Man landet – und plötzlich ist da Wasser. Kein Straßenlärm, kein Asphalt, nur glitzernde Wellen, die an Anlegerpfähle plätschern. Venedig empfängt mich nicht mit Verkehr, sondern mit leichter Verwirrung: Bus oder Boot? Wassertaxi oder Mut zur Improvisation? Wer hier ankommt, steht schnell mitten in einer Szene, die eher nach Film aussieht als nach Flughafentransfer – und merkt, dass der Weg in die Stadt schon das erste Kapitel dieser Reise ist.
In diesem Artikel erfährst du, welche Möglichkeiten es gibt, wie du am besten in die Stadt kommst – und welches Verkehrsmittel sich für dich lohnt, wenn du in Venedig unterwegs bist.
Kaum in Italien gelandet, erinnere ich mich wieder daran, warum ich dieses Land so liebe. Es braucht keine großen Gesten – nur kleine, charmante Momente. Ich stehe auf, will meinen Trolley aus der Gepäckablage holen, und ehe ich richtig begreife, umfängt mich eine freundliche Bewegung von hinten. Eine warme Stimme fragt auf Italienisch: „Posso aiutarla?“ – darf ich helfen? Ein großer, eleganter Mann greift meinen Koffer, als wäre er federleicht, und reicht ihn mir mit einem Lächeln, das so selbstverständlich wirkt, als wäre Hilfsbereitschaft hier Teil des Bordprogramms. Ich bedanke mich auf Italienisch, er lacht – und in diesem kurzen Moment denke ich: Genau das fehlt uns Deutschen manchmal. Dann öffnet sich die Flugzeugtür, und die warme Luft weht mir entgegen. Ich bin angekommen. Noch nicht in der Stadt, aber schon mitten im Gefühl.
Wo das Land endet und Venedig beginnt
Ich war vorbereitet. Zumindest dachte ich das. Ich hatte Reiseführer gewälzt, Liniennummern verglichen und Blogs gelesen, als ginge es um eine wissenschaftliche Arbeit. Bus? Boot? Shuttle? Oder doch dieses mystische „AliLaguna“, von dem alle sprechen? Nach einer Stunde Internetrecherche war ich klüger – und gleichzeitig völlig überfordert.
Und dann stand ich da, am Flughafen Marco Polo, mit der Sonne im Gesicht, und hatte das Gefühl, dass sich Venedig längst bemerkbar macht, bevor ich es überhaupt sehe. Der Flughafen riecht nach Meer, die Luft ist weich und irgendwo ist das metallische Klirren von Bootsmotoren zu hören.
Ich laufe – natürlich bis ans äußerste Ende des Terminals, das passiert mir ja immer – und plötzlich liegt er vor mir: der Schiffshafen. Kein Bus, kein Asphalt, keine Hektik. Nur Wasser, Boote – und links die Landebahn, die aussieht, als würde sie direkt in die Adria führen.
Ein paar Meter weiter sehe ich einen Schalter mit der Aufschrift „AliLaguna“. Digitale Tickets, gut beschildert, fast zu einfach. Ich atme auf. Das Licht kippt langsam ins Gold. Es ist Spätnachmittag und die Sonne steht tief. Ich lehne mich an das Geländer, den Koffer neben mir, und warte. Auf das Boot. Auf Venedig. Auf das erste Mal, dass Ankommen sich direkt nach Meer anfühlt.
Ankommen, treiben lassen, weiterfahren – meine Tipps für Venedig
Ich war ehrlich gesagt froh, dass ich mich am Flughafen nicht für den Landbus entschieden hatte. Der Blick vom Boot, kurz bevor die Stadt auftaucht, ist unbezahlbar. Venedig kommt langsam näher – als Silhouette, die in der untergehenden Sonne fast mit dem Wasser verschmilzt. Die Konturen der Häuser werden weicher, das Licht schimmert golden, und irgendwann weiß man nicht mehr, ob der Himmel im Meer spiegelt oder das Meer im Himmel. Während alle um mich herum ihre Handys zücken, bin ich längst angekommen – mitten in dieser Stadt, die auf Wasser ruht.
Ich hatte mir am Flughafen das Ticket für die Hin- und Rückfahrt mit dem Schiff in die Stadt gekauft. Gut investiertes Geld, wie sich später zeigte. Die Fahrt mit der AliLaguna ist ruhig, fast meditativ. Man hört den Motor, riecht das Salz und sieht das Licht über der Lagune tanzen – und versteht, dass das Ankommen hier anders funktioniert.
In Venedig selbst habe ich die meisten Wege zu Fuß zurückgelegt. Die Wege sind kürzer, als sie auf der Karte aussehen. Und man verläuft sich ständig – auf die schönstmögliche Weise. Man biegt ab, gelangt in eine Sackgasse am Kanal, setzt sich auf eine alte Mauer und schaut den Gondeln beim Vorübergleiten zu. Hier ist jedes Verlaufen kein Umweg, sondern eine Einladung, Neues zu entdecken.
Ich hatte mir über GetYourGuide ein ACTV-Ticket für das ganze Wochenende gekauft. Damit kann man auch zu den Nachbarinseln und bis zum Lido hinausfahren und zwischendurch einfach dort einsteigen, wo das Wasser lockt. Wenn die Füße müde sind, die Sonne tief steht oder man einfach nur sehen will, wohin die Boote fahren. Die Vaporetti kommen pünktlich und fahren zuverlässig. Ehe man sich versieht, trägt einen das Wasser weiter.
Wer Venedig vom Wasser aus erleben möchte, sollte einmal mit der Linie 1 den Canal Grande entlangfahren – eine atmosphärische und vor allem erschwinglichere Alternative zur oft teuren Gondelfahrt. Sie hält an allen wichtigen Stationen wie Rialto, Accademia und San Marco und gleitet an Palazzi vorbei, die im Abendlicht aussehen, als hätten sie das Sonnenlicht gespeichert. Ca’ Rezzonico, Ca’ d’Oro, Palazzo Grassi – ein Spaziergang durch die Geschichte, nur eben vom Wasser aus. Für mich war das die schönste Alternative zur Gondel.
Mein Tipp: Plane nie zu genau. In Venedig kommt man immer irgendwie an. Nur selten dort direkt, wo man wollte, aber fast immer dort, wo es schön ist.

Foto: Tanja Neumann, vielweib.de
Anreise & unterwegs – So bewegst du dich in Venedig
Vom Flughafen Marco Polo (VCE) in die Stadt
- AliLaguna – Wasserbus ab Flughafen: 18 € einfach / 32 € retour · ca. 40–100 Minuten je nach Linie und Ziel · Takt 30–60 Minuten zwischen ca. 06:00–24:00 Uhr · Linien mit unterschiedlichen Routen: Blu (über Murano und San Marco), Arancio (Canal-Grande-Achse), Rossa (saisonal) und Verde (Inselrundfahrt Murano–Burano–Torcello) · Direkte Bootverbindung vom Flughafen in die Altstadt – eine der schönsten Arten, in Venedig anzukommen. Mehr Infos unter www.alilaguna.it.
- ACTV Bus Linie 5 (Aerobus): 10 € einfach / 18 € retour · ca. 35–45 Minuten bis Piazzale Roma
- ATVO Airport Express (Diretta): 10 € einfach / 18 € retour · ca. 20 Minuten bis Piazzale Roma
- Privates Wassertaxi: etwa 140–170 € je nach Ziel/Hotel · bis zu 6 Personen inkl. Gepäck · rund um die Uhr verfügbar
- Taxi (Straße): ca. 40 € · etwa 25 Minuten bis Piazzale Roma
Vom Flughafen Treviso (TSF) in die Stadt
- ATVO Airport Express: 12 € einfach / 22 € retour · ca. 1 Stunde bis Piazzale Roma
- Bus Nr. 6 + Regionalzug: ca. 3,40 € · rund 1 Stunde gesamt (Treviso Centrale → Venezia Santa Lucia)
- Taxi: ca. 76 € · etwa 45 Minuten bis Piazzale Roma
Wasserbus (ACTV – Vaporetti), Fahrten innerhalb der Altstadt Venedig
- Einzelfahrt: 9,50 € (gültig 75 Minuten, 1 Gepäckstück inklusive)
- Hauptlinien: Linie 1 (alle Haltestellen am Canal Grande) · Linie 2 (schneller, weniger Stopps)
- Betrieb: ca. 05:00–23:00 Uhr · Takt 10–20 Minuten · Nachtlinien (N) 23:30–04:00 Uhr
- Tickets: 1-, 2-, 3- oder 7-Tageskarten erhältlich (Preis je nach Dauer)
- Tipp: Ticket vor jedem Einstieg kontaktlos entwerten
- Übersichtskarte aller Linien: als interaktive Karte oder PDF zum Download auf muoversi.venezia.it
Wassertaxis (Motoscafi)
- Kurzstrecken: ab ca. 60 € · Flughafentransfer meist 140–170 € (Hotel-, Kanal- und Nachtzuschläge möglich)
- Taxameter: Start 13 € · +1,80 € pro Minute
- Zuschläge: +10 € ab der 5. Person · +5 € ab dem 5. Gepäckstück · +20 € nachts (22:00–07:00 Uhr)
Alilaguna-Boote (Flughafen- & Inselverbindungen)
- Eigener Tarif, nicht in ACTV-Tickets (Vaporetti) enthalten · 18 € einfach / 32 € retour (ab Flughafen)
- Fahrzeit je nach Ziel 40–100 Minuten · Takt 30–60 Minuten zwischen ca. 06–24 Uhr
- Linien mit unterschiedlichen Routen: Blu (über Murano und San Marco), Arancio (Canal-Grande-Achse), Rossa (saisonal) und Verde (Inselrundfahrt Murano–Burano–Torcello)
- Informationen: www.alilaguna.it · Routenplan: Alilaguna Linienübersicht
Zu Fuß durch Venedig
- Die Altstadt ist vollständig autofrei. Viele Strecken lassen sich in 15–30 Minuten gut zu Fuß gehen.
- Beschilderung „Al Vaporetto“ weist den Weg zu den Wasserbus-Haltestellen.
Bus (Mestre, Lido, Pellestrina)
- Buslinien verkehren ausschließlich auf dem Festland (Mestre) sowie auf den Inseln Lido und Pellestrina.
- In der historischen Altstadt fahren keine Busse. Endpunkt ist stets die Piazzale Roma (Übergang zu Vaporetto, Wassertaxi oder zu Fuß).
Gondeln und Traghetti
- Gondel: ca. 30 Minuten ab etwa 115 € · bis zu 5 Personen · Hauptstandplätze San Marco, Rialto, San Tomà
- Traghetti: Fähren über den Canal Grande · 2 € pro Überfahrt · etwa 09:00–18:00 Uhr (z. B. Santa Sofia, San Tomà, Santa Maria del Giglio)
Fahrrad
- In der Altstadt verboten. Erlaubt auf Lido, Pellestrina, Sant’Erasmo und im Festlandbereich Mestre.
Barrierefreiheit
- Viele ACTV-Boote und Busse sind mit Rampen ausgestattet; Vaporetto-Linien 1 und 2 verfügen über Rollstuhlplätze (bis zu 4 pro Boot).
- Bei sehr niedrigem oder hohem Wasserstand kann das Ein- und Aussteigen erschwert sein.
- Die Flughäfen Marco Polo und Treviso sind vollständig barrierefrei. Assistenzservice mindestens 48 Stunden vor Abflug anmelden.
Wo kann man Tickets kaufen?
- Online: über das offizielle Portal Venezia Unica, über die mobile App AVM Venezia oder bei GetYourGuide.
- Vor Ort: an ACTV- und Alilaguna-Schaltern, Fahrkartenautomaten, Verkaufsstellen an größeren Haltestellen und im Flughafenbereich.
- Hinweis: Online gekaufte Gutscheine müssen am Automaten oder Schalter in ein physisches Ticket umgetauscht werden.

Flughafens Marco Polo



vom Flughafen Marco Polo
Hoteltipp Maison Venezia – in bester Lage für deinen Citytrip nach Venedig
Manchmal stimmt einfach alles: die Lage, die Atmosphäre und das Gefühl, richtig angekommen zu sein. Das Maison Venezia | UNA Esperienze liegt im Stadtteil Cannaregio – ruhig und fast versteckt, und doch so zentral, dass man in wenigen Minuten zu Fuß am Canal Grande steht. Zur Vaporetto-Linie 1 sind es nur ein wenige Minuten und auch die Verbindung zum Flughafen auf der anderen Seite des Kanals ist schnell erreichbar. Ein Stadthotel mit Rückzugscharme – mitten in Venedig und doch fern vom Trubel.
Das Haus selbst ist in einem historischen Palazzo untergebracht, liebevoll renoviert, ohne seine venezianische Seele zu verlieren. Nur wenige Zimmer, hohe Decken, warmes Licht. Der Empfang ist herzlich, das Team kennt die Stadt und teilt bereitwillig Empfehlungen, die man in keinem Reiseführer findet – kleine Osterien, versteckte Gassen, ruhige Aussichtspunkte.
Auch abends ist es still. Das Wasser glitzert im Lampenschein, und der Weg zurück durch die Gassen fühlt sich an, als würde man durch ein besonders leises Kapitel der „Serenissima Venezia“ gehen.
Ein Hotel für alle, die Venedig nicht nur entdecken, sondern zwischendurch auch in Ruhe durchatmen und schlafen wollen. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt.

Wo alles liegt – Venedig-Karte zur Orientierung
Offenlegung: Dies ist ein journalistischer Artikel, der teilweise durch die Unterstützung von UNA Italian Hospitality, Maison Venezia | UNA Esperienze und GetYourGuide ermöglicht wurde. Die Unterstützung hat jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag habe ich kein Honorar erhalten.

Foto: Tanja Neumann, vielweib.de