Manchmal beginnt ein gutes Buch nicht im Wohnzimmer, sondern zwischen Gate und Gepäckband. Diese Auswahl besteht aus Romanen, die mich zuletzt so fasziniert haben, dass ich jede freie Minute weitergelesen habe – im Zug, am Pool oder abends im Hotel. Für deine nächste Reise oder einen gemütlichen Abend zu Hause ist bestimmt das richtige Buch dabei.
Früher habe ich fast ausschließlich Krimis und Thriller gelesen. Dann kam eine Phase, in der ich kaum noch ein Buch zu Ende gebracht habe. Irgendetwas war immer: noch schnell dies, noch kurz das – und die Zeit, mich einfach hinzusetzen und zu lesen, habe ich mir erstaunlich konsequent nicht gegönnt.
Der Neustart kam ausgerechnet am Flughafen. Ich war früh dran, hatte den Check-in bereits hinter mir und blieb in der Buchhandlung am Düsseldorfer Flughafen hängen. Die Auswahl war riesig und viele Titel waren mir unbekannt – ich war schlicht nicht mehr auf dem Laufenden. Je länger ich vor den Regalen stand, desto weniger wusste ich, was ich mitnehmen sollte. Dann kam eine Buchhändlerin. Freundlich, unaufgeregt, mit diesem Blick, der sofort weiß: Die will lesen – sie weiß nur noch nicht was. Ich schilderte mein Dilemma, sie legte mir drei Titel hin. Ich kaufte alle drei. Handgepäck hin oder her. Volltreffer.
Seitdem ist es eine kleine Tradition: Auf Reisen habe ich immer ein Buch im Handgepäck – eins, das ich schon begonnen habe oder das ich unterwegs anfangen will. An der Buchhandlung im Terminal B am Düsseldorfer Flughafen komme ich ohnehin nie vorbei. Ich hole mir jedes Mal neue Empfehlungen und nehme mindestens ein Buch mit. Je nachdem, was mein Handgepäck dazu sagt.
Eine Frage der Chemie – Bonnie Garmus
Warum ich es empfehle
Ich war anfangs skeptisch. Ein Roman, der in den Fünfzigern spielt und nebenbei zeigt, wie wenig Platz Frauen in der Wissenschaft damals bekamen, klang für mich eher nach „wichtig“ als nach „packend“. Doch nach etwa 80 Seiten wusste ich: Das ist nicht nur wichtig, sondern vor allem ein Vergnügen. Das Buch liest sich mit einem Tempo, das man sonst von Krimis kennt, und es hat diesen trockenen, klugen Humor, der nie aufdringlich wird.
Worum es geht
Elizabeth Zott* ist Chemikerin, unangepasst, präzise und nicht daran interessiert, sich klein zu machen, damit es für andere bequemer wird. In einer Zeit, die für solche Frauen keine sanften Abkürzungen bereithält, landet sie über Umwege dort, wo man sie nicht erwartet: im Fernsehen. Ausgerechnet eine Kochsendung wird zur Bühne, auf der sie Dinge erklärt, die weit über Rezepte hinausgehen.
Mein persönlicher Lese-Moment
Ich hatte mir das Buch als Begleiter für einen 24-stündigen Flug in die Südsee eingepackt. Angefangen habe ich es dann erst gegen Ende des Flugs – und plötzlich war da dieser Sog. Auf der weiteren Reise hat es mich begleitet: ein paar Seiten hier, ein Kapitel dort, in jeder freien Lücke. Und irgendwann war klar: Ich lege es erst weg, wenn ich weiß, wie es weitergeht.
Einige Wendungen wirken stellenweise bewusst zugespitzt, was auch in manchen Rezensionen angemerkt wird. Das hat mich nicht gestört, weil der Roman nie behauptet, eine Biografie zu sein, sondern als Fiktion erzählen darf, was im echten Leben vielleicht nicht so glatt verlaufen würde. Und genau darin liegt eine Stärke: Einige Handlungsstränge, die zunächst wie Nebenbahnen wirken, laufen am Ende erstaunlich stimmig zusammen.
Eine Frage der Chemie
Autorin: Bonnie Garmus
Herausgeber: Piper
Erscheinungstermin: 24. Oktober 2024
Auflage: 10.
Sprache: Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 464 Seiten
mehr lesen auf Amazon*
In einem Zug – Daniel Glattauer
Warum ich es empfehle
Daniel Glattauer ist mein Lieblingsautor. Normalerweise lese ich Bücher nicht zweimal. Bei ihm mache ich nach ein paar Jahren eine Ausnahme, denn seine Sätze klingen beim zweiten Lesen ganz anders. Plötzlich kippt ein Wort in eine zweite Bedeutung, ein Nebensatz setzt eine Pointe, die man beim ersten Lesen nur halb bemerkt hat. Diese Mischung aus Witz, Doppeldeutigkeit und Tempo liebe ich. Zu meinen Dauerfavoriten gehören „Gut gegen Nordwind*” und „Alle sieben Wellen*”. Die geneigte Leserschaft wird mir verzeihen, aber ich stelle mir immer wieder die Frage: Wie kann ein Mann solche Liebesromane schreiben? (Und diese Bücher empfehle ich auch jeden Mann ;-))
„In einem Zug*“ habe ich mir direkt nach dem Erscheinungstermin gekauft. Und dann bewusst aufgehoben – weil ich es nicht zwischen E-Mails und Kofferpacken lesen wollte. Ein, zwei Kapitel reichten, um zu wissen: Das ist ein Buch, für das ich mir eine Reise reserviere.
Worum es geht
Der Liebesromanautor Eduard Brünhofer fährt mit dem Zug von Wien nach München. Er ist seit Langem verheiratet, als Schriftsteller hat er jedoch die Lust verloren, Privates preiszugeben. In München wartet ein Termin, der genau damit zu tun hat. Im Abteil sitzt ihm Catrin Meyr gegenüber, eine Therapeutin, die sich nicht mit höflicher Smalltalk-Distanz zufriedengibt. Sie fragt direkt, bohrt nach und will über Liebe reden: über Langzeitbeziehungen, Begehren, Erwartungen und darüber, was man erzählt und was man verschweigt. So wird aus einer Zugfahrt ein Gespräch, das immer wieder die Richtung wechselt: zwischen Flirt, Selbstbefragung und der Frage, was Schreiben über Liebe eigentlich darf.
Mein persönlicher Lese-Moment
Ich hatte mir das Buch für eine besondere Reise aufgehoben. Gelesen habe ich es dann nicht in einem Zug, sondern auf einem Schiff unter der Sonne der Südsee. Genau diese Ruhe hat dazu gepasst. Ich konnte mich in die Dialoge fallen lassen, Satz für Satz, ohne nebenbei schon ans nächste Gate oder den nächsten Programmpunkt zu denken. Und ich habe es mit diesem seltenen Gefühl beendet, das nur Lieblingsautoren auslösen. Man klappt das Buch zu und hat sofort Lust, noch einmal von vorne anzufangen.
Der Roman lebt stark vom Gespräch. Wer eine plotgetriebene Geschichte mit vielen Schauplatzwechseln erwartet, bekommt hier eher ein Kammerspiel auf Schienen. Das hat mich nicht gestört, im Gegenteil: Gerade in dieser Begrenzung zeigt Glattauer, wie viel Spannung in zwei Stimmen liegen kann.
In einem Zug
Autor: Daniel Glattauer
Herausgeber: DuMont Buchverlag
Erscheinungstermin: 13. Januar 2025
Auflage: 5.
Sprache: Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 208 Seiten
mehr lesen auf Amazon*
Killing Red Jack: True Crime Thriller – Was geschah mit Jack the Ripper? – Thorsten Schleif
Warum ich es empfehle
Ich bin eigentlich kein Fan historischer Krimis. Dachte ich. Dann habe ich Thorsten Schleif bei einer Wein-Lesung erlebt – und gemerkt, wie schnell so ein Vorsatz kippen kann. Das liegt nicht nur daran, dass er als „echter” Richter und Erzähler Charisma hat, sondern auch daran, dass er seine Geschichte mit einer Akribie auflädt, die man spürt: Er hat vor Ort recherchiert, entlang der Straßen und Schauplätze des alten London. Ich hing ihm bei der Lesung an den Lippen.
Worum es geht
Worum es geht: London, Whitechapel: Ein Fall, der bis heute nachhallt – und der in diesem Roman als True-Crime-Thriller neu aufgerollt wird. Im Zentrum steht die Frage, was damals wirklich geschah: Wer war Jack the Ripper und wie konnte er so lange entkommen? Schleif erzählt dabei nicht als nostalgisches Kostümstück, sondern als spannungsgeladene Ermittlungsarbeit im historischen Setting. Der Auftakt einer Reihe stellt ein Ermittlerteam vor, das sich Schritt für Schritt durch Spuren, Irrwege und Abgründe arbeitet.
Mein persönlicher Lese-Moment
Zu Hause habe ich das Buch in kurzer Zeit verschlungen. Das lag nicht nur am Fall, sondern auch an der Sprache: klar, direkt, ohne das „Amtliche“, das man vielleicht von einem Richter erwarten würde. Als ich das Buch zuklappte, war mein erster Gedanke nicht „fertig“, sondern: Gut, dass es weitergeht. Wer mit historischen Schauplätzen grundsätzlich fremdelt, braucht vielleicht ein paar Seiten, bis London und die Zeit greifbar werden. Bei mir war die Skepsis allerdings schnell verflogen, da sich das Buch wie ein moderner Thriller liest – nur mit Gaslicht statt Neon.
Killing Red Jack: True Crime Thriller | Was geschah mit Jack the Ripper?
Autor: Thorsten Schleif
Herausgeber: dtv
Erscheinungstermin: 16. Oktober 2025
Auflage: 1.
Sprache: Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 352 Seiten
mehr lesen auf Amazon*
Bevor der Kaffee kalt wird – Toshikazu Kawaguchi
Warum ich es empfehle
Wenn auf einem Cover „BookTok-Sensation“ steht, greife ich selten zu. Und japanische Literatur ist bei mir ehrlich gesagt auch kein Selbstläufer – schon allein wegen der Namen, die meinen Lesefluss manchmal ausbremsen. Dieses Buch hätte ich mir ohne Empfehlung nicht gekauft. Genau deshalb gehört es in diese Auswahl: Weil es mich überrascht hat.
Es ist schmal, leicht, passt zur Not noch ins übervolle Handgepäck – und wirkt zunächst wie eine Sammlung kleiner Episoden, die man zwischendurch liest. Tatsächlich steckt mehr dahinter: Die Geschichten* greifen ineinander, tragen sich gegenseitig und laufen am Ende stimmig zusammen. Ein bisschen Fantasy, ja. Aber der Kern ist sehr lebensnah: Beziehungen, verpasste Chancen, das Bedürfnis, Dinge zu klären – und die Frage, was „glücklich sein“ überhaupt bedeutet.
Worum es geht
In einer Seitengasse in Tokio gibt es ein Café, über das sich eine Legende hält: Wer dort sitzt, kann für einen kurzen Moment in der Zeit zurückreisen. Es gibt viele Regeln, die wichtigste ist: Man muss zurück sein, bevor der Kaffee kalt wird. Im Laufe eines Sommers kommen Menschen in das Café, weil sie einen Satz noch einmal sagen, einen Abschied anders erleben oder einen Blick zurückwerfen wollen, der im Alltag keinen Platz hatte.
Mein persönlicher Lese-Moment
Ich hatte es nur dabei, weil die Buchhändlerin am Flughafen es mir ans Herz gelegt hat – und weil es gerade noch in die Tasche passte. Erwartet hatte ich harmlose Kurzgeschichten für zwischendurch. Bekommen habe ich ein Buch, das mich immer wieder erwischt hat: mit einer Szene, einem Gedanken, einer leisen Pointe. Und irgendwann war klar, dass ich weiterblättere, obwohl ich eigentlich nur „kurz“ lesen wollte. Kleiner Haken:
Wer mit japanischen Namen kämpft, wird am Anfang kurz stolpern – das ging mir genauso. Und der Roman hat etwas Skurriles, weil er ein fantastisches Konzept sehr nüchtern behandelt. Genau das funktioniert aber: Die Zeitreise ist hier kein Effekt, sondern ein Rahmen für eine einfache, ziemlich universelle Frage: Was würdest du ändern, wenn du noch einmal zurückkönntest?
Bevor der Kaffee kalt wird
Autor: Toshikazu Kawaguchi
Herausgeber: Knaur MensSana Taschenbuch
Erscheinungstermin: 01. Februar 2022
Auflage: 7.
Sprache: Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 240 Seiten
mehr lesen auf Amazon*
Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit – Anne Stern
Warum ich es empfehle
Auch dieses Buch wäre ohne Empfehlung vermutlich an mir vorbeigegangen. Ich habe es am Flughafen gekauft – und erst später gemerkt, dass ich damit ausgerechnet mit Band 8 in eine Reihe eingestiegen bin. Trotzdem: Es hat funktioniert. So gut sogar, dass ich noch während des Lesens den ersten Band bestellt habe, damit er zu Hause schon wartet.
Das liegt vielleicht daran, dass mich gerade Romane anziehen, die im Deutschland der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts spielen und in denen Frauen nicht am Rand, sondern mitten im Geschehen stehen. Hulda Gold* ist so eine Hauptfigur: eine Frau, über die man gerne liest, weil sie nicht bloß von Ereignis zu Ereignis geschoben wird, sondern weil sie ihre eigene Welt mitbringt: Nachbarschaft, Freundschaften, Alltag, Berlin als Geräuschkulisse.
Worum es geht
Berlin, 1932: Hulda Gold arbeitet als Hebamme im Frauengefängnis Barnimstraße. Sie kümmert sich um Schwangere und Mütter, bis sie in einen Fall hineingezogen wird, der mehr ist als ein „mysteriöser Tod” hinter Mauern. Als eine junge Insassin überraschend stirbt, kommen Zweifel an der offiziellen Erklärung auf. Der Verdacht fällt auf eine Frau, die bereits wegen Mordes verurteilt wurde und kurz vor der Entbindung steht.
Parallel dazu wird spürbar, wie sehr sich das Klima in der Stadt verändert: politischer Druck, gesellschaftliche Spannungen, ein kippender Alltag. Hulda bleibt dabei der Anker. Und das ist das Schöne an diesem Roman: Er erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern eine Zeit – über Menschen, Beziehungen und Milieus.
Mein persönlicher Lese-Moment
Ich hatte einen „klassischen Roman“ erwartet, im Sinne von. Bekommen habe ich jedoch etwas anderes – und gerade deshalb habe ich weitergelesen. Hulda, ihre Umgebung, die kleinen Szenen zwischendurch: Das lässt sich schnell lesen, ohne flach zu sein. Ich wollte wissen, wie alles weiter geht – und vor allem, wie alles zusammenhängt. Und schnell war ich schon immer wieder beim nächsten Kapitel.
Wer wie ich aus Versehen mit Band 8 startet, merkt natürlich, dass es eine Vorgeschichte, Beziehungen und eine gemeinsame Vergangenheit gibt. Man kommt trotzdem rein. Das Buch kann auch für sich alleine stehen – auch wenn ich mich schon auf das Lesen des ersten Bandes freue.
Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit
Autorin: Anne Stern
Herausgeber: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungstermin: 11. November 2025
Auflage: 2.
Sprache: Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 432 Seiten
mehr lesen auf Amazon*
Bereitgelegt fürs nächste Kapitel: Bücher, die ich noch lesen will
Geht es dir auch so? Ich mag es, zu Hause eine kleine Auswahl parat zu haben – je nach Stimmung: etwas Leichtes für zwischendurch, etwas, das länger nachwirkt, oder eine Geschichte, bei der man nach zwei Seiten denkt: Nur noch dieses Kapitel! Diese Bücher haben es bereits aus dem Buchladen bis auf meinen Stapel geschafft. Jetzt fehlt nur noch der Moment, in dem ich sie aufschlage.
Richter morden besser: Roman (Die Siggi Buckmann-Reihe, Band 1)* – Thorsten Schleif
Der Autor dieses Buches ist Strafrichter – und genau dieses Innenwissen macht seine Romane für mich so reizvoll: Justiz ist hier keine Kulisse, sondern ein Arbeitsplatz mit Ecken, Routinen und Reibungen. Kennengelernt habe ich ihn bei einer Wein-Lesung. Er war so unterhaltsam, dass ich am Ende gleich zwei Bücher gekauft habe. Dieses hier liegt noch ungelesen auf meinem Stapel, als Erinnerung an den Abend – und als Versprechen auf ein paar sehr spannende Stunden. Ich rechne mit Tempo, klaren Dialogen und Figuren, die man nicht auf den ersten Blick durchschaut. Und ich mag, dass sich das alles nicht trocken anfühlt oder „amtlich“ klingt, sondern wie ein Krimi, der einfach gut erzählt ist – und dabei ist dieses Buch ein Roman. Ich bin gespannt!
Tea Time* – Ingrid Noll
Ingrid Noll lese ich immer wieder gern, weil sie Spannung erzeugt, ohne daraus einen klassischen Ermittlerkrimi zu schreiben. In „Tea Time“ trifft sich eine Runde Frauen zu heiteren, weinseligen Sitzungen, bis eine verlorene Handtasche einen Mann in Ninas Leben spült, der weit mehr als den Finderlohn will. Damit kippt das Alltägliche ins Unheimliche und Noll spielt ihre Stärken aus: einen lakonischen Ton, schiefe Situationen und einen Humor, der beim Lesen auffällt. Das Beste daran ist das heimliche Mitfiebern: Man ertappt sich dabei, den falschen Leuten die Daumen zu drücken. Genau deshalb liegt das Buch auf meinem Stapel – als verlässliche Erinnerung daran, wie gut Ingrid Noll erzählen kann.
Eine halbe Ewigkeit Taschenbuch* – Ildikó von Kürthy
Ildikó von Kürthy habe ich früher sehr gern gelesen, dann aber lange nichts Aktuelles mehr von ihr. „Eine halbe Ewigkeit“ fühlt sich für mich wie ein Wiedersehen an: mit ihrem Ton, diesem Mix aus Humor und genauer Beobachtung, wenn es um Liebe, Freundschaft und die Frage geht, was aus den eigenen Plänen geworden ist. Im Mittelpunkt steht Cora Hübsch, die man aus „Mondscheintarif*“ kennt, nur eben viele Jahre später: Sie hat erwachsene Kinder und eine Ehe, die mehr Alltag als Abenteuer ist. Als ein altes Tagebuch auftaucht, geraten Erinnerungen, alte Entscheidungen und neue Möglichkeiten in Bewegung. Genau dieses Thema hat mich beim Kauf angesprochen: Selbstfindung mitten im Leben. Ich bin neugierig, ob mich das Buch genauso begleiten wird wie ihre früheren Romane – nur jetzt mit dem Blick der Lebensmitte.
Nächstes Jahr am selben Tag* – Colleen Hoover
Dieses Buch wurde mir von einer Freundin empfohlen. Witzigerweise hatte ich mir zwei Tage zuvor schon ein anderes Buch von Colleen Hoover gekauft, weil es mir ebenfalls wärmstens ans Herz gelegt wurde. Bisher habe ich noch nichts von ihr gelesen. „Nächstes Jahr am selben Tag*“ klingt nach einem schlichten Konzept, hat aber einen Haken: Zwei Menschen lernen sich kennen, kurz bevor sich ihre Wege eigentlich trennen müssten. Anstatt sich im Alltag zu verlieren, verabreden sie sich, sich in den nächsten Jahren immer am selben Datum wiederzusehen, ohne dazwischen Kontakt zu haben. Vor Jahren – bevor es später sogar von Netflix verfilmt wurde – hat mich „Zwei an einem Tag*“ mit einer ähnlichen Idee schon einmal beschäftigt, weshalb ich hier auf eine eigene, andere Variante hoffe. Ich bin gespannt, ob mich diese Mischung aus Gefühl, Tempo und diesem festen Termin, auf den alles zuläuft, genauso packt, wie viele sagen.
Verity* – Colleen Hoover
Dieses Buch habe ich mir unabhängig vom vorherigen Buchtipp meiner Freundin gekauft, da es als spannungsgeladen und emotional gilt. Ich bin gespannt, ob mich der Hype ebenfalls begeistert. Im Zentrum steht die Autorin Lowen Ashleigh, die den lukrativen Auftrag erhält, die erfolgreiche Thriller-Reihe von Verity Crawford zu beenden. Dazu zieht sie ins Haus der Familie, sammelt Material und stößt auf ein autobiografisches Manuskript, das ihre Sicht auf Veritys Leben und das, was dort wirklich passiert, radikal verändert. Die Geschichte spielt mit Nähe, Misstrauen und der Frage, welcher Version man glaubt, wenn zwei Wahrheiten nebeneinanderstehen. Ich erwarte kein sanftes Drama, sondern einen Roman, der bis zur letzten Seite spannend bleibt.
Grand Express – Nachtzug in ein neues Leben* – Paula Nicolai
Auch dieses Buch wurde mir von meiner Lieblingsbuchhändlerin am Flughafen empfohlen. Normalerweise steige ich eher ins Flugzeug als in einen Nachtzug, weshalb mich die Idee umso mehr gereizt hat: In einem Zugabteil begegnen sich Menschen, die im Alltag wahrscheinlich aneinander vorbeigelaufen wären, und eine Reise wird zur Wegmarke. Der Roman führt in ein Deutschland der frühen Zwanzigerjahre mit all dem Aufbruch, den Brüchen und den Klassen, die sich auf dem Bahnsteig mischen. Ich mag solche Konstellationen, bei denen ein Verkehrsmittel plötzlich zum kleinen Kosmos wird. Gespräche, Geheimnisse, zufällige Nähe – und die Frage, wer man sein möchte, wenn man am Ziel ankommt. Genau deshalb wartet „Grand Express” bei mir auf dem Stapel.
Fräulein Gold: Schatten und Licht* – Anne Stern
Nachdem mich der Einstieg in die Reihe ausgerechnet mit Band 8 so begeistert hat, musste ich mir den ersten Band sofort bestellen. Jetzt liegt er hier – als Anfang, den ich nachträglich brauche, um Hulda Gold von der ersten Seite an kennenzulernen. Berlin, 1922: Hulda arbeitet als Hebamme im Bülowbogen, einem Viertel, in dem sich Armut, Aufbruch und Überlebenskunst täglich berühren. Als eine Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden wird und alle von einem Unfall sprechen, bleiben bei Hulda Fragen offen. Ich erwarte genau das, was mich an den späteren Bänden überzeugt hat: eine dichte Zeitkulisse, viele kleine Beobachtungen aus dem Alltag und eine Geschichte, die zeigt, wie eng Leben und Tod in diesem Beruf beieinanderliegen. Und ja, ich will wissen, wie alles angefangen hat.
Die versteckte Apotheke* – Sarah Penner
Auch wenn ich euch hier zu allen Büchern Amazon-Links setze, bin ich ein Fan davon, an einem Samstagmorgen durch die Stadt zu bummeln, einen Kaffee im Café zu trinken und anschließend in die Buchhandlung zu gehen. Früher gab es in Krefeld sogar eine Ecke, in der man sich ein paar Titel schnappen und in Ruhe anlesen konnte, bevor man sich für einen Kauf entschied. Das vermisse ich. Dieses Buch habe ich genau bei so einem Stadtbummel gekauft. Ja, das Cover hatte seinen Anteil an der Entscheidung. Inhaltlich lockt mich die Idee einer geheimen Apotheke im London des 18. Jahrhunderts, die Frauen mit Kräutern – und notfalls mit Giften – einen Ausweg aus eröffnet. Parallel dazu führt der Roman in die Gegenwart, in der eine junge Historikerin einer Spur folgt, die zwei Jahrhunderte überspringt, nachdem sie eine Entdeckung an der Themse gemacht hat. Ich erwarte einen atmosphärischen Mix aus historischem Setting, weiblicher Solidarität und der Frage, was Schutz und Freiheit in verschiedenen Zeiten bedeuten.
Todesschmerz (Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez, Band 6)* – Andreas Gruber
Andreas Gruber habe ich gelesen, als er noch nicht „der große Name“ war – das ist eine halbe Ewigkeit her. Ich mag an dieser Reihe vor allem das Ermittler-Duo Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez: kantig, unbequem und eigensinnig – genau das, was ich in Thrillern suche. Deshalb liegt „Todesschmerz“ auf meinem Stapel für den Moment, in dem mich wieder der Reiz der Spannung packt. Ich erwarte Tempo, einen zuspitzenden Fall und ein Spiel mit psychologischem Druck, der einen mitreißt.
Unser Tag ist heute* – Virginie Grimaldi
Dieses Buch steht seit Wochen auf den Bestsellerlisten und die vielen Empfehlungen haben mich neugierig gemacht. Virginie Grimaldi erzählt die Geschichte von drei Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen in derselben Pariser Wohnung landen: Da ist Jeanne, 74, die gerade ihren Mann verloren hat und finanziell unter Druck steht. Dann ist da Iris, 33, die schwanger ist und gerade aus einer toxischen Beziehung geflohen ist. Und schließlich Théo, 18, ein Konditorlehrling ohne festen Wohnsitz. Aus einer Zweckgemeinschaft wird langsam etwas, das man nicht planen kann: ein Miteinander, das verbindet, ohne kitschig zu werden. Genau diese Mischung aus Alltagsnähe, Humor und dem Blick auf ganz verschiedene Lebensphasen reizt mich.
Welche Bücher haben dich zuletzt wirklich gepackt – und was sollte ich als Nächstes lesen? Schreib mir deine Empfehlungen gern in die Kommentare.
*Mit Sternchen gekennzeichneter Link ist ein sogenannter „Affiliate-Link“ oder „Amazon-Partnerlink“. Das bedeutet, wenn du über diesen Link das Produkt kaufst, erhalte ich eine kleine Provision von Amazon. Mehrkosten entstehen für dich nicht. Du unterstützt mit einem kleinen Anteil diesen Blog – was mich natürlich sehr freuen würde.

Foto: KI generiert




Hallo liebe Tanja,
als ich deine Beschreibung zu dem Buch „Bevor der Kaffee kalt wird“ von Toshikazu Kawaguchi las, dachte ich sofort an das Buch „Die Erinnerungs-Fotografen“ von Sanaka Hiriagi. Es ist ein toller Roman über die Kunst des Glücklichen Erinnerns. Wer das Fotostudio von Herrn Hirasaka betritt, steht an der Schwelle zum Jenseits. Der Fotograf bietet seinen Besuchern an ihren persönlichen Lebensfilm zusammenzustellen und in die Vergangenheit zu reisen. Wie so viele japnaische Autoren erzählt auch diese Autorin in sehr poetischer und sanfter Sprache ihre Geschichten (es sind drei). Dabei verfällt sie jedoch nicht in eine klischeehafte Erzählweise. Ich bekam das Buch im gebundenen Format geschenkt. Auch der Einband ist gelungen und eine Freude:
Danke, Tanja für die Buchtipps! Das iste ien gute Idee. Viele Grüße, Edda
Liebe Edda, danke für Deinen Kommentar und Beschreibung. Das freut mich sehr!
Habe inzwischen wieder weitere Bücher gelesen, die mich begeistert haben!
Ich „sammle“ noch ein wenig und dann folgt ein weiterer Artikel mit neuer Artikeln mit Buchtipps. Liebe Grüße Tanja
Love these travel book recommendations — perfect inspiration for reading on the go! Can’t wait to check them out!
Enjoy