Hei ass et lecker – Drei besondere Restaurants in Luxemburg

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Die luxemburgische Küche spiegelt die Vielfalt der kulturellen Nationen wider. Circa eine halbe Millionen Einwohner wohnen im gesamten Land. Mit gut 46 Prozent hält Luxemburg nicht nur den Ausländer-Europarekord sondern bietet auch in der Küche eine Einzigartigkeit in der kulturellen Vielfalt. Hinzu kommt die Nähe zu Frankreich, die in vielen Restaurants in Luxemburg Einzug gehalten hat. Es gibt reichlich außergewöhnliche Restaurants, drei besondere habe ich auf meiner letzten Tour entdeckt und möchte ich Euch in diesem Artikel vorstellen:

Restaurant Heringer Millen – Ausgefallen, kreativ, lecker!

Eröffnet man heute noch ein Restaurant? Diese Frage haben sich Lars und Marie Fiebig vor vier Jahren auch gestellt. Die Konkurrenz sei groß, sagte man ihnen. Man zweifelte daran, dass ausgefallene Küche bei den Luxemburgern Anklang fände. Trotz allem: Das Ehepaar Fiebig hat es gewagt. Zum Glück! Denn sonst gäbe es das tolle Restaurant Heringer Millen heute nicht.

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Das Restaurant Heringer Millen findet Ihr in einer alten Getreidemühle in Mullerthal

Mitten in Mullerthal idyllisch am Bach liegt die Heringer Millen. Die ehemalige Getreidemühle aus dem 17. Jahrhundert bietet den perfekten Rahmen für das Restaurant von Lars und Marie. Während Marie sich liebevoll um den Service kümmert und selbst mit anpackt, schwingt Lars das Küchenzepter. Als wir eintreffen, ist jeder Tisch auf der Terrasse besetzt. Tische aus dem Restaurant der Mühle wurden schon außerhalb platziert. Gut, dass wir reserviert haben. Das schöne Sommerwetter lockt jeden auf die Terrasse. In der Heringer Millen wird jeder Gaumen glücklich: Es gibt Deftiges für Wanderer und Vorzügliches für Gourmets. Über den ganzen Tag verteilt kommen täglich 200 bis 350 Gäste.

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Auf der Terrasse der historischen Mühle Nähe des Bachlaufs nehmen wir Platz

Küchenchef Lars Fiebig ist ein ehemaliger Schüler von keinem geringerem als vom – „Koch des Jahrhunderts“ – von Paul Bocuse. Diesen Einfluss erlebt man bei jedem von Lars Gerichten. Als ich mich mit Lars unterhalte, blitzen seine Augen vor Begeisterung, er liebt das Essen, man spürt seine Hingabe und kreative Leidenschaft. Regionalität in seiner Küche ist ihm wichtig. Seine Küche ist primär luxemburgisch und französisch, allerdings ist in der Heringer Millen die ganze Welt zu Gast. Lars und Marie waren viele Jahre auf dem ganzen Erdball unterwegs und das Beste von ihren Reisen findet sich in den einzelnen Gerichten wieder. Heute kocht er mit sechs Köchen – zwei Köche jeweils für Vorspeisen, Hauptgang und Nachspeise. Dazu kommen Studenten aus der französischen und luxemburgischen Hotelfachschule. Seine eigene außergewöhnliche Note ist gefragt.

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Gazpacho á la fraise facon Heringer Millen

Passend zum Sommertag wähle ich Gazpacho. Kennt man diese Vorspeise mit Gurken, so wird man in der Heringer Millen mit einer andersartigen Erdbeer-Gazpacho überrascht. Mit selbst gebackenem Brot ist das Gericht ein Gedicht und höchste Gaumenfreude. Marie verrät uns, dass sie jede Woche neue Gerichte auf der Karte haben, aber das Erdbeer-Gazpacho darf im Sommer nie fehlen und ist bei vielen Gästen sehr beliebt.

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Lars Fiebig – Koch aus und mit Leidenschaft

Montags ist in der Heringer Millen Ruhetag. Das bedauern viele Gäste. Aber selbst am Ruhetag nimmt Lars Fiebig sich keine Auszeit, sondern er geht seiner besonderen Leidenschaft nach: Er kocht den lieben langen Tag Saucen ein. Saucen sind für den Küchenmeister die Krönung der guten Küche – und da hat er recht finde ich. Bei ihm wird allerdings die Sauce nicht in Sahne ertränkt oder Mehl erstickt. Lars hat auf dem Paul Bocuse Institut beim Meister Alain Lecosses die hohe Kunst des Saucenkochens gelernt. Seitdem verbringt er die freien Montage stundenlang in der Küche beim Einkochen, verrät uns Marie. Dabei schenkt sie mir noch ein Schlückchen vom Alice Hartmann Wein ein. Der kühle Riesling vom Spitzenweingut schmeckt mir sehr gut, dass ich zu gern ein paar Flaschen einkaufen möchte. Aber leider wird dieser Wein nicht an Privatleute sondern nur an wenige ausgewählte Restaurants verkauft. Die Heringer Millen gehört dazu und der Bestand ist leider schon knapp, verrät mir Marie. „Wir Luxemburger trinken mehr guten Wein als wir anbauen.“, ruft die Restaurantbesitzerin mir mit einem Augenzwinkern entgegen, bevor sie sich wieder um den Service der anderen Gäste kümmert. Hier kann man es sich sehr gut gehen lassen.

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Lammburger – Fast Food Deluxe

Die Wahl des Hauptgangs fällt mir nicht leicht. Bin ich auf Reisen, möchte ich immer ein Gericht probieren, was ganz besonders typisch für die Region ist. “Dann wählen Sie den Lammburger.”, rät mir die Dame von Service lächelnd und setzt noch nach, dass der Schäfer morgen selbst vorbei käme. Einen Burger in der Heringer Millen essen, frage ich mich und liebäugliche mit den weiteren interessanten und wohlklingenden Gerichten auf der Speisekarte. Aber die Sache mit dem Schäfer macht mich neugierig. Burger bestellt und neugierig auf der Suche nach der Schäfergeschichte geraten wir wieder ins Plaudern. Ich bin einen Tag zu früh. Morgen kommt Florian – und er kommt nicht allein: Mit ihm über 300 Schafe! Alle werden sich vor der Heringer Millen einfinden. Was ein Spaß für Kinder ist, ist für so manchen auch die Betrachtung seiner Mahlzeit von morgen. Florian ist der letzte Wanderschäfer von Luxemburg. Er durchstreift das Jahr über die Naturschutzgebiete Luxemburgs und lässt seine zwei großen Herden mitten in freier Natur grasen. Wer mag, kann mit auf Wanderschaft gehen. Das ist allerdings alles andere als ein Spaziergang, weiß Marie zu berichten. Schafe können auch im Affenzahn abgehen. Eine spannende Reportage zum exotischem Beruf und „Bio-Rasenmäher auf vier Beinen“ findet ihr hier. Neben Wanderungen und Seminaren bietet der 30jährige Schäfer sein Fleisch auch zum Verkauf an. Wilde Kräuter aus Luxemburger Landschaften sorgen für das besondere Fleischaroma. Ein ungewöhnlich kulinarischer Genuss, wie ich mich selbst mit dem Lammburger überzeugen konnte. Nur gut, dass ich im Nachgang die Webseiten und Berichte zu den Schafen recherchiert habe, sonst hätte ich mich wohl auch für die vegetarische Variante wie meine Begleitung entschieden – phantastisch muss auch dieses Gericht geschmeckt haben!

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Auch vegetarische Gerichte gibt es in der Heringer Millen – mit besonderen Geschmacksnoten und viel frischen, regionalen Produkten

Léa Linster – Kulinarischer Genuss zwischen Kunst und Abenteuerspielplatz (Kayl)

Léa Linster – wer kennt sie nicht? Als luxemburgische Spitzenküchin ist sie immer wieder Gast in TV-Shows wie Lanz kocht oder Die Küchenschlacht. In der Zeitschrift Brigitte hat die Autodidaktin eine eigene Rezeptkolumne und viele Jahre sogar mit Léas KochLUST eine eigene Sendung im SR Fernsehen. Viele Kochbücher (Amazon-Partnerlink) hat sie geschrieben. 1987 erkochte sie ihren ersten Michelinstern, den sie seit über 20 Jahren hält. 1989 bekommt Léa Linster als erste und einzige Frau der Welt den Bocuse d’Or verliehen – die höchste Auszeichnung für Köche schlechthin.

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Léa Linster ist aus vielen TV Shows bekannt. Inzwischen hat sie viele Kochbücher veröffentlicht

Die Biographie macht mich ein bisschen ehrfürchtig, als ich mich zum Termin mit ihr aufmache, den Luxembourg Tourismus für mich netterweise arrangiert hat. Treffpunkt ist nicht ihr Sternerestaurant Léa Linster sondern ihr Bistro in Pavillon Madeleine in Kayl südlich von Luxemburg Stadt. Bei der Anfahrt versagt der Dienst meines Navis. Lässt es mich mitten auf einer Nebenstraße anhalten und „Ziel erreicht“ verlauten. Zum Glück hatte ich etwas Zeitpuffer eingeplant. Es hat etwas gedauert, bis ich begriff, dass es ab hier zu Fuß weitergeht. Ein kleines Schild vor einem Park weist mir den Weg. Spaziergänger kommen mir entgegen. Langsam schlendere ich durch den Park und passiere einige Kunstgegenstände und einen Abenteuerspielplatz. Das Fleckchen Erde hat den Anschein, als ob die Hektik der Stadt ausgeschlossen wurde. Selbst ein Fluß durchkreuzt idyllisch den Park und gibt der sommerlichen Mittagszeit ein besonderes Flair.

Aber wo war das Bistro? Weiter hinten entdecke ich einen rostigen Metallquader, welcher sich kontrastreich von dem grünen Umfeld abhebt. Eine Parkgastronomie hatte ich nicht erwartet, interessant ist der Bau allemal. Die Konstruktion aus verwittertem Stahl soll den Erzabbau des Kayltals symbolisieren. Dieser hatte früher in der Region eine große Bedeutung.

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Kontrastreich zum grünen Umfeld im Park: Bistro Pavillon Madeleine

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Die Konstruktion aus verwittertem Stahl soll den Erzabbau des Kayltals symbolisieren

Das Pavillon hat Mittags von 12 bis 14 Uhr und abends wieder ab 19 Uhr geöffnet. Ich nehme einen Platz auf der Terrasse ein. Vom jungen Service erhalte ein einen gut schmeckenden Cappuccino und die Speisekarte. Leider versteht man mein deutsch oder englisch nicht. Bei französisch muss ich leider passen – nicht so meine Google-Sprachapp, die ich seit meinem letzten Frankreichurlaub als treuen Begleiter in Sprachangelegenheiten nutze. So hangele ich mich durch das heutige Speiseangebot und bestelle als Vorspeise Burrata mit Tomaten und als Hauptgericht gebratenen Kabeljau mit Hummersauce.
Der Gastraum und die Terrasse füllen sich am Samstag Mittag zügig. Das Ambiente mit offener Showküche, schwarzen Tischen und kontrastreicher Deko ist modern.

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Modernes Ambiente mit Showküche

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Léa Linster strahlt auch von den Wänden – auch wenn sie leider nicht zu meiner Verabredung gekommen ist

Mit dem köstlichem Gruß aus der Küche erreicht mich leider auch die Nachricht, dass Léa Linster heute doch nicht im Bistro ist – schade, ich hätte sie gern persönlich kennengelernt und interviewt. Dafür haben heute die Köche Paolo Angelo und Velasco Nadir das Küchenzepter in der Hand. Das Bistro ist keine Sterneküche wie das Restaurant in Frisange, das merkt man, auch wenn es sehr lecker schmeckt.

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Mich kann man auch mit einfachen Dingen glücklich machen: Selbst gebackenes, warmes Brot mit Salzbutter <3

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Bestellt hatte ich laut meiner Übersetzungapp Mozzarella – aber es schmeckte mehr nach Burrata mit Tomaten ;-)

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Hauptgericht gebratenen Kabeljau mit Hummersauce

Es sind Kleinigkeiten, die manchmal den Gesamteindruck prägen: Das lauwarme Brot mit gesalzener Butter schmeckte wunderbar. Die Suppe als Gruß aus der Küche war mit ihrer Gewürzvielfalt eine kulinarische Explosion für den Gaumen und schmeckte eindeutig „nach mehr“. Dagegen war das Plating der Speisen normal. Vorspeise und Hauptgang schmeckten sehr gut, dennoch nicht außergewöhnlich. Vielleicht war meine Erwartung an das Bistro zu hoch, nur weil es Léa Linster gehört? Nicht falsch verstehen: Das Essen war vorzüglich – allerdings „keine außergewöhnliche Sterne-Küche“.
Der Service brachte mir in schneller Abfolge die Gerichte. Ich schiele auf die Uhr, befürchte kurz vor Schließung der Mittagszeit zu sein, was aber nicht der Fall war. So bestelle ich mir – quasi als Nachtisch – zum Abschluss einen Kaffee und die viel gelobten Madeleines von Léa. Was wäre ein Luxemburgbesuch ohne sie?

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Kein Besuch in Luxemburg ohne die köstlichen Léa Linster Madeleines

Les Ecuries du Parc – Rustikal mit historischem Ambiente und Ausblick (Clervaux)

Das Les Ecuries du Parc liegt in den Ardennen. Pärdsställ wird es seit vielen Jahrhunderten auch genannt, denn hier hatte der Graf von Clervaux seine ehemaligen Pferdeställe untergebracht. Auf leichter Anhöhe mit Traumblick auf das Örtchen Clervaux nehme ich Platz auf der Terrasse. Seit fast 40 Jahren betreibt die Familie Wilmes in den historischen Gemäuern ihr Restaurant. Das Essen ist traditionell und regional ausgerichtet – wie das Ambiente des Hauses eher rustikal. Während sich im urigen Gastraum historische Fundstücke und Möbel aneinanderreihen, ist das Ambiente auf der Terrasse mit dem Ausblick auf Schloss und Kirche nicht weniger feudal.

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Ausblick auf Clervaux historische Bauten

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Vom Restaurant Les Ecuries du Parc hat man einen phantastischen Ausblick auf das Schloss von Clervaux

Ich komme leider für ein Mittagessen ein paar Minuten zu spät. Die Küche hat schon geschlossen. Pizza kann aber rund um die Uhr bestellt werden, erfahre ich vom freundlichen Service. Ich lasse mich beraten und entscheide mich für eine Variante mit köstlichem Schinken aus den Ardennen. Ein Ei als Topping auf einer Pizza war mir neu, schmeckt aber zünftig lecker. Als Nachtisch wähle ich Crème Brûlée – einer meiner Lieblingsnachtische. Vielleicht nicht ganz stilecht zur Pizza, war aber reinste Gaumenfreude.

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Pizza mit Ei und Schinken aus den Ardennen

Ob die Küche so verheißungsvoll ist, wie es sich in der Karte liest, muss ich ein anderes mal ausprobieren. Was sich aber auf jeden Fall lohnt und das Restaurant besonders im Sommer außergewöhnlich macht ist der phantastische Ausblick. Ich hätte dort noch Stunden sitzen können.

Kulinarische Schätze gibt es noch zahlreiche in Luxemburg. Diese drei haben mir auf meiner letzten Luxemburgreise besonders gut gefallen – durch die gute Küche, das Ambiente oder eine Mischung aus beidem. Habt Ihr noch weitere Tipps? Dann bitte her damit in den Kommentaren für meine nächste Erkundungstour im Großherzogtum.

Offenlegung: Meine Reise wurde unterstützt von Luxembourg for Tourism. Lieben Dank dafür! Meine Meinung bleibt wie immer die eigene.

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