Extraportion Fahrspaß: Mit der Ente auf Entdeckertour entlang der Seine

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Ich habe ein Date, eine Verabredung mit einem typischen Franzosen, sagte man mir. Wie stellt man sich einen typischen Franzosen vor? Entspannt lehne ich mich im Gartenstuhl nach einem phantastischen Frühstück im Jardin des Plumes zurück und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Die Sonne kitzelt meine Arme. Es ist noch früh doch bereits jetzt schon über 25 Grad. Es verspricht, ein heißer Sommertag zu werden. Es riecht nach Heu und Sommerblumen. Die Vögel zwitschern. Mit halbgeschlossenen Augen döse ich vor mich hin und genieße den Anblick des grünen Gartens und der bunten Blumen des Plumes. Plötzlich wird die Stille von einem sonorem Knattern unterbrochen, gefolgt von einem melodisch klingendem Türzuschlagen. Ich laufe zum Parkplatz. Das wird meine Verabredung sein.

Morgendliche Entspannung im Garten von “Jardin des Plumes”

Wenige Augenblicke später stehen sie vor mir: Gleich zwei Franzosen, die für mich nicht typischer französisch sein können. Einer davon lacht mich charmant mit einem Bonjour an, schwingt seine Mütze zum Gruß und stellt sich mir als Cédric vor – mein persönlicher Guide auf meiner heutigen Tour. Braungebrannt, in weißer Leinenhose und blauweiß geringeltem Shirt strahlt er mit seinen lachenden Augen eine unglaubliche Lebensfreude aus. Das muss von der französischen Lebenart kommen, denke ich mir und schiele zum Oldtimer neben ihm. Der “andere Franzose” steht blitzeblank geputzt neben ihm und schaut mich mit seinen Augen und silbrigen Wimpernschlag an. Im typischen 2-Farben-Look erobert die Ente gleich mein Herz.

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Wer wird bei dem silbrigen Wimpernschlag nicht schwach?

Der französischen Sprache nicht mächtig bin ich froh, dass Cédric und ich uns auf englisch unterhalten können. “Eine wunderschöne Ente”, sprudele ich auf englisch begeistert hervor und schieße meine ersten Fotos. Ich sehe Fragezeichen in Cédrics Augen. Mit Ente kann man für den schönen Oldtimer 2CV hier nichts anfangen. “Deudeuche” sagt man hier, klärt er mich stolz auf. Und wie sein Deudeuche so wohlklingend französisch über seine Lippen kommt, bin ich noch ein Stück mehr verliebt – in das Auto versteht sich. Gesprochen wird der Kosename des Citroens “dadasch”. Das klingt fast wie Dudu. Ich erzähle Cédric von meinem Auto. Das vereint, ich wusste, wir werden uns blendend verstehen.

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2CV auch in zweifarbig ein echter Hingucker

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Bereit für eine kleine Tour

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Mit französischem Charme und echt gentlemanlike gehts auf Fahrt um Giverny

Cédric öffnet mir gentlemanlike die leicht quietschende Türe des Autos, für mich ein wohliger Klang. Die durchgehende Fahrersitzbank hat Platz für uns beide. Das beruhigt – meine letzte Oldtimerfahrt sah da ganz anders aus. Das Sitzgefühl hat etwas von einem altem Sofa, welches man liebgewonnen und nicht mehr hergeben mag. Fasziniert schaue ich auf das Armaturenbrett oder das, was einst als solches bezeichnet wurde.

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Puristisch könnte man das Innenleben der Ente bezeichnen – auf jeden Fall mit Charakter

Das Verdeck ist aufgerollt, die Fenster geklappt und wir stehen im Schatten. Zeit genug, mir von Cédric seine geliebte Deudeuche erklären zu lassen. Auch wenn ich die Ente schon oft von außen bewundert habe, ist das heute meine erste Fahrt in einer Ente. Die Gangschaltung fesselt mich. Statt üblicher H-Schaltung gibt es eine Revolverschaltung. Diese wirkt wie ein Krückstock, der je nach Gang gedreht, rausgezogen oder reingedrückt und wieder gedreht wird. Eine Führerscheinprüfung würde ich spontan damit nicht bestehen. Muss ich aber auch nicht, ich habe ja meinen persönlichen Guide. Cédric startet den Choke und Anlasser. Leicht ächzend gibt die Ente Antwort. Ein leichtes Tätscheln von Cédric am Lenkrad und schon schnurrt die alte Dame im ersten Gang langsam los.

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Chic auf Tour

Wir schaukeln die Auffahrt hinunter. Wer jetzt denkt, die Schaukelei endet auf einer geraden Fahrbahn, der irrt. Auch bei glatter Fahrbahn schunkeln mein Guide und ich auf der Sitzbank wie ein Kind bei Mama auf dem Schoß oder noch treffender: Wie auf einer weich und sanft gefederten Chaise. Ich finde es herrlich! Bei einem alten Käfer ist das ähnlich: Kaum Fahrkomfort, schwaches Motörchen, anfällig für Rost – aber wer einmal damit gefahren ist, schwärmt ein Leben lang davon! Das ist Nostalgie-Feeling pur!
Das Schaukeln kommt nicht von ungefähr. Ursprünglich wurde der 2CV für das wilde französische Landleben gebaut. Entefahrer werden es wissen, für mich war es Neuland.

„Entwerfen Sie ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter Benzin auf 100 km verbraucht. Außerdem soll es selbst schlechteste Wegstrecken bewältigen können und so einfach zu bedienen sein, dass selbst eine ungeübte Fahrerin problemlos mit ihm zurechtkommt. Es muss ausgesprochen gut gefedert sein, sodass ein Korb voll mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Und schließlich muss das neue Auto wesentlich billiger sein als unser ‚Traction Avant‘. Auf das Aussehen des Wagens kommt es dabei überhaupt nicht an.“ (Quelle Wikipedia)

Der 2CV – ist es ein Auto oder eine Lebenseinstellung? Heute auf jeden Fall ist die Ente Kult und ich genieße jeden Meter. Nennt mich eine Banausin, aber die Landschaft ist mir zunächst egal. Zu verzückt bin ich von meiner ersten Fahrt in der schnuckeligen Ente.

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Die Deudeuche – ein Auto zum Verlieben

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Auf Schönheit kam es den Autobauern bei der Ente nicht an – aber findet Ihr nicht auch, dass sie Seele hat?

Cédric fährt mit mir als erstes durch Giverny. Im Gegensatz zu gestern geht es heute nicht um schöne Gärten, Landschaften und Häuser. Mein Guide möchte mir die unwiderstehliche Wirkung seiner Deudeuche demonstrieren, bevor wir in ruhige Gefilde abtauchen. Kaum nehmen wir die erste Kurve im Ort mit ordentlich Schwung stehen die ersten Touristen vor uns. Als sie uns sehen, lächeln sie uns schlagartig an, winken uns zu, zücken ihre Kamera – japanische Touristen in umgekehrter Reihenfolge. Cédric genießt das Bad in der Menge und auch ich finde Spaß daran. “Fährst Du mit diesem Auto, begegnen Dir nur freundliche und nette Menschen.”, berichtet er und biegt nach diesem Auftritt in eine Seitenstraße ab. Wir schrauben uns einsam den Berg auf einer kurvigen Landstraße hoch. Höchstleistung für die Ente, wie sie schaukelnd, man könnte fast sagen watschelnd, den Hügel erklimmt. Die lahme Ente macht ihrem Namen alle Ehre. Doch so bleibt uns noch mehr Zeit, die schöne Umgebung wahrzunehmen. Wir brausen mit offenem Verdeck der Sonne entgegen. Die aufgeklappten Seitenfenster versprühen frischen Fahrtwind und gibt mir das Gefühl, zu fliegen.

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Cabriofeeling einmal anders

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Hier ist das einstige Bauerngefährt zu Hause: Über buckelige Pisten durch die Felder

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Pittoreskes Flair: Normannisches Fachwerk, Blumen und sandfarbende historische Mauern

Wir passieren malerische Dörfer. Überall stehen vereinzelt Blumen und normannisches Fachwerk verleiht dem Anblick den Charme alter romantischer Zeiten. Die Steine der Häuser strahlen in der Sonne im sanften Licht. An einem kleinem Holzverbau halten wir an. Das, so klärt Cédric mich auf, waren alte Waschhäuser an den kleinen Nebenarmen der Seine. Seine Oma hat auf diese Weise noch Wäsche gewaschen. Es war der Dorfmittelpunkt. Einmal in der Woche versammelten sich alle Frauen des Dorfes zum großen Waschtag an diesem Platz.

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Alter Waschplatz im Dorf

Wir lassen uns weiter über die Landstraßen treiben. Von mir aus hätte diese Schaukelfahrt endlos weiter gehen können. Ob ich wüsste, fragt Cédric mich, dass eine Ente nie umfallen würde und bog plötzlich in die nächste Kurve mit einem bis zum Anschlag gedrehtem Lenkrad ein. Ich rutsche zu seiner Seite, war ein wenig erschrocken, was ich mir aber natürlich nicht anmerken lassen wollte. Im Endeffekt macht das Fahren mit der Ente Spaß. Mit funkelnden Augen nahm Cédric die nächste Kehre als Rennfahrerkurve und demonstrierte erneut das Fahrkönnen seiner Deudeuche. Dieses Mal war die Kurve nur in meiner Richtung und ich rief ihm etwas panisch entgegen, er solle es nicht übertreiben – schließlich möchte ich nicht (aufgrund der Gewichtsverteilung) die erste Frau sein, die doch eine Ente zum Umfallen bringt. Das wäre mit Peinlichkeit nicht zu überbieten. Cédric lacht, tätschelt das Lenkrad und versichert mir, dass das nicht passieren würde.

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Auch Cédric genießt die Fahrt

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Nach einigen Kurven haben gerade Straßen auch etwas für sich ;-)

Wir verlassen die ländliche Idylle und fahren Richtung Vernon. Hier gibt es eine besondere Mühle direkt an der Seine. Le Vieux Moulin kenne ich bereits schon von vielen Fotos und bin gespannt, die alte Mühle jetzt live zu sehen. Ehrlich gesagt bin ich ein wenig enttäuscht. Wirkten die Bildausschnitte stets verträumt und idyllisch muss ich in der Realität feststellen, dass das alte Gemäuer direkt an einem Hauptverkehrspunkt und gegenüber der Brücke zum Zentrum liegt. Schön ist sie natürlich allemal, nur die Landschaft drumherum ist weniger malerisch. Da hilft auch das vorgelagerte Schloss Château des Tourelles nicht. Bemerkenswert ist das Schloss allerdings schon: Aus dem 12. Jahrhundert ist eines der letzten intakten Kastelle in Frankreich.

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Le Vieux Moulin in Vernon

Eine schöne Mühle – im Kontrast zur befahrbaren Autobrücke ein seltsamer Kontrast

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Château des Tourelles in Vernon liegt direkt vor der alten Mühle

Am Nachmittag erkunde ich ohne Cédric alleine die Altstadt von Vernon und bin danach wieder versöhnt mit der alten Stadt. Ist die Mühle zwar an einem Straßenverkehrspunkt gelegen, so besticht die Altstadt mit einem besonderen Charme: Fachwerk in allen Farben, Kirchen und gemütliche Plätze. Vielleicht war die Enttäuschung zur Mühle auch dem geschuldet, dass wir zuvor ausschließlich durch malerische, verträumte Winkel der Normandie fuhren.

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Château de la Madeleine bei Vernon – hier kann man übernachten

Nach Fotoshooting der Mühle machen wir uns beide wieder auf in die ländlichere Gegend – die scheinen wir beide mehr zu lieben. Abgeschieden liegt das Château de la Madeleine. Es ist in Privatbesitz und wer mag, kann hier übernachten. Das Schloss und Bauwerke zeigen uns heute, wie wichtig und reich die Region einst gewesen ist.
Entlang der Seine treten wir den Rückweg an. Wir schaukeln zurück, plaudern noch ein wenig über Gott und die Welt, genießen den wunderschönen Tag in der Normandie. Zu schnell ging meine kleine Entdeckertour in der Ente vorbei. Es war ein besonderer Fahrspaß!

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Die Fahrt mit Cédric ging leider viel zu schnell zu Ende – ein toller Fahrspaß in der Normandie!

Das wollt Ihr auch?

Cédric könnt Ihr in der Normandie in der (weitläufigen) Region bei Giverny buchen. Eine Stunde kostet 25 bis 35 Euro pro Person – je nach dem, wohin Ihr fahren wollt. Cédric nimmt Euch auch mit zu besonderen Geheimplätzen und seinen Lieblingsorten. Wir haben manches bei unserer Fahrt ausgespart, weil ich dieses in den kommenden Tagen noch selbst anfahren werde. Wer möchte, kann auch seine Hochzeitsfahrten mit ihm und seiner Deudeuche unternehmen. Auf jeden Fall ein ganz besonderes Erlebnis mit hohem Spaßfaktor, welches Ihr in der Normandie unbedingt erleben solltet!

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Offenlegung: Meine Reise wurde unterstützt vom normannischen Tourismusverband und Atout France. Die Reise war ein Projekt innerhalb der Aktion #meineNormandie. Herzlichen Dank dafür – besonders auch an Cédric von Ô temps normands für die gemeinsame wunderschöne Zeit in Deiner Deudeuche!
Meine Meinung im Blogbericht bleibt von all dem unbeeinflusst.

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6 Kommentare

  1. Hallo Tanja, leider hatte ich vor zwei Jahren noch keine Ahnung, dass es Cédric bei Giverny gibt. Wir haben uns dort den Garten angeschaut. Aber mit dieser tollen Ente einen Ausflug machen, das wäre es noch gewesen. Ich hatte vor 35 Jahren eine R 4. Der war schon etwas komfortabler. Aber nur etwas. Einmal bin ich bei einer Freundin in einer Ente mitgefahren. Ich habe diese Autos geliebt. Als mein R 4 den Geist aufgegeben hat, habe ich leider keinen anderen mehr gefunden. Neu wurden sie nicht mehr gebaut. Ich fand es schade. Der Automarke bin ich aber bis heute treu geblieben. Dein Bericht ist wundervoll und ich würde am Liebsten gleich wieder nach Frankreich fahren.
    Viele Grüße und einen schönen Wochenbeginn
    Gudrun

  2. Mach nur so weiter, liebe Tanja. Dann bist du das schuld, wenn ich nächstes Jahr nicht nach England, sondern in die Normandie fahre ❤️ Vielen Dank für die schönen Bilder und die tolle Erzählung.
    Liebe Grüße, Heike

    • Geht ja beides :-) Und beides sind schöne Reiseporte. Die Normandie hat viele schöne Facetten.
      Danke für Dein liebes Feedback. LG Tanja

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