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Städte laufen nicht weg
Früher habe ich Städte eher „abgearbeitet“. Eine Liste, ein Plan, möglichst viele Sehenswürdigkeiten an einem Tag. Spätestens nach Rom war damit Schluss. Seitdem reise ich langsamer. Ich lasse mich durch die Gassen treiben, setze mich in ein Café und sehe zu, wie eine Stadt ihren Tag organisiert. Was ich nicht schaffe, hole ich beim nächsten Mal nach. Städte laufen nicht weg.
Die Kleinen können oft mehr
Klar, wer mag Hamburg, Venedig, Rom oder Amsterdam nicht? Hand aufs Herz, nach solcher einer Reise in eine Metropole kommt man oft müde nach Hause, wenn auch der Rucksack und die Kamera mit Erinnerungen prall gefüllt sind. Oft bleiben allerdings die kleinen Städte länger hängen als die großen. Haarlem mit seinen Kanälen, Turin und Lyon, die im Schatten der berühmten Nachbarn stehen und gerade deshalb entspannter zu erkunden sind. In solchen Städten finde ich Platz, einen Tisch ohne Reservierung, ein Gespräch, das länger dauert als geplant.
Städte, die man nie auserzählt
Manche Orte besuche ich immer wieder und entdecke jedes Mal etwas Neues. Hamburg, dessen Hafen immer wieder ein Erlebnis ist. Berlin, das sich schneller verändert, als man hinterherkommt. Colmar im Elsass, das trotz der vielen Gäste seine Form behält. Solche Städte sogenannte „B-Cities“ oder wie sie neuerdings auch „City-Dupes“ genannt werden, liebe ich!
Eine Stadt schmeckt man
Am liebsten lerne ich eine Stadt über das Essen kennen. In Venedig im November, wenn die Tagesgäste fort sind. In Apulien, wo zwischen Polignano a Mare und Otranto an jeder Ecke etwas Frisches auf dem Teller liegt. In Porto, wo das Streetfood so gut ist wie in manchem Restaurant. Ein Espresso im Stehen sagt mir oft mehr über eine Stadt als ein Museum.
Eine Stadt gibt nicht alles auf einmal preis. Wer langsam geht, sieht mehr. Such dir eine aus, fahr hin, und lass dir Zeit.

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