EUROPAs Beste: Wenn ein Pooldeck zur besten kulinarischen Adresse Deutschlands wird

Zehn Sterneköche, elf Winzer, zehn Genussexperten. Zum 20. Jubiläum von EUROPAs Beste versammelt im Hamburger Hafen.Zehn Sterneköche, elf Winzer, zehn Genussexperten. Zum 20. Jubiläum von EUROPAs Beste versammelt im Hamburger Hafen. Photocredit: Hapag-Lloyd Cruises / Wyrwa

Zehn Spitzenköche mit 23 Michelin-Sternen, elf Winzer, zehn Genussexperten. An Bord der EUROPA im Hamburger Hafen feierte das Gourmet-Festival EUROPAs Beste sein 20-jähriges Jubiläum. Zum ersten Mal hatte keiner der geladenen Köche weniger als zwei Sterne.

Am Nachmittag hat es noch geregnet. Jetzt hängt die Sonne tief über dem Hamburger Hafen, streift die Kräne am gegenüberliegenden Ufer und legt einen strahlenden Glanz auf das Pooldeck der MS EUROPA. Ben Schütz, 26 Jahre alt und Küchenchef des Luxusliners, glasiert die Rippenstücke ein letztes Mal. Neben ihm arrangiert ein Mann aus dem Elsass Käse auf einem Holzbrett. Gleich kommen die Gäste.

23 Sterne und ein Jubiläum

Rückblende nach Heiligendamm im Jahr 2004: Neun Michelin-Sterne, ein paar Dutzend Stehtische und die Frage, die heute kurios klingt: Stellen sich Gäste, die Sterneküche gewöhnt sind, wirklich an? Wie lange bleiben sie stehen? Neun Sterne, so hieß es damals ehrfürchtig, seien kaum zu toppen.
Es wurde übertroffen!

Seither hat das Gourmetevent EUROPAs Beste sieben Orte gesehen, unter anderem Stockholm, Bordeaux, Mallorca, Amsterdam und Antwerpen. Über 150 Gastköche gaben ihr Gastspiel bei Hapag-Lloyd Cruises, flankiert von über 100 Spitzenwinzern, von denen einer eigens aus Argentinien anreiste. Unterm Strich leuchteten 315 Michelin-Sterne über den zwanzig Veranstaltungen.

An diesem Augustabend sind es 23 auf einmal. Drei Köche haben drei Sterne, sieben haben zwei. Drei Sterne sind die höchste Auszeichnung, die der Guide Michelin vergibt. Hier stehen zehn Küchen nebeneinander an der Reling. „Heute Abend werden wir Geschichte schreiben”, sagte Isolde Susset lächelnd zur Eröffnung. Die Managing Director von Hapag-Lloyd Cruises war auch 2004 in Heiligendamm dabei.

Alle an Deck: Köche, Winzer und Genussexperten zum Jubiläum, eröffnet von Isolde Susset, Managing Director von Hapag-Lloyd Cruises. Photocredit: Hapag-Lloyd Cruises / Wyrwa
Alle an Deck: Köche, Winzer und Genussexperten zum Jubiläum, eröffnet von Isolde Susset, Managing Director von Hapag-Lloyd Cruises. Photocredit: Hapag-Lloyd Cruises / Wyrwa

Auf der Genussmeile

Es beginnt mit einem Glas Champagner, weiß oder rosé. Alkoholfrei geht auch, dann kommt ein Apfel Secco ins Glas. Dazu ein paar Häppchen, serviert von Damen und Herren in dunkelblauen Westen. Wer hier schon satt wird, hat den Abend nicht verstanden.

Den Auftakt macht Leslie Clio mit einem Konzert auf Deck. Danach begleitet Angelina Kirsch das Programm und stellt dem Publikum nacheinander Köche, Winzer und Genussexperten vor. Die Genussmeile zieht sich um das Pooldeck, Stand an Stand. Jeder isst, was ihm gefällt, in der Reihenfolge, die ihm einfällt, und so oft er mag. Vor manchen Tischen wird die Schlange lang. Die Erfahrenen erkennt man daran, dass sie sich gar nicht erst hinten anstellen, sondern mit dem Dessert beginnen. Da steht zu Beginn noch niemand. Die Vorspeise kommt später. Zwischen zwei Gängen lehnt man an der Reling und blickt auf das Hafenbecken und die Elbphilharmonie. Oder man wagt ein Tänzchen.

EUROPAs Beste 2026: Was auf die Teller kommt

Gastgeber ist Ben Schütz, 26 Jahre alt, Küchenchef der EUROPA und zum zweiten Mal Ausrichter dieses Abends. Bei ihm gibt es geschmortes US Short Rib vom Rind mit Gochujang, dazu Karotte, Shiitake, Jasminreis und Koriander. Gochujang ist eine fermentierte Chilipaste aus Korea, scharf, mit einer süßen Spur dahinter, und auf dem Fleisch liegt sie als dunkle Glasur. Ein Gericht, das man im Stehen mit einer Hand isst.

Ein paar Meter weiter arbeitet Tanja Grandits vom Stucki in Basel. Zwei Michelin-Sterne, 19 GaultMillau-Punkte, und an diesem Abend die einzige Frau in der Kochriege. Sie hat sich für Weiß entschieden: Jakobsmuschel, Blumenkohl, Mandel-Hollandaise. Cremig, frisch, gemacht für einen Sommerabend an Deck.

Marco Müller vom Berliner Rutz, drei Michelin-Sterne, lässt dagegen alles kalt. Kingfisch und Garum-Tomate, dazu ein Gartenkräuter-Eis. Garum kannten schon die Römer, eine fermentierte Würzsauce, die vor ein paar Jahren in die Spitzenküche zurückgekehrt ist. Salz und Kälte statt Hitze. An einem Augustabend keine schlechte Idee.

Marcel Skibba vom Schloss Schauenstein im schweizerischen Fürstenau, ebenfalls drei Sterne, steht zum ersten Mal an Bord und hat Kalbsbrust mitgebracht, dazu Kohlrabi, Peperoni und Gartenkräuter. Ein Stück Fleisch, das Stunden braucht und am Ende so zart ist, dass die Gabel genügt.

Und Martin Stopp vom ATAMA in St. Ingbert, zwei Sterne, hat vor diesem Abend noch nie ein Kreuzfahrtschiff betreten. Auf seinem Löffel liegen Kalbsbries und Tatar mit alter Karotte, Kaffirlimette und Miso-Hollandaise. Japanische Technik, französische Sauce, saarländische Adresse.

Bei Dieter Koschina von der Vila Joya an der Algarve kommen Champagner-Suppe, Austern-Toast und Kaviar auf den Löffel. Dirk Luther von der Meierei in Glücksburg schneidet Gelbschwanzmakrele in Scheiben, dazu Passe pierre, Combava-Vinaigrette und Avocado. Thorsten Bender vom SEIN confiert isländischen Saibling und stellt ihm Spitzkohlsalat, Estragon und eine Sauerkraut-Beurre-blanc zur Seite. Thomas Dorfer vom Landhaus Bacher mariniert Sommergemüse mit Kaviar, Paradeiser, Basilikum, Ricotta und Pistazien aus Bronte. Und Jurgen van der Zalm vom Amsterdamer Vinkeles kombiniert grünen Spargel und Gartenerbsen mit geräucherter Stracciatella, Forellenkaviar und Feigenblättern. Was hier angereicht wird, ist Gourmetküche auf höchstem Niveau.

Der Zehnte im Bunde steht direkt am Lido Pool. Kevin Fehling, drei Michelin-Sterne im 14. Jahr in Folge, serviert fantastisch zubereiteten Lachs von den Färöer-Inseln. In Hamburg führt er das The Table, an Bord der EUROPA verantwortet er das The Globe, in dem er an rund 20 Tagen im Jahr selbst kocht. Zum achten Mal ist er nun schon dabei, öfter als jeder andere Koch.

An diesem Abend zählt nicht allein, was auf den Teller kommt. Die Sterneköche stehen zusammen mit ihren Brigaden persönlich an den Tischen. Bei EUROPAs Beste können Sie sich mit den Spitzenköchen über Rezepturen oder neue Trends in der gehobenen Küche und Gastronomie austauschen.

Elf Winzer von der Saar bis in die Champagne

Ein Mann, bei dem die Gäste nicht nur für den Wein, sondern auch für ein gemeinsames Foto anstehen, ist Günther Jauch. An diesem Abend schenkt er den Wein persönlich ein. Der Moderator erklärt seine Weine und wer möchte, erhält eine kleine Weinkunde dazu. Er berichtet, warum man den Schieferboden an der Saar herausschmeckt, wie sich die Steillage auf die Säure auswirkt und woran man einen gelungenen Riesling erkennt. Auf Nachfrage teilt er auch die Familiengeschichte hinter dem traditionsreichen Gut, das seit dem 18. Jahrhundert besteht und das Jauch von einer Großtante übernommen hat. Das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar nutzt die Schieferhänge in einer der steilsten Lagen des Landes. Seine Weine zeigen ein klares Profil. Im Vorjahr kürte das Magazin Falstaff ihn zum Winzer des Jahres.

Nur wenige Schritte weiter schenkt Markus Schneider aus dem pfälzischen Ellerstadt vier Weine aus, darunter einen Blanc de Blancs. Schneider vinifiziert Weine mit hohem Wiedererkennungswert: Sie fallen kräftig und dicht aus und zeigen einen spürbaren Barriqueausbau.

Auch die übrigen Güter des Abends zeigen Format. Robert Bodenstein vertritt die Steillagen der Wachau, Helena Lageder schenkt die Weißweine ihres Südtiroler Betriebs aus und Martin Waßmer präsentiert Weine aus dem Markgräflerland. Aus Bordeaux sind Justine Bouchut von der Domaine de Chevalier sowie Karine Barbier von Château Lascombes angereist, aus der Provence Helmut Aichinger mit den Rosés von Château d’Esclans. Eva Sonnenberg vertritt den Karthäuserhof an der Ruwer und Pierre Enjalbert die italienische Tenuta del Nicchio. Bei Javier Terrés fließt schließlich Champagner von Moët Hennessy in die Gläser.

Zehn Genussexperten, ein Maître Affineur und der Duft von Trüffeln

Bernard Antony aus Vieux-Ferrette im Elsass arbeitet seit Jahrzehnten als Maître Affineur. Er ist eine feste Größe bei EUROPAs Beste, auf die sich viele Stammgäste jedes Mal erneut freuen. In seinen Kellern reifen etwa einhundert Sorten, die er an europäische Spitzenküchen liefert. Antony kauft junge Käselaibe und pflegt sie über Monate durch Waschen und Wenden, bis sie seinen Vorstellungen vom perfekten Reifezustand entsprechen.

Ein paar Schritte weiter schwenkt Ralf Bos aus Meerbusch heiße Spaghetti in einem ausgehöhlten Parmesanlaib. Die warmen Spaghetti binden den Käse. Anschließend hobelt er frischen australischen Wintertrüffel über den Teller. Reichlich. Während in Europa Sommer herrscht und die heimische Trüffelsaison ruht, wird auf der südlichen Erdhalbkugel geerntet. So landet an diesem Augustabend in Hamburg ein Produkt auf den Tellern, das hierzulande erst im Spätherbst verfügbar ist.

Das weitere Spektrum der Genussexperten ist breit gefächert: Markus Rüsch vom Altonaer Kaviar Import Haus serviert sein goldenes Ei, Ludwig Maurer vom STOI schneidet Picanha vom Grill, Peter van Nahmen schenkt alkoholfreie Schaumweine und Säfte aus, und bei Becking Kaffee gibt es Espresso aus Hamburg. Jörg Fischer bringt Eisspezialitäten von Giovanni L. aus Kiel mit, Marco D’Andrea Kokosschaum mit exotischen Früchten, Kokos-Crumble und Piña-Colada-Sorbet. Sebastian Hess mixt an der Bar des Jahres, der Ory Bar aus dem Münchner Mandarin Oriental.

Den Abschluss bildet Kevin Kugel aus Sindelfingen. Er hat 2.700 Pralinen mit an Bord gebracht. Der Chocolatier arbeitet nach dem Bean-to-Bar-Prinzip und importiert seine Rohstoffe ohne Zwischenhändler direkt aus Ecuador, Peru und Mexiko. Auf den Tabletts liegen Trüffel mit Whisky und Zimt, knuspriger Nuss-Mandel-Crunch, dunkle Schokolade kombiniert mit Calamansi und Yuzu sowie eine Praline aus reinem peruanischem Kakao.

Die MS EUROPA als Talentschmiede

Der Mann, der gerade noch Färöer-Lachs gereicht hat, begann auf diesem Schiff einst als einfacher Smutje. Zwei Jahre lang fuhr er als Küchenhilfe um die Welt. Heute hält Kevin Fehling seit vierzehn Jahren in Folge drei Michelin-Sterne und betreibt an Bord sein eigenes Restaurant „The Globe”.

Isolde Susset greift diesen Werdegang am Abend auf und verweist auf weitere Karrieren aus den Bordküchen. Dennis Elies arbeitete als Souschef an der Seite von Fehling an Land sowie auf See und erkochte kurz darauf zwei Sterne für den Tannenhof in Österreich. Maurizio Oster begann als Commis de Cuisine auf dem Schiff und ist heute Küchenchef eines Hamburger Restaurants mit einem roten und einem grünen Michelin-Stern. Tristan Brandt sammelte Erfahrungen im Bordrestaurant von Dieter Müller und wurde anschließend der jüngste deutsche Zwei-Sterne-Koch. Jan Hoffmann etablierte das vegetarische und vegane Speisenangebot auf den Schiffen. Timon Lohrengel, der ebenfalls als Schiffskoch tätig war, leitet heute das gesamte kulinarische Angebot der Flotte.

Auch der Gastgeber der EUROPAs Beste 2026 reiht sich dort ein. Ben Schütz schloss seine Ausbildung als Jahrgangsbester ab und lernte bei Philipp Stein, der damals als jüngster Sternekoch Deutschlands galt und selbst auf der EUROPA sowie der EUROPA 2 kochte. Seit 2023 arbeitet Schütz fest an Bord.

Und 2027?

Am späten Abend spielt die Band und niemand denkt ans Gehen. In der Sansibar am Heck sitzen Gäste und Köche noch zusammen, während draußen die Kräne des Hafens im Dunkel versinken.

Neun Sterne hatte man 2004 für unübertrefflich gehalten. Nach diesem Abend sind es 23 und die 21. Ausgabe EUROPAs Beste ist bereits buchbar, wieder im Hamburger Hafen als Kurzreise oder mit einem Flanierticket für den Abend. Man darf gespannt sein, was sie sich dafür einfallen lassen werden.


Offenlegung: Dies ist ein journalistischer Artikel, der teilweise durch die Unterstützung von Hapag-Lloyd Cruises ermöglicht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag habe ich kein Honorar erhalten.

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