Zurück ins Meer: Wie Apulien seine Meeresschildkröten rettet

Meeresschildkröte Vito wird vor der Küste bei Manfredonia in Apulien zurück ins Meer gesetzt.

In Apulien im Hafen von Manfredonia ist es an diesem Morgen ruhig. Die Boote schaukeln im Takt der Wellen, Tauwerk knarzt, sonst wenig. Auf einem Schlauchboot mit Außenborder steht eine graue Wanne, darin liegt Vito. Ein nasses Shirt bedeckt den Panzer und hält die Junisonne ab. 36 Kilo Caretta caretta, gut zwanzig Jahre alt, der Panzer voller feiner Kratzer wie eine alte Tischplatte. Als unsere Gruppe den Kai erreicht, wartet Vito schon an Bord auf die Abfahrt.

Bei der typischen Postkartenidylle Apuliens denkt man sofort an die weißen Kegeldächer der Trulli und ein Meer in tiefen Blautönen. Der Hafen von Manfredonia, an der Adria südlich des Gargano gelegen, zeigt jedoch eine ganz andere Facette der Region. Hier, am Molo di Ponente, entscheidet sich, ob die Meeresschildkröte an dieser Küste eine Zukunft hat.

Ein Fischer wird zum Retter

Viele der unechten Karettschildkröten verfangen sich in Netzen oder an den Haken der Fischerei, werden von Schiffsschrauben getroffen oder schlucken Plastik. In Italien gehen jedes Jahr rund 40.000 Meeresschildkröten als Beifang ins Netz. Ohne Hilfe überleben die verletzten Tiere nicht. Zum Glück kann die Region auf ihre Fischer zählen. Sie kennen das Problem und bringen verletzte Tiere ins Rettungszentrum am Hafen, statt sie geschwächt zurückzuwerfen.

Angefangen hat es mit einem von ihnen. Eines Tages zog Michele gemeinsam mit seinem Bruder eine Schildkröte hoch, ein großes Tier, zu groß fürs Boot. Die beiden setzten sie zurück. Beim nächsten Mal war die Schildkröte kleiner und passte, sodass sie sie an Land brachten. Seither kommt er wieder. Er war der Erste.

Ein großes Thema macht er daraus nicht. Ein verletztes Tier bringt man ins Zentrum, so hält er es. Seit rund fünfzehn Jahren, erzählt er, sehe er mehr von diesen Tieren als früher. Am Anfang gab es sie hier kaum. Das wärmere Wasser lockt sie nach Norden, in Gewässer, die lange nicht auf ihrer Karte standen.

Ein Krankenhaus für Schildkröten

Das Rettungszentrum von Legambiente liegt am Molo di Ponente und arbeitet seit 2006 als kleines Krankenhaus für verletzte Schildkröten. Kommt ein verletztes Tier herein, wird es geröntgt und untersucht, bekommt Blut abgenommen und die Behandlung, die es braucht. Ist es wieder fit, wird es markiert und zurück ins Meer gebracht. Über 2.100 Tiere sind seit der Eröffnung hier gepflegt worden.

Biologe und Leiter des Rettungszentrums ist Giovanni Furii. In den vergangenen zehn Jahren, sagt er, seien an dieser Küste mehr Nester entstanden, ein Phänomen, das man beobachten und begleiten müsse. Furii kennt auch das Missverständnis, das dabei aufkommt. Manche Menschen sähen eine Schildkröte aus dem Wasser kommen und setzten sie zurück ins Meer, im guten Glauben zu helfen. Dabei hindern sie das Tier daran, sein Gelege abzulegen.

Vito gehört zu den wenigen, die es weit gebracht haben. Von tausend geschlüpften Jungtieren erreicht im Schnitt nur eines das Erwachsenenalter, mit etwa zwanzig Jahren. Vito hat es geschafft, wurde verletzt, kam ins Zentrum und über Monate wieder aufgepäppelt. Jetzt liegt er in der grauen Wanne auf dem Boot und blinzelt in die Sonne.

Plastik im Bauch

Was den Tieren zusetzt, zeigt sich im Zentrum nicht nur an gebrochenen Panzern, sondern in ihrem Kot. Für das Projekt Clean Sea Life konnte Legambiente rund zehn Boote aus Manfredonia gewinnen, die Müll vom Meeresboden bergen. Dorthin sinkt der größere Teil des Meeresplastiks, etwa 80 Prozent, genau dorthin, wo die Caretta frisst. Was sie aufnimmt, findet sich später in den Proben wieder, ein Gemisch aus Materialien, das dort niemand haben will. Wer den Müll birgt, nimmt ihn aus dem Kreislauf.

Nester, wo Handtücher liegen

Nester entstehen inzwischen in Apulien auch dort, wo im Sommer die Handtücher liegen. Das African Beach Hotel bei Manfredonia ist eines der Häuser, die beim Projekt mitmachen. Simone, 24, stammt aus der Gegend von Neapel und arbeitet hier seit einigen Jahren. Er organisiert Turniere, zeigt den Gästen ihren Bungalow und erzählt ihnen von den Schildkröten. Im vergangenen Jahr war er dabei, als hier ein Tier gerettet wurde. Als es zurück ins Meer ging, folgten die Gäste mit den Booten und sahen zu.

Das größte Problem an solchen Stränden ist das Licht. Frisch geschlüpfte Schildkröten orientieren sich am Mond und laufen zum hellsten Punkt am Horizont. Ist das eine Hotellampe, laufen sie in die falsche Richtung. In einem Fall, erzählen die Fachleute vor Ort, wanderten Jungtiere 300 Meter weit zu einem beleuchteten Restaurant statt ins Wasser. Vier fand man am nächsten Tag tot. Seither arbeiten sie nachts mit rotem Licht und suchen die Strände ab. Weißes Licht ist tabu.

Auch die Technik hilft. Am African Beach führen die Fachleute vor, wie Drohnen die Aufstiegsspuren der Schildkröten im Sand aufspüren, damit sich Nester schneller finden und sichern lassen.

Was die TUI Care Foundation dazu leistet

Hinter der Zusammenarbeit mit den Hotels steht die TUI Care Foundation. Gemeinsam mit Legambiente vergibt sie eine Zertifizierung für schildkrötenfreundliche Betriebe. Wer sie will, wird an rund 40 Kriterien gemessen. Werden die Sonnenliegen nachts vom Strand geräumt, damit die Weibchen ungestört an Land kommen? Wird das Licht reduziert und umgestellt? Erfüllt ein Hotel noch nicht alles, hilft die Stiftung mit Beratung nach. Im ersten Jahr wurden zwölf Häuser in Griechenland und der Türkei zertifiziert. In Italien läuft das Projekt seit 2025, die Zertifizierung ist hier noch im Gange.

Für Urlauber heißt das: Es gibt etwas zu tun, und es ist wenig. Wer ein Hotel mit dieser Auszeichnung wählt, unterstützt die Arbeit. Wer am Strand ein Gelege findet, dessen Eier an Tischtennisbälle erinnern, fasst es nicht an und ruft das Zentrum an. Wer will, übernimmt über die Stiftung eine Patenschaft für eine Schildkröte. Die Spenden fließen vollständig in das Turtle-Aid-Programm.

Die Reisegruppe fährt im Schlauchboot aus dem Hafen von Manfredonia hinaus aufs Meer.
Die Gruppe verlässt den Hafen von Manfredonia und begleitet Vito auf seiner letzten Fahrt vor der Rückkehr ins Meer.

Zurück ins offene Wasser

Draußen vor der Küste von Mattinata, wo die Karstfelsen des Gargano steil ins Wasser fallen, ist es so weit. Giovanni Furii hebt Vito aus der Wanne. Ein kurzes Kippen, ein Klatschen, der Panzer taucht, hebt sich noch einmal und ist weg. Vom ersten Moment an gehört Vito wieder niemandem.

Zurück bleiben die, die ihn über Monate durchgebracht haben. Und die Fischer, die das nächste verletzte Tier an den Kai bringen werden. Von tausend Jungtieren kommt nur eines so weit wie Vito. Er hat es zweimal geschafft: einmal groß zu werden, einmal zurückzukehren.

Helfer lassen die Meeresschildkröte Vito bei Manfredonia ins Wasser gleiten.
Rückkehr ins offene Wasser: Vitos erster Flossenschlag in Freiheit.

Infobox: TUI Care Foundation

Wer dahintersteht: Unabhängige gemeinnützige Stiftung, 2016 von TUI gegründet, Sitz in den Niederlanden. 2026 besteht sie zehn Jahre. Weltweit fördert sie über 80 Projekte in 30 Ländern, in Bildung, Gemeindeentwicklung, Natur- und Meeresschutz.

Das Projekt vor Ort: TUI Turtle Aid Italy, gemeinsam mit dem Umweltverband Legambiente, seit 2025 in Apulien. Es schützt die Unechte Karettschildkröte, überwacht Nester, rettet verletzte Tiere und bringt sie ins Rettungszentrum Manfredonia am Molo di Ponente. Für Hotels und Strandbetriebe gibt es eine Zertifizierung für schildkrötenfreundlichen Tourismus mit rund 40 Kriterien, etwa gegen Lichtverschmutzung in der Nistzeit.

Die Zahlen: Das Projekt in Apulien hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, 3.500 Tiere zu schützen und 300 zu retten, 4.100 Menschen zu erreichen und 1.000 Schulkinder einzubinden. Weltweit hat die Stiftung rund 2,9 Millionen Meeresschildkröten geschützt.

Mitmachen: Über die Stiftung lässt sich eine Schildkröte adoptieren, die Spenden fließen vollständig in das Turtle-Aid-Programm. Informationen unter www.tuicarefoundation.com.

Besuch: Das Rettungszentrum liegt am Molo di Ponente im Hafen von Manfredonia. Besuchszeiten vorab beim Zentrum erfragen (Legambiente Manfredonia). Beste Zeit für das Thema Schildkröten ist die Fortpflanzungssaison von Juni bis Oktober.


Offenlegung: Dies ist ein journalistischer Artikel, der teilweise durch die Unterstützung der TUI Care Foundation entstand. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag habe ich kein Honorar erhalten.

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