg unter die alten Bäume des Parks, und der Kreis schließt sich vom kleinen Borrel am Nachmittag bis zum großen Weinfest im Grünen.

















Fotocredits: Cyrille Berger, invenlo.de