Wer heute Reisen plant, stolpert immer öfter über den Begriff „Destination Dupes“. Was zunächst wie ein Marketing-Schlagwort klingt, beschreibt die gezielte Suche nach weniger bekannten Regionen anstelle der überlaufenen Hotspots. Eine aktuelle Studie im Auftrag von GetYourGuide zeigt, warum Reisende Touristenmagneten immer öfter links liegen lassen und sogenannte Doppelgänger bevorzugen.
Warum immer mehr Reisende auf Alternativen setzen
Im Oktober 2025 hat das Marktforschungsinstitut Toluna untersucht, nach welchen Kriterien deutsche Urlauber ihre Reiseziele aussuchen. Mit dem Ergebnis: Das Interesse an Touristenmagneten nimmt ab. Stattdessen entdecken immer mehr Reisende weniger bekannte Regionen. Die drei wichtigsten Gründe dafür sind:
- Die Reisekasse spielt eine Hauptrolle: Für 36 % der Befragten ist schlichtweg der Preis ausschlaggebend. Günstigere Optionen abseits der großen Städte und Regionen schonen den Geldbeutel.
- Die Flucht vor dem Massentourismus: Mehr als 20 % der Teilnehmenden geben an, überfüllte Orte ganz bewusst zu meiden. Sie suchen das authentische Leben statt touristischer Sehenswürdigkeiten, für die man stundenlang anstehen muss.
- Die Lust auf neue Erzählungen: Ein Drittel der Befragten reizt die Vorstellung, von Orten zu berichten, die noch nicht in jedem digitalen Feed auftauchen. Es geht um das Besondere abseits der ausgetretenen Pfade.
Von Lecce bis Hoi An: City-Dupes-Empfehlungen von GetYourGuide
Statt Overtourism, dem „Abhaken“ berühmter Sehenswürdigkeiten und Instagram-Spots liegen die Trends bei GetYourGuide beispielsweise in Street-Food-Touren mit Einheimischen, Workshops in traditionellen Handwerksbetrieben oder Deep Dives in die lokale Geschichte. Reisen wird langsamer und persönlicher. GetYourGuide leitet aus den eigenen Buchungsdaten und der Befragung verschiedene Empfehlungen ab, die als Alternativen für bekannte Ziele dienen können:
- Italien: Hier werden Lecce (als Option statt Rom) und Matera (statt Neapel) genannt.
- Marokko: Wer das ursprüngliche Marokko sucht, findet laut GetYourGuide in den lebendigen Souks von Fès eine Alternative zum oft überlaufenen Marrakesch.
- Vietnam: Hoi An, mit der Laternen beleuchteten Altstadt und dem traditionellen Handwerk bietet eine malerische Atmosphäre, die an Kyoto erinnert, jedoch mit ganz eigenem vietnamesischem Charakter.
Die zweite Reihe als bewusste Wahl
Natürlich ist ein Dupe keine exakte Kopie des Originals. Wer nach Lecce reist, bekommt nicht das Kolosseum in klein und wer Matera besucht, findet dort kein zweites Neapel. Auch wenn die großen Weltstädte nach wie vor ihren unbestreitbaren Reiz haben, bieten die Alternativen oft eine ganz andere Qualität der Begegnung. In den sogenannten Dupes finden sich oft Erlebnisse, die in den Zentren der großen Metropolen kaum noch möglich sind. Ein Kochkurs in Fès wird beispielsweise zur Reise in das Herz der marokkanischen Gastfreundschaft. Man kauft nicht einfach nur ein, sondern navigiert gemeinsam mit Einheimischen durch das Labyrinth der Medina, sucht im Souk nach dem frischesten Koriander und landet schließlich in einer privaten Küche inmitten der Medina. Das gemeinsame Vorbereiten des Essens und das abschließende Mahl am Familientisch schaffen Erinnerungen, die beeindruckender sind als jedes klassische Sightseeing. Man lernt nicht nur die Zubereitung einer Tajine kennen, sondern erfährt im Gespräch Dinge über den Alltag, die in keinem Reiseführer stehen.


Amsterdam ist ein klassisches Beispiel für eine Stadt, die unter ihrem eigenen Erfolg leidet. Die Grachten sind weltberühmt, doch vor Ort ist das Erlebnis oft von Menschenmassen und touristischer Hektik geprägt. Nur einen Steinwurf entfernt liegt Haarlem, wo sich das Prinzip der „Destination Dupes” von seiner charmantesten Seite zeigt. Haarlem bietet die gleiche architektonische Idylle, die verträumten Grachten und erstklassige Museen, doch die Atmosphäre ist eine völlig andere. Es ist ruhiger, die Stadt wirkt lebendiger und man hat das Gefühl, dass sie noch ihren Bewohnern gehört. Und: das Meer ist ganz nah!


