Im Indischen Ozean kippt das Tempo, sobald das Boot festmacht. In Südostasien stehen Tempel zwischen Dschungel und Hochhaus. In Ostafrika füllt sich morgens eine Markthalle mit Hitze und Stimmen. Übersee liegt für Mitteleuropäer oft nur wenige Flugstunden auseinander und fühlt sich doch jedes Mal anders an. Andere Farben, andere Gerüche, ein anderer Takt.
Kambodscha
Kurz vor sechs wird der Himmel hinter Angkor Wat grau, dann leuchtend rosa. Die fünf Türme heben sich aus der Dunkelheit, während sich am Wassergraben die Besucher drängen. Es lohnt sich trotzdem.
Ein paar Kilometer weiter hat in Ta Prohm der Dschungel das Kommando übernommen. Baumwurzeln pressen sich über die Mauern und halten sie zugleich zusammen. Im Bayon blicken mehr als 200 steinerne Gesichter von den Türmen, ruhig und ein wenig rätselhaft.
Phnom Penh hält zwei Wahrheiten nebeneinander aus. Der Königspalast glänzt vergoldet, das Tuol-Sleng-Museum dokumentiert die Verbrechen der Roten Khmer. In Siem Reap bildet das Restaurant HAVEN junge Erwachsene aus Heimen und armen Familien zu Köchinnen und Köchen aus, nach Schweizer Vorbild.
Malediven
Vom Steg aus liegt das Wasser in Streifen: Türkis am Sand, Smaragd über dem Riff, Tiefblau dort, wo es abfällt. Ein Sprung mit Maske und Schnorchel, und der Lärm der Welt verschwindet. Unter der Oberfläche ziehen Korallen vorbei, dazwischen Fische in Farben, die man kaum für echt hält.
Über Wasser besteht der Tag aus Meer, Strand, Liege und fantastischem Essen. Viele Resorts belegen eine eigene Insel, der nächste Nachbar ist weit weg. Wer mag, sieht tagelang nur Wasser, Sand und das eigene Boot.
Mauritius
Der Tag beginnt im Heritage Le Telfair mit Tai-Chi am Strand, langsame Bewegungen gegen das Licht über dem Wasser. Mittags folgt eine Klangmeditation im Seven Colours Spa, nachmittags Waldbaden im Naturreservat Bel Ombre. Die Insel südöstlich von Madagaskar setzt im Südwesten auf Entschleunigung.
Die Küche bleibt regional. In einem Kochworkshop zeigt Küchenchef Quentin Richer, wie aus Maniok, Litschis und frischem Fisch moderne Gerichte entstehen. Das Strandrestaurant Gin’Ja stellt ein panasiatisches Menü gegen das Meer.
Die Südwestküste fällt rauer aus. Die Bay2Bay-Tour führt zu schwarzen Vulkanstränden, zu den runden Kieseln am Rock’n’Roll Beach und zu Buchten, in denen kaum jemand steht. Dazu passt der Takamaka-Wein aus Litschis, fruchtig und leicht.
Seychellen
Auf La Digue gibt es kaum Autos. Wer vom Hafen kommt, steigt aufs Rad und rollt über Sandwege zu Stränden, an denen Granitfelsen aus dem Wasser ragen. Auf Praslin führt ein Pfad durch das Vallée de Mai, wo die Coco de Mer wächst. Ihr Samen gilt als größter im ganzen Pflanzenreich.
Mahé bündelt das andere Tempo: Markt, kreolische Küche, botanische Gärten, dazu bewaldetes Inselinneres. Vor der Küste liegt Cousin Island, ein streng geschütztes Reservat, auf dem Seevögel ungestört brüten. Weit draußen folgt Aldabra, UNESCO-Weltnaturerbe und eines der größten gehobenen Korallenatolle der Erde, Heimat zahlloser Riesenschildkröten. Hin kommt kaum jemand.
Sri Lanka
Aus der grünen Ebene schiebt sich Sigiriya in den Himmel, ein Felsen mit den Resten eines Palastes auf dem Gipfel. Wer die Stufen nimmt, schaut am Ende über Dschungel bis zum Horizont. In Kandy drängen sich Pilger vor dem Zahntempel, einem der wichtigsten Heiligtümer des Landes.
Im Hochland ziehen Teefelder über die Hänge, dazwischen arbeiten Pflückerinnen mit Körben auf dem Rücken. Abends kommt das Land auf den Teller: würzige Currys, Dhal aus Linsen, Pol Sambol aus geraspelter Kokosnuss, dazu Hopper, dünne Schälchen aus fermentiertem Reismehl. Ein Spritzer Limette darüber, fertig.
Tansania und Sansibar
Stone Town wacht langsam auf, über dem Hafen hängt noch Dunst. In den engen Gassen steht arabisch geprägte Architektur dicht an dicht, an den Ecken stapeln Händler Obst, Fisch und Gewürze. Im Darajani-Markt schlägt einem die Fischhalle entgegen: Hitze, Geruch, ein Stimmengewirr, das nicht abreißt. Auf den Tischen liegt Vanille, die den Handel der Insel seit Jahrhunderten prägt.
Sansibar hat auch eine dunkle Geschichte. Am ehemaligen Sklavenmarkt erinnern erhaltene Kellerräume an den Sklavenhandel. Wenige Schritte weiter zeigt das Freddie-Mercury-Museum die Herkunft des Queen-Sängers, der hier geboren wurde. Beides liegt in derselben Altstadt, kaum hundert Meter auseinander.
Vietnam
In Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, beginnt der Morgen mit einer Schale Pho an einem Plastikhocker am Straßenrand. Tagsüber drängt sich der Verkehr durch koloniale Boulevards, abends führt eine Vespa durch die beleuchteten Gassen, vorbei an Garküchen, die an jeder Ecke etwas anderes brutzeln.
Im Mekong-Delta erlebt man eine ganz andere Welt. Schmale Boote schieben sich durch enge Kanäle, vorbei an Palmen, schwimmenden Märkten und Häusern auf Stelzen. In den Gastfamilien kommen frische Kräuter und Kokosöl in den Topf, dazu Erklärungen zum Alltag auf dem Wasser. Weiter nördlich riecht Hoi An nach Holzkohle, in Hanoi steht die Geschichte zwischen den Häusern der Altstadt.
Unterwegs per Schiff
Manche dieser Ziele erreicht man am besten über Wasser. Auf den Seychellen bringen Schiffe Gäste von den Inner Islands zu Inseln, die auf dem Landweg nicht zu erreichen sind. Aldabra liegt so weit draußen, dass die meisten das Atoll nur von einer Expedition aus sehen. Auch Sansibar lag am Ende einer Expeditionskreuzfahrt, frühmorgens ging es mit dem Zodiac an Land. Vom Schiff aus verschieben sich die Maßstäbe, plötzlich liegen Orte in Reichweite, die sonst kaum jemand betritt.
Küche als roter Faden
Durch fast jedes meiner Reiseziele lest ihr auch etwas über regionale Küchen. In Siem Reap bildet HAVEN den Nachwuchs am Herd aus und arbeitet mit Galgant und Kokosmilch. Auf Mauritius macht ein Workshop aus Maniok und Litschis ein modernes Menü. In Vietnam bestimmen frische Kräuter, Limette und Chili die Gerichte, vom Hocker am Straßenrand bis zur Gastfamilie im Delta. Auf Sri Lanka treffen Currys auf Pol Sambol und Hopper. Wer wissen will, wie ein Ort tickt, isst liest sich am schnellsten hinein.













