Kaap Skil auf Texel: Sensationsfunde vom Meeresgrund

Im Museum Kaap Skil entdeckt man einzigartige Schätze aus der Nordsee. Wusstet Ihr, dass Texel seit hunderten von Jahren der Hotspot der Schifffahrt war? In der Reede vor Texel lagen täglich mehr als 50 Schiffe vor Anker. Das Meer und das Seemannstreiben prägten die Insel. Im Seefahrtsmuseum Kaap Skil gibt es viel zu entdecken!

Von außen sticht das holzverkleidete Haus beim Hafen in Oudeschild hervor. Dass allerdings hier wunderbare Schätze verborgen sind und sich auf dem Museumsgelände ein tolles Freichlichtmuseum zur Inselgeschichte befindet, hätte ich nicht erwartet. „Texel in den Weltmeeren“ lautet der Slogan des Museums – und das ist bei allem Ausstellungsstücken Programm.

Ein Besuch im Kaap Skil Museum ist anders – und sollte man sich als Texelbesucher nicht entgehen lassen! Fotocredits: Museum Kaap Skil

Sensationsfund und Ausstellungshighlight: 400 Jahre altes Hochzeitskleid vom Meeresgrund

Es ist eine Sensation! 2014 entdeckten Taucher vor Texel Hunderte von Textilien aus dem 17. Jahrhundert. Kleidungsstücke aus dieser Zeit sind selten und kaum in Museen anzutreffen. Oft existieren heute nur Fragmente der Kleidung. Vor Texel wurden unter Sand im Meeresboden noch vollständig erhaltene Kleider gefunden. Forscher und Experten sind sich einig: Das ist einmalig und phänomenal! Diesen spektakulären Fund und Meer gibt es jetzt im Kaap Skil zu entdecken – eine grandiose Ausstellungswelt der Seefahrt, der Handelsgeschichte Europas und Heimatgeschichte erwartet Euch.

Sensationsfund: Das 400 Jahre alte Hochzeitskleid vom Meeresgrund, Fotocredits: Provincie Noord Holland Kees Zwaan

Warum Texel ein Hotspot der Schifffahrt in Europa war

Stufen leiten mich in den Keller des Museums. Es ist dunkel. Auf der Wand vor mir liegen Schiffe vor Anker. Möwen kreischen, ich höre geschäftiges Hafentreiben alter Zeiten. Meeresrauschen dringt an mein Ohr. Eine Zeitreise beginnt. Die Reede von Texel ist im Kaap Skil Museum interaktiv ausgestellt und erweckt Seefahrthistorie zum Leben. Das Exponat ist mit 18 x 4 Metern das größte maritime Modell der Welt.
Handelsschiffe, Kriegsflotten, Walfänger – sie alle lagen auf der Reede von Texel vor Anker. Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert war Texel der „Highway der Seefahrt“. Oft lagen 50 bis 60 Schiffe gleichzeitig vor Texel vor Anker. Die Reede von Texel war Jahrhundertelang ein unverzichtbarer logistischer Knotenpunkt für die niederländische Schifffahrt. Im Windschatten der Insel gingen die Schiffe vor Anker, wurden Be- und Entladen, warteten auf guten Wind zur Weiterfahrt. Aber der Hotspot war trotz Schutz der Insel nicht immer ruhig und kein sicherer Hafen. Die raue See ereilte die Schiffe und Matrosen bei Stürmen und Gewittern. Ab und zu sank ein Schiff. Bis heute liegen daher Dutzende Schiffswracks auf dem Meeresgrund vor Texel. Ein Eldorado für Forscher, Taucher und für Museumsliebhaber wie mich: Im Kaap Skil erfährt man viel über die Abenteuer der Seefahrer, taucht in vergangene Welten ein und wird Entdecker, wie beim neuesten Fund und Ausstellungshightlight: Das Palmholzwrack.

Blick von der Reede auf das Dorf Oudeschild. Das ist das größte, maritime Modell der Welt, #KaapSkil, Fotocredits: Annette Barhorst

Beeindruckende Ausstellung und aktuelles Highlight des Kaap Skils Museums: Palmholzwrack

Palmholzwrack: Wenn ein Wrack zum Juwel wird

Im dunklen Keller leiten mich Lichtspiele durch die Ausstellung. Ich verlasse die Reede von Texel und tauche in das neuste Ausstellungshighlight ein. Noch kann ich die ersten Ausstellungsstücke hinter Glas und unter sauerstofffreien Vitrinen nicht deuten. Da flüstert mir unsere Ausstellungsführerin Anouk zu, dass weiter hinten einer der Taucher zufällig im Museum ist und einem Besucher ein Ausstellungsstück erläutert. Ich komme näher, verstehe nur bruchstückhaft die Mischung aus englisch und niederländisch, aber ich sehe das Leuchten und den Stolz in seinen Augen, als er gestikulierend von seinem Fund und Unterwassererlebnis berichtet. Er und weitere Forscher entdeckten einen unglaublichen Reichtum in einem Schiff. Sie nannten das Wrack Palmholzwrack, nach den vielen Stämmen aus Palmholz (Buchsbaum), die sie ebenfalls darin fanden. Das Schiff, das voll mit exklusiven, einzigartigen und luxuriösen Waren beladen war, soll um 1650 auf der Reede von Texel Schiffbruch erlitten haben.
Ich wandle durch die fast mystisch gestaltete Ausstellung als Unterwasserwelt und bin beeindruckt. Die Schätze des gesunkenen Handelsschiffs sind fantastisch dargestellt, Erläuterungen (auch in deutscher Sprache) nehmen den Besucher mit in eine andere Welt. Spannend ist, dass auch nicht alle Funde geklärt sind. Experten rätseln noch heute über so manche Herkunft der Fundstücke und wem das Schiff gehörte. Es gleicht einem Wunder, dass die Fundstücke trotz salzigem Meerwasser über Jahrhunderte so gut erhalten geblieben sind. Unter Sand des Wattenmeeres wurden sie konserviert und können heute von uns bewundert werden. Es ist eine Reise ins Goldene Zeitalter mit vielen prunkvollen Schätzen. Speziell für die empfindlichen Textilien wurden luftdichte, mit Stickstoff gefüllte Vitrinen entworfen. So können die wertvollen Textilien sicher ausgestellt werden.

Das luxuriöse Seidenkleid aus dem Wrack in schillernden Farben, Fotocredits: Provincie Noord Holland Kees Zwaan

Das seidene Kleid und die „Must Haves“ der Frau von damals

Das seidene Kleid aus dem Palmholzwrack ist ein Kleid im königlichen Stil aus dem 17. Jahrhundert. Der Stoff aus Seidensatin mit einem eingewebten Blumenmotiv schimmert noch heute farbenfroh in der Vitrine. Während ich die Details beeindruckt studiere, frage ich mich, wer dieses Kleid zu welchen Anlässen getragen haben mag. Meine Fantasie wird im Kaap Skil beflügelt. Ich wechsle zu den anderen Ausstellungsstücken der luxuriösen Damenausstattung der Frau von Welt von damals und in meinem Kopf läuft ein Kinofilm mit flammenden Geschichten. Rund 50 Experten weltweit waren bisher an der Erforschung der Fundstücke beteiligt und noch lange sind nicht alle Geheimnisse gelüftet. Insbesondere die Frage, wem die Reichtümer an Bord gehörten, konnte bisher nicht geklärt werden. Die Kleider und weitere geborgene Gegenstände wie Seidenstrümpfe, ein hinreisend verführerisches Mieder in rot, ein Tischspiegel, eine seidenbezogene Bürste sowie ein Etui mit Kamm legen nahe, dass es sich dabei um eine Adelige oder eine reiche Kauffrau und ihre Familie handelt. Denn die beiden Kleider aus dem Palmholzwrack sind sich vom Stil her zwar sehr ähnlich, jedoch haben sie nicht die gleiche Größe. Wer da wohl zusammen auf Schiffsreise ging? Wo sind die männlichen Kleidungsstücke geblieben? Nicht alle Antworten finde ich auf meine Fragen, dafür stehe ich aber bereits vor dem nächsten Ausstellungswunder: Das seidige Hochzeitskleid.

Mystische Meeresgrund-Atmosphäre bei der „Haute Couture“ vom Meeresgrund im Kaap Skil, Fotocredits: Museum Kaap Skil

Alte Schmuckdosen, Spiegel und Meer waren auf dem Meeresgrund des Wattenmeeres verborgen

Im Goldenen Zeitalter wurde Reichtum gern demonstriert – wie auch mit solchen Krügen aus dem Palmholzwrack

 

Das Hochzeitskleid in der Ausstellung unter eigens entwickelten sauerstofffreie Vitrinen, damit Besucher diese Pracht bewundern können und der seltene Fund erhalten bleibt.
Fotocredits: Museum Kaap Skil

Seidiges Hochzeitskleid mit silbernen Liebesknoten

Da wird jede Frau schwach! Das Hochzeitskleid mit silberbestickter Seide war auch für die Forscher eine große Überraschung. Denn im Gegensatz zum ersten Kleid besteht es aus mehreren losen Einzelteilen. Erst im Laufe der Untersuchungen stellte man daher fest, dass sich in der Garderobe noch ein zweites Kleid befand. Es besteht ebenfalls aus Seide und ist über die gesamte Oberfläche mit kleinen Silberplättchen verziert, die in einem sich wiederholenden Muster aus ineinander verschlungenen Herzen in die Seide eingewebt sind. Sie sehen aus wie kleine, silberne Liebesknoten. Was für ein wunderschönes Kleid dieses „silver dress“ für die Frau gewesen sein muss. Ich hoffe, sie hat den Untergang des sinkenden Schiffes überlebt und konnte ihre Traumhochzeit erleben. Laut Historikern muss dieses Gewand eines der außergewöhnlichsten Kleider gewesen sein, die eine Dame aus der höchsten Gesellschaftsschicht Westeuropas im Laufe ihres Lebens tragen konnte. Das Kleid war für außergewöhnliche Anlässe wie Verlobungsfeiern, Krönungen und Hochzeiten geeignet. Aber welche unermesslich reiche Dame in diesem exklusiven Kleid ihrem Mann ewige Treue versprach oder versprechen wollte, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben…

Für eine Kaffeepause lädt das Museum innen oder auf der Terrasse ein.

Hinter dem Museum Kaap Skil liegt ein Freilichtmuseum mit alten Fischerhäusern.

Malerische Fischerhäuschen im Freilichtmuseum

Neben diesen einmaligen Eindrücken der Funde aus der Unterwasserwelt der Nordsee vor Texel gibt es noch mehr zu entdecken. Hinter dem Museumshaus eröffnet sich eine große Fläche mit einem Freilichtmuseum und gibt Einblicke in die Welt der Fischer von damals. Bei schönem Wetter lohnt auch eine Einkehr auf der Terrasse des Museumscafés mitten in der historischen, pittoresken Umgebung. Kaap Skils Freilichtmuseum vermittelt das Inselleben vor einem Jahrhundert. Mit authentisch eingerichteten Häusern, einer Windmühle, einer Jutterei und einer Schmiede spürt man ganz nah Texels Heimatgeschichte und stolpert in eine Zeitreise.
Die malerischen, kleinen Fischerhäuschen stehen offen, als ob sie nur auf meinem Besuch gewartet haben. Ich trete ein und bleibe überrascht stehen. War die offene Türe doch keine Einladung? Lautes Schnarchen aus der Küchenkammer von hinten schallt mir entgegen. Vorsichtig laufe ich auf dem knarrenden Dielenboden weiter. Das Kaap Skil Museum kann (Lebens-)Geschichte in Szene setzen! In der Koje der Küchenkammer schläft unüberhörbar der Fischer den Schlaf der Gerechten, während wohl seine Frau alles auf dem Herd hat stehen lassen und kurz vor der Türe ist, um Holz für das Feuer zu holen. Ich mag solche Geschichten mit Atmosphäre, die mich auf besondere Weise in alte Zeiten und Welten mitnehmen. So zieht sich mein Besuch durch das ganze Dorf fort. Im nächsten Haus klingt mir ein Radio aus der Stube entgegen, Zeitungen liegen ausgebreitet auf dem urtümlichen Wohnzimmertisch. Alles eng und klein, so hatte man damals mit der ganzen Familie auf wenigen Quadratmetern zusammen gelebt.

Küche mit Schlafkoje (Bett hinter der blauen Holzwand) – warm und alles dicht nebeneinander

Gemütliche Stube im alten Fischerhaus von vor 100 Jahren im Kaap Skil

Auch alte Werkstätten können im hinteren Areal des Museums besichtigt werden.

Juttern – Strandräubern – hat auch auf Texel Tradition!

Nach einem tollen Museumsbesuch lohnt als krönender Abschluss eine Krabbenkutterfahrt. Nordseeluft schnuppern und über die Nordsee schippern… – jetzt wo man weiß, welche besonderen, unentdeckten Schätze noch auf dem Meeresgrund schlummern und sich vorstellen kann, wie die Reede vor vielen Jahren hier der Drehpunkt der Schifffahrt gewesen ist. Wenige Meter neben dem Museum starten Kutter mit einem besonderen Erlebnis in die Nordsee.

Über Texel

Nicht nur das Kaap Skil Museum reizt für einen Urlaub auf Texel. Die westfriesische Nordseeinsel Texel gehört zu den beliebtesten Tourismuszielen der nördlichen Niederlande. Rund 4 km vor der Küste der Provinz Nordholland gelegen, ist die Insel über den Hafen Den Helder in nur 20 Minuten per Fähre erreichbar. Unter dem Motto „ganz Holland auf einer Insel“ wartet Texel mit einem überraschend vielfältigen Landschaftsbild auf: lange Sandstrände, Dünen, Heide- und Waldlandschaften, weiträumige Poldergebiete, Deiche sowie das Eiszeitrelikt „Hoge Berg“. Neben ihrer reichhaltigen Natur bietet die Insel auch in punkto Sport und Kultur ein abwechslungsreiches Angebot wie z.B. kilometerlange Rad- und Wanderwege, einen Flugplatz mit Fallschirmsprungschule, ein Walfängerhaus und ein Strandräubermuseum sowie das ‚Ecomare’, Naturmuseum und Seehundeauffangstation. Des Weiteren ist Texel Austragungsort zahlreicher Events wie das Katamaranrennen „Runde um Texel“ oder das Schlemmerfestival „Texel Culinair“.
Mehr zu Texel in meinem Blog liest Du in der Texel-Kategorie.

Texel – Ganz Holland im Hosentaschenformat!

Offenlegung: Meine Recherchereise wurde vom VVV Texel unterstützt – ganz herzlichen Dank dafür! Der Inhalt dieses Artikels ist natürlich von der Einladung unbeeinflusst und spiegelt meine eigene Meinung wider. Für den Beitrag erhielt ich kein Honorar.

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3 Kommentare

  1. Liebe Tanja,
    Ich war vor vielen Jahren einmal für ein paar Tage auf Texel und die Insel hat mir damals sehr gefallen. Aber so ein tolles Museum gab es damals, soweit ich mich erinnere, nicht, was ich sehr bedauere, denn ich hätte es mir gerne angesehen. Wow, die tollen alten Kleider hätte ich mir auch gerne angeschaut. Und ja, mir war damals überhaupt nicht klar, wie wichtig Texel für die Schifffahrt im goldenen Zeitalter war. Wir erwägen ja seit längerem mal eine Reise nach Amsterdam. Von dort dürfte es doch eigentlich leicht und schnell möglich sein, nach Texel zu kommen. Meinst Du dass das Museum auch für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren spannend sein könnte?
    Herzliche Grüße,
    Jens

    • Lieber Jens, unbedingt dann noch mal mit Kindern kommen. Texel hat mich begeistert. Die Ausstellung im Kaap Skil ist fantastisch. Die alten Kleider und Wrackfunde sind gerade ganz frisch erst seit wenigen Tagen im Museum. Das Areal des Freilichtmuseums ist auf jeden Fall etwas für Kinder. Und auch noch viel mehr: Tolle Strandräubermuseen, Workshops und es gibt auch bei De Waddel eine Rucksackwanderung (ab 3 KM) mit Leckereien vom Bauernhof und Schnitzeljagd für Kinder. Schau mal beim VVV Texel, da gibt es noch mehr Tipps.

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