Ein persönlicher Reisemoment in Venedig – zwischen Sonne, Musik und dem Gefühl, dass Glück manchmal einfach da ist.
Ich sitze auf dem Markusplatz. Nicht irgendwo, sondern mitten drin – im Café Lavena. Der Kellner stellt mir ein Glas Weißwein hin, dazu Chips und Oliven. „Pass auf die Möwen auf!“, sagt er mit einem Zwinkern auf Italienisch, als hätte er den Satz schon tausendmal gesagt. Ich lächle, hebe das Glas – und verstehe.
Achtzehn Euro. Für ein Glas Wein. Ich hätte in Deutschland dafür ein Mittagessen bekommen – oder zwei. Aber hier, jetzt, in der Sonne von Venedig, ist das kein Preis. Es ist eine Eintrittskarte in einen Moment, der bleibt.
Hinter mir spielt ein kleines Orchester. Geige, Oboe, ein Hauch Melancholie, der sich in die Luft mischt wie der Geruch von Espresso und Meer. Vor mir glitzert der Platz, in kleinen Pfützen spiegelt sich der Himmel. Vor ein paar Tagen war Acqua alta – Hochwasser. Doch niemand scheint das hier tragisch zu finden. Die Venezianer bauen einfach Stege, gehen darüber hinweg, als sei das Leben eben manchmal nass.
Ich beobachte die Möwen. Frech sind sie, stolz und viel zu elegant, um sich wie die Tauben um Brotkrumen zu streiten. Eine fixiert meine Oliven. Ich halte das Glas ein wenig fester – und denke, vielleicht bin ich im Herzen doch Italienerin. Sollte auswandern. Ein Haus am Meer, ein Mann mit Charme und Espresso, und ich – reisend, schreibend, glücklich.
Die Sonne wärmt meine Schultern. 18 Grad im November, während zu Hause der Regen an die Fenster prasselt. Hier scheint selbst die Zeit anders zu ticken, als hätte Venedig sein eigenes Tempo gefunden – eins, in dem man endlich wieder bewusster spüren kann.
In der Basilica San Marco dachte ich nach dem zehnten Foto: Schöner geht’s nicht. Nach dem elften wusste ich: doch. So unfassbar schön war das Licht, das durch die Mosaiken tanzte. Vielleicht liegt genau darin die Kunst dieser Stadt: Sie überflutet einen mit Eindrücken – und lässt einen dann einfach wieder zur Ruhe kommen. Mit dem Gefühl, dass man für diesen Augenblick nichts weiter braucht.
Ich sitze noch immer da, als hätte sich Venedig heimlich entschieden, mich für diesen Moment festzuhalten. Für diesen einen Augenblick ist alles genau richtig. Auch wenn Träume manchmal nicht Realität werden – machen sie glücklich. Oder kommt diese Realität vielleicht einfach erst später?




mega schön geschrieben so als ob ich neben dir sitze mit einem Glas Wein und wir beobachten das Leben und die Menschen ❤️❤️
Danke Dir, liebe Christiane!!! <3