Schlösser am Niederrhein oder warum ein Ausflugsziel nicht reicht…

Manchmal läuft es mit der Planung eines Ausflugstages nicht ganz rund. Unbenommen davon bleibt die Schönheit der Schlösser und Klöster am Niederrhein!

Samstag Morgen stöbere ich mit einem Käffchen durch Reiseführer von NRW und dem schönen Niederrhein. Erstes Ziel des Tages: Niederrheinische Schlösser und Klöster zwischen Neuss und Mönchengladbach erkunden bzw. erneut einmal zu besuchen. Ziel 2 des Tages: Urlaub vor der heimischen Haustüre. Wer nicht wie ich den Niederrhein – genauer gesagt Krefeld – seine Heimat nennt, sollte dennoch den schönen Niederrhein bereisen. Es gibt eine Fülle von Schlössern und Burgen, so dass eine Auswahl für einen netten Cabrio-Ausflugstag nicht leicht fiel. Später am Tag sollte ich feststellen, dass meine Manie, lieber ein Ausflugsziel mehr auf der Agenda zu haben, genau die richtige Strategie für meinen Ausflugstag sein sollte…

 

Schloss Myllendonk

Schloss Myllendonk

Erstes Etappenziel ist Schloss Myllendonk. In Korschenbroich zur Stadtgrenze Mönchengladbach liegt das Wasserschloss aus dem 12. Jahrhundert. Ich parke auf den vorgelagterten Parkplätzen, staune über die vielen schönen Autos und wundere mich schon darüber, dass hier so viele Golfer unterwegs sind. Das Rätsel lichtet sich schnell: Schloss Myllendonk beherbergt einen Golfclub. Das Schloss ist umgeben von einem 18-Loch-Meisterschaftsgolfrasen. Doch wo ich schon mal hier bin, kann ich auch dem Schloss näher treten. Ich werde freundlich von vorbei flanierenden Golfern begrüßt, kann aber leider das Schloss von innen nicht besichtigen. 

traube

Eines der ältesten Gaststätten Deutschlands

Frühstück und Mittagessen an freien Wochenende kommen bei mir schon mal etwas zu kurz. Was mir grundsätzlich nicht schadet, aber so langsam überkam mich doch der Hunger. Also ging es vom Schloss Myllendonk weiter nach Korschenbroich-Kleinenbroich. Hier gibt es eine der ältesten Gaststätten Deutschlands. Von außen sieht man das der nGaststätte „Zur Traube“ nicht an, dass sie erstmalig bereits 1386 erwähnt wurde. Kaum geparkt, erspähe ich das Schild „Betriebsferien bis zum 8. August“. Also auf zur dritten Station meines Ausflugstages.

Wenn man genau hinschaut, sieht man recht im Grünen die barocke Turmspitze des Liedberger Schloss.

Wenn man genau hinschaut, sieht man recht im Grünen die barocke Turmspitze des Liedberger Schloss.

Ja, richtig gelesen: Am Niederrhein gibt es Berge. OK, der Niederrheiner würde sie als Berg bezeichnen. Im exillebende Mitmenschen reden wohl eher von Hügel oder Hügelchen… Sei es drum. Ein Besuch in Liedberg lohnt auf jeden Fall. Es liegt auf einer Anhöhe und lockt mit einem historischem Stadtkern.
Ist man in Liedberg angekommen, ist man auch schon fast wieder draußen. Der Liedberg selbst ist gerade mal 700 Meter lang, 400 Meter breit und steile 30 Meter hoch. Um den schnuckelig anmutenden Ort ranken sich Jahrtausende Geschichte. Kelten, Germanen, Römer, selbst Amerikaner – alle waren sie schon mal hier. Wenn Ihr mal vorbei schauen wollt, so gibt es drei vorgelagerte, kostenfreie Parkplätze. Der historische Stadtkern ist nur für Anwohner befahrbar. Liedberg ist ein Flächendenkmal und so könnt Ihr Euch mit einem kurzen Spaziergang auf eine (Zeit)Reise am Niederrhein begeben. Wem der Spaziergang zu kurz ist, kann Liedberg auch entlang der sieben Fußfälle umrunden. Fußfälle sind die älteste Form eines Kreuzweges.

Einkehrtipp in Liedberg: Das Liedberger Landgasthaus war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Brauerei und wurde 1898 eine Gaststätte. Es gibt regional deutsche Küche mit mediterranen Einflüssen. Ich genieße einen hausgemachten Pflaumenkuchen mit leckerem, sehr heißen Kaffee im Biergarten und durchstöbere meine Agenda der weiteren Ausflugsstationen.

liedberg_landgasthof

 

Schloss Dyck

Schloss Dyck

Schloss Dyck gehört zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern im Rheinland. Das in Jüchen stehende Wasserschloss besteht aus einer Hochburg und zwei Vorburgen. Die Grabenanlagen und das gesamte Schlossareal ist sehr beeindruckend. Ich parke mein Auto auf den extra ausgewiesenen Parkplätzen, wundere mich noch über die Leere selbiger und setze meinen Spaziergang zum Schloss fort. Leider ist heute von himmlischer Ruhe nichts zu spüren. Überall wird gehämmert und Stände werden aufgebaut. Alles war in Vorbereitung für die Classic Days am ersten August-Wochenende. Leider bin ich zu diesem Termin schon anderweitig unterwegs. Wer Zeit hat, alte Autos und Klassiker liebt, sollte einen Besuch zum Schloss Dyck planen. Ich dagegen entscheide mich dann doch weiter zufahren und ein anderes Mal mit Ruhe das schöne Schloss wieder einmal zu erkunden.
Langsam hatte ich Übung darin, Schlösser nur von außen kurz zu erblicken statt ausgiebig zu genießen. Auch bei der nächsten Ausflugsstation hatte ich heute kein Glück. Das nur zwei Kilometer entfernte Nikolauskloster war heute auch keine Oase der Ruhe. Hier waren bereits die Parkplätze durch private Feiern überfüllt, so dass ich auch dieses Niederrheinerlebnis auf ein nächstes Mal verschiebe. Seid Ihr in der Nähe, lohnt ein Kaffee im Garten und einen Blick in den Klosterladen bei den leckeren Likören :-)

Schloss Hülchrath

Schloss Hülchrath

Auch wenn Schloss Hülchrath mein sechstes Ausflugsziel des Tages ist, mein Kilometerzähler hatte nicht viel auf der Uhr. Die attraktiven Ausflugsziele liegen alle sehr dicht zusammen (siehe auch unten stehende GoogleMaps-Karte).
An der Dorfkirche geparkt, machte ich mich auf den kurzen Weg zum Schloss Hülchrath. Etwas wie im Dornröschenschlaf wirkt die Schlossanlage auf mich. Mir sagt so etwas mehr zu, als durchgestylte „Erlebnis-Schlösser“. Ich genieße den Burggraben und spaziere zum Tor der Vorburg. Doch was sagt dieses Schild vor mir? Zugang nur bis zum Biergarten erlaubt, Rest sei Privatbesitz. Ich kann kaum glauben, dass dies alles eine Wohnanlage war. Verstohlen sehe ich mich um, ob ein Schild „Nachmieter gesucht“ irgendwo ausliegt. Konnte zu meinem Bedauern allerdings keines entdecken. Rechte Hand vor mir liegt der Biergarten des Schlosses – ebenfalls mit einer Gesellschaft ausgiebig gefüllt (Was war nur heute los?). Ich lasse mich auf der Burgmauer nieder und zücke mein iPhone. Schnell mal googeln, ob man nicht doch dieses traumhafte Schloss besichtigen kann. Kann man. Aber nur zu Veranstaltungen oder mit buchbaren Führungen. Letztere wird auch in Kombination mit einem Frühstück angeboten. Ich denke, der nächste Brunch ist gebucht.

Ebenfalls im Internet lese ich, dass das Schloss traurige Berühmtheit mit Hexenprozessen in der Vergangenheit erlangte. Gegen Ende des Nationalsozialismus in den 1940er Jahren wurden auf Hülchrath Einheiten des „Werwolfs“ ausgebildet. Diese Einheiten wurden von Hitler und Himmler dazu bestimmt, eine Art Guerillakrieg hinter feindlichen Linien zu führen. Spannende Geschichte hat dieses Schloss denke ich mir und beschließe, zu einem anderen Zeitpunkt wiederzukommen.

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Weiterer Einkehrtipp: Mit dem Blick auf meine Ausflugsliste trete ich den Rückweg zum Auto an. Ich gehe vorbei an einem kleinem Cafe. Für einen Kaffee ist ja immer Zeit. Viele Kaffeekännchen schmücken den kleinen Cafe-Raum. Hier ist der Name Programm: Kleines Cafe am Schloss. Auf der Terrasse im Hinterhof lasse ich mich nieder und genieße die wieder aufkommende Sonne. „Mädschen, Tässken Kaffee?“ fragt mich der Cafebesitzer lächelnd mit tiefer Stimme. Der Nebentisch bestellt gleich mit und ich freue mich über den besonderen Dialekt. Ich vergaß, ich bin in Grevenbroich und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, Horst Schlemmer persönlich sitzt mit seiner Frau neben mir! Mit rheinischer Gemütlichkeit ist man hier bestens aufgehoben.

Seitwärtige Ansicht des Kloster Langenwaden

Seitwärtige Ansicht des Kloster Langenwaden

Der Niederrhein hatte früher anscheinend viele reiche und viele gläubige Menschen. Wieder nur zwei Kilometer von Schloss Hülchrath entfernt liegt das Kloster Langenwaden, meine heutige letzte Station bei meiner Zeitreise in die Vergangenheit. Hier war es zum Abend angenehm leer. Ich wandle durch die Gärten. Leider sind vom Sturm sehr viele Gebiete abgetrennt, wo noch Aufräumarbeiten folgen werden. Der alte Baumbestand des Klosters ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Vorbei an dem Biergarten beäugige ich Skulpturen und genieße die Ruhe.

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Einkehrtipp mit Rheinblick in Neuss: Das Panorama
Zum Abschluss des Tages geht es mit einer Freundin zu dem von mir so geliebten Rhein. Vorbei an dem kleinen Sporthafen, um eine kleine Biegung liegt etwas versteckt im Neusser Ruderverein das Panorama. Von der Terrasse genießen wir den Rhein, lassen den Abend bei einem Plausch gemeinsam ausklingen.

Ich habe zwar heute kein Schloss oder Kloster von innen gesehen, dennoch war es eine schöne Tour. Mein Tipp für Euch: Ruft vorher bei dem ein oder anderen Ausflugsziel an, ob Festivitäten oder ähnliches am gewünschten Ausflugstag geplant sind. Nicht immer stehen die Informationen auf den jeweiligen Webseiten. Ich für meinen Teil werde bald wieder – allerdings nach vorherigen Telefonaten – erneut eine Schlösser-Kloster-Tour am Niederrhein unternehmen ;-)

 

Links in Kürze:

Habt Ihr noch Ausflugstipps – vorzugsweise Schlösser und alte Gemäuer am Niederrhein?

9 Kommentare

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  5. Kleinenbroich ist schön – denn dort wohne ich :-)

    Das nächste Mal sagst Du Bescheid, wenn Du vor Ort bist. Bei mir gibt es immer Kaffee und Gebäck für Dich.

  6. Tja, irgendwie kommt mir das bekannt vor. Ich wohne selber irgendwo in einem Kaff am Niederrhein (bei Köln) und wir haben in der Umgebung alleine 4 Schlösser und Burgen. Da hätten wir Schloss Türnich, das gerade renoviert wird. Da war ich noch nie im Leben drin, weils nie zu betreten war. Schloss Gymnich hingegen kenne ich sehr gut. Dort habe ich meine Kommunion gefeiert und jetzt ist es leider für die Öffentlichkeit geschlossen. Nach seiner Geschichte ist das aber auch kein Wunder.
    Burg Konradsheim hat ebenfalls einen Goldplatz und ist eine super Eventlocation. Und dann gibts nur Burg Bergerhausen. Ein kleines Wasserschloss wo es gutes Essen und Traktorenfestivals gibt. Auch und Schloss Gracht, das nun eine Schule ist. Und Brühl gibts auch. Schloss Brühl ist definitiv eine Reise wert. Solltest du mal hinfahren.

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