Erice, eines der schönsten Bergdörfer Siziliens

Die mittelalterliche Stadt Erice bezaubert mit antiken Bauwerken, urigen Gassen und spektakulärem Panoramablick über Sizilien. Ein altertümlicher Liebeskult hat das Bergdorf bekannt gemacht. Bis heute ist das Kleinod auf den Hügeln über Sizilien Anziehungsmagnet für Italienliebhaber.  

Erice ist ein Bilderbuchdorf – heute noch mit dem Charme des Mittelalters.

In Erice lebt die Antike und der südländische Flair. Ein Dorf zuVerlieben!

Erice, ein Städtchen aus dem Bilderbuch

Der letzte Ausflugsstopp eines fantastischen Tages auf meiner Gebeco-Rundreise führt mich in das malerische Dorf Erice im Westen von Sizilien. Das idyllische Örtchen liegt auf dem rund 750 Meter hohen Berg Erice. Die Anfahrt ist aufregend. Über enge Straßen mit steilem Abgrund schlängeln wir uns den Berg hinauf. Wer nicht mit dem Auto anreisen will, hat auch die Möglichkeit von Trapani eine Fahrt mit der Funivia Trapani-Erice zu unternehmen. Diese Seilbahn bringt einen in zehn Minuten rund drei Kilometer den Berg hinauf. Beide Wege führen in diesem Fall nicht nach Rom aber nach Erice und bieten beide spektakuläre Ausblicke.
Wir laufen auf schmalen Gassen vom Parkplatz weiter steil nach oben. Kopfsteingepflasterte, enge Wege und Markplätze prägen den mittelalterlichen Stadtkern. Eine uralte Stadtmauer umrahmt die Stadt wie ein Gesamtkunstwerk. Unsere Reiseführerin Angela hat uns bewusst erst am Abend nach Erice gebracht. Die Sizilianerin kennt den Besucherandrang am Tag. Während sich im Sommer durchaus Menschenmassen durch das kleine Bergdorf bewegen, flanieren wir Dank ihr ganz für uns gemütlich durch den Ort und entdecken an jeder Ecke sizilianische Schönheiten. Über Jahrhunderte haben die herrschenden Mächte von Sizilien sich in Gebäuden hier verewigt.
Die imposante Burgruine Castello di Venere ist eine normannische Festung aus dem 12. Jahrhundert, die über einen römischen Tempel gebaut wurde. Die meisten Häuser und Relikte an denen wir in Erice vorbeilaufen stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Die Kirche Chiesa Madre wurde allerdings im 14. Jahrhundert im Gotik-Stil errichtet. Fachleute sprechen auch von Chiaramonte, da der Baustiel in Kubusform von Palästen umgesetzt ist. Ich bin wenig mit architektonischem Wissen bewandert. Ich mag aber alte Gemäuer und den besonderen Charme, den sie versprühen. Und sie haben für mich immer etwas Magisches, da sie mein Gedanken beflügeln: Wer flanierte hier vorbei, hat vielleicht mit jemanden Händchen gehalten? Welche Marktfrau hat auf dem steilen Berg ihre Früchte vom Tal hochgetragen? Wer hat sich vielleicht im versteckten Hauseingang geküsst? Ausflüge in alte Städte sind für mich stets ein Kopfkino erster Güte.

Die imposante Burgruine Castello di Venere ist eine normannische Festung aus dem 12. Jahrhundert.

Ganz Erice besteht aus Kopfsteinpflaster. Der Ort scheint im Mittelalter stehengeblieben zu sein.

Parkanlage mit Plätze für Verliebte und verträumte Aussicht.

Mehr Meer sehen? Überall gibt es tolle Aussichtspunkte!

Siziliens Magie der antiken Liebe

In der Antike leuchteten bei Griechen, Römern oder Karthagern die Augen, wenn sie „Eryx“ hörten. So hieß der Ort Erice damals. Der Legende nach war es König Eryx, ein Sohn der Göttin Aphrodite, der die Stadt und einen Liebestempel gründete. Die Tempel-Priesterinnen wie Aphrodite und „ihre Freundinnen“ sollen hier einen Liebeskult zur Verehrung der Sinnesfreuden mit vollem körperlichen Einsatz praktiziert haben. Frauen aus dem gesamten Mittelmeerraum eilten den Priesterinnen laut der Erzählung nach zu Hilfe. Der Tempel auf dem Felsen war imposant, riesig und von weitem sichtbar. Erice war für Männer ein magischer Anziehungspunkt und animierte zu Pilgerreisen der besonderen Art. Wie praktisch daher, dass die Göttin Aphrodite als Göttin der Liebe, Schönheit und Begierde quasi auch im Nebenberuf als Göttin für den Schutz der Seefahrer verantwortlich war. Da sag noch einmal einer die Antike war nicht praktisch veranlagt. Den Tempel gibt es heute leider nicht mehr. Die lustvollen Liebespraktiken die einst hier verehrt und praktiziert wurden, sind der Monogamie gewichen. Der Liebeskult der Legende lebt heute anders weiter: Erice ist ein beliebter Ort für Hochzeiten und Flitterwochen geworden. Überall im Ort entdecke ich versteckte Liebesbotschaften, „liebevolle Kunstwerke“, Turteltäubchen als Art und ein cooles Straßenschild auf dem geschrieben steht: „Pflicht, sich zu küssen.“ Wenn das mal kein Selfie-Hotspot der Stadt ist? Wir bestaunen den Hinweis. So etwas können nur die Italiener als Straßenschild umsetzen! Wer aus unserer Gruppe jetzt betreten zu Boden schaut, weil der Liebste nicht vorhanden oder mit auf Reisen war, besorgt unsere Reiseführerin Angela schnell einen Ersatz oder stelle sich selbst zur Verfügung. Schließlich geht es um das „Herzen“ und Umarmen – das können die Italiener!

Sündenpfuhl? Liebeskult? Man weiß es nicht so genau, was aus der Legende stimmen soll. Heute wird in Erice viel geheiratet Urlaub für die Flitterwochen verbracht. Überall gibt es Liebessymbole wie hier die Liebestauben.

Liebe hat in Erice Tradition und ist sagenumwoben seit der Antike. Hier steht sogar auf Straßenschildern die Anweisung: „Pflicht, sich zu küssen.“

Spektakulärer Panoramablick auf Westsizilien

Das Liebes-Straßenschild ist aber nur ein Selfie-Hotspot von vielen, wie ich wenige Meter weiter erfahre. Wir sind auf dem Gipfel des Ortes angekommen. Bei den Balio-Türme eröffnet sich eine Art breiter Balkon und gibt ein fantastische Sicht frei, die einem den Atem raubt. Schweigend genießen wir die Stille, die Farben der Natur und das grandiose Panorama! Sizilien liegt vor uns ausgebreitet. Unser Blick schweift über das Tal bis zum Mittelmeer. Wir können bis zur vorgelagerten Inselgruppe der Ägaden schauen. Wieder ein Moment, den ich nicht nur mit der Kamera festhalte, sondern auch in meinem Herzen.

Atemberaubender Blick auf Westsizilien

Selfie-Spot und Ruhepol: Der Ausblick bei den Balio-Türme in Erice

Die berühmten Biscotti der Pasticceria Maria Grammatico

Sizilianer sind süße Naschkatzen. Dolci gehören zu Sizilien wie pane und pasta. Ich kenne kein Land und keine Insel, wo so viel Leckereien rund um die Uhr verköstigt werden. Wie da die hübschen Italienerinnen zumeist auf hohen Schuhen schlank mit ihren Hüften wackeln und leichtfüßig über das antike Kopfsteinpflaster tänzeln können, wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. „Wenn Sizilianer krank sind“, berichtet mir Angela, „bringen wir keine Blumen vorbei, sondern dolci„. Sizilien wird mir immer sympathischer.
Bei einem Streifzug durch Erice darf ein Besuch bei der berühmten Pasticceria Maria Grammatico nicht fehlen. Hier soll es das beste Marzipan- und Mandelgebäck Siziliens geben und eine fantastische Cassata alla siciliana – die Königin der sizilianischen Süßigkeiten, weiß Angela uns zu berichten. Kurzerhand manövriert sie uns in das schmale, kleine Café. Inzwischen gehen wir wie echte Italiener zuerst zur Kasse, ordern und bezahlen dort Espressi und Biskotti (Kekse), um danach zur Kaffeemaschine und Kuchentheke zu gehen. Anfänger outen sich, in dem sie zuerst zur Theke stolzieren und sich wundern, dass sie nicht bedient werden.
Bei köstlichen Pasta di mandorle (Mandelkekse) und Kaffee lauschen wir Angela gespannt zur Geschichte der Konditorin. Maria Grammatico wuchs in Armut in Trapani auf und wurde als ihr Vater starb ins Kloster geschickt. In der Einsamkeit machte sie in zunehmendem Alter sich die klösterliche Konditoreikunst zu eigen. Ihre Backwaren aus dem Kloster wurden in der Region bekannt und begehrt. Sie verließ das Kloster, arm wie sie gekommen war aber mit dem Willen eine eigene Konditorei zu eröffnen. Im Sommer 1964 eröffnete sie dann ihr kleines Geschäft. Ohne Geld startete sie nur mit drei Kilo Mandeln für eine Geschäftseröffnung. Damit begann ihr erfolgreicher Lebensweg. Inzwischen steht man bei ihrem Café Schlange, ergattert kaum einen Sitzplatz und muss lange warten, um einen Platz in ihrer begehrten Kochschule zu ergattern.

Für Biskotti (Kekse) – insbesondere der Pasta di mandorle (Mandelkekse) ist Maria Grammatico in der Region sehr bekannt.

Pasticceria Maria Grammatico, Gebäck ist ihre Leidenschaft

Granita galore: Gelateria Liparoti

Auf dem Rückweg bummle ich den Berg hinunter, schaue hier und da in einem Lädchen vorbei. Kurz vor Ortsausgang entdecke ich eine Gelateria. Zwar habe ich gerade eben noch Marias Mandelkekse genascht, aber Eis geht immer, oder? Die lange Schlange und die vielen wartenden Italiener machen mich neugierig. Die Gelateria Liparoti muss keine normale Eisdiele sein. Geduldig warte ich und sehe wie Unmengen an Eisbechern und Granita mit glücklichen Italienern wieder aus dem Laden kommen. Für das sizilianische Eissorbet ist Liparoti bekannt: Granita gibt es in vielen und durchaus ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen. Dabei wird alles natürlich hergestellt und auf Zusatzstoffe, Emulgatoren und Farbstoffe verzichtet sowie Bio-Produkte bevorzugt.

Liparoti ist die Antwort für sizilianische Granita!

Eis mit guten (Bio-)Zutaten und ohne Zusatzstoffe, Emulgatoren und Farbstoffe

Dolce far niente: Abendausklang in San Vito Lo Capo

Zufrieden, müde und den Kopf voll mit schönen Bildern und Geschichten über das fantastische Sizilien lasse ich mich in den Sitz unseres Gebecos-Bus fallen. Nicht das erste Mal bin ich froh, eine geführte Rundreise über die Insel zu machen. Angela gibt uns Freiraum für individuelle Wünsche und ich muss mir nicht Gedanken über Reiseplanung, Ziele und Parkplätze machen. Unser Busfahrer Giovanni fährt uns jetzt zu einem schönem Hotel, wo wir zwei Tage bleiben. Es liegt in San Vito Lo Capo und ich freue mich vor dem Aperitivo auf ein entspannendes Bad im Meer! In San Vito Lo Capo liegt einer der schönsten Strände der Insel. Danach wird der Campari noch bekömmlicher schmecken, wenn die blaue Stunde den Tag verabschiedet und die Sonne langsam im Meer versinkt. „Dolce far niente“ – die Italiener wissen zu leben!

San Vito Lo Capo: Eines der schönsten Strände Siziliens!

Reiseführertipp: Sizilien (Michael Müller Verlag)
Der Sizilien Reiseführer aus der Feder von Thomas Schröder. Über 600 Seiten umfasst der 2022 frisch aufgelegte Buch. Neben praktischen Tipps zu klassischen Sightseeingtipps und Entdeckungen mit dem Rad beschreibt Schröder sehr umfassend alle Reiseziele Siziliens und nimmt den Leser mit ansprechenden Bildern emotional mit. Auch entlegende Winkel der Insel werden in seinem Reiseführer erwähnt. Für mich ist es der umfassendste Reiseführer, den es aktuell zu Sizilien im deutschsprachigen Raum gibt.
Mehr Sizilien
Alle Artikel zu meiner Gebeco-Rundreise zum wunderschönen Sizilien mit tollen Ausflügen lest Ihr hier.
Beispielsweise:

  • Geheimnisse hinter Klostermauern auf Sizilien
    Es ist ein Ort der Einsamkeit, des Glaubens, der Liebe und eines Totenkults. Um das Kloster Eremo di Santa Rosalia alla Quisquina auf Sizilien ranken sich viele Geschichten. Es ist ein malerischer Platz in den Bergen von Sizilien.

  • Die schöne Altstadt von Palermo
    Was soll man sich in Palermo anschauen, wenn man nur einen Tag Zeit hat? Hier findest Du Tipps für Deine Städtereise nach Palermo mit ausgesuchten Sehenswürdigkeiten für Deinen Kurztrip durch Palermos Altstadt.

  • Rundreise Sizilien – Meine Erlebnisreise mit Gebeco
    Tour- und Routeninfos im Überblick.
    Sizilien: Das ist Bella Italia und eine Insel zum Verlieben! Meine Gebeco-Rundreise auf der Sonneninsel war ein fantastisches Reiseerlebnis! Sizilien die ist größte Insel Italiens, wird von drei Meeren umspült, bietet unglaubliche Natur, historische Highlights und Kulinarik vom Feinsten.

  • …und mehr!

Weitere Bilder

Offenlegung: Meine Recherchereise durch Sizilien wurde von Gebeco Gesellschaft für internationale Begegnung und Cooperation mbH & Co. KG unterstützt – ganz herzlichen Dank dafür! Der Inhalt dieses Artikels ist natürlich von der Einladung unbeeinflusst und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag erhielt ich kein Honorar.

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