Moin Ostfriesland! Wunderschöne Ecken für kleine Spaziergänge

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Kennt Ihr das? Ihr steht mitten in der Natur. Still. Haltet den Atem an und genießt den Moment, den Augenblick. Eine kleine Bewegung und dieser ganz besondere Moment würde verschwinden. Daher verharrt Ihr andächtig. So ist es mir oft bei meinem letzten Urlaub in Ostfriesland ergangen. Zwischen Natur, Stadt und Land gab es ganz besondere Ecken, die mich auf meinen kleinen Spaziergängen beeindruckt haben und wunderbar waren, um die Seele baumeln zu lassen.

Lange Wanderungen sind mir ein Graus. Natur mag ich trotzdem und genieße kleine Spaziergänge durch fremde Landschaften und Orte. Mit der Kamera versuche ich Momente einzufangen, die die Schönheit und Atmosphäre widerspiegeln. Diese sechs Ecken fand ich in Nordwesten Ostfrieslands besonders schön:

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Seeluft in Neßmersiel schnuppern

Der Wind tobt und peitscht über das flache Land im kalten Februar. Es ist Ebbe und das Wasser spült Richtung Land. Ich laufe am Strand entlang. Bei meinem letzten Besuch zierten bunte Strandkörbe den Sand und das Thermometer kletterte auf über 30 Grad. Heute ziehe ich die Jacke enger um mich. Die wiederkommende Flut lässt Wellen an den Strand schwappen. Ich mag die See auch bei nicht so schönem Wetter.

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Auf dem Weg zum Hafen laufe ich zum äußersten Ende, dem Auslaufpunkt der Schiffe nach Baltrum. Rechts von mir liegen die Salzwiesen, vor mir das Wattenmeer. Die Luft schmeckt salzig und pustet zeitgleich die Seele frei. Es ist zwar kalt, aber ich genieße diese stürmische Luft. Mit Blick auf Baltrum sehe ich die Fahrrinne für Schiffe. Die autofreie Insel liegt wie im Dornröschenschlaf vor mir und lässt sich mit bloßem Auge erkennen. Wer gut zu Fuß ist, kann bei Ebbe auch einen Spaziergang durch das Wattenmeer nach Baltrum unternehmen. Im Sommer ist das ein beliebter Spazierweg.

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Heute ist es menschenleer und ich genieße den Ausblick. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie lange. Ich kann stundenlang auf das Meer schauen, das beruhigt mich innerlich und ich vergesse die Zeit. Nur die Kälte zwingt mich, das Meer zu verlassen. Im Hafen von Neßmersiel gibt es bei der Hafenmeisterei oben ein Restaurant (leider finde ich den Namen online nicht). Von dort aus hat man auf der Terrasse oder innen einen tollen Blick aufs Meer. Der Ostfriesentee schmeckt hier prima. Leider hatten bei meinem Besuch mehrere den Gedanken und ich muss leider unverrichteter Dinge wieder die warme Stube verlassen. Für Euren Besuch aber auf jeden Fall ein Tipp für einen leckeren Tee und zünftiges Essen mit Meerblick.

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Seehunde beobachten

Auf der Suche nach einem Plätzchen zum Aufwärmen fahre ich weiter Richtung Norddeich. Noch beseelt von der Einöde am Meer bin ich überrascht, wie voll der Ort ist. Das liegt sicherlich an weiteren Karnevalsflüchtigen aus dem Rheinland. Ich streife durch die Straßen und entdecke ein Werbeschild zur Seehundstation. Ganz klar ein Touri-Ausflugsziel. Aber mich packt die Lust, einmal Seehunde von ganz nahem zu beobachten.

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Kaum betrete ich das Nationalparkhaus, schlägt mir eine gewaltige Geräuschkulisse entgegen und reichlich feuchte Luft. Die Fütterung hatte gerade stattgefunden und die Seehundstation ist bei diesem Wetter stark frequentiert. Nicht ganz mein Fall, aber wenn ich schon einmal da bin, möchte ich nun auch die Seehunde sehen.

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Das Haus ist klein. Zwischen den Exponaten und Erklärstationen spielen Kinder fangen, Papas zücken Fotoapparate und Mütter schieben ihren Kinderwagen. Ein bisschen wünsche ich mir, bei den Seehunden zu sein. Hinter den dicken Glasscheiben wird sicherlich die Geräuschkulisse gedämpft.
Die Scheiben sind durch die vielen Menschen beschlagen und gute Fotos lassen sich dadurch nicht wirklich schießen. Fast zweifle ich daran, ob dieser Ort für mich eine schöne Ecke für einen kleinen Bummel in Ostfriesland ist, als ich zum Unterwasserbecken gelange. Mit großen Kulleraugen schaut er mich an. Vielleicht fragt sich das Seehundbaby auch gerade, wer hier wohl wen beobachtet. Fasziniert versuche ich doch einige Fotos durch die beschlagenen Scheiben zu schießen. Und es scheint, sie haben gefallen daran, so wie sie vor meiner Kamera posieren.

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Andere Seehunde balgen sich spielerisch, drehen sich elfengleich im Wasser. Ich vergesse die Besucher um mich herum. Trete ganz nah an die Scheiben und lasse mich von den Seehunden in den Bann ziehen. Kein Ort für Ruhesuchende und eindeutig touristisch – schön war es dennoch.

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Lange Kanäle soweit das Auge reicht

Als ich das erste Mal Fehnroute gehört habe, hatte ich Feenroute verstanden und mich schon gefragt, was das für ein besonderer märchenhafter Roadtrip wohl sein möge. Die Fehnroute hat ihren Namen von dem niederländischem Wort Fehn, was Moor bedeutet. Ortschaften, die mit dem Zusatz „fehn“ endeten, wurden Mitte des 17. Jahrhunderts dem Moor abgewonnen und bewohnbar gemacht. Auf der Fehnroute gibt es viele Kanäle für Schiffe und zahlreiche Seitenkanäle, klein und idyllisch.

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Entlang des Weges gibt es inmitten schöner Landschaft viele Schleusen, Klappbrücken, Mühlen und gotische Kirchen. Ich bin ein Stück der Route mit dem Auto gefahren und gelaufen. Oft reisen Urlauber mit dem Fahrrad über diese Wege. Die Route ist ein Rundweg. Als ich durch die endlos erscheinenden Felder streife, neigt sich der Tag dem Ende entgegen. Viele Brücken queren meinen Weg. Die kleinen Kanäle erscheinen mir endlos. So weit das Auge reicht, bahnen sie sich geradeaus ihren Weg. Auch hier umgibt sie mich wieder: Die Ruhe. Gern verweile ich an einer der Brücken und lasse meinen Blick über die Landschaft schweifen – einfach herrlich!

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Im kleinem Örtchen Ihlowerfehn lohnt sich ein Stopp für einen Kaffeeklatsch und Teestunde im Grootschem Huus – einem alten Fehnhaus mit Museum inkl.

Übrigens kann man sich in Ihlowerfehn im Grootschem Huus, einem Fehnhaus, perfekt bei Ostfriesentee und hausgemachtem Kuchen aufwärmen und dabei direkt im Museum ostfriesischer Handwerkskunst genießen, während im Kamin das Feuer lodert.

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Kirchensightseeing: Der schiefste Turm der Welt

Während ich durch Ostfriesland cruise, entdecke ich in jedem Dörfchen Kirchen und alle haben auf ihre Art etwas Besonderes. Bin ich persönlich weniger eine Kirchgängerin, so reizt mich auf Reisen dennoch die Architektur und die Geschichte der Sakralbauten. In Ostfriesland entdecke ich unterschiedliche Architekturstile: Von hölzernen Gotteshäusern aus dem 10. Jahrhundert über Kirchen im romanischen oder gotischem Stil bis hin zu Bauten aus dem Barock.
Die mit Abstand interessanteste Kirche entdecke ich in Suurhusen. Dieser schiefe Turm hat es sogar ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft. Von wegen, der schiefste Turm der Welt steht in Pisa. Weit gefehlt! Mit mehr als fünf Grad Neigung steht der weltschiefste Turm in Suurhusen.

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Vom Nahen gar nicht so schief durch die geringere Höhe zum Turm in Pisa

Ohne Weitwinkel im Gepäck wirkt der Turm auf mich beim Betreten des Kirchengeländes gar nicht so schief wie ich erwartet hatte. Erst beim Umrunden des Areals und anderen Blickwinkeln wird das Ausmaß des kleinen Turms deutlich. Erstaunlich, dass der Turm noch hält.

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Ostfrieslandidylle im Warfendorf Rysum

Rund 10 km über Emden liegt das Warfendorf Rysum. Warf bedeutet, dass künstlich Erde für ein Siedlungshügel vor Schutz bei Sturmfluten errichtet wurde. Von dem Hügel merke ich nicht viel, als ich mein Auto vor dem historischem Runddorf abstelle und Richtung Dorf laufe. Eine Katze quert gemütlich meinen Weg und auch sonst wirkt das Dorf sehr verschlafen auf mich. Rysum hat Bilderbuchflair. Die Straßen sind klein und wunderschöne Backsteinhäuser mit niedlichen Vorgärten zieren das Runddorf.

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Rysum ist ein klassisches Runddorf mit einem Durchmesser von 400 Metern. Auf der höchsten Stelle der Warf thront eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Sie beherbergt einer der ältesten bespielbaren Orgeln Nordeuropas (1457). Viel ist hier nicht los und genau das ist der Charme des Dorfes. An der schönen restaurierten Mühle aus dem Jahr 1895 laufe ich vorbei und drehe noch eine kleine Runde um Rysum durch schöne Landschaften. Wer eine größere Runde für einen Spaziergang mag, findet einzigartige Biotope zum Nordseedeich. Greetsiel ist 17 km entfernt.

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Ich mache mich auf nach Greetsiel. Auf dem Weg dorthin fahre ich am Pilsumer Leuchtturm vorbei. Der kleinste Leuchtturm Deutschlands misst gerade mal 11 Meter und ist malerisch rot-gelb gekringelt. Da der Sturm heute heftig über das Land peitscht und ich bei meinem letzten Ostfrieslandurlaub den Kleinen schon besucht habe, betrachte ich ihn heute nur aus der Ferne.

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Suchbild: Wer findet den Pilsumer Leuchtturm?

Greetsiel: Fischerdorfcharme aus dem 17. und 18. Jahrhundert

Gerade mal 1500 Einwohner hat Greetsiel und ist eines der meist besuchten Orte in Krummhörn. Das alte Fischerdorf ist ein Anziehungsmagnet für Touristen, doch auch bei meinem zweiten Besuch in Greetsiel merke ich davon nichts.

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Zwei Mühlen thronen am Ortseingang. Die Zwillingsmühlen sind das Wahrzeichen von Greetsiel. Mehrere Mühlen waren damals übrigens nötig, um die vorgelagerten Inseln mit zu versorgen. Bevor es weiter zu einem Bummel in die autofreie Stadt geht, kehre ich für eine leckere Teezeit in die erste Mühle ein. Gut gestärkt trotze ich dem Regen und Sturm, der durch die schmalen Gassen pfeift.

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Wunderschöne alte Häuser ranken sich aneinander und umschließen den urigen Hafen. Greetsiel ist dafür bekannt, dass hier noch wirklich die Krabbenkutter ein- und ausfahren. Vor 650 Jahren ist der historische Hafen eingedeicht und somit tideunabhängig geworden. Nur in Greetsiel – nirgends sonst – sind noch über 20 Krabbenkutter beheimatet.

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Leider endet mit einem Tee im Poppingas mein Kurzurlaub und meine Karnevalsflucht in Ostfriesland. Wehmütig steuere ich die Heimreise an. Vom mittleren Niederrhein sind es nur rund 250 km und ich muss unbedingt bald wieder eine Auszeit im schönem Ostfriesland planen. Hier gibt es noch viel mehr Schönes zu entdecken…

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16 Kommentare

  1. Ein toller Bericht nebst schönen Aufnahmen von einer wirklich tollen Gegend. Wir sind da immer wieder gerne und am liebsten in Neßmersiel am Hafen und warten auf die Fähre nach Baltrum….
    Erwähnenswert ist noch das Dorf Pilsum, da gibt es auch viel zu entdecken und der Pilsumer Leuchtturm ist einfach ein „muss“ bei jedem Besuch.
    Schöne Grüße
    Dirk

    PS: Das Restaurant im Hafen von Neßmersiel heißt übrigens „Hafenrestaurant Neßmersiel“ ;-)

    • Danke Dir Dirk. Das Dorf Pilsum kenne ich noch nicht. Werde ich mal nachholen.
      Und: Das Gute liegt so nah. Danke für den Namen des Restaurants ;-)

  2. Wat schööööön,

    herrliche Fotos, vor allem die Seehunde sind sooooo herrlich abgebildet, aber auch der Hafen mit dem Regenbogen.
    Traumhaft!

    Sollte ich irgendwo als Plan speichern ;-)

    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag
    Elke

  3. Margot Spahl

    E i n f a c h n u r SCHÖN !
    Danke für den wunderbaren Bericht.
    Liebe Grüße (noch) vom Rhein,
    Margot

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