Ich spüre die warme Luft auf der Haut, als ich die kleine Terrasse direkt am Meer betrete. Die späte Nachmittagssonne taucht die weißen Bungalows und die abstrakten Skulpturen in ein weiches Licht, sodass sie beinahe unwirklich wirken. Sie stehen scheinbar zufällig im satten Grün der Gärten und am Meer. Das Minos Beach Art Hotel fühlt sich an wie ein begehbares Kunstwerk: stylisch, modern und dabei „richtig griechisch“, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Weinprobe ist ein weiteres Kapitel dieser Darbietung.
Meine Gastgeberin lächelt mich an. Eine junge Frau namens Maria. Sie entschuldigt sich fast schüchtern dafür, dass sie eigentlich nur die Stellvertreterin ist und dies ihre erste Weinprobe ist. Dann beginnt sie, ein wenig zu plaudern. Sie gesteht mir, dass ihr persönlich die ganz leichten Roten wie ein Pinot Noir am liebsten seien. Für einen Moment schweigt sie. Dann schaut sie auf und lächelt, als wäre ihr gerade eine Erkenntnis gekommen. „Das war etwas unpassend, oder?“ Ich schüttle den Kopf, und wir lachen. Die Szene entspannt sich.
„Wir haben uns bewusst für einzelne Rebsorten entschieden“, fährt sie fort, während sie den ersten Wein einschenkt. „Keine Cuvée. So spüren Sie jede Geschichte für sich.“
Ich nehme das Glas entgegen. Ein Vidiano vom Weingut Liraraki, die wohl bekannteste weiße Rebsorte Kretas. Es schimmert in einem hellen Zitronengelb. In der Nase spüre ich einen Duft nach weißen Blüten, der sich mit etwas Reifem, das ich als Pfirsich deute, vermischt. Sie erklärt, dass der Weinberg in Heraklion liegt. Der Wein ist typisch kretisch: unkompliziert und doch voller Sonne.

Kulinarisches Erlebnis direkt am Meer.
Nach dem zweiten Schluck lächelt meine Gastgeberin. „Sie mögen ihn.“ Ich nicke. Es stimmt. Dieser Wein ist wie ein guter Einstieg in ein Gespräch.
Das zweite Glas ist ganz anders. Er stammt von Santorini. Schon an der blasseren, goldenen Farbe erkenne ich, dass hier eine andere Geschichte erzählt wird. Die Rebsorte ist Assyrtiko, der Wein heißt „Thalassit” und stammt vom Weingut Ya Wines. Ich drehe das Glas und rieche daran. Ja, Zitrone, Limette. Aber darunter liegt etwas anderes.
„Sie könnten einen Hauch von Mineralien schmecken“, sagt sie – und hat recht. Es erinnert mich nicht an Frucht. Eher an den Geruch eines warmen Steins nach einem Sommerregen. Eine rauchige, kühle Note, die überrascht und ein Prickeln auf der Zunge zurücklässt. Ich frage sie, ob es stimmt, dass der Boden auf Santorini so einzigartig ist, und sie nickt begeistert. Sie erklärt, dass der Boden die Reben zwingt, tief in die Erde zu wurzeln, um Wasser zu finden. Und dass die Winzer die Reben wegen des starken Windes am Boden anbauen, um sie zu schützen. Dann zeigt sie auf die kleinen Häppchen auf dem Tisch – lokaler Käse, Olivenölbrot – und sagt, diese Weine harmonieren perfekt dazu. Diese Geste ist so herzlich, dass man die berühmte griechische Gastfreundschaft in jedem Happen spürt.
Mit einem Mal ändert sich die Richtung unseres Gesprächs. Wir reden jetzt nicht mehr nur über Weine. Wir sprechen über Geologie, Überlebenskunst, Tradition und ihre geliebte Heimat.




Dieses Gespräch und diese Weinprobe passen perfekt zur Atmosphäre des Hotels, in dem jeder Baum und jede Skulptur eine eigene Geschichte zu erzählen scheint.
Dann werden die beiden Rotweine serviert. Der erste ist ein Kochifali, ebenfalls von Kreta. „Es ist die am häufigsten angebaute Rebsorte für Rotwein auf Kreta“, erklärt Maria. Er ist der Alltagsheld der Insel. Ein unkomplizierter Wein mit Aromen roter Früchte und mediterraner Kräuter, der zudem mit einem Hauch Mineralität aufwartet. Er ist kein schwerer Wein, sondern eher einer, der mit einem Schmunzeln dabei ist, während die Zeit vergeht. Maria gesteht mir, dass sie rote Weine selbst nicht sonderlich mag und sie nur für die Arbeit studiert hat. Sie mag leichte Weine wie einen Pinot Noir. Ich lache leise und sage, dass ich das verstehe.
Der zweite ist ein Poponemea vom Peloponnes und das genaue Gegenteil. Dunkler, fülliger. Er schimmert im Glas mit einem leichten Braunstich. „Er reifte 12 Monate im Fass“, erzählt sie. Die Rebsorte ist Agiorgitiko. Ich schmecke schwarze Beeren und eine subtile Marmeladennote. Maria sagt, er sei ein Wein, der ein bisschen mehr vorhabe – er liege zwischen einem Cabernet und einem Merlot.




Als sie den letzten Wein einschenkt, ist da eine gewisse Erwartungshaltung. Es ist der Orycton. Aus Santorini. „Sein Name bedeutet ‚Mineral‘“, erklärt Maria, die nun mit sichtbarer Begeisterung über ihre Heimat spricht. Der Duft ist scharf, fast salzig. Ich nehme einen kleinen Schluck. Die Aromen sind frisch und lebendig, mit Noten von Zitrusfrüchten und Steinobst. Darunter spüre ich jedoch eine Note, die ich noch nie zuvor in einem Wein entdeckt habe.
„Dieser Wein ist anders“, erklärt Maria, „er ist Ausdruck unseres Bodens und unserer Tradition.“
Dieser Wein ist mehr als nur ein flüssiges Kunstwerk. Wie die Kunstwerke, die das Hotel schmücken, erzählt auch er eine Geschichte von Kreativität und Seltenheit. Maria erklärt, dass jedes Jahr nur eine limitierte Auflage produziert wird, da der vulkanische Boden nur wenige Trauben hervorbringt. Dieser Wein bildet den krönenden Abschluss einer fantastischen Weinprobe am Meer.
Als ich das Glas wieder abstelle, ist die Sonne verschwunden. Das Meer glitzert nur noch schwach unter dem aufgehenden Mond. Die Flaschen stehen da wie stille Zeugen einer Konversation, die weit über das Thema Wein hinausging. In diesen zwei Stunden lerne ich mehr über Griechenland als aus manchem Reiseführer.
Es war eine Weinprobe, die sich wie eine Kunstführung anfühlte.




Infobox – Private Weinprobe im Minos Beach Art Hotel
Ort: Minos Beach Art Hotel, Agios Nikolaos, Kreta
Format: Private Wine Tasting Experience (nur auf Voranmeldung)
Dauer: ca. 60–90 Minuten
Weine: vier bis fünf handverlesene Weine, die die Bandbreite griechischer Rebsorten repräsentieren
Begleitung: Weinexperte oder Gastgeber mit Erläuterungen zu Herkunft, Charakter und Geschichte der Weine
Sprache: Englisch
Kulinarische Begleitung: Lokale Meze (z. B. Brot mit Olivenöl, Käse, Oliven). Besonderheit: Exklusives Ambiente direkt am Meer. Auf Wunsch auch mit Dinner oder Sunset-Option kombinierbar.











Offenlegung: Dies ist ein redaktionell erstellter journalistischer Artikel, der teilweise durch die Unterstützung von bluegr Hotels & Resorts ermöglicht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag habe ich kein Honorar erhalten.


Liebe Tanja, Deine Weinprobe nimmt mich mit jedem Wort sofort mit in den organoleptischen Himmel meiner Geschmacksknospen … herrlich geschrieben, ich liebe Deine Reisegeschichten…
Herzliche Grüße
Danke Dir liebe Gaby für Deinen herzlichen Kommentar. Das freut mich sehr!! Liebe Grüße Tanja