Siziliens Westen: Salzgärten, die Ruinen von Mozia und Marsala Wein

Ab in den Westen Siziliens! Die Provinz Trapani bietet neben fantastischen Stränden und schönen Städten besondere Köstlichkeiten und viel Geschichte. Das verträumte Mozia auf einer vorgelagerten Insel ist ein Kleinod und zeitgleich eine besondere archäologische Sehenswürdigkeit. Die malerische Hafenstadt Marsala ist durch ihren einzigartigen Wein weltberühmt geworden. Und in der größten Lagune Siziliens wird bis heute noch traditionell Salz angebaut. Der Westen lohnt sich:

Unterwegs auf der Salzstraße

Zwischen Marsala und Trapani erstreckt sich auf 30 Kilometer die Salzstraße Siziliens. Die La Via del Sale läuft entlang der Küste und führt uns direkt zum Bootsanleger für den Transfer nach Mozia. Die Laguna dello Stagnone ist die größte Lagune Siziliens inmitten eines Naturschutzgebiets. Hier wird heute immer noch traditionell Salz gewonnen. Die Salzgärten schimmern weiß in der Sonne. Wo die Sonne das Meerwasser zum Funkeln bringt, flimmert die alten Salzmühlen wie in einer Hitzeglut. Der Salzanbau hat eine lange Tradition. Gemütlich laufen wir zur Molo Salina Ettore, wo wir mit einem Elektroboot nach Mozia übersetzen wollen. Während wir an großen Salzbergen vorbei laufen, trollt sich eine Katze des Weges. Auf Sizilien ticken die Uhren noch anders.

Salzgärten vor Mozia – In der Laguna dello Stagnone wird bis heute traditionell Salz gewonnen.

Mit einem Elektroboot schippern wir durch Salzgärten zur kleinen Miniinsel vor Sizilien.

Mozia ist ein Kleinod mit malerischer Idylle.

Mozia, Insel der Phönizier

Für mich geht die kleine Bootsfahrt viel zu schnell vorbei. Die Fahrt nach Mozia ist sehr kurz. Wobei genau genommen Mozia lediglich eine sizilianische Stätte auf der Insel San Pantaleo ist. Nur einen Quadratkilometer ist das Inselchen groß. Das man hier den frühesten Stützpunkt Karthagos auf Sizilien aus dem 8. Jh. v. Chr. findet, hätte ich nicht erwartet. Auch nicht, dass man in der idyllischen Insellandschaft so viel Kulturgeschichte erleben kann.
Dabei ist die Strategie der Karthager zur Insel logisch: Die kleine Insel liegt nah zur Küste Siziliens. Das Gewässer ist seicht, da das Meer um San Pantaleo nicht tief ist. Von hier aus konnte man sich gut verteidigen. Seefahrer starteten von Mozia aus ins westliche Mittelmeer. Der Ausgangspunkt von Mozia zu Handelsrouten nach Spanien, Sardinien und Italien war günstig und machte Phönizier bald sehr wohlhabend. Verteidigungsanlagen auf der Insel wurden groß und ein Bollwerk der Macht. Fast 400 Jahre lang, dann ging die Hochkultur auf Mozia unter und geriet nach Jahren immer mehr in Vergessenheit.Einst war Mozia ein zentraler, militärischer Stützpunkt.

Durch die Ausgrabungen von Joseph Whitaker ist Mozia wieder berühmt geworden.

Zwischen alt und neu: Das Museum, das Freilichtmuseum und moderne Kunst

Hinter dem Bootsanleger laufen wir durch üppige Kakteenbäume wenige Meter zum Museum. Urlauber, die an Archäologie interessiert sind, werden begeistert sein. Alle anderen werden alte Steine und die Insel als Gesamt-Schönheit genießen.
Um 1880 hat der Archäologe Joseph Whitaker Mozias Vergangenheit wieder entdeckt. In seinem Wohnhaus, welches er während seiner Inselerforschung gebaut hat, befindet sich heute das Museum mit unzähligen Exponaten von der Vorgeschichte bis zur griechischen Neuzeit. Von Statuen, Grabsteinen, Grabbeigaben über Schmuck bis Waffen ist die Ausstellung vielschichtig. Prunkstück der Ausstellung ist der Jüngling im Eingangsbereich: Giovane do Mozia aus dem 5. Jh. v. Chr. begrüßt uns zwar ohne Arme aber mit einem Lächeln.

Giovane do Mozia aus dem 5. Jh. v. Chr.

Im Museum sieht man unzähligen Exponate von der Vorgeschichte bis zur griechischen Neuzeit.

Die Vielzahl der Funde überrascht.

Neben dem Museum ist die ganze Insel ein Freilichtmuseum. Man darf durch die Ruinen der Phönizier Ortschaft schlendern und überall auf Entdeckungs- und Zeitreise gehen. Es gibt alte Wachtürme, Urnen der Nekropolis und sogar ein Open-Air Heiligtum, wo menschliche Opfer an Götter hinterlegt wurden. Weniger schaurig ist dazu völlig konträr die aktuelle neue Kunstausstellung auf der Insel. Fast grotesk wirken zwischen den alten Zeitzeugen moderne Kunstwerke in leuchtenden Farben. Streichelt man noch eben andächtig alte Steine der Vergangenheit, entdeckt das Auge bei schweifendem Blick große, rote Elefanten oder bunte Katzen im Schatten der Kakteenbäume zur Lagune.
Genussvoll wird es im Areal direkt hinter dem Wohnhaus bei  Joseph Whitaks Gedenkkunstwerk. Hier widmet man sich dem Wein und zeigt die ursprüngliche Gewinnung des berühmten Mozia Grillo Weins. San Pantaleo ist aus ehemaligem Meeresboden entstanden. Diese Mineralien aus dem Boden, gepaart mit dem Kalkgehalt, soll den Trauben und damit dem Wein eine besondere Note geben.

Auf Mozia kann man sich auch auf den Spuren des historischen Weinanbaus begeben.

Der Grillo von Mozia ist ein wohl schmeckender Weißwein.

Einfach mal aufs Mer schauen… #Kunstwerk

Kunstausstellung in Mozia

Grillo und Pane Cunzato Siziliano mit Meerblick

Unsere Reiseführerin Angela schwärmt von dem Mozia Grillo Wein. Und wenn man schon in Mozia ist, muss man den berühmten Insel-Wein auch probieren, denke ich mir und schiele verschämt auf meine Uhr, die noch nicht mal 12 Uhr mittags anzeigt. Welch ein Glück, dass ich zur Weiterfahrt meines Tagesausflugs auf meiner Sizilien-Rundreise mich wieder im Gebeco-Bus von Giovanni kutschieren lassen kann. Bei dieser Aussicht setze ich mich mit Angela in den kleinen Inselimbiss, ordere einen Wein und gleich die weitere Empfehlung von Angela mit: Pane Cunzato Siciliano. Das ist bestes sizilianisches Streetfood und schmeckt fantastisch! Auf hellem Sesambaguette harmonisieren Tomaten, frisches Basilikum, Sardellen, Olivenöl, Pecorinokäse, und Meersalz perfekt. Auf dem historischem Mäuerchen lasse ich mich nieder. Genieße dazu den Wein bei Grillenzirpen und Meerblick. Die Sonne lacht. Eine leichte Brise streichelt meine Haut. Glück kann so einfach sein.
Seit dem ich diese Brotzeit auf Sizilien probiert habe, gibt es diese Mahlzeit auch öfter bei mir mit gutem Wein zu Hause – das schmeckt nach Sommer. Allerdings sind wir ehrlich: So gut wie in Italien schmeckt es nie…

Kulinarisches Streetfood der Extraklasse: Pane Cunzato Siziliano mit Meerblick

Das Boot wartet schon auf unsere Fahrt zum Festland.

Mozia liegt ganz dicht bei den Salzfledern der Lagune.

Marsala Wein: Charakter in einem Glas

Der Grillo Wein sollte nicht der einzige Weingenuss des Tages bleiben. Keine 19 Kilometer von Mozia liegt Marsala. Köstlichen Dessertwein machte die Stadt weltberühmt. In der Küstenstadt Siziliens wurde schon zu Römerzeiten Wein angebaut. Für Weinliebhaber ist die Stadt ein Paradies. Zahlreiche Weinkellereien und Weinbaumschulen laden zur Degustazione, einer traditionellen Weinprobe ein. Auch wir wollen uns von dem guten Tropfen selbst überzeugen und lassen uns zu Pellegrino fahren. Mit langer Familientradition widmet man sich hier seit über 135 Jahren dem Wein. Bei unserer Weinprobe lernen wir viel über die besondere Weinsorte und genießen Schluck für Schluck. Marsala sollte stets gekühlt aber niemals kalt getrunken werden. Je nach Reisezeit und Alkoholgehalt wird Marsala in fünf verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt. Dabei sind nicht alle Likörweine. Manche Marsalaweine sind feine Aperitifs und passen auch gut zu herzhaften Snacks wie Käse. Seit den 60er-Jahren besitzt der Marsalawein einen DOC-Status. Die Abkürzung steht für Denominazione di Origine Controllata und zeichnet italienische Weine als herkunftskontrolliert für bestimmte Anbaugebiete aus.
Mein Favorit von Pellegrino ist Uncle Joseph. Fünf Jahre in Eichenfässern gereift riecht er intensiv fruchtig und schmeckt nach roten Kirschen und  Johannisbeeren. Die Aromen sind für mich kräftig und gleichzeitig leicht fruchtig-frisch. Zur Degustation reicht man uns Modica-Schokolade. Diese besondere kaltgerührte Schokoladen-Spezialität aus Sizilien schmeckt wunderbar zu diesem Wein.

Auf einer Weinprobe bei Pellegrino genießt man gute Weine und erfährt viel über den traditionellen Weinanbau der Region.

Marsala Wein ist Charakter im Glas.

Marsala Wein ist Charakter im Glas.

Uncle Joseph, der rote Marsala Wein ist mein Favorit – dazu Modica Schokolade…

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Offenlegung: Meine Recherchereise durch Sizilien wurde von Gebeco Gesellschaft für internationale Begegnung und Cooperation mbH & Co. KG unterstützt – ganz herzlichen Dank dafür! Der Inhalt dieses Artikels ist natürlich von der Einladung unbeeinflusst und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag erhielt ich kein Honorar.

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