(Werbung) Wer nach einem Reisewochenende mit 600 Fotos auf der Speicherkarte nach Hause kommt, kennt das Problem: Nicht das Motiv ist der Gegner, sondern die Nachbearbeitung. Doch was wäre, wenn eine Software deinen ganz persönlichen Stil lernt und ihn blitzschnell auf alle Bilder anwendet? Nein, wir reden nicht von diesen künstlichen KI-Bildern, die wir überall im Netz sehen und eigentlich gar nicht wollen. Es geht um ein echtes Werkzeug, das den Workflow der Fotobearbeitung revolutioniert und nicht um Fake-Welten. Was das Lightroom-Plugin Neurapix tatsächlich kann, wo die Grenzen der Technik liegen und warum du deinen eigenen Stil dabei niemals verlierst, erfährst du in meinem Praxistest.
Sonntagabend, 20 Uhr, Tee auf dem Schreibtisch. Das Wochenende war gut. Drei Orte, wechselndes Licht, viel zu sehen. Auf der Speicherkarte liegen 600 Fotos. Lightroom ist offen, die RAW-Fotos importiert. Jetzt beginnt der Teil, den kein Reiseführer beschreibt: Bild für Bild den Horizont begradigen, den Ausschnitt korrigieren, Belichtung anpassen, Tiefen hochziehen, Weißabgleich nachregeln. Wer gern fotografiert, kennt diesen Abend. Wer viel fotografiert, kennt diese Woche.
Ich drücke lieber zehnmal ab als einmal, weil ich unterwegs nie weiß, welches Motiv später in welchen Artikel passt. Die Sicherheit beim Fotografieren bezahle ich mit Zeit am Rechner. Und irgendwann verschiebt sich das Verhältnis. Die Bearbeitung, die ich eigentlich mag, wird zur Pflicht. An diesem Punkt habe ich angefangen, mich mit KI-gestützter Bildbearbeitung zu beschäftigen. Nicht mit KI-generierten Bildern. Die erkenne ich inzwischen auf den ersten Blick, zu glatt, zu symmetrisch, zu gewollt. Ich nutze sie gelegentlich, wenn ich etwas über KI selbst illustrieren will. Aber meine Reisefotos sollen zeigen, wie ein Ort tatsächlich aussieht. Kein gestelltes Licht, keine errechnete Szene. Was ich gesucht habe, war etwas anderes.
Keine KI-Bilder. Ein KI-Werkzeug.
Sind wir ehrlich: KI-generierte Fotos will hier niemand. Sie glätten Oberflächen, erfinden Details, rücken Farben in eine Richtung, die gut aussieht, aber nicht stimmt. Für meine Arbeit kommen sie nicht in Frage. Meine Fotos sollen zeigen, was ich gesehen habe, nicht was ein Algorithmus für sehenswert hält.
Neurapix erzeugt keine Bilder. Die Software verändert auch nicht, was auf einem Foto zu sehen ist. Stattdessen lernt sie, wie ich meine vorhandenen Aufnahmen in Adobe Lightroom bearbeite: welche Regler ich in welche Richtung schiebe, wie ich Belichtung korrigiere, wie ich mit Kontrasten umgehe. Dieses Muster wendet sie dann auf neue Fotos an. Kein Fremd-Look, kein Mainstream-Filter. Mein Stil, automatisiert.


Was Neurapix ist und wie das Plugin funktioniert
Neurapix ist ein Plugin für Adobe Lightroom Classic. Nicht für Lightroom CC, nicht für Adobe Bridge, nicht für Capture One. Diese Einschränkung sollte man kennen, bevor man sich registriert. Auch Smartphone-Fotos im JPEG-Format lassen sich nicht direkt bearbeiten. Die Software arbeitet mit RAW-Dateien in Lightroom.
Die Installation läuft in drei Schritten. Zuerst ein Konto auf neurapix.com anlegen. Dann das Plugin herunterladen und installieren. Anschließend in Lightroom Classic unter Datei den Zusatzmodul-Manager öffnen und sich einmalig einloggen. Danach erscheinen unter Bibliothek und Zusatzmoduloptionen neue Menüpunkte: SmartPreset erstellen, Bilder bearbeiten, Bearbeitung herunterladen, SmartPreset verfeinern.
Wichtig für alle, die sich Sorgen um ihre Originale machen: Neurapix fasst keine Bilddatei an. Die Software stellt ausschließlich die Lightroom-Regler, genau wie bei einer manuellen Bearbeitung. Wer das Ergebnis nicht mag, klickt auf Zurücksetzen. Das Original sieht danach aus wie vorher.
SmartPreset statt Preset
Wer in Lightroom mit klassischen Presets arbeitet, kennt deren Grenze. Ein Preset legt feste Werte auf jedes Bild. Dieselbe Belichtungskorrektur für das Porträt in der Mittagssonne und die Aufnahme im schattigen Kirchenschiff. Das Ergebnis: Eines von beiden stimmt, das andere muss nachgeregelt werden. Oft beide.
Ein SmartPreset arbeitet anders. Die KI analysiert jedes einzelne Foto, erkennt die Lichtsituation und setzt die Regler dynamisch. Sonniges Bild, andere Werte. Dunkle Innenaufnahme, andere Werte. Das Ziel bleibt dasselbe: der Look, den ich haben will. Nur der Weg dorthin passt sich dem Ausgangsmaterial an.
Neurapix nennt als Faustregel: Mit einem klassischen Preset startet man bei etwa 30 Prozent, mit einem finalen SmartPreset hingegen bei rund 90 Prozent. Bei meiner ersten Nutzung passten auf Anhieb 40 Prozent der Bilder, beim Rest musste ich nacharbeiten. Aber selbst die Bilder, die schon gut aussahen, brauchten Zeit am Regler, allerdings wesentlich weniger als bei einer komplett manuellen Bearbeitung. Mit jedem weiteren Durchlauf und jeder Korrektur, die ich an die KI zurückspiele, werden die Ergebnisse immer näher an dem, was ich selbst gemacht hätte. Die 90 Prozent sind kein Versprechen für den ersten Tag. Sie sind das Ziel, dem man sich Stück für Stück nähert.

Zwei Wege zum eigenen Profil
Neurapix bietet zwei Varianten, um ein SmartPreset zu erstellen. Beide sind kostenlos. Die reguläre Erstellung verlangt mindestens 500 fertig bearbeitete RAW-Bilder im eigenen Stil. Am besten aus einem einzigen Projekt, etwa einer durchgehend bearbeiteten Reisereportage. Die Bilder müssen konsistent sein: ein Look, verschiedene Lichtsituationen. Die KI lernt daraus in zwei bis drei Stunden.
Wer noch kein Archiv in dieser Größe hat, nutzt Kickstart. Hier reichen 20 Beispielbilder. Man wählt einen Katalog mit unbearbeiteten RAWs, bearbeitet 20 davon im gewünschten Stil und schickt die Erstellung ab. Die übrigen Bilder laden im Hintergrund auf die Server. Innerhalb von rund zehn Minuten steht das SmartPreset bereit und die KI bearbeitet den Rest des Katalogs automatisch.
Beide Varianten lassen sich kombinieren. Wer mit Kickstart startet, kann das Profil über die Zeit mit weiteren Korrekturen und neuen Bildern verfeinern. Ab 500 Bildern erreicht es die Qualität einer regulären Erstellung. Außerdem lassen sich mehrere SmartPresets parallel anlegen: eines für Strandaufnahmen, eines für Food, eines für Architektur. Für jeden Kontext ein eigenes Profil.
Was die Software im Alltag abnimmt
Mein häufigstes Problem: der schiefe Horizont. Ich kann mich beim Fotografieren noch so konzentrieren, irgendwann steht die Horizontlinie schief. Neurapix begradigt automatisch. Der KI-Zuschnitt setzt den Bildausschnitt, orientiert an erlernten Regeln wie dem goldenen Schnitt. Wer mehr als 500 eigene zugeschnittene Bilder pro Ausrichtung hochgeladen hat, bekommt einen individualisierten Zuschnitt: Die KI lernt dann auch den eigenen Crop-Stil.
Dazu kommen Belichtungskorrektur, Anpassung von Tiefen und Lichtern, Weißabgleich, Tonwerte. Alles Schritte, die ich bei 200 Bildern einzeln von Hand vornehmen müsste. Neurapix erledigt sie in wenigen Minuten für den gesamten Katalog. Auf einem MacBook Air M1 dauert die lokale Bearbeitung von 100 Bildern etwa drei bis vier Minuten.
Optional lassen sich KI-Masken hinzufügen, die auf der adaptiven Masken-Engine von Adobe basieren. Damit kann die Software etwa ein Motiv aufhellen oder den Hintergrund anpassen. Die Masken lassen sich in Lightroom selbst erstellen und als eigene Presets für die Neurapix-Bearbeitung hinterlegen.
Was bleibt, ist die abschließende Kontrolle. Nach jeder KI-Bearbeitung gehe ich alle Bilder durch. Manchmal sitzt der Ausschnitt nicht so, wie ich es möchte. Manchmal steht eine Person am Rand, die durch den Zuschnitt allein nicht verschwindet. An diesen Stellen greife ich manuell ein, justiere Regler nach und setze meinen eigenen Fokus im Bild. Die Nachbearbeitung fällt nicht weg. Aber statt einen ganzen Abend zu investieren, sitze ich noch anderthalb bis zwei Stunden daran. Diese Zeit nutze ich, um meinen eigenen Stil in jedes Foto zu bringen.
Die eigene KI wird besser
Nach der Bearbeitung eines Katalogs markiere ich alle Bilder, auch die mit manuellen Korrekturen, und klicke auf SmartPreset verfeinern. Neurapix erkennt automatisch, an welchen Bildern ich Änderungen vorgenommen habe. Diese Korrekturen fließen in den Datensatz ein. In regelmäßigen Abständen trainiert die Software das Profil neu.
Am Anfang wusste meine KI wenig. Die ersten Ergebnisse lagen manchmal daneben, ein zu dunkles Bild, ein zu enger Ausschnitt. Nach einigen Durchläufen und Rückmeldungen wurden die Vorschläge enger an dem, was ich selbst gemacht hätte. Dieser Kreislauf aus Bearbeiten, Korrigieren und Zurückspielen ist das Prinzip hinter Neurapix. Die KI lernt nicht einmal und bleibt stehen. Sie entwickelt sich mit.
Was Neurapix kostet
Neurapix bietet zwei Bezahlmodelle: eine Flatrate mit unbegrenzten Bearbeitungen zum monatlichen Festpreis und ein Pay-per-Image-Modell, bei dem pro bearbeitetem Bild abgerechnet wird. Bei der Flatrate erfolgt die Bearbeitung lokal auf dem eigenen Rechner, beim Einzelbildmodell dagegen über die Server von Neurapix in Deutschland. Welche Variante sich lohnt, hängt davon ab, wie viele Bilder regelmäßig bearbeitet werden. Die aktuellen Konditionen sind auf neurapix.com zu finden.
Zum Einstieg bietet Neurapix 1.000 kostenlose Bearbeitungen. Mit dem Empfehlungslink erhältst du hier 1.500 Bildbearbeitungen (ohne Abo nur zum testen) kostenfrei. Das reicht für ein großes Projekt oder mehrere kleine, genug, um zu beurteilen, ob die Software zum eigenen Workflow passt. Dieses Tool ist sowohl für Profi- als auch für Hobbyfotografen geeignet.
Was nicht geht
Neurapix funktioniert nur in Lightroom Classic. Wer mit Lightroom CC, Capture One oder Bridge arbeitet, kann das Plugin nicht nutzen. Adobe hat für Lightroom Classic die umfangreichsten Plugin-Schnittstellen freigegeben. Bei Camera Raw und Bridge fehlen die technischen Möglichkeiten, um direkt auf die Regler zuzugreifen. Smartphone-Fotos landen ohne RAW-Umweg nicht im Neurapix-Workflow. Wer mit dem iPhone fotografiert und JPEGs in Lightroom importiert, muss die Bearbeitung weiterhin von Hand erledigen.
Die Qualität des SmartPresets hängt direkt von der Konsistenz der Trainingsdaten ab. Wer keinen festen Bearbeitungsstil hat oder zwischen verschiedenen Looks hin- und herspringt, bekommt unklare Ergebnisse. Die KI lernt, was man ihr zeigt. Zeigt man ihr Widersprüche, reagiert sie mit Schwankungen. Für diesen Fall empfiehlt Neurapix, mehrere SmartPresets für unterschiedliche Stile zu erstellen.
Sonntagabend, 22 Uhr
Der Tee ist kalt. Aber der Katalog ist durch. Das liegt nicht daran, dass ich schneller klicke als früher, sondern daran, dass Neurapix mir einen großen Teil der Vorarbeit abgenommen hat. Ich bin kein Profifotograf. Ich bin jemand, der gern reist, viel fotografiert und seine Bilder in einem bestimmten Stil bearbeitet. Neurapix nimmt mir die kreative Entscheidung nicht ab. Es nimmt mir die Wiederholung ab. Und davon hatte ich zu viel.
Offenlegung: Für diesen Test stellte Neurapix einen kostenfreien Zugang zur Verfügung. Auf den Inhalt hatte das Unternehmen keinen Einfluss. Ein Honorar wurde nicht gezahlt.



