Dülmen: Faszination Wildpferde im Münsterland

„Die einzigen Wildpferde, die es noch in Europa gibt!“, postete ich live von meinem Besuch bei den Dülmener Wildpferden via Twitter. Sofort erhielt ich Links, Fotos und weitere Hinweise in meiner Timeline, wo es noch überall Wildpferde in Europa gibt. Ein klassischer Fall von Fehlinformation die ich erhalten hatte. Richtig ist: Es ist die einzige Wildpferdebahn in Europa, wo das Pferdevorkommen ursprünglich erhalten geblieben ist. Bereits 1316 wurden sie an diesem Ort urkundlich erwähnt. Bei anderen Wildpferdevorkommen in Europa handelt es sich um Wiederansiedlungsprojekte. Im münsterländischen Merfelder Bruch sind diese wilden Tiere einzigartig erhalten geblieben. Ein Besuch ist ein traumhaftes Erlebnis!

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Lauffaul wie ich bin, wollte ich den kürzesten Weg finden, um die Herde der wilden Pferde aufzuspüren. Instinktiv wähle ich eine Abkürzung. Geschützt von Bäumen denke ich, ist der Spaziergang bei dem Wetter mit Nieselregen und Kälte angenehmer. Allerdings entpuppen sich bei mir Abkürzungen nie als das, was sie sein sollten. So ziehe ich die Jacke enger um mich, schultere die gesamte Kameraausrüstung mit neuem Tele im Rucksack und stampfe den Umweg weiter fort.

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Ich bin alleine am frühen Morgen im Mersfelder Bruch. Um mich herum zwitschern Vögel und zeigen deutlich, dass es ihre Welt ist in der ich mich hier bewege. Die Atmosphäre ist wunderbar. Durch den Regen duftet es nach Erde und schon ein wenig kann ich riechen, dass Pferde nicht mehr weit sein können. Der Wärter am Eingang gab mir einen Tipp, wo ich am besten jetzt die Wildpferde finden würde, doch hatte ich ja meine eigene Idee der Abkürzung. Je kälter der Wind mit Regen auf der nun freien Fläche wurde, bereute ich meinen Eigensinn der Abkürzungsidee. Doch zwischen dem Vogelgezwitscher höre ich plötzlich ein Pferdewiehern. Es kann nicht mehr weit sein.

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So wild die Pferde über Jahrhunderte hinweg auch geblieben sind, werden sie im Winter nicht ganz sich selbst überlassen. Ich entdecke Strohballen auf der Wiese und schaue den Pferden beim Fressen zu. Mit 400 Hektar ist das Areal ihrer Heimat riesig, dennoch würde es nicht ausreichen, die ganze Herde satt zu machen. Knospen und Rinde des Merfelder Bruchs wären schnell abgefressen und ein Weiterziehen ist für die heutigen Wildpferde nicht möglich.

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Ich versuche, leise zu sein und mich so unauffällig wie möglich zu benehmen. Die Herde hat allerdings schon längst meine Witterung aufgenommen, hält mich im Blick und auf sicheren Abstand. Ohne Tele bei diesem grauem Wetter wären sonst kaum schöne Fotos möglich gewesen.

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Wenn am Wochenende das Areal für Besucher geöffnet wird, trennt ein Zaun die Gäste von den Wildpferden. Bei Führungen mit der Försterin gelangt man in kleinen Gruppen hinter die Abgrenzung.
Die Tiere faszinieren mich und ich vergesse die Zeit beim Beobachten dieses Naturschauspiels. Fast 400 Wildpferde stehen vor mir und wo ich hin schaue, entdecke ich etwas Neues. Wie damals in der Schule stehen die Pferde cliquenartig zusammen. Sie lernen auf diese Weise von einander, erfahre ich nachher von der Försterin. Wie soll man sich bei Regen verhalten? Was ist bei der Fellpflege zu beachten? Was muss man fressen, um sich bei Krankheiten zu heilen? All das wird im Team gelernt und in Erfahrung gebracht. Wild heißt auch selbstständig. So lautet das Motto des Herzog von Croÿ. Es kommt kein Tierarzt vorbei, die Wildpferde sind sich selbst überlassen. Die Natur entscheidet.

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Direkt vor mir steht ein Pferd bereits seit über einer halben Stunde regungslos mit verschleiertem Blick. Während ein Fohlen weiter hinten platt auf der Wiese schläft, liebt es die ältere Generation eher im Stehen zu entspannen – zu schwer ist das Aufstehen mit dickem Bauch. Auch ältere Tiere werden wie wir bequemlicher. Auf diese Weise kann man auch das ungefähre Alter der Tiere schätzen.

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Unterschiedliche Felllängen sind kein Hinweis auf verschiedene Rassen – wobei es eigentlich falsch ist, bei einem Wildpferd von Rasse zu sprechen. Wie die Schlafgewohnheiten ist die Länge des Fells ein Indiz des Alters: Eine alte Stute kann mehr ab, benötigt weniger Winterfell als Jungtiere.
Mir fällt auf, dass viele Tiere trächtig sind. 70 bis 80 Fohlen werden im Mersfelder Bruch jährlich zur Welt gebracht und doch handelt es sich in Dülmen um eine Stutenherde. Diesen Umstand erklärt mir im Anschluss meines Besuchs die Försterin. Die Hengste werden gesondert gehalten und dürfen für vier Wochen zu der Stutenherde. Die größte Freude des Hengstes kann schnell zu seinem Verhängnis werden. Als ich frage, wie man diesen wilden Begatter wieder einfangen kann, lächelt die 42jährige Wildpferdeversteherin. Die Deckzeit ist Anstrengung pur für den Hengst und der Trieb besiegt den Hunger, dass er meistens schwach und abgemergelt leicht wieder zur gesonderten Weide geführt werden kann.

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Ich könnte Euch noch mehr Wissenswertes zu den besonderen Tieren im Münsterland schreiben, besser ist: Besucht die Wildpferde einmal selbst. Eine Führung lege ich Euch ans Herz. Viel Wissenswertes und Anekdoten gab es für mich von der Försterin. Für Jung und alt ein Erlebnis!

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Wissenswertes für Euren Ausflug zu den Wildpferden:

 

WegbeschreibungÖffnungszeitenEintrittspreiseFührungenWildpferdefangBesuch mit HundenCafé & CoÜbernachtungstipps

Die GPS Daten lauten:
Breite   51° 51′ 20.9“ N
Länge 7° 07′ 46.5“ O
Eine genaue Anfahrtsbeschreibung zum Einlasstor des Naturschutzgebietes findet Ihr online auf der Website der Wildpferde. Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht möglich. Es gibt allerdings Fahrten, die von der Stadt Dülmen eigens organisiert werden. (siehe Führungen)

Die Wildpferdebahn hat je nach Jahr unterschiedliche Öffnungszeiten. Bei gutem Wetter öffnen sich samstags und sonntags sowie an Feiertagen in NRW von 10:00 bis 18:00 Uhr die Tore. Meistens von März bis November -> Genaue Öffnungszeiten

Der Eintrittspreis beträgt 3 Euro für Erwachsene, 1,50 Euro für Kinder.

Frau Rövekamp ist Forstoberinspektorin im Mersfelder Bruch und bei ihr könnt Ihr telefonisch (0170 3478005) Führungen buchen. Diese finden meistens in der Woche und ab 10 Personen statt. Dabei steht Ihr nicht hinter dem Zaun, sondern gelangt ins Naturschutzgebiet mit fachkundiger Führung ganz nah zu den Wildpferden. Solch eine individuelle Führung kostet 40 Euro. Es besteht die Möglichkeit, sich einer Gruppe anzuschließen.

Auch die Stadt Dülmen bietet Führungen an. Alle Informationen findet Ihr dazu auf der Dülmener Marketing Seite. Das Angebot reicht von einer Führung mit einem Reiseleiter, über eine Sonnenaufgangsführung bis hin zu einer Oldtimeranfahrt, wenn Ihr nicht mit einem PKW selbst anreisen könnt.

Zu viele Hengste in der Wildpferdeherde wären nicht gut und daher findet einmal im Jahr der Wildpferdefang statt. Dafür werden die jungen Hengste zur Selektion in die Arena getrieben. Ursprünglich war das keine Show, sondern notwendig. Heute kann man diesem alljährlichen Spektakel beiwohnen. Am letzten Samstag im Mai lockt der traditionelle Wildpferdefang Tausende von Besuchern in die Wildpferdebahn.

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Hunde dürfen angeleint mitgeführt werden!

Ein Café oder ähnliches gibt es nicht. Ihr befindet Euch hier mitten in einem Naturschutzgebiet. Toilettenhäuser sind allerdings am zweitem Parkplatz vorhanden.
Der Ferienhof Schnieder liegt rund 8 km entfernt vom ersten Tor des Merfelder Bruchs. Hier gibt es für eine Rast ein Selbstbedienungs-Bauernhofcafé. 

Bei meinem letzten Besuch im Münsterland habe ich zwei Übernachtungen ausprobiert. Beide sind ungewöhnlich auf ihre ganz eigene Art.

Ferienhof Schnieder

Ursprünglich war der Ferienhof Schnieder ein Bauernhof. Heute kann man hier in Zimmern und Wohnungen übernachten. Vieles ist rollstuhlgerecht gebaut. Mein Zimmer war schön eingerichtet und sehr großzügig. Freies WLAN ist vorhanden. Die Familie Schnieder ist unheimlich gastfreundlich. Im Bauernhofcafé können Übernachtungsgäste morgens frühstücken – und das war wunderbar. Viele selbstgemachte Sachen versüßen einen den Morgen. Die selbstgemachte Holundermarmelade war ein Gedicht, dass ich sie gleich vor Ort kaufen musste. ;-)

Hotel Lehmkuhl

Wer lieber in der Stadt Dülmen übernachten mag, findet im Hotel Lehmkuhl ein Ziel. Etwas versteckt liegt der Eingang zwischen einem Frisör und Herrenausstatter. In der Lobby war ich mir nicht sicher, in welcher Zeit ich mich gerade befinde – Retrocharme in vollen Zügen! Selbst eine Kabine mit Wähltelefon war noch vorhanden: Liebevoll renoviert erfuhr ich vom Inhaber. Mein Zimmer war im Gegensatz zur Lobby ganz modern eingerichtet. In den zweiten Stock geht es allerdings ohne Aufzug. Frühstück gibt es nicht in Buffettform, sondern auf einer Etagere. Auch hier war der Service freundlich und zuvorkommend. Freies WLAN erhält man auf Anfrage.

Offenlegung: Meine Reise ins Münsterland wurde unterstützt von Tourismus NRW e.V. im Rahmen des Projektes Tanjas bunte Tüte und Dülmen Marketing e.V. Lieben Dank dafür. Meine Meinung bleibt wie immer die eigene.
Wenn Ihr mehr zu Ausflugszielen und Reisetipps zu NRW wissen wollt, folgt im Socialweb dem Hashtag #DeinNRW und natürlich hier im Blog dem NRW-Link ;-)

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13 Kommentare

  1. Hallo :)

    Meine Familie und ich waren früher – ist jetzt bestimmt schon 6 jahre her – zwei mal beim Dülmener Wildpferde Fang. Wir kannten nämlich ein Wildpferd von da, das auf einem Reiterhof lebte. Das war eins der faszinierendsten Erlebnisse mit Bezug zu Pferden in meinem Leben.
    Einer der jungen Hengste, die gefangen werden sollte, entwischte den jungen Männern so häufig, dass sie ihn schlussendlich wieder haben gehen lassen. Mit der Begründung, er wäre ein guter Kandidat für den neuen Leithengst.

    Schöne Geschichte!
    Lea

  2. Pingback: Wo man im Münsterland so richtig blau machen und auf die Glocke hauen kann -

  3. Die Bilder sind toll. Ich glaube, die Herde muss ich mir auch unbedingt mal ansehen. Ist ja nicht so weit von Aachen aus…

    • Könnte man auch als einen Tagesausflug machen. Empfehlung von mir ist allerdings ein Kurztrip. Da gibt es nämlich noch viel mehr Schönes zu entdecken. Mehr bald im Blog ;-)

  4. Ich bin überhaupt und wirklich garnicht ein Pferdenarr. Aber diese Geschichte! Was für eine tolle Sache und so süße Tiere. Das gefällt mir mehr als gut. Tausend Dank, dass Du uns mitgenommen hast.

    Ganz liebe Grüße
    Grit

    • Danke Dir lieber Ingo :-)
      Das waren die ersten Schüsse mit dem neuen Tele. Ich werde weiter üben (und hoffentlich dann das nächste Mal mit mehr Sonne statt trübem Grau ;-))

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